
Text - Material - Medium
Description
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Moderne historisch-kritische Editionen beinhalten einen zunehmend größeren Dokumentationsteil, der immer weiter die materiale und mediale Komponente von Text in Beschreibungen - etwa von Papierqualitäten, Schreibmaterial, Schreibwerkzeugen, Schrift, Texttopografik, Druckanalyse, Typografie - und in Abbildungen der Textträger erschließt. Den sukzessive umfangreicheren, vollständigeren und präziseren Editionen steht nun aber eine Literaturwissenschaft gegenüber, die diesen Materialreichtum weitgehend ignoriert. Denn die interpretatorische Praxis orientiert sich nach wie vor - allen Theoriebildungen zur Materialität und Medialität zum Trotz - am Paradigma des immateriellen Textes.
Das Ziel des Bandes ist, im Plädoyer für einen um die materiale und mediale Komponente erweiterten Textbegriff die Kluft zwischen Editions- und Literaturwissenschaft zu überbrücken. Dabei wird an Bestrebungen der "critique génétique", der "Genealogie des Schreibens" und an editionswissenschaftliche Forschungen angeknüpft. Die im Band versammelten Beiträge zeigen in theoretischer Diskussion und an Fallbeispielen, wie fruchtbar die Berücksichtigung der Materialität und Medialität von Text für die literaturwissenschaftliche Interpretation sein kann.
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Content
2 - Zur Bedeutung von Materialität und Medialität für Edition und Interpretation. Eine Einführung [Seite 7]
3 - I. Aspekte zu Theorie und Geschichte [Seite 29]
3.1 - Wie 'bedeutet' ein 'material text'? [Seite 31]
3.2 - Das Stigma des Dokumentarischen. Zum historischen Apriori philologischer Materialverachtung [Seite 59]
4 - II. Skriptografische Materialität: Entwurfshandschriften [Seite 71]
4.1 - Erfahrungen mit Textgenese, 'critique génétique' und Interpretation [Seite 73]
4.2 - In loco auctoris. Über die Auflösung von Unbestimmtheiten durch den Editor und die daraus resultierenden Metamorphosen des Textes [Seite 87]
4.3 - Materialität und Werkgenese: Achim von Arnims Die Päpstin Johanna [Seite 101]
4.4 - ,Übermalungen' - Transkription, Emendation, Interpretation. Zur 17. Manuskriptseite von Adalbert Stifters Erzählung Nachkommenschaften [Seite 113]
4.5 - Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz - ein multimediales Schreibprojekt [Seite 129]
4.6 - Medialität der Interlinearität. Überlegungen zu Heiner Müllers Übertragung von Aischylos' Die Perser [Seite 141]
5 - III. Typografische Materialität I: Buch [Seite 153]
5.1 - Gestörte Texte Detailtypographische Interpretamente und Edition [Seite 155]
5.2 - Der Text erscheint selten nackt. Max Ernst, La femme 100 têtes [Seite 179]
5.3 - Zur Konstitution von 'Bedeutung' bei der Buchgestaltung. Aspekte einer Semiotik des Buchs [Seite 203]
6 - IV. Typografische Materialität II: Buch vs. Zeitung/Zeitschrift [Seite 223]
6.1 - Erstdrucke in Zeitungen. Zur editorischen Kontextdokumentation am Beispiel von Robert Walsers Feuilletons [Seite 225]
6.2 - Überlegungen zum Verhältnis von Material, Medium und Text am Beispiel von Arthur Schnitzlers Traumnovelle [Seite 241]
6.3 - "Heuschreckenschwärme von Schrift". Zu 'après-texte' und 'mise en page' von Walter Benjamins Einbahnstraße [Seite 257]
6.4 - V. Nichtschriftliche Materialität I: Audiophone Varianz [Seite 277]
6.5 - Akustische Lesarten. Zum editionsphilologischen Umgang mit (Autoren-)Hörbüchern [Seite 279]
7 - VI. Nichtschriftliche Materialität II: Die 'Schreibszene' jenseits des Textes [Seite 293]
7.1 - "episches Hausgerät" [Seite 295]
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