
Solar System: Lost
Description
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Eine handvoll Außenseiter macht sich auf die Suche nach einem mysteriösen Alien-Schiff
Der abenteuerliche Sci-Fi-Roman in den Weiten des Sonnensystems
Auf der Marskolonie Adventiva wird Ray von seinem narzisstischen Vater zum Militärdienst gezwungen. Er entkommt schließlich der Unterdrückung und schlägt sich zu den Raumstationen im Sonnensystem durch. Dort trifft er auf einen Mann der Erde, der nach einem verschollenen außerirdischen Schiff sucht. Gemeinsam mit anderen Außenseitern, darunter auch Li, die für Ray während des Militärdienstes eine wahre Freundin geworden ist, brechen sie auf, um das Geheimnis des Schiffes zu enthüllen. Bis Ray in die Fänge seines ehemaligen Vorgesetzten Admiral Steele gerät, der ebenfalls hinter dem Alien-Schiff her ist und ihn zwingt, seine Kameraden zu verraten. Ray bleibt keine andere Wahl. Um das Leben der anderen zu retten, muss er nicht nur die Freundschaft, sondern auch die beginnende Liebe, die sich zwischen ihm und Li entwickelt, opfern …
Erste Leser:innenstimmen
„Sylvia Kaml gelingt es auf eindrucksvolle Weise, die Atmosphäre des Weltraums und der verschiedenen Planeten einzufangen und dem Leser ein fesselndes Leseerlebnis zu bieten. – Absolute Empfehlung!“
„Ein packender Science-Fiction-Roman, der eine einzigartige und aufregende Geschichte erzählt.“
„Für alle Star Wars Fans und Menschen, die sich gerne in fremde Galaxien träumen.“
„Die düstere Atmosphäre der Mars-Ghettos und die geheimnisvolle Suche nach dem Alien-Schiff schaffen eine einzigartige Stimmung.“
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1. Marskolonie »Adventiva«
Ray zog die Kapuze seines Mantels über den Kopf, blickte sich kurz um, und trat dann flott aus der dunklen Gasse in die zum Glück nur schwach erleuchtete Hauptstraße des achten Bezirks. Oft konnte er sich hier nicht sehen lassen, zu groß war das Risiko, erkannt zu werden. Sein Vater hatte mit Sicherheit einige Kopfgeldjäger auf ihn angesetzt. Schon aus verletztem Stolz. Kein Vandenberg ließ sich auf der Nase herumtanzen, erst recht nicht vom eigenen, missratenen Sohn. Es ärgerte ihn, wie sehr der General noch in seinen Gedanken herumspukte und sein Leben beeinflusste. Doch wenn er seine Freiheit erlangen wollte, musste er so oft wie möglich zum Higgen's Yard, dem Recyclinghof, der sich an diesem Rand der gigantischen Kuppelstadt befand. Dort stand seine »Pax«, versteckt zwischen viel größeren ausrangierten Frachtern und halb-zerlegten Shuttles. Durch einige inoffizielle Dienste für den Besitzer der Anlage hatte er sie sich sozusagen erarbeiten können.
Benjamin Higgen fragte nicht, wer er war und woher er kam, würde ihn auch sicher nicht verraten, dafür wusste Ray mittlerweile zu viel über die steuerfreien Zuverdienste des Betreibers.
Zugegeben, die Pax war mehr ein Wrack als ein Fluggerät, aber er durfte sie solange auf dem Gelände stehenlassen und sich an den Ersatzteilen bedienen, bis sie flugtüchtig sein würde.
Ray war ein guter Bastler. Schon als Kind hatte er das Bauen von Maschinen und deren Programmierung als Flucht genutzt. Es war die einzige Beschäftigung, die der General für sinnvoll hielt und wobei er ihn in Ruhe gelassen hatte. Hier hatte er seiner Fantasie und Kreativität freien Raum lassen können, ohne dass diese mit Prügel erstickt worden waren. Dass er sein Können auch dafür genutzt hatte, um sich unbemerkt in den Computer seines Vaters und dadurch auch in das Militärnetz zu loggen, hatte der General zum Glück nie herausgefunden. Aber ein Wissen über dessen Dienste und Kommunikationen hatte ihm ein wenig Raum zum Ausweichen gegeben.
