
Ein Netz von Schulden
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Der Alltag in einer spätmittelalterlichen Stadt wie Basel war von Schulden geprägt: Kleinkredite und Borgkäufe hielten die Wirtschaft in Schwung, Rentenkäufe ermöglichten langfristige Geldanlagen. Schuldverhältnisse verbanden Menschen aus der Stadt, aus dem Umland und auch aus größerer Distanz in ganz unterschiedlichen Konstellationen. Als wichtige Institution zum Verhandeln von ausstehenden Schulden aller Art erwies sich das Schultheissengericht. Hier konnten Gläubigerinnen und Gläubiger Zahlungsversprechen erwirken, Beschlagnahmungen androhen und Schulden einklagen.
Benjamin Hitz untersucht die Entstehung von Schulden in ihrem sozialen Kontext und beschreibt den Einfluss von Faktoren wie Geschlecht, Herkunft und Vermögenslage der Beteiligten ebenso wie die Nutzung des Gerichts durch verschiedene Personengruppen. Qualitative, an Microstoria und historischer Praxeologie angelehnte Ansätze verbinden sich mit quantitativen Netzwerkanalysen zu einem Gesamtbild der Basler Schuldenwirtschaft, die vielen die Teilnahme an der städtischen Ökonomie ermöglichte