
The Distance betweem us
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Elena MacKenzie schreibt romantische, lustige, erotische und traurige Liebesromane. Highland Secrets war ihr erster Roman unter diesem Pseudonym und eroberte sofort die Top 10 der Amazon-Charts. Seither hat sie weitere erfolgreiche Romane veröffentlicht. Ganz nach dem Motto: Sich in Büchern zu verlieren, heißt grenzenlos zu träumen. 2019 hat das Buch »Ein Rockstar zum Verlieben« (erschienen unter dem Pseudonym Paige Brown) den Wattpad Award Watty gewonnen.
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Content
1
Lea
Ich starre fassungslos auf Ian, der Trevor gerade mitten auf dem Schulhof die Nase gebrochen hat. Niemand, der gerade sieht, wie die beiden aufeinander einprügeln, würde jemals glauben, dass sie beste Freunde sind. Trevors Gesicht ist blutüberströmt, aus seiner Nase läuft ein roter Strom, der sein T-Shirt versaut. Trotzdem steht er unter den Anfeuerungsrufen der anderen Schüler wieder auf, stellt sich vor Ian auf und nimmt die Fäuste hoch.
»Los, schlag doch zu«, fordert er Ian heraus, der prompt einen Schlag gegen Trevors ohnehin schon ramponiertes Kinn platziert.
»Hör auf«, schreie ich ihn an, aber Ian reagiert gar nicht. Er scheint wie in einem Wahn, für alles taub und blind, das sich um ihn herum abspielt.
Trevor rappelt sich auf, hechtet auf Ian zu und reißt ihn mit sich zu Boden. Ich sehe in die Gesichter der Schüler um mich herum. Die einen jubeln, die anderen werfen mir wütende Blicke zu, denn dieser Kampf findet wegen mir statt. Und wenn die beiden ihn nicht sofort beenden, riskieren sie ihre Plätze im Footballteam. Das könnte für Ian das Ende seiner Träume bedeuten.
Ich beuge mich direkt über die beiden, Ian liegt unten, während er Trevors Kopf im Schwitzkasten hält, und grinst zu mir auf. »Hör auf, habe ich gesagt«, brülle ich ihn an.
Das reicht. Sofort lässt er Trevor los, rollt ihn von seinem Körper und springt auf. Seine Unterlippe blutet, seine rechte Augenbraue auch und seine Fingerknöchel sind offen. Aber er grinst. Und es ist dieses Grinsen, das mich explodieren lässt.
Ian ist mein bester Freund, seit meine Mutter als Haushälterin für seinen Vater arbeitet. Aber er hat sich in den letzten Monaten verändert. Er wird immer härter und aggressiver. Zu Anfang habe ich ihm noch verziehen. Habe es als Folge dessen abgetan, was seine Mutter ihm angetan hat. Aber heute habe ich erfahren, dass ich der Grund für all diese Schlägereien bin. Und als friedliebender Mensch möchte ich nicht der Grund für Blut und Gewalt sein. Und ich möchte auch nicht, dass Ian sich in mein Leben einmischt. Dass er hinter meinem Rücken jedem, der auch nur in meine Richtung schaut, verbietet, mit mir auszugehen oder auch nur noch ein zweites Mal hinzusehen.
»Wir müssen reden. Sofort«, sage ich zu ihm, packe seine Hand und zerre ihn hinter mir her hinter die Sporthalle.
Es fällt mir nicht leicht, zu ignorieren, dass er in den Pausen gern mit einem Mädchen nach hier hinten verschwindet, aber das flaue, eifersüchtige Gefühl, kämpfe ich einfach runter, indem ich mehrmals tief einatme. Ian hat keine Ahnung, wie ich für ihn empfinde. Für ihn bin ich nur seine beste Freundin. Das Mädchen, von dem er auch gern behauptet, dass es seine Schwester ist. Da wir seit fünf Jahren unter einem Dach leben und meine Mutter irgendwie auch zu seiner geworden ist, hat er damit wahrscheinlich nicht unrecht. Aber das 15-jährige Mädchen in mir hat ganz andere Gefühle für den 17-jährigen Jungen in ihm. Aber um unsere Freundschaft zu schützen, und weil ich es hasse, wie er mit Mädchen umspringt, mit denen er Sex hatte, schweige ich und tue so, als wären wir wirklich nur Freunde.
»Du musst aufhören, auf Leute einzuschlagen«, werfe ich ihm vor und schubse ihn grob. Er prallt gegen die Turnhallenwand und lacht, was mich nur noch wütender macht. »Du hast kein Recht dazu, jeden zu verprügeln, der mit mir ausgehen will.«
Er richtet sich auf, schiebt die Hände in seine Taschen und schüttelt eine dunkelblonde Ponysträhne aus seinem Gesicht. Wie ich es liebe, wenn er das macht und dazu noch grinst, wie ein Bad Boy! Dass schlimme an Ian Ward ist sein Aussehen, diese Mischung aus Hollywood-Star und böser Junge, die jedes Mädchen dazu bringt, den Boden unter seinen Füßen zu küssen. Leider auch mich, aber ich kann das besser vor ihm verstecken, deswegen glaubt er, dass ich immun gegen seinen Charme bin. Er versucht seinen Charme trotzdem immer wieder bei mir einzusetzen, wenn wir uns streiten oder er etwas von mir möchte, wie zum Beispiel bei Tekken zu gewinnen.
»Ich beschütze dich nur«, sagt er harsch.
»Das musst du nicht«, werfe ich ihm vor und will ihn noch einmal schubsen.
Er packt meine Hände, bevor sie seinen Brustkorb berühren können, dreht sich mit mir um und stößt mich gegen die Wand, gegen die ich ihn vorher gestoßen habe. »Das muss ich sehr wohl«, sagt er ruhig und stemmt die Hände neben meinem Kopf gegen die Wand.
