
All the things (s)he said
Description
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Quarterlife Crisis, Slow Burn & Found Family: New-Adult von der SPIEGEL-Bestsellerautorin
Eine Own-Voice-Romance mitten aus dem Leben - Skye steckt mitten in ihrer Quarterlifecrisis und muss sich die wirklich wichtigen Fragen stellen: Was will ich mit meinem Leben anfangen? Was macht mich wirklich glücklich?
Skye ist verliebt in die Liebe, aber kann sie auch die Liebe für sich selbst entdecken?
Skye ist eine »Serial Monogamist«: Ihr Leben lang hüpft sie von Beziehung zu Beziehung und bleibt nie lange allein. Doch als sie sich von Lukas trennt, ist alles anders. Dieses Mal schwört sich die junge Kölnerin, ein Jahr lang single zu bleiben, um herauszufinden, was sie im Leben wirklich will. Wer ist sie ohne Partner? Was gefällt ihr wirklich und was hat sie nur ihrem Freund zuliebe gemacht? Und wie knüpft man bitte mit Mitte zwanzig noch neue Freundschaften? Die Antworten auf diese Fragen zu finden, stellt sich als gar nicht so einfach heraus.
Ausgerechnet Skyes neue Nachbarn Amir und Naima stellen ihren guten Vorsatz auf eine harte Probe. Fühlt sie für Amir eine tiefe Freundschaft oder hat sie doch Schmetterlinge im Bauch? Oder ist es Naima, die ihren Plan, single zu bleiben, wirklich gefährdet?
Der neue queere New-Adult-Roman von Spiegel-Bestsellerautorin Inka Lindberg mit den beliebten Tropes:
- Haters to Lovers
- Found Family
- Quarterlifecrisis
- Queer Awakening
- Slow Burn
- Opposites Attract
- Coming of Age
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Person
ISNI: 0000 0005 1603 494X
Content
1. Kapitel
Ich mache Schluss. Ich komme nicht mit.«
In meiner Fantasie spreche ich die Worte aus, die ich seit Wochen zu unterdrücken versuche. Sie schmecken bitter auf meiner Zunge. Trotzdem schlucke ich sie immer wieder runter und vergifte mich freiwillig Stück für Stück, Tag für Tag. Je mehr Zeit vergeht und je näher der Termin rückt, desto schlechter fühle ich mich, und desto unmöglicher erscheint es mir, endlich auszusprechen, was mich bedrückt.
Ich habe den Absprung verpasst, habe mich selbst belogen, mir eingeredet, dass Lukas' Traum auch mein Traum wäre. Mein Unterbewusstsein muss es schon lange gewusst haben, spätestens als meine Appetitlosigkeit einsetzte. Aber ich habe die körperlichen Symptome, die mir meine Selbstsabotage abverlangte, ignoriert. Allerdings ist die Stimme in meinem Kopf nach ihrer anfänglichen Zurückhaltung in den letzten Wochen unverfrorener, drängender und lauter geworden.
Doch ich sage nichts, presse die Lippen aufeinander und ersticke fast an den unausgesprochenen Worten. Ich beobachte meinen Freund dabei, wie er mit seinen Kumpels redet und lacht. Ihm fällt nicht auf, dass ich mich zurückgezogen habe. Er war schon immer schlecht darin, meine Körpersprache zu lesen und zu merken, wenn etwas nicht stimmt. Oder ich war besonders gut darin, es vor ihm zu verbergen. Sein Blick geht einfach durch mich durch, als wäre ich Teil der Einrichtung. Vielleicht ist das auch normal, wenn man schon so lange zusammen ist. Womöglich schenkt man der geliebten Person dann nicht mehr so viel Aufmerksamkeit, weil man sich an die ständige Präsenz gewöhnt hat.
Die Wohnung ist größtenteils leer geräumt. Übrig gebliebene Möbelstücke haben wir an den Rand geschoben. Im Schlafzimmer stapeln sich Umzugskartons. Wir haben unser Leben einfach zur Seite gerückt.
Die Wohnküche ist bis auf den letzten Quadratzentimeter mit Lukas' Freunden gefüllt. Meine Schwester hat abgesagt. Für sie wird es keinen Unterschied machen, ob ich ein halbes Jahr in England rumhüpfe oder nicht. Wir sehen uns ohnehin kaum noch. Susi und Belinda, ehemalige Arbeitskolleginnen von mir, sind überraschenderweise bei der Party aufgetaucht. Ich bin mir nicht sicher, warum. Oder weshalb ich sie überhaupt eingeladen habe. Wahrscheinlich weil es mir unangenehm ist, dass Lukas so viele Menschen in seinem Leben hat und ich nicht. Ich habe nur ihn.
