Die Axt der Amazonen
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Die Lust an der Poesie, schon als Kind erfahren, war niemals erloschen. Die Frage: Schreiben oder nicht, ließ sich nicht länger unterdrücken. Das war für ihn keine Frage der Logik. Er würde für Unbekanntes einen "ehrlichen" Beruf aufs Spiel setzen. Er hatte von Anfang an "den Menschen" erkunden wollen. Dazu hat ihm die medizinische Wissenschaft auch gedient. Er glaubte dort die Grundlagen unseres Denkens und Fühlens zu entdecken, Zugang zum innersten Kreis des Menschen zu haben. Doch als Arzt durfte er die Scham der anderen und seine eigene nicht durch Neugierde verletzen.
So war der Zwang entstanden, Poesie zu machen. Schließlich begann er seinen Debüt-Roman zu schreiben, der bei "Aufbau- Berlin und Weimar" veröffentlicht wurde. Weitere Werke folgten. Dem Schriftstellerverband der DDR trat er, trotz Aufforderung, nicht bei. Nach der Wende wurde er Mitglied im VS. Er wurde Gründungsmitglied des "Kulturwerkes deutscher Schriftsteller in Sachsen", in dessen Vorstand er arbeitet.
Bibliografie:
Bilanz mit Vierunddreißig oder die Ehe der Claudia M., Aufbau-Verlag, Berlin 1983 (1986 in tschechischer Übersetzung in Prag erschienen)
Die Geschichte der Gussmanns, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1986
Leibarzt am sächsischen Königshaus, Tauchaer Verlag, Taucha 1998
Die Axt der Amazonen. Eine Penthesilea-Modifikation in Prosa, Haag+Herrchen, Frankfurt am Main 1998
Johannes, Tauchaer Verlag, Taucha 2002
Johannes. Versuch einer Ehe zu dritt, Tauchaer Verlag, Taucha 2004
Lea, Tauchaer Verlag, Taucha 2006
Vera, Tauchaer Verlag, Taucha 2007
Die Zelle: Die Leidenschaften der Familie B, Tauchaer Verlag, Taucha 2009
Außerdem Beiträge in Anthologien
Content
Sie hatte dem Kind schließlich gesagt, dass sein Vater ausgezogen sei, sie verlassen habe; wahrscheinlich, hatte sie nach einiger Überlegung hinzugefügt, liebt er eine andere Frau. Aber es war seltsam, Zoe selbst glaubte an diese Möglichkeit, die doch um so wahrscheinlicher wurde, je länger Erno ausblieb, nicht. Sie hielt das Bild fest, das auch Olaf bezeugen konnte: der sein Auto besteigende Erno, im Begriff, für länger zu verreisen.
Das veränderte Verhalten Olafs fiel Zoe zum ersten Male auf, als jener Gerno, ihr Schauspielkollege, sie mit seiner Frau eines Nachmittags besuchte. Gernos Frau hatte einen Kuchen gebacken, den Zoe anschneiden sollte. Bevor sie es tat, richtete sie an Olaf eine beiläufige Frage, worauf sie keine Antwort bekam und deshalb zu ihm hinblickte. Olaf hatte einen verzückten Ausdruck im Gesicht. Er blickte unverwandt auf Gerno, obwohl dieser sich selten und, wie es Zoe schien, unverbindlich an ihn wandte. Immer, wenn Gerno das Wort an seine Frau richtete, huschten Olafs Augen zwischen den Gesichtern der Eheleute hin und her, als verfolge er eine spannende Angelegenheit. Als Zoe ihre Frage wiederholte, sah er sie lachend an. Sagte jaja, woraus zu schließen war, dass er nicht zugehört hatte. Dabei rutschte er auf seinem Stuhl umher, sein Mund stand offen, Zähne und Augen blitzten.
Zoe fuhr fort, den Kuchen auf die Teller zu verteilen. Sobald Gerno den seinen in großen Stücken zu essen begann, schob Olaf seinen Teller, von dem er nichts genommen hatte, zu Gerno hin und fragte, ob dieser Olafs Kuchen haben wollte, er sei nämlich noch vom Mittag her satt.
Das ist ein guter Kuchen, sagte Gerno, mit einer tiefen schwingenden Stimme. Als ihn Olaf darauf mit strahlenden Augen anblickte, nahm Gerno die Gabel, trennte ein Stück von dem Kuchen ab und hielt es Olaf vor, der jetzt ohne zu zögern, mit der Miene eines Gläubigen beim Abendmahl, den Mund weit aufsperrte und das Gebäck verzehrte.
Na, sagte Gerno, schmeckt's, und gabelte ein zweites Stück auf, das Olaf wiederum mit Behagen verschlang. Als Gerno nun die Sache fortzusetzen zögerte, streckte Olaf seinen Kopf mit geöffnetem Mund vor und Gerno fuhr in seiner Fütterung fort. Ein so großer Junge, sagte Zoe, und lässt sich noch füttern!
Am Spätnachmittag verabschiedete sich das Ehepaar. Kommst du wieder? fragte Olaf, als sie in der Tür standen, und setzte sogleich hinzu: Nicht wahr, du kommst wieder, wobei er Gerno treuherzig bei der Hand fasste
Von nun an, anders kann man es nicht nennen, begann Olaf Männern den Hof zu machen. Während eines kurzen Urlaubs in R., den Zoe mit ihm verbrachte, umlagerte er einen Tisch, an dem drei Männer saßen, die hier ihre Abendmahlzeit einnahmen. Zoe beobachtete, wie die Männer, nicht älter als fünfundzwanzig, mit Olaf lachten und hin und wieder einen Blick nach ihr warfen.
Das ist meine Mutter, sagte Olaf, als er mit Zoe später an ihnen vorbeiging. Er zog sie am Arm, damit sie stehen bliebe, und es entstand der Eindruck, der Junge wollte sie regelrecht anpreisen.
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