
A Magic Steeped in Poison
Description
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Früher betrachtete ich meine Hände mit Stolz. Jetzt kann ich nur noch denken: Das sind die Hände, die meine Mutter begraben haben.
Ning hat nur ein Ziel: Sie muss das Leben ihrer kleinen Schwester retten, denn nach dem Tod ihrer Mutter könnte sie nicht noch einen Verlust ertragen. Und so nimmt sie die Einladung zum Wettkampf der mächtigsten Tee-Magier des Reiches an, obwohl sie gar nicht für sie bestimmt ist. Denn wer diesen Wettkampf gewinnt, hat einen Wunsch frei.
Ning reist in die kaiserliche Stadt, deren Reichtum und Extravaganz ein Schock für sie sind, und betritt eine völlig neue Welt. Hier ist sie umgeben von Feinden, jede Runde ist ein Kampf auf Leben und Tod, und nichts als ein paar getrocknete Kräuter sind Nings Waffe. Nur ein Fremder scheint in ihr mehr zu sehen als sie selbst. Wird er ihr helfen, den Wettkampf zu gewinnen, oder ist er für sie die größte Gefahr?
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"Herzzerreißend schön geschrieben, vom Setting bis zum Magie-System, wird A Magic Steeped in Poison sowohl Fantasy- als auch C-Drama-Fans verzaubern. Ich werde alles inhalieren, was Judy I. Lin als Nächstes ausbrütet."
- Joan He, New York Times-Bestsellerautorin von "The Ones We're Meant to Find"
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ISNI: 0000 0001 1755 3777 GND: 133795179
Content
Kapitel 1
Man sagt, wahre Shénnóng-shi könne man an ihren Händen erkennen - an den vom Schmutz der Erde verfärbten Handflächen, den von Dornen vernarbten Fingerspitzen, an den von einer bleibenden Kruste aus Erde und Blut gebräunten Halbmonden der Nägel.
Früher habe ich meine Hände immer mit Stolz betrachtet.
Jetzt kann ich nur noch denken: Diese Hände haben meine Mutter begraben.
Unser Haus ist dämmerig und still. Wie eine Diebin bewege ich mich durch die Zimmer, durchwühle Kisten und Schubladen, betaste Dinge, die mein Vater versteckt hält, damit sie ihn nicht an seinen Schmerz erinnern. Ich schlängele mich zwischen Stühlen und Körben, Trockengestellen und Tonkrügen hindurch, meine Schritte sind sacht. Gedämpft kann ich Shu durch die Wände husten und sich in ihrem Bett herumwerfen hören. In den letzten Tagen ist es schlimmer geworden mit ihr.
Bald wird das Gift sie besiegen, wie es schon unsere Mutter besiegt hat.
Deshalb muss ich noch heute Nacht fort, bevor mein Vater versucht, mich aufzuhalten, und bevor Schuld und Angst mich hier fesseln. Bevor es zu spät ist. Ich berühre die Schriftrolle in den Falten meiner Tunika, um mich zu vergewissern, dass sie noch da ist.
Im hinteren Teil des Vorratsraums finde ich, wonach ich gesucht habe: die Shénnóng-shi-Truhe meiner Mutter, in einem Eckschrank vor Blicken geschützt. Ich öffne sie, und mit einem Seufzer schlüpfen Erinnerungen unter dem Deckel hervor, als hätten sie dort, in der nach Tee duftenden Dunkelheit, auf mich gewartet. Ich fahre mit den Fingern über jede Kerbe im Holz, berühre jedes Fach und erinnere mich, wie wir die Namen der hier aufbewahrten Dinge immer und immer wieder aufsagten. Diese Truhe ist eine Landkarte meiner Mutter, ihrer Lehre, ihrer Geschichten, ihrer Magie.
Doch der Anblick bringt auch andere Erinnerungen zurück.
Eine zerbrochene Tasse. Ein dunkler Fleck auf dem Boden.
Schnell schließe ich den Deckel.
Hinten im Schrank finde ich weitere Tongefäße, akkurat von meiner Mutter beschriftet. Als ich das Gefäß mit den Teeblättern des vergangenen Sommers öffne, zittern meine Hände leicht. Die letzte Ernte, bei der ich ihr half: wie wir die Gartenwege entlanglaufen, die Blätter von den bereitwilligen Zweigen pflücken.
