
A Place to Grow
Description
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In "A Place to Grow", dem 2. New-Adult-Roman der Reihe "Cherry Hill" von Bestseller-Autorin Lilly Lucas, gerät Lilac McCarthy mit ihrem attraktiven Erzrivalen aneinander.
Für Lilac McCarthy (24) ist Cherry Hill, die Obstfarm ihrer Familie, der schönste Platz auf Erden. Sie liebt ihren kleinen Farmladen, in dem sie Selbstgemachtes verkauft, und natürlich das jährliche Peach Festival, das sie als Vorsitzende des Veranstaltungskomitees hingebungsvoll organisiert.
Doch dieses Jahr droht alles anders zu werden: Bo Radisson, der Erbe der größten Obstfarm vor Ort, ist nach seinem Auslandsstudium zurück in der Stadt. Bo hat Lilacs Leben schon einmal auf den Kopf gestellt. Nun verfolgt er große Änderungspläne für ihr geliebtes Peach Festival. Es dauert nicht lange, bis Bo und Lilac darüber kräftig aneinandergeraten, und Lilac feststellen muss, dass ihr Herz in Bos Nähe verräterisch schnell klopft.
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ISNI: 0000 0005 1566 2928 GND: 1187979953
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Kapitel 2
Er ist wieder da. Auch als June längst gegangen war, hallte dieser Satz noch in meinem Kopf nach. Sprang wie ein Gummiball auf und ab. Fahrig blätterte ich in meinem Rezeptbuch, während mein überfordertes Gehirn immer wieder denselben Dialog abspielte.
»Was meinst du mit >Wieder da<?«
»Er ist zurück aus Frankreich.«
»Seit wann?«
»Gestern. Ich dachte, du wüsstest es. Die ganze Stadt spricht von nichts anderem.«
»Ich war heute nicht in der Stadt.«
»Ist . alles okay bei dir?«
»Klar, was soll sein?«
Auch wenn June mir meine Gleichgültigkeit nicht abgekauft hatte, war ich damit davongekommen. Sie war nicht der Typ, der bohrte oder einem Geheimnisse entlockte. Vielleicht weil sie wusste, wie es war, welche zu haben. Erst letztes Jahr hatten wir erfahren, dass sie während ihrer Studienzeit in Portland geheiratet hatte - als Henry wie ein Geist aus der Vergangenheit hier auf Cherry Hill aufgetaucht war. Mein Geist aus der Vergangenheit hieß Bo Radisson. Bevor er weiter in meine Gegenwart drängen konnte, lenkte ich meine Konzentration krampfhaft auf die Frage, was ich für die beiden Busgruppen backen wollte. Die Wahl fiel auf einen Triple Chocolate Cherry Cake und einen Double Crust Apple Pie mit Pekannüssen. Ich suchte mir die Zutaten zusammen und öffnete das Keramikgefäß, in dem ich das Mehl aufbewahrte.
»Mist«, murmelte ich mit Blick auf den armseligen Rest, der gerade so den Boden des Behältnisses bedeckte. Offenbar hatte ich vergessen, Mehl nachzubestellen. Ich bezog es direkt von Harvey's Mill, einer Bio-Farm in der Nähe, die ihr Getreide besonders schonend verarbeitete, wodurch es einen hohen Gehalt an Ballaststoffen beibehielt. Um diese Zeit würde ich dort allerdings niemanden mehr antreffen. Kurz dachte ich nach. Vielleicht hatte meine Mom noch Vorräte in der Küche. Weil ich keine Lust hatte, rüber zum Haus zu laufen, rief ich sie auf dem Handy an. Leider hatte auch sie nicht mehr ausreichend Mehl im Küchenschrank. Ich musste wohl oder übel in die Stadt fahren und welches besorgen. Seufzend schnappte ich mir die Autoschlüssel, löschte das Licht und sperrte den Laden zu. Draußen war es bereits dunkel. Es roch nach Frühling. Nach jungem Gras und den ersten Knospen. Nach den Fliedersträuchern, die vor dem Farm Store blühten. Ihnen verdankte ich meinen Namen. Als meine Mutter mit mir schwanger gewesen war, hatte ihr der Arzt in den letzten Wochen Bettruhe verordnet. Dad hatte ihr in dieser Zeit jeden Tag frischen Flieder ins Zimmer gestellt, und sie hatte sich so in den Duft verliebt, dass er schließlich zu meinem Namen wurde: Lilac. Mit einem wehmütigen Lächeln dachte ich daran, wie Dad diese Geschichte immer zum Besten gegeben hatte, und nahm mir fest vor, ihm gleich morgen einen Strauß Flieder ans Grab zu bringen.
