
Das Fibromyalgie-Syndrom
Description
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Das Fibromyalgie-Syndrom wurde 1990 als solches definiert. Dennoch ist es unter den Ärzten in Deutschland noch immer nicht durchgehend als Krankheitsbild anerkannt. Das Buch soll helfen, das Syndrom zu erkennen und entsprechende therapeutische Maßnahmen zu ergreifen. Ausführliche Kapitel u.a. zur Muskeldysbalance, Stadien der Fibromyalgie, zum diagnostischen Vorgehen und zur ambulanten und stationären Behandlung sind ebenso enthalten wie Ausführungen zum Gespräch mit dem Patienten oder in der Gruppe. Ein Übungsteil zur Selbstdehnung mit anschaulichen Abbildungen rundet das Buch ab.
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Content
2 - 1 Einleitung [Seite 8]
3 - 2 Schmerzphänomene [Seite 10]
3.1 - 2.1 Definition [Seite 10]
3.2 - 2.2 Pathophysiologie von Schmerz und Nozizeption [Seite 12]
3.3 - 2.3 Schmerzchronifizierung und Schmerzgedächtnis [Seite 13]
3.4 - 2.4 Der Schmerz als Freund [Seite 17]
3.5 - 2.5 Der Schmerz als Feind [Seite 18]
3.6 - 2.6 Der Mensch im Umgang mit Schmerzen [Seite 19]
4 - 3 Die Muskeldysbalance [Seite 21]
4.1 - 3.1 Muskelfaserqualitäten [Seite 21]
4.2 - 3.2 Entstehung der muskulären Dysbalance [Seite 26]
4.3 - 3.3 Reflektorische Hemmung und reziproke Innervation [Seite 26]
4.4 - 3.4 Gestörte Dynamik [Seite 27]
4.5 - 3.5 Trigger-Punkte [Seite 29]
4.6 - 3.6 Tendomyose [Seite 31]
4.7 - 3.7 Tender-Points ("Maximalpunkte") [Seite 33]
4.8 - 3.8 Auslösende Faktoren der muskulären Dysbalance [Seite 33]
4.9 - 3.9 Fallbeispiele [Seite 38]
4.10 - 3.10 Wechselwirkungen von muskulärer Dysbalance und Psyche [Seite 42]
4.11 - 3.11 Auswirkungen der Muskelverspannungen auf die Psyche [Seite 43]
5 - 4 Das Fibromyalgie-Syndrom: Eskalation der muskulären Dysbalance? [Seite 47]
5.1 - 4.1 Definition [Seite 47]
5.2 - 4.2 Epidemiologie [Seite 49]
5.3 - 4.3 Ätiologie und Pathogenese (D. Pongratz) [Seite 49]
5.4 - 4.4 Symptomatologie und Klinik der Fibromyalgie [Seite 52]
5.5 - 4.5 Prodromalerscheinungen der Fibromyalgie [Seite 57]
5.6 - 4.6 Anatomische und funktionelle Bemerkungen zur Muskulatur [Seite 58]
5.7 - 4.7 Schmerzreflektorische Bewegungseinschränkung [Seite 60]
5.8 - 4.8 Muskelschmerz und Funktionsdefizit [Seite 62]
5.9 - 4.9 Muskelkrämpfe [Seite 65]
5.10 - 4.10 Fibromyalgie und Persönlichkeitsstruktur [Seite 65]
6 - 5 Stadien der Fibromyalgie [Seite 67]
6.1 - 5.1 Frühstadium [Seite 67]
6.2 - 5.2 Fehlende Wiederherstellung der muskulären Dysbalance und Ausbildung einer Fibromyalgie-Symptomatik [Seite 68]
6.3 - 5.3 Eskalationstendenz der beginnenden Fibromyalgie [Seite 70]
6.4 - 5.4 Schlafstörungen [Seite 72]
6.5 - 5.5 Endstadium [Seite 76]
7 - 6 Diagnostisches Vorgehen [Seite 77]
7.1 - 6.1 Anamnese [Seite 77]
7.2 - 6.2 Inspektion [Seite 79]
