
Rocking the Wall. Bruce Springsteen
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Fragt man den Bruce Springsteen-Fan Erik Kirschbaum, Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin, nach dem legendären Konzert von Bruce Springsteen in Ost-Berlin 1988, bedauert dieser es, nicht selbst dabei gewesen zu sein. Doch wenn man sein Buch "Rocking the Wall - Bruce Springsteen" liest, hat man das Gefühl, er wäre vor Ort gewesen. Dafür sammelte Kirschbaum die Eindrücke von über 50 Zeitzeugen und arbeitete den mehr als 80 Seiten umfassenden Stasi-Bericht über das Konzert und zahlreiche Artikel aus dieser Zeit auf.
Herausgekommen ist ein Buch, das spannend die deutsch-deutsche Geschichte kurz vor dem Mauerfall beschreibt und den Musiker zum Sprachrohr der DDR-Jugend macht. Weil das Konzert als eine Solidaritätsaktion für Nicaragua angemeldet wurde, hielt Springsteen eine Rede auf Deutsch, weil er sich nicht von der Politik instrumentalisieren lassen wollte:
" 'Es ist schön, in Ost-Berlin zu sein', rief er den Menschen auf Deutsch zu. Die richtige Aussprache hatte ihm zuvor sein deutscher Chauffeur auf dem Spickzettel vermerkt, ähnlich wie 25 Jahre davor bei Kennedy. 'Ich bin nicht für oder gegen eine Regierung', sagte Springsteen weiter. 'Ich bin gekommen, um Rock 'n' Roll für euch zu spielen in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden.' Darauf brachen die Hunderttausende vor ihm in frenetischen Jubel aus."
Weil sich statt der erwarteten 160.000 Zuschauern am Ende mehr als 500.000 Menschen auf dem Rennbahngelände der Trabrennbahn in Weißensee aufhielten, wurden vom Veranstalter FDJ irgendwann die Begrenzungszäune eingerissen, um eine mögliche Massenpanik zu vermeiden. Denn die gesamte Jugend der DDR war nach Ostberlin angereist, um Springsteen live zu erleben - aus Leipzig, Dresden, Magdeburg, Cottbus, Karl-Marx-Stadt, Neubrandenburg, Potsdam, Halle, Erfurt, Jena, Suhl, Rostock und Schwerin. Denn keiner wusste zur damaligen Zeit, wie sich die Demokratisierungsversuche im Ostblock entwickeln würden. Zwar wollte die FDJ damit erreichen, dass die Jugend keine Ausreisevisa-Anträge stellen würde, doch das Gegenteil war der Fall. Durch die laschen Sicherheitskontrollen und dass Springsteen spielen durfte, was er wollte, wurde den Zuschauern und der Welt vermittelt, dass auch in der DDR alles möglich sei und dass der DDR-Bürger persönlich mehr wagen könne und nicht von der Stasi belangt werde. Diese Diskrepanz zwischen Absicht und Wirkung des von der DDR-Führung organisierten Konzerts stellt Erik Kirschbaum in seinem Buch heraus: Denn das vierstündige Konzert von Bruce Springsteen war vielleicht nicht eines seiner besten, aber bestimmt einer seiner wichtigsten Auftritte.
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