
Gelehrsamkeit und Geschlecht
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Weshalb durften Frauen an deutschen Universitäten im internationalen Vergleich erst spät studieren? Wieso entbrannte in Deutschland um das Thema ein Streit, der ein halbes Jahrhundert andauerte? Und wie wurde eine Einigung erzielt? Mit Antworten auf diese Fragen fügt Andreas Neumann der Geschichte des Frauenstudiums ein wichtiges Kapitel hinzu. Seine wissenssoziologische Diskursanalyse steht auf breiter Quellenbasis und entschlüsselt Machtpotenziale beteiligter Interessengruppen sowie verhandelte Wissensbestände. Der Mixed-Methods-Zugang verbindet die qualitative Analyse von Deutungen und Narrativen mit der quantitativen Analyse von sozialen Strukturen. Dieser Ansatz geht über deskriptive Darstellungen hinaus, weil er Erklärungen liefert: Deutlich wird, wie sich die Männeruniversität dynamisch stabilisierte. Bei der Zulassung von Frauen zum Studium handelte es sich deshalb um keine reine Fortschrittsgeschichte. Es gelang der bürgerlichen Frauenbewegung zwar, die Bildungspolitik über die Öffentlichkeit zu beeinflussen - hier zeigt sich das deutsche Kaiserreich von seiner fortschrittlichen Seite. Grenzen dieser Modernität liegen jedoch in der Voreingenommenheit gegenüber "der akademischen Frau", die schon die "gläserne Decke" für Akademikerinnen im Wissenschaftsbetrieb erkennen lässt.
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Content
- Intro
- Inhalt
- I. Einleitung: Die Einschreibung der Ausnahmen
- 1. Historische Kontextualisierung: Die Ausnahme als Produkt der Übergangszeit
- 2. Problematisierung und Erkenntnisinteresse: Ausnahmen als Ausnahme erkennen
- 3. Forschungsüberblick
- 4. Fragestellung, Hypothesen, Inhaltsübersicht
- 5. Methodologie: Zur Theorie und Praxis wissenssoziologischer Diskursanalyse in der Geschichtswissenschaft
- II. Machtpotenziale: Soziale Charakteristiken des Diskursfeldes
- 1. Universitäten und Hochschullehrer
- 2. Frauenbewegung und Aktivistinnen
- 3. Akademische Berufsfelder und Freiberufler
- 4. Fazit: Die Konstruktion bildungsbürgerlicher Phänomenstrukturen
- III. Wissensbestände: Die Vermessung der akademischen Frauenbildungsfrage
- 1. Gesellschaft: Ordnung im sozialen Wandel - Wandel der sozialen Ordnung
- 2. Geschlechterordnung: Vom Sein und Sollen komplementärer Existenzen
- 3. Bildungswege: Gleiche Bildung für Männer und Frauen?
- 4. Grenzbereiche: Auf der Suche nach Alterität
- 5. Fazit: Deutungsmuster und Aktivierungspotenziale
- IV. Effekte des Macht-Wissen-Komplexes: Die Durchsetzung des Frauenstudiums
- 1. Institutionalisierungen: "Chi và piano và sano"
- 2. Diskurstransformationen: "Der Kampf tobt jetzt mächtiger als je"
- 3. Subjektkonstruktionen: Die Erfindung der akademischen Frau
- 4. Fazit: Zur dynamischen Stabilisierung von Universitätsstruktur und Geschlechterordnung
- V. Schlussbetrachtung: Vom Einschreiben der Ausnahmen und dem Bewahren der Männeruniversität
- 1. Schlüsselkategorien und globale Strategien des Diskursfeldes
- 2. Die Ausnahmen als Projektionsfläche brüchiger Bildungsideale
- 3. Ausblick: Lebenswege zwischen Anpassung und Devianz
- Danksagung
- Abkürzungsverzeichnis
- Quellenverzeichnis
- Ungedruckte Quellen
- Korpus der diskursanalytisch ausgewerteten Publikationen zum Frauenstudium
- Sonstige gedruckte Quellen
- Periodika
- Digitale Archive, Quelleneditionen und biografische Nachschlagewerke
- Literaturverzeichnis
- Personenverzeichnis
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