Während ich den Geruch der gerösteten Blätter einatme, verwandelt sich das Aroma auf meiner Zunge in etwas Bitteres. Ich erinnere mich, wie meine letzten Versuche, die Magie zu beherrschen, zu Tränen und Scheitern führten und wie ich mir schwor, diese Utensilien nie wieder zu berühren. Aber das war, bevor die Schriftrolle auf unserer Türschwelle auftauchte. Scheitern kommt jetzt nicht mehr in Frage.
Leute, die es nicht besser wissen, reduzieren die Shénnóng-shi oft auf die Rolle eines begabten Entertainers, der zu nicht mehr in der Lage ist, als ein gewöhnliches Getränk kunstvoll einzuschenken und darzubieten.
Ausgebildete Shénnóng-shi sind natürlich in diesen Grundlagen bewandert - die geeigneten Teesorten zu unterschiedlichen Anlässen zu finden, die korrekte Form der jeweils passenden Tasse auszuwählen. Doch wahre Meister der Shénnóng-Magie haben einzigartige Begabungen. Einige brühen Tees, um Gefühle zu erwecken - Leidenschaft, Hoffnung, Liebe. Andere können den Körper stärker machen oder den Trinkenden dazu bringen, sich an etwas längst verloren Geglaubtes zu erinnern. Sie durchbrechen die Grenzen des Körperlichen und treten direkt mit der Seele in Verbindung.
Ich nutze das flackernde Licht der Feuerschale als Wegweiser und ziehe das Tablett mit den dazugehörigen Schalen hervor, dazu eine Kanne zum Aufbrühen des Tees, eine zum Ruhenlassen. Über das Geräusch des blubbernden Wassers hinweg höre ich ein Ächzen im Nebenraum. Ich erstarre, fürchte den langen, dunklen Schatten an der Wand und den Zorn meines Vaters.
Doch es ist nur Vaters grollendes Schnarchen. Ich atme aus und wende mich wieder meinen Utensilien zu. Mit der Holzzange greife ich den zu Kugeln gepressten Tee und gebe ihn in die Kanne. Dann lasse ich mit einer vorsichtigen Drehung des Handgelenks das heiße Wasser über die Blätter fließen. Sie entrollen sich zögerlich, geben nach und nach ihre Geheimnisse preis.
Die größten Shénnóng-shi können im wabernden Dampf über einer frisch aufgebrühten Tasse Tee sehen, was die Zukunft bringt. Mutter brühte einmal fu pen zi - die getrockneten Blätter des Himbeerbusches - für eine Schwangere im Dorf. Der Dampf erhob sich blau in der Morgenluft und nahm die Form von vier glänzenden Nadeln an. Daraus las sie ab, dass das Kind tot geboren werden würde. Und sie hatte recht.
Ich höre ihre Stimme, während sich die Blätter weiter im Wasser entfalten. Wie sie uns immer wieder erzählte, der Abendnebel folge den weißen Flügelspitzen der Bergwächterin, der Göttin, die sich in der Dämmerung in einen Vogel verwandelt. Sie ist die Herrin des Südens, die ein einzelnes Blatt aus ihrem Schnabel in die Tasse des Ersten Kaisers fallen ließ und damit den Menschen den Teegenuss schenkte.
Als ich klein war, liefen Shu und ich hinter unseren Eltern durch die Gärten und die Obstplantagen, mit Körben an unseren Hüften. Oft glaubte ich, das Streifen dieser Flügelspitzen auf meiner Haut zu spüren. Manchmal blieben wir stehen, um der Göttin zu lauschen, und sie führte uns zu einem Nest voll junger zwitschernder Vögel oder warnte uns vor heftigen Regenfällen, die die Wurzeln der Bäume verfaulen lassen konnten, wenn wir das Land nicht gewissenhaft umgruben.
Ich gieße die goldene Flüssigkeit aus der Kanne zum Aufbrühen in die Kanne zum Ruhenlassen. Mutter erlaubte uns nicht, die sehr, sehr alten Gebräuche zu vergessen, Gebräuche aus der Zeit, bevor die Clans besiegt wurden, vor dem Aufstieg und dem Fall der Reiche. Sie steckten in jeder Tasse Tee, die sie aufbrühte - ein mit Erfurcht ausgeführtes Ritual. Sie steckten in der Art, wie sie jede noch so kleine Komponente kannte, die ihren Tee ausmachte: den Ursprung des Wassers, das Aroma des Holzes, mit dem das Feuer geschürt, der Kessel, in dem das Wasser erhitzt wurde. Bis hin zu den von ihren Fingern gepflückten Blättern, aufgegossen in einer von ihren Händen geformten und in ihrem eigenen Ofen gebrannten Tasse. Zu Flüssigkeit destilliert, zwischen beiden Handflächen gehalten, dargeboten als Geschenk.