Ich atme zitternd ein. Früher waren wir uns oft so nah, aber seit einer Weile fühlt sich das nicht mehr richtig an. Zumindest nicht für mich. Für ihn scheint alles wie immer zu sein. Er beschützt mich, weil er glaubt, dass er das noch immer tun muss. Dass ich noch immer das 10-jährige Mädchen bin, dass illegal in dieses Land eingewandert ist und das dank seines Vaters ein richtiges Leben hier hat. Auf eine Schule mit ihm gehen kann. Das Cheerleader ist und dank ihm an dieser Schule akzeptiert wird.
»Er hat dich blöd angemacht.«
»Das tust du ständig mit Mädchen«, entgegne ich und versuche, mein rasendes Herz zu beruhigen.
»Du gehst nicht mit ihm aus. Vergiss es«, sagt er schwer atmend vor Wut.
»Das hast du nicht zu bestimmen«, werfe ich ein und presse mich fest gegen die Wand, weil ich jeden Millimeter Abstand brauche, den ich bekommen kann.
»Doch, das habe ich. Trevor ist ein Idiot. Er wird dich nur benutzen.«
»Genau wie du es mit allen Mädchen tust. Ihr seid beste Freunde«, erinnere ich ihn.
»Magst du ihn?«, will er wissen.
»Vielleicht«, antworte ich, denn ich weiß nicht, ob ich Trevor mag, aber er ist der Einzige, der sich noch traut, mich überhaupt zu bemerken. »Ich will, dass du aufhörst, dich wegen mir zu prügeln. Wenn du das nicht kannst, können wir nicht länger befreundet sein.«
Er schnappt nach Luft. »Ist das dein Ernst?«
Ich nicke.
Er kommt mit seinem Gesicht näher und starrt mir fest in die Augen. Ich fühle mich eingeengt von ihm und gefangen von seinem Körper und der Anziehung, die er auf mich ausübt. Aber ich weiß auch, dass er nicht so für mich empfindet. Ich glaube, Ian Ward ist gar nicht fähig zu lieben. Das hat ihm seine Mutter genommen.
»Was, wenn ich dich jetzt küsse?«, fragt er plötzlich und mein Herz bleibt stehen.
»Was?«, stoße ich atemlos hervor.
»Ich könnte dich jetzt küssen.«
Ich lache unsicher. »Du machst dich lustig über mich.«
»Tue ich das?«
Er legt seine Wange an meine und ich drehe mein Gesicht weg. »Siehst du, du bist noch nicht bereit für einen Kerl wie Trevor.«
Ich stoße ihn von mir weg. »Weil ich dich nicht küssen will?«
Er lacht. »Weil du vor Angst gezittert hast.«
»Du bist ein Arschloch«, schreie ich ihn fassungslos an. »Wir sind keine Freunde mehr. Werd erwachsen.« Ich wende mich von ihm ab, um zu gehen.
»Du kannst mir nicht einfach die Freundschaft kündigen.«
»Habe ich eben gemacht. Wir können wieder Freunde sein, wenn du akzeptieren kannst, dass ich die gleichen Rechte auf ein Leben habe wie du.«
Ich gehe einfach weg, weil ich ihn so schnell wie möglich hinter mir lassen muss, bevor er sieht, dass ich wegen ihm weine. Er hat sich einen Spaß daraus gemacht, dass seine Nähe mich so aus der Fassung gebracht hat. Das hat mich verletzt. Und noch schlimmer ist die Scham, die ich jetzt empfinde, weil er weiß, welche Gefühle er in mir hervorruft. Wie können wir noch befreundet sein, wenn er sich darüber lustig macht?
»Wenn wir keine Freunde mehr sind, dann bist du nur noch die Tochter der Haushälterin«, ruft er mir hinterher.
Ian
»Du hast noch ein Handtuch vergessen«, werfe ich Lea vor und zeige mit einem selbstgefälligen Grinsen auf eins der weißen Badetücher. Es liegt direkt neben meiner Liege und stammt wahrscheinlich von mir.
Lea wirft mir nur einen kurzen Blick zu, dann kommt sie mit dem Stapel gebrauchter Handtücher auf den Armen zurück und bückt sich, um das schmutzige neben meiner Liege aufzuheben. Sam gackert laut auf und beugt sich extra etwas zurück, damit er einen besseren Blick auf Leas Hintern erhaschen kann, während sie sich bückt. Am liebsten würde ich ihm dafür die Fresse polieren, aber so bin ich nicht mehr. Das tue ich nicht mehr, denn Lea hat es so gewollt. Sie war es, die mir gesagt hat, dass ich nicht mehr der Ian wäre, den sie seit unseren Kindertagen geliebt hätte, der ihr Freund war.
»Du bist aggressiv, brichst anderen Menschen die Nasen und prügelst auf sie ein, wegen mir. Das kann ich nicht länger zulassen. Ich erkenne dich nicht mehr wieder«, hatte sie geschimpft, sich von mir abgewandt und dann gemurmelt: »Ich kann nicht mit jemanden befreundet sein, der Menschen verletzt.« Mit diesen Worten hat sie mich stehenlassen und seither brodelt dieses Gefühl in mir, das mich dazu zwingt, sie zu verletzen. Ihr wehzutun, nur um ja nicht zuzulassen, dass ich darüber nachdenken kann, was für ein Gefühl das ist, das mich von innen heraus auffrisst. Ich überdecke es mit Wut, überschütte es mit Hass, nur um es nicht analysieren zu müssen. Weil es nicht wahr sein darf. Weil ich so niemals empfinden darf. Nicht für Lea. Sie zu wollen, wie ich sie will, könnte alles, was wir haben,...
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