7.3 - 6.3 Palpation [Seite 79]
7.4 - 6.4 Funktionsuntersuchung der Muskulatur auf Dehnbarkeit [Seite 81]
7.5 - 6.5 Provokationstests der Muskeln [Seite 81]
7.6 - 6.6 Manuelle Untersuchung [Seite 84]
7.7 - 6.7 Technische Untersuchungen bei der Fibromyalgie [Seite 93]
8 - 7 Therapie der Fibromyalgie [Seite 97]
8.1 - 7.1 Medikamentöse Behandlung (D. Pongratz) [Seite 97]
8.2 - 7.2 Physiotherapie bei der Fibromyalgie [Seite 99]
8.3 - 7.3 Infiltrationsbehandlung bei der Fibromyalgie [Seite 104]
8.4 - 7.4 Akupunktur [Seite 105]
8.5 - 7.5 Lasertherapie [Seite 105]
8.6 - 7.6 Physikalische Maßnahmen [Seite 106]
8.7 - 7.7 Psychotherapie [Seite 109]
9 - 8 Allgemeine Differenzialdiagnose chronischer Muskelschmerzen (D. Pongratz) [Seite 110]
9.1 - 8.1 Allgemeines Vorkommen [Seite 110]
9.2 - 8.2 Pathogenese und Symptomatik der Muskelschmerzen [Seite 110]
9.3 - 8.3 Ursachen der Muskelschmerzen [Seite 110]
9.4 - 8.4 Ischämische Muskelerkrankungen [Seite 111]
9.5 - 8.5 Metabolische Myopathien [Seite 111]
9.6 - 8.6 Toxische Myopathien [Seite 111]
9.7 - 8.7 Muskelschmerz als Begleitsymptom anderer Erkrankungen [Seite 112]
9.8 - 8.8 Muskelschmerz bei Gelenkerkrankungen [Seite 112]
9.9 - 8.9 Muskelschmerz durch ossäre Ursachen [Seite 112]
9.10 - 8.10 Projizierte Muskelschmerzen [Seite 112]
9.11 - 8.11 Übertragene Muskelschmerzen [Seite 112]
10 - 9 Das ärztliche Gespräch [Seite 114]
11 - 10 Das Gespräch im Team [Seite 115]
12 - 11 Ambulante und stationäre Behandlung [Seite 116]
13 - 12 Selbsthilfegruppen [Seite 118]
14 - 13 Gutachterliche Probleme und sozialmedizinische Konsequenzen [Seite 119]
15 - 14 Schlussbemerkung [Seite 126]
16 - 15 Übungsteil zur Selbstdehnung [Seite 130]
16.1 - Übung 1 [Seite 132]
16.2 - Übung 2 [Seite 134]
16.3 - Übung 3 [Seite 136]
16.4 - Übung 4 [Seite 138]
16.5 - Übung 5 [Seite 140]
16.6 - Übung 6 [Seite 142]
16.7 - Übung 7 [Seite 144]
16.8 - Übung 8 [Seite 146]
16.9 - Übung 9 [Seite 148]
16.10 - Übung 10 [Seite 150]
16.11 - Übung 11 [Seite 152]
16.12 - Übung 12 [Seite 154]
16.13 - Übung 13 [Seite 156]
16.14 - Übung 14 [Seite 158]
16.15 - Übung 15 [Seite 160]
16.16 - Übung 16 [Seite 162]
16.17 - Übung 17 [Seite 164]
17 - 16 Literatur [Seite 166]
18 - 17 Stichwortverzeichnis [Seite 174]
2 Schmerzphänomene (S. 3)
2.1 Definition
Das Wort Fibromyalgie beherbergt Begriffe wie Fasern, Muskeln und Schmerz. Der besondere „Faser-Muskel-Schmerz" steht dabei synonym für eine Fülle von Symptomen, die das Fibromyalgie-Syndrom bilden. Der Ganzkörperschmerz ist das Leitsymptom, das die Betroffenen mit einer Fibromyalgie zu ihrem Arzt führt. Weil wir immer wieder vom Schmerz, seiner Entstehung, seiner Bedeutung, seiner Bewertung, seiner Diagnose und seiner Therapie sprechen, ist es nur logisch, zumindest den Versuch zu unternehmen, den Schmerz zu definieren.
