
Übersetzung als Debatte
Description
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Die musikästhetische Debatte der deutschen Aufklärung hatte ihren Schauplatz oft in Übersetzungen. Aus dem Französischen wurde besonders viel übertragen - aus den mit Verve geführten Opernkontroversen ebenso wie aus ästhetischen Traktaten. Auf diese Weise wurden Theorien der Nachahmung, des Geschmacks und der Empfindung von Autoren wie Jean-Jacques Rousseau, Charles Batteux oder Jean-Baptiste Du Bos in Deutschland eingeführt. Diese Studie zeigt, wie stark sich bereits in den Übersetzungen selbst Debatten manifestierten.
Mit Textanpassungen und kritischen Kommentaren verfolgten Johann Mattheson, Luise Gottsched, Friedrich Wilhelm Marpurg, Johann Adam Hiller und andere das Ziel, die übersetzten Beiträge im aufklärerischen Sinne zu "verbessern" und für ihre Agenden zu nutzen. Ihre Übersetzungen gaben der Musikästhetik wichtige Impulse: Sie boten Modelle für musikbezogene Polemik und gaben Anlass, über das Deutsche in Musik und Musikschrifttum zu reflektieren. Benedikt Leßmann untersucht diesen Kulturtransfer erstmals in seiner Breite und plädiert dafür, historische Übersetzungen als Texte eigenen Rechts ernst zu nehmen.
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Content
- Intro
- INHALT
- EINLEITUNG
- I Kommentar und Kontroverse : Übersetzungskultur des 18. Jahrhunderts
- Übersetzung und Musik
- Korpus und Themenzuschnitt
- II Translation und Transfer: Perspektiven der Forschung
- Übersetzungsforschung nach dem translational turn
- Forschungsstand
- Zur Methodik
- I. TEIL: Importierter Streit? Die deutsche Rezeption der französischen Querelles zur Oper
- 1. Prolog: Opernpolemik in Schauspielform: Saint-Évremonds Komödie Les Opéra in der Übersetzung der Gottscheds
- 2. Im Namen des deutschen Stils: Übersetzungen der ersten Querelle zwischen Raguenet und Le Cerf de la Viéville
- 2.1 Übersetzung als Kritik: Johann Mattheson
- 2.2 Übersetzung als Aufklärung: Friedrich Wilhelm Marpurg
- 2.3 Die Übersetzungen im Vergleich
- 3. Lullisten und Ramisten in deutscher Sicht: Querelle ohne Querelle?
- 3.1 Verteidigung der Oper: Ramler übersetzt Rémond de Saint-Mard
- 3.2 Lullistische und ramistische Ästhetik durch die Brille Johann Wilhelm Hertels
- 4. Die Querelle als Vorbild: Rezeption des Buffonistenstreits in Leipzig und in Berlin
- 4.1 "Leipzig ist kein Paris": Rezeption des Gottsched-Kreises im Kontext des "Komischen Kriegs"
- 4.2 "Prendre le bon où nous le trouvons": Rezeption der Querelle(s) in Berlin
- 5. Die Querelle des Gluckistes et des Piccinnistes zwischen Wien und Göttingen
- 5.1 Übersetzung aus Enthusiasmus: Friedrich Justus Riedel
- 5.2 Übersetzung aus Gegnerschaft: Forkels Rezeption der Querelle
- II. TEIL: Von der Nachahmung zur Empfindung? Batteux, Du Bos und die Folgen
- 6. "Mein Original": Übersetzungen des Traktats Les beaux arts von Charles Batteux in ihrer Relevanz für die Musikästhetik
- 6.1 Batteux/Bertram: Beschränkung auf den Text?
- 6.2 Batteux/Schlegel: Übersetzung als kritischer Dialog
- 6.3 Batteux/Gottsched: Übersetzung als Argumentationshilfe
- 6.4 Batteux/Ramler: Der "deutsche Batteux"
- 6.5 Metaphysik des Herzens: eine Debatte um die Nachahmung in der Musik
- 7. Du Bos versus Batteux? Übersetzungen und Anverwandlungen der Réflexions critiques
- 7.1 Verspätet und selektiv: Bemerkungen zur Du-Bos-Rezeption in Deutschland
- 7.2 Nachhall im Musikdiskurs: Lessings Übersetzung und Marpurgs Nachdruck
- 7.3 Im Geiste der Erhabenheit: die Du-Bos-Übersetzung von Gottfried Benedict Funk
- 7.4 Übersetzung, Entlehnung, Zitat: Spuren der Du-Bos-Lektüre bei Christian Gotttfried Krause
- 8. Marpurg und der goût: Alte und neue Begriffe des Geschmacks
- 8.1 Geschmack und Regelhaftigkeit: Marpurg übersetzt das Le-Cerf-Plagiat Grandvals
- 8.2 Vielschichtigkeit des Geschmacks: Marpurg übersetzt Bollioud de Mermet
- 8.3 Vom Geschmack zur Manier: Marpurg übersetzt Pluche
- 9. Hiller und das sentiment: (revidierte) Nachahmung, Empfindung und Malerei
- 9.1 Nachahmung der Empfindung: eine Antwort auf Batteux
- 9.2 Hiller als Übersetzer: translatorische Biographie und ästhetische Schwerpunkte seiner Zeitschrift
- 9.3 Exkurs: Musikästhetik und Komposition - über eine Aporie historischer Musikästhetikforschung
- 9.4 Empfindung, Ausdruck und Wirkung: Hillers Blainville-Übersetzung
- 9.5 Einheit von Musik und Sprache: Nachgedruckte Übersetzungen von Condillac und Chastellux
- 9.6 "Entwurf einer musikalischen Ästhetik": Hillers Rousseau-Rezeption
- 9.7 Autonomieästhetik oder musikalische Malerei? Hillers Chabanon-Übersetzung und Engels 'Über die musikalische Malerey'
- SCHLUSS: Streit und Nachahmung
- DANK
- ANHANG
- Quellentexte
- "Anmerkungen von dem Erhabenen"
- Marmontel/Forkel, Versuch über die Revolutionen in der Musik
- QUELLENVERZEICHNIS
- Häufig zitierte Musikzeitschriften mit Abkürzungen
- Primärquellen
- Sekundärquellen
- REGISTER
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