
Kommunales Führungspersonal im Umbruch
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Professor Dr. Karl Schmitt ist am Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig.
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Professor Dr. Karl Schmitt ist am Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig.
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Die empirischen Analysen dieser Studie beruhen im Kern auf zwei Datenquellen: erstens auf einer repräsentativen schriftlichen Befragung von kommunalen Mandatsträgern in ausgewählten Städten und Gemeinden Thüringens und zweitens auf einer Bevölkerungsumfrage in einem Teil derjenigen Kommunen, in denen auch das kommunale Führungspersonal befragt wurde.
3.1 Befragung kommunaler Mandatsträger
Das politische Führungspersonal zeichnet sich dadurch aus, dass es maßgeblich und regelmäßig an zentralen Entscheidungen mitwirkt, die die Gesellschaft als Ganze betreffen (Higley/Field/Grohölt 1976: 16, Higley/Deacon/Smart 1979: 3, Bürklin 1997: 16). Kommunales Führungspersonal ist demnach an bedeutenden, ihre Stadt oder Gemeinde betreffenden Entscheidungen beteiligt. In einer ersten Annäherung können zum kommunalen Führungspersonal Personen gerechnet werden, die über ein kommunales Amt oder Mandat verfügen. Damit wird dem Positionsansatz der Vorzug gegeben, demzufolge einer Person Macht und Einfluss aufgrund der von ihr bekleideten Position zuteil wird (Hoffmann-Lange 1992: 86-90, Felber 1986: 159-198, zu den verschiedenen Elitebegriffen in den Sozialwissenschaften vgl. Endruweit 1979).
Die Untersuchung konzentriert sich auf die "Delegationseliten", also auf Personen, die aufgrund von Wahlen in ihre Positionen gelangt sind. Die in zahlreichen anderen kommunalwissenschaftlichen Studien untersuchten "Ernennungseliten", also Inhaber von Leitungspositionen in der Verwaltung, bleiben hier ausgeblendet (zur Unterscheidung von Führungspersonen in Delegations- und Ernennungseliten vgl. Zapf 1965: 66-67).
Auf der Basis dieser Kriterien lassen sich für die lokale Ebene in Thüringen vier Gruppen von politischem Führungspersonal unterscheiden: (1) die Mitglieder der Stadt- bzw. Gemeinderäte, (2) die (Ober-)Bürgermeister, (3) die hauptamtlichen Beigeordneten und schließlich (4) die Vorsitzenden von Verwaltungsgemeinschaften. Um Aussagen über die Entwicklung der Kommunalpolitik in Thüringen treffen zu können, wurden nicht nur Personen befragt, die zum Zeitpunkt der Befragung (Anfang 2000, in Einzelfällen auch bis Ende 2000) ein kommunales Amt oder Mandat inne hatten, sondern darüber hinaus auch alle diejenigen, die seit dem 6. Mai 1990, also seit der ersten freien Kommunalwahl in der ehemaligen DDR, einmal eine solche Position bekleidet haben, und dies auch dann, wenn diese zwischenzeitlich wieder aus ihrer Position ausgeschieden sind.
Damit kann die Entwicklung des kommunalen Personals über drei Wahlperioden (1990-1994, 1994-1999/2000, 1999/2000-2004/2006) hinweg analysiert werden. Bei Personen, die im Laufe ihres kommunalpolitischen Wirkens mehrere der hier interessierenden Ämter und Mandate inne gehabt haben, wurde die Identifikation des kommunalen Führungspersonals über die jeweilige Letztposition vorgenommen. Eine Vollerhebung sämtlicher Ratsmitglieder, (Ober-)Bürgermeister und Beigeordnete in allen 1.053 Städten und Gemeinden Thüringens (Gebietsstand 30. Juni 1998) hätte den Rahmen der vorliegenden Studie gesprengt, deshalb wurde eine Stichprobe erforderlich, die einen repräsentativen Rückschluss auf die Thüringer Kommunen ermöglicht.
Da in Thüringen nach wie vor zahlreiche Städte und Gemeinden mit geringer Einwohnerzahl existieren und darüber hinaus die regionale Konzentration der Kommunen sehr unterschiedlich ausfällt, wurde die Grundgesamtheit der Kommunen vor der Stichprobenziehung in insgesamt sechs Gemeindegrößenklassen5 und die vier Planungsregionen6 eingeteilt (Tabelle 9). Im Anschluss wurde aus jeder Gemeindegrößenklasse eine vorher festgelegte Anzahl an Kommunen per Zufallsauswahl ausgewählt, wobei auf eine proportionale Repräsentation der Planungsregionen geachtet wurde. Die Festlegung, wie viele Kommunen pro Größenklasse für die Befragung der kommunalen Mandatsträger auszuwählen waren, erfolgte nach einem festen Schlüssel, der
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