Für mich sind die beiden jedenfalls nicht gekommen. Nach anfänglichen Höflichkeiten haben sie sich an zwei Sportstudenten gehängt, und ich nehme es ihnen nicht übel. Im Gegenteil. Ich bin froh, dass ich ungestört so tun kann, als wäre ich abwechselnd damit beschäftigt, aufzuräumen und mehr Bier in den Kühlschrank zu stellen.
Ich lächle Gäste an, wenn ihre Blicke mich streifen, ich lächle den Boden an, der schon jetzt aussieht wie Sau, und ich lächle den Tresen an, den ich mit einem nassen Lappen abwische. Das elende Lächeln ist förmlich in mein Gesicht getackert. Meine Wangen tun weh. Aber wenn ich aufhöre zu lächeln, wenn ich meine Gesichtszüge entspanne, werde ich in Tränen ausbrechen. Also lächle ich tapfer weiter, als würde auf dieser Hausparty nicht mein Schicksal besiegelt werden, sondern als würden mein Bachelorabschluss und eine neue unbefristete Stelle gleichzeitig gefeiert.
Es ist laut. Zu laut für meinen Geschmack. Travis Scott dröhnt aus den Boxen. Ich warte darauf, dass die nervige Nachbarin von unten bei uns klingelt und sich beschwert. Nein, ich ersehne den Augenblick. Jemand muss dem Ganzen einen Schlussstrich ziehen. Aber ich darf es nicht sein. Schließlich ist es unsere letzte Woche in Köln. Die Tickets sind gebucht, die Wohnung aufgegeben, und das Auslandspraktikum meines Freunds bei der Anwaltskanzlei Irwin Mitchell steht in den Startlöchern. Es wäre unfair von mir, Lukas diesen Abend mit seinen Freunden zu stehlen.
Auf mich wartet nichts in London. Ich kratze an dem Etikett meiner Bierflasche. Und in Köln lasse ich zurück . ein abgebrochenes Studium und eins, das ich mir genauso gut hätte sparen können, weil die dadurch gebotenen Jobchancen geradezu nonexistent sind. Genau null tiefe Freundschaften, aber dafür eine Barista, die meine Coffee-Order kennt und mich mit kölschem Dialekt aufruft, wenn sie fertig ist. Eine verkorkste Familie. Eine ganze Umzugskiste voller Utensilien angefangener Hobbys, an denen ich nach einer Woche das Interesse verloren habe.
Ich beobachte, wie Lukas die Arme um seine beiden besten Freunde legt und zu Musik mitgrölt, die ich nicht mag. Er hat so lange auf diesen Moment gewartet. Seit ich ihn kenne, redet er davon, erfolgreicher Jurist zu werden und in allen großen und wichtigen Städten mal für ein paar Jahre leben zu wollen. Dieses Praktikum ist alles, wovon er immer geträumt hat, alles, was er braucht, um seine großen Pläne endlich in die Tat umzusetzen.
Und wovon träumst du? Davon, der Schatten deines Freundes zu werden? Selbst die Stimme in meinem Kopf klingt gehässig. Inzwischen habe ich mich fast daran gewöhnt, sie zu hören. Trotzdem schnürt es mir jedes Mal die Luft ab. Ich werde dann ganz nervös, habe einen Kloß im Hals, als hätte ich keine Wahl, als zwänge mich Lukas, mit ihm zu gehen. Dabei hat er mich ganz normal gefragt, sogar gesagt, dass er versteht, wenn ich in Deutschland bleiben und auf ihn warten will. Ich habe das Angebot nicht angenommen, habe stattdessen Ja gesagt und mich anfangs sogar darauf gefreut, ein neues Kapitel zu beginnen.
Denn es gibt keine Menschen, keinen Job oder Ähnliches, was mich an Köln bindet. Und trotzdem . Ich mag diesen Ort. Ich mag den Dialekt alter Leute, die Büdchen-Kultur, wie sich die ganze Stadt kollektiv zu Karneval verkleidet und merkwürdige Songs zusammen singt. Ich mag es, im Sommer am Grüngürtel spazieren zu gehen und dabei diesem einen stadtbekannten Typen zu begegnen, der Bier auf dem Kopf balanciert. Ich finde es toll, jedes Mal den Dom zu bestaunen, wenn ich am Hauptbahnhof umsteige, und ich liebe es, dass wir Bier aus winzigen Gläsern trinken. Ich bin hier aufgewachsen. Ich kenne nichts anderes. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, will ich auch nichts anderes kennenlernen. Das hier ist meine Heimat. Ich will nicht in ein Land, in dem die Menschen lieber Tee als Kaffee trinken.