Die Evolution lebender Organismen ist ohne Entwicklung der Sinnesorgane nicht denkbar. Tiere und Menschen besitzen neben den Sinneseindrücken und deren Bewertung auch einen „siebten Sinn", den Schmerz. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass auch Pflanzen eine Schmerzempfindung und damit so etwas wie ein Schmerzgedächtnis besitzen. Für lebende Organismen ist der Schmerz für das Überleben und die Gesundheit absolut essenziell, wichtiger als die Sinnesorgane selbst.
Viktor von Weizsäcker formulierte im Jahr 1927 die „Urszene menschlichen Schmerzempfindens" mit folgender Ausführung:
„Wenn die kleine Schwester den kleinen Bruder in Schmerzen sieht, so findet sie vor allem Wissen einen Weg: Schmeichelnd findet den Weg ihre Hand, streichelnd will sie ihn dort berühren, wo es ihm wehtut. So wird die kleine Samariterin zum ersten Arzt. Ein Vorwissen um eine Urwirkung waltet unbewusst in ihr, es leitet ihren Drang zur Hand und führt die Hand zur wirkenden Berührung. Denn dies ist es, was der kleine Bruder erfahren wird: die Hand tut ihm wohl. Zwischen ihn und seinen Schmerz tritt die Empfindung des Berührtwerdens von schwesterlicher Hand und der Schmerz zieht sich vor dieser neuen Empfindung zurück."
Der Schmerz begleitet alle Lebewesen bei Verletzungen und Krankheiten und sorgt für die nötige Schonung. Zum Beispiel läuft ein Hund so lange auf drei Pfoten umher, bis die schmerzhafte vierte Pforte beim Belasten nicht mehr weh tut. Auf diese Weise gewinnt der Körper Zeit für lebensnotwendige physiologische Heilungsprozesse. Je weiter die Genesung fortschreitet, desto mehr nehmen die Schmerzen ab. Der Schmerz limitiert die Aktivität und reguliert den Lebensrhythmus.
In früheren Kulturen wurde der Schmerz immer als eine dämonenhafte Krankheit verstanden. Bis in die Neuzeit haben sich Exorzismus und Austreibung des Bösen in verschiedenen Varianten gehalten. Auch in der heutigen Zeit gilt der Ausspruch: „Bös muss bös vertreiben". Aderlässe, Brechmittel und Abführmittel waren und sind z.T. heute noch der Versuch, den Krankheitsverlauf zu beeinflussen und die Schmerzen damit „auszuleiten".
Schmerzgeplagte wünschen sich verständlicherweise ein Leben ohne Schmerzen. Folgerichtig müsste man glauben, dass es kaum etwas Erstrebenswerteres geben kann als ein Leben ohne Schmerzen. Dies ist nicht nur eine Illusion, sondern wäre absolut fatal. Einige Menschen haben eine absolute Schmerzunempfindlichkeit und sind am sogenannten Analgesie-Syndrom erkrankt.
Man könnte sagen, sie erfreuen sich eines solchen Syndroms, aber tatsächlich leiden sie unter dieser Erscheinung. Betroffene mit dieser Anlagestörung bemerken nicht, wenn sie sich verletzen. Banale, im Alltag zugezogene Verletzungen bleiben unbemerkt, schmerzbedingte Reflexe und Schutzmechanismen fehlen, sodass der Schmerz, schon in Urzeiten als „bellender Wächter der Gesundheit" tituliert, diese Wächterfunktion nicht ausüben kann.Bald zeigen diese Patienten überall am Körper verstümmelnde Narben, Eiterungen und Verkrüppelungen.
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