
Neues Risiko Terrorismus
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1.1 Hinführung
" In der Politik gewinnen Risikothemen im Vergleich zu Normthemen (Rechtsetzung) und Verteilungsthemen an Bedeutung, und auch für die öffentliche Meinung, und die mit ihr verbundenen sozialen Bewegungen gilt Ähnliches" (Luhmann 1993: 156).
Terrorismus als Risikothema - dies ist der Blickwinkel in der reflexiven Moderne im Allgemeinen sowie in vorliegender Arbeit im Speziellen. Die reflexive Moderne ist gekennzeichnet von einer allgegenwärtigen Verbreiterung des Entscheidungsspielraumes - ein gesellschaftlicher Langzeittrend, wie Niklas Luhmann konstatiert.
Durch die Wirkung der Massenmedien ist es nahezu unmöglich, den Zwang zur Entscheidungsfindung in allen Lebensbereichen zu übersehen oder zu ignorieren. Zusätzliche Altersvorsorge, der Erwerb von Zusatzqualifikationen, die Entscheidung über Heirat und Kinderkriegen, selbst die Wahl des Urlaubsortes - alle diese impliziten Risikoentscheidungen werden dem Individuum anhand medial präsentierter Beispiele permanent vorgehalten (vgl. Luhmann 1993: 162).
Mindestens seit Christoph Lau (1989) sind argumentative Auseinandersetzungen über Neue Risiken - auch über Terrorismus - ein zu beobachtender Typus gesellschaftlicher Interessenkonflikte. Gerade in der heutigen Zeit, in der das Schlagwort Globalisierung - ihrerseits ein Neues Risiko - omnipräsent ist, genießen andere eng damit verknüpfte Risiken wie Arbeitslosigkeit, Armut, zivilisatorische Krankheiten oder klimatische Veränderungen rege Aufmerksamkeit.
Akzeptiert man diese Sichtweise, definiert sich Globalisierung gleichsam als Metarisiko, hinter dem andere Risiken nachrangigen Charakter annehmen. , Ein weiteres im Kontext der Globalisierung auftretendes Phänomen sind die heutigen Formen des Terrorismus.
1.1.1 Erkenntnisobjekt
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, das, was man gemeinhin Terrorismus nennt, in den Kontext soziologischer Risikoforschung einzubinden, vorhandene Möglichkeiten zum Umgang mit Risiken auf deren Terrorismustauglichkeit zu untersuchen und skizzenartig Alternativen zu entwickeln. Der Arbeit ist folgende These zugrunde gelegt:
Dem erst seit den Anschlägen des 11. September als Neues Risiko geltenden Terrorismus werden die bestehenden Konzepte zum Umgang mit Risiken nicht vollständig gerecht. Daher müssen Alternativen gefunden werden, die wiederum die Funktions- und Wirkungsweise von Terrorismus zum Ansatzpunkt haben können.
Als einzelne Hypothesen ergeben sich daraus:
1. Terrorismus ist tatsächlich erst seit dem 11. September 2001 ein Neues Risiko.
Gemeinhin wird Terrorismus - gänzlich unreflektiert - als Risiko bezeichnet. Hypothetisch-deduktiv wird also angenommen, dass die Kriterien, die für Neue Risiken im Allgemeinen kennzeichnend sind, auch durch Terrorismus erfüllt werden.
In einer ersten, oberflächlichen Betrachtung scheint er sogar schon seit geraumer Zeit und nicht erst seit den Anschlägen des 11. September (in Folge auch: 9/11) auf World Trade Center (WTC) und Pentagon auch das zu sein, was man als Neues Risiko bezeichnet. Diese unreflektierte hypothetisch-deduktive Assoziation der Termini Neues Risiko und Terrorismus gilt es auf Richtigkeit zu untersuchen.
2. Die bestehenden Möglichkeiten zum Umgang mit Risiken tragen zwar zum wechselseitigen Verständnis der Positionen unterschiedlicher, mit ihm konfrontierter, Akteure bei und vermögen im Falle einer unmittelbaren Konfrontation, eigenes Handeln zu strukturieren. Gleichzeitig sind sie jedoch nicht geeignet, Terrorismus gesellschaftlich nachhaltig handhabbar zu machen.
Die bestehenden Konzepte zum Umgang mit Risiken sind evolutionär anhand anderer Risiken entwickelt worden, die sich von Terrorismus in einem wesentlichen Punkt unterscheiden: in der Funktion, die der Schaden für den Verursacher einnimmt. Somit liegen ihnen wesentlich differierende Voraussetzungen zugrunde.
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