Ich lief den kurzen Weg zu unserem Wohnhaus und stieg in Dads alten Truck, der wie immer vor der Veranda parkte und mich mit einem altersschwachen Zuckeln begrüßte, als ich den Schlüssel ins Zündschloss steckte. In gemächlichem Tempo holperte ich über die lange Schottereinfahrt, die Cherry Hill mit der Hauptstraße verband. Der Außenwelt. Nachts war alles in uniformes Schwarz getaucht, aber tagsüber erstreckten sich hier zu beiden Seiten blühende Obstbäume und Wildblumenwiesen, und wenn man in den Rückspiegel sah, ragten die Book Cliffs wie rote Riesen hinter unserem Haus auf.
Ich passierte unseren Briefkasten und bog auf die Hauptstraße nach Palisade ab. Nachdem ich über die Brücke gefahren war, die sich über den Palisade Creek spannte, erreichte ich den Ortseingang. Welcome to Palisade - Where life tastes good all year long, begrüßte mich das Ortsschild, das die Form eines Obstkorbs hatte. Manche fanden diesen Spruch kitschig, aber in meinen Augen passte er wie kein anderer zu meiner Heimatstadt. Malerisch eingebettet zwischen den Book Cliffs im Norden, dem Grand Mesa Tafelberg im Osten und dem Colorado National Monument im Süden war Palisade vor allem für eins bekannt: Obst. Auf 2500 Einwohner kamen mehr als 30 Plantagen und Weinberge, die die Luft mit ihrem unverkennbaren Duft tränkten. Für mich war Palisade der schönste Fleck auf Erden, und ich empfand es als pures Glück, hier leben zu dürfen. An einem Ort, an dem die Skyline eine Gebirgskette war, an dem die Wolkenkratzer Apfel- und Kirschbäume waren und der Himmel nachts noch Sterne hatte. An dem Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht nur leere Worte waren. Man kümmerte sich umeinander, man stand füreinander ein. Als mein Vater gestorben war, hatte meine Familie das deutlicher denn je gespürt. Über Wochen waren wir von Freunden und Nachbarn mit Essen und Lebensmitteln versorgt und auf der Farm unterstützt worden. Aber auch vorher hatte ich nie mit dem Gedanken gespielt, von hier wegzugehen, nicht einmal während der Highschool, als alle meine Freundinnen von einem aufregenderen Leben geträumt und ihre Collegebewerbungen davon abhängig gemacht hatten, wie weit das College von Palisade entfernt war. Einige hatten sich inzwischen woanders ein Leben aufgebaut, manche waren wieder zurückgekommen. Kurz blitzte Bos Gesicht vor meinen Augen auf, aber ich blinzelte es weg und verdrängte die vielen Emotionen, die damit einhergingen. Die Wut und den Schmerz, den Kummer und die Scham, die Verzweiflung und die Einsamkeit.
Ich parkte den Truck an der Straße und betrat Archie's Groceries, ein Lebensmittelgeschäft in der Main Street, das hauptsächlich regionale Produkte vertrieb. In den Sommer- und Herbstmonaten konnte man hier auch unser Bio-Obst kaufen. Unsere Pfirsiche und Nektarinen, die Äpfel, Birnen und Pflaumen, die wir auf Cherry Hill anbauten. Munteres Radiogedudel drang aus den Lautsprechern.
»Hey Paula«, grüßte ich die Kassiererin im Vorbeigehen und passierte das Drehkreuz. Paula Muldoon hatte bereits bei Archie's gearbeitet, als mein Dad noch ein Teenager gewesen war. Sie gehörte zur Stadt wie das Ortsschild, und ich liebte sie für ihre herrlich direkte Art.