Auch heute hatte er wieder bis tief in die Nacht an dem Schiff gearbeitet. Er war sogar versucht, ein erstes Startmanöver zu probieren, aber er zwang sich zu mehr Geduld. Er hätte nur einen einzigen Versuch, um nicht entdeckt zu werden, und musste sichergehen, dass bei diesem alles glatt lief. Nicht nur der Antrieb, auch die illegal erworbene Software, die ihn durch das Energiefeld der Marskuppel schleusen sollte, musste reibungslos funktionieren. Es gab keinen Raum für Fehler.
Er fand es anfangs erschreckend, wie viele Adventive versuchten, den Mars illegal zu verlassen, und wie viele Schleuser es gab, die sich aus der Not der Menschen die Taschen vergoldeten. Offenbar war das Leben in der Kolonie doch nicht so traumhaft schön, wie ihnen von Kind auf eingetrichtert und vorgegaukelt wurde. Er hoffte nur, dass es sich bei den Erzählungen über die üble Diskriminierung seiner Landsleute auf der Erde um Übertreibungen handelte. Obwohl es hier ja nicht anders war.
Die Gründer der Marskolonie »Adventiva« hatten sich der genetischen Auslese verschworen gehabt. Jeder sollte gleich aussehen, groß, blond und blauäugig, damit es nicht zu Diskriminierungen käme, hieß es offiziell. Dass diese Gesellschaft immer skeptischer und abweisender anderen Menschen gegenüber wurde, unterlag einer gewissen Ironie. Der jahrzehntelange Krieg mit der Erde, der folgte und schließlich zur völligen Isolierung führte, hatte nicht gerade dafür gesorgt, dass die Vorurteile über die verschiedenen Ethnien verschwanden.
Ray selbst legte nicht viel Wert auf die Lehren der genetischen Überlegenheit der Adventive. Sein eigener Vater war das beste Gegenbeispiel dafür.
Egal, wie es sein würde, alles war besser als hier weiter überwacht, bestraft und manipuliert zu werden.
Noch in Gedanken versunken fiel ihm auf, dass er mit seinen Augen eine Gestalt verfolgte, die vor ihm durch die Gasse ging. In den frühen Abendstunden des Marswinters war in dieser Gegend nicht viel Leben auf den Straßen, höchstens diejenigen, die keine Unterkunft hatten und beschäftigt wirken mussten, um nicht als Obdachlose aufzufallen. Solche wurden vom Sicherheitspersonal, das sich ab und zu auch in diese Gegend verlor, nicht gern gesehen. Adventiva sollte sauber bleiben. Hier im Paradies durfte es solche Menschen nicht geben, also wurden sie heimlich entsorgt, um den Schein zu wahren. Ray stieg ein trockenes Lachen aus der Kehle bei dem Zynismus in seinen Gedanken.
Trotz allem weckte der Passant vor ihm sein Interesse. Irgendetwas schien anders und doch vertraut. Die Figur? Der Gang? Kannte er diese Person? War es gar ein Spion seines Vaters? Er musste es herausfinden.
Ray wich rechts in eine Seitenstraße ein, in der die Straßenlampen den roten Steinboden nur gering beleuchteten, und beschleunigte seine Schritte. Als er sicher war, die Gestalt überholt zu haben, nahm er die nächste Gasse links zurück zur Straße. Dort wartete er im Schatten einer großen, geparkten Lieferdrohne und schaute vorsichtig den Weg entlang. Die Person schlich weiter in seine Richtung. Im Schein einer Straßenlampe erkannte er für einen kurzen Moment glatte, dunkle Haare unter der Kapuze und schmale Augen mit Epikanthus-Falte. Es handelte sich um definitiv um keinen Bewohner der Marskolonie. Sein Herz raste. Beinahe hätte er sich ungläubig die Augen gerieben. Konnte das sein?
Ein Bild flammte in seinem Geist auf. Wie er als Teenager in der Arrestzelle saß, kurz nach seinem ersten Fluchtversuch aus der Militärschule. Eine Erinnerung an ihre erste Begegnung, die er nie würde vergessen können. Als wäre es gestern gewesen, hörte er die weibliche Stimme in seinem Kopf:
»Wie lange willst du noch den Boden anstarren?«
Der junge Ray zuckte zusammen, als er das Mädchen in seiner Nachbarzelle erkannte. Tatsächlich war er so in seinem Gram und den körperlichen Schmerzen der Bestrafungen versunken gewesen, dass er nicht aufgeblickt hatte.