Hier bin ich. Trink und werde gesund.
Ich beuge mich vor und atme den süßen Duft von Äpfeln ein. Ich höre das schläfrige Summen von Bienen inmitten der Wildblumen. Ein Gefühl von Geborgenheit umfängt mich, hüllt mich warm ein. Meine Augenlider werden schwer, doch der Moment zersplittert, als ich aus den Augenwinkeln etwas vorbeihuschen sehe.
Mein Körper kribbelt alarmiert.
Das Flattern schwarzer Flügel zu meiner Rechten. Eine Krähe, die durch die rauchige Dunkelheit gleitet, bevor sie wieder verschwindet.
Es dauert ein Leben lang, um den Tee lesen zu können wie einer der großen Meister. Vor einem Jahr wurde entschieden, dass ich stattdessen den Beruf der Ärztin erlerne. Weil meine Schwester den Anblick von Blut nicht ertragen kann und weil mein Vater ein weiteres Paar zuverlässiger Hände braucht.
Der Zweifel kriecht über meine Haut, als meine Finger erneut die Schriftrolle umklammern. Eine Einladung, die für jemand anderen bestimmt war - die wahre Schülerin meiner Mutter.
Aber Mutter ist tot. Und nur eine von uns hat jetzt genug Kraft für eine Reise.
Ich zwinge mich, mich zu konzentrieren. Tief einatmen, loslassen. Der Dampf wabert im Strom meines Ausatmens.
Keine neuen Visionen.
Ich gieße ein Rinnsal Tee in eine kleine Trinkschale um, ein winziger Schluck. Das Getränk rinnt meine Kehle hinab mit dem Honiggeschmack der Zuversicht, dem Versprechen, dass der Sommer ewig dauern wird.
Hell und stark brennt Mut in meiner Brust auf, heiß wie ein von der Sonne erhitzter Flussfelsen. Selbstvertrauen breitet sich in mir aus. Meine Schultern straffen sich, und ich finde mein inneres Gleichgewicht. Ich fühle mich wie eine Katze, die zum Sprung bereit ist. Die Anspannung in meiner Magengrube löst sich ein wenig. Die Magie ist noch da. Die Götter haben sie mir nicht genommen, trotz meines Fehlers.
Das Geräusch heftigen Hustens unterbricht meine Konzentration. Versehentlich stoße ich eine der Kannen um, und der Tee ergießt sich über das Tablett. Ich laufe ins Nebenzimmer.
Meine Schwester versucht, sich mit zitternden Armen aufzurichten, der Husten schüttelt ihre magere Gestalt. Sie tastet nach der Schüssel, die wir neben ihrem Bett bereitgestellt haben, und ich reiche sie ihr. Blut spritzt gegen das Holz, viel zu viel davon, wieder und wieder. Nach einer Ewigkeit ebben die Wogen endlich ab, und sie lehnt sich zitternd gegen mich.
»Kalt«, flüstert sie.
Ich klettere neben sie ins Bett und ziehe die Decken um uns. Sie klammert sich an meine Tunika und holt rasselnd Luft. Bis ihre Atmung sich beruhigt hat, halte ich sie fest, und die angestrengten Linien um ihren Mund glätten sich wieder.
Wir haben wirklich alles versucht, Vater und ich, um Shu ohne Mutters Hilfe zu behandeln. Ich, in dem mühseligen Versuch, mich an die Lektionen meiner Kindheit zu erinnern, und mein Vater, ein geschulter Arzt, ausgebildet an der kaiserlichen Akademie. Er weiß, wie man Knochen richtet und Schnittwunden heilt, wie man äußerliche Gebrechen behandelt. Doch obwohl er auch mit einigen Methoden der inneren Medizin vertraut ist, nahm er sich bei komplexeren Problemen stets zurück und ließ meiner Mutter den Vortritt. Ihre Partnerschaft...
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