»Abend, Schätzchen«, trällerte sie, während sie die Einkäufe seelenruhig über den Warenscanner zog. An der Kasse war um diese Zeit nicht mehr viel los, und auch im restlichen Laden ging es gemächlich zu.
Ich steuerte das Regal mit den Backzutaten an und grüßte den Ladenbesitzer, Mr. Kowalski, der mir mit einem altmodischen Klemmbrett in der Hand entgegenkam. Die Auswahl hier im Supermarkt war überschaubar, aber man bekam alles, was man brauchte. Ich bückte mich und zog die letzten beiden Päckchen eines Bio-Weizenmehls aus dem Regal. Dabei erhaschte ich eher zufällig einen Blick auf den gegenüberliegenden Flur . und erstarrte. Mein Fluchtreflex setzte ein, ehe ich darüber nachdenken konnte, ob er es wirklich war. Ob da wirklich Bo Radisson stand und seelenruhig das Etikett einer Weinflasche betrachtete. Ich richtete mich viel zu schnell auf, fuhr viel zu schnell herum und prallte mit Mr. Diggle zusammen, der seinen Arm gerade nach einem Päckchen Zucker ausgestreckt hatte. Vor lauter Schreck ließ ich das Mehl fallen, das mit einem dumpfen Plumps zu Boden fiel und staubte.
»Hoppla! Lilac!«, sagte der alte Mann verdutzt - und viel zu laut.
»Entschuldigen Sie, Mr. Diggle«, stammelte ich überfordert, lief in schnellen Schritten den Gang entlang und bog zur Kasse ab. Mit etwas Glück hatte Bo mich nicht gehört. Mit etwas Glück würde ich .
»Lilac McCarthy.«
Es war mehr Feststellung als Frage. Ich blieb stehen und schloss die Augen. Nahm mir einen Moment, um mich zu sammeln. Ich hatte diese Stimme Jahre nicht mehr gehört, und es ärgerte mich, dass sie mir immer noch so unter die Haut ging.
»Bo«, sagte ich so gelassen wie nur möglich, als ich mich zu ihm umdrehte. Sein Gesicht war mir so vertraut, als hätte es die letzten Jahre nicht gegeben. Als hätte er mir erst heute Morgen beim Frühstück gegenübergesessen. Dabei hatte es sich verändert, war kantiger geworden. Das Jungenhafte war aus seinen Zügen verschwunden, und sein Kinn zierte jetzt ein gepflegter Dreitagebart. Nur seine Augen sahen aus wie immer. Goldbraun. Und seine Haut hatte nach wie vor diese gesunde Bräune, die man bekam, wenn man viel an der frischen Luft war. Soweit ich wusste - und soweit Instagram nicht log -, hatte er die letzten Jahre auf einem Weingut in der Provence gearbeitet, irgendwo im Süden von Frankreich. Seine Augen verengten sich leicht, und mir wurde bewusst, dass ich ihn viel zu offensichtlich musterte. Ich räusperte mich. »Wusste gar nicht, dass du in der Stadt bist.«
Seine Mundwinkel zuckten, als würde er mir kein Wort glauben. »Ich bin seit gestern wieder hier«, sagte er mit neutraler, völlig entspannter Stimme. Dass ihn unsere spontane Begegnung hier nicht ansatzweise so aus der Fassung brachte wie mich, war zwar nicht weiter verwunderlich, aber es ärgerte mich trotzdem. Da war schon immer dieses stille Selbstbewusstsein gewesen, das ihn umgeben hatte. Eine Selbstsicherheit, die er ausstrahlte, weil er genau wusste, wer er war und wie er auf andere wirkte.
»Tja, dann . willkommen zu Hause«, erwiderte ich knapp und kramte in meiner Tasche, um äußerst beschäftigt zu wirken. »Ich muss dann mal wieder.«
»Backen?«
Verdutzt runzelte ich die Stirn.
Er schmunzelte. »Du hast eine Schürze um.«
Ertappt sah ich an mir herab. Oh nein, ich hatte in der Eile die Schürze anbehalten! Und was noch viel schlimmer war: Ich trug auch nach wie vor meine Birkenstock-Schlappen! Nicht die hippen...
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