Ich wische den Tresen zum dritten Mal ab. In einem unbeobachteten Moment drängele ich mich zwischen den Leuten durch den Raum und verschwinde im Schlafzimmer. Zwischen zwei Stapeln Umzugskartons hocke ich mich auf den Boden und mache mich ganz klein. Meine Abwesenheit fällt sowieso niemandem auf. Mein Hund, der sich bei dem Tumult im Wohnzimmer ebenfalls hierher verkrümelt hat, kriecht aus seinem Körbchen und legt sich neben mich auf den Boden.
Lukas' systematisch gepackte Umzugskartons starren mich vorwurfsvoll an. Sie sind klar von meinen zu unterscheiden. Gegenstände ragen aus einigen meiner Kartons heraus, weil sie zu voll sind, um sich richtig schließen zu lassen. Mein Teddybär, Mister Snuffles, wird von dem Gewicht des über ihm thronenden Kartons fast zerdrückt. Ich helfe ihm nicht.
Lukas liegt mir seit Tagen damit in den Ohren, dass wir die Kartons auf diese Art nicht bei seinen Eltern im Keller lagern können, aber etwas tief in mir weigert sich vehement, für Ordnung zu sorgen.
Ich entdecke ein paar Wollmäuse unweit von mir, die sich aus dem Staub entwickelt haben, der sich über die Jahre unbemerkt unter den Möbeln angesammelt hatte und nun zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt.
Es ist lächerlich, aber der Anblick der Wollmäuse macht mich ganz emotional. Ich fühle mich dramatisch, melancholisch, denn ich würde diese Flusen am liebsten aufbewahren. Sie erinnern mich an das, was nun vorbei ist: das Leben mit Lukas, wie ich es kannte. Ich nehme ein besonders großes Stück Staubknäuel in die Hand und lasse es zwischen meinen Fingern hin und her wandern, bis mich ein leises Winseln innehalten lässt.
Einen kurzen Moment lang denke ich, ich hätte endgültig die Kontrolle über meine Tränendrüsen verloren. Doch obwohl mein Hals eng ist, sind meine Augen trocken.
Es ist Hans Joseph, der eine Pfote auf mein Knie legt und mich aus seinen viel zu menschlichen Augen traurig betrachtet. Schließlich klettert er auf meinen Schoß. Eigentlich ist ein Pudel mit knapp 30 kg viel zu groß und schwer dafür, doch heute lasse ich mich gerne von seinem Gewicht halb erdrücken. Ich presse mein Gesicht in sein dunkles Fell und schlinge die Arme um ihn. Er atmet schwer aus, als würde er all meine Sorgen für einen Moment mittragen.
Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich dieses Tier gerettet habe oder ob es umgekehrt war. Ich musste ihn einfach mitnehmen, nachdem ich ihn wochenlang immer wieder im Tierheim gesehen hatte. Seine ursprünglichen Besitzer hatten Hans Joseph nicht mehr gewollt, als sie ein Baby bekamen. Für mich ist mein Hund mein Baby, und in meinen Augen hat ein Haustier genau denselben Stellenwert wie jedes andere Familienmitglied. Es ist mir unbegreiflich, wie sich seine Besitzer*innen gegen ihn entscheiden konnten. Allerdings weiß ich auch nicht, welche weiteren Umstände zu dieser Entscheidung beigetragen haben. Vielleicht konnten sie sich das Futter nicht mehr leisten, oder das Kind hatte eine Hundehaarallergie, oder sie mussten mit dem Familienzuwachs umziehen und der neue Vermieter erlaubte keine Haustiere. Ich sollte nicht immer das Schlechteste in den Menschen vermuten.
Lukas war von meiner Adoptionsentscheidung nicht begeistert gewesen, weil es unseren Auslandsaufenthalt natürlich verkompliziert hat. Aber ich bin stur geblieben und habe darauf beharrt, dass wir statt des Flugzeugs auch die Fähre nehmen können, um problemlos mit Hund über den...
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