»Ich habe es mir anders überlegt, schau doch wieder nach unten«, sagte sie patzig und verzog die Lippen. »Ich bin diesen Blick so unendlich leid, als wäre ich eine Missgeburt.«
Er wusste nicht, was er sagen sollte. Menschen dieses Phänotyps hatte er tatsächlich noch nie zu Gesicht bekommen. Es gab sie seines Wissens nach nicht auf dem Mars. »Ich wollte dich nicht anstarren. Tut mir leid«, brachte er schließlich drucksend hervor.
»Oha, du kannst ja doch sprechen.«
Ray blickte hinunter auf die gefalteten Hände in seinem Schoß. »Manchmal bin ich mir da nicht so sicher, weil mich niemand zu hören scheint.«
»Ich heiße Li.«
»Ich bin Ray.« Er sah auf und in ihre fremden, aber faszinierenden dunklen Augen. »Wie kommst du hierher?«
»Befehlsverweigerung.«
»Nein, ich meine diesen Planeten.«
Sie zögerte. »Wegen meiner Gene. Väterlicherseits.«
»Oh . bist du ein Mischling?«
Lis Augen verengten sich zornig bei der Frage. »Ein Mischling aus was? Mensch und Mensch?«
Ray hatte das Gefühl, vor einer fauchenden Katze zu sitzen und zog die Schultern hoch. »So meinte ich das nicht.«
»Mir ist völlig klar, wie du das gemeint hast«, blaffte sie ihn an. »Ja, meine Mutter stammt von der Erde, genügt das? Sag nicht, du hast noch nicht davon gehört, dass sich ein halber Terraner auf eurer ollen xenophoben und genetisch kontrollierten Arier-Kolonie befindet. Deine Freunde zerreißen sich doch sicher das Maul über mich.«
Ray drückte den Rücken durch und schaute sie stolz an. »Ich habe keine Freunde. Nicht hier.«
Lis Mimik entspannte sich daraufhin und schließlich lächelten sie beide sich zu. In diesem Moment realisierte Ray, dass er doch einen Freund auf der Akademie hatte.
Das war sie auch gewesen von da an. Eine sehr gute Freundin sogar. Die beste, die er sich vorstellen konnte. Bis sie nach zwei Jahren plötzlich spurlos verschwand.
Und nun sollte er ihr erneut begegnen? Nach so vielen Jahren? Hier im abgelegenen achten Bezirk? Er konnte es nicht glauben.
Ray nahm seinen Mut zusammen und trat vor die Gestalt, bevor sie an ihm vorbeischreiten konnte. »Li?«, flüsterte er heiser.
Sie stoppte und riss erschreckt die mandelförmigen Augen auf. Kurz darauf zeigte ihre Mimik Erkennen und sie schenkte ihm ein Lächeln, das sein eingefrorenes Inneres erwärmte. Sie war es. Seine alte Freundin hatte sich in den letzten Jahren kaum verändert, wirkte natürlich erwachsener aber noch immer so attraktiv wie früher. Kurz darauf kam die Skepsis zurück. Immerhin war er ein gesuchter Deserteur und kannte die junge Terranerin vor sich schon lange nicht mehr.
»Was machst du denn hier?« Nicht nur der Mars selbst, auch gerade diese Straße? Ein Zufall schien ihm unmöglich. Hatte er einen Fehler begangen, sich ihr zu zeigen?
Li wirkte ähnlich angespannt, was nicht gerade zu seiner Beruhigung beitrug. »Ich habe gehofft, dich hier zu finden.«
Das Adrenalin rauschte durch seine Adern bei den Worten und er trat einen Schritt zurück, bereit, seine Freiheit bis aufs Blut zu verteidigen. »Warum?«
Sie machte jedoch keine Anstalten, ihn anzugreifen oder eine Waffe zu ziehen, sondern stand nur ruhig da, die Hände vor ihrem Bauch ineinander gehakt. »Du hast mir doch von deinem Plan berichtet damals. Als du nicht in der Akademie warst, bin ich hierher.«
»Hat dich Admiral Steele geschickt? Ist dir jemand gefolgt?« Er sah sich hektisch um.
»Nein, keine Sorge. Ich habe niemandem gesagt, wohin ich gehe. Ich .«, sie brach ab und sah hinunter auf ihre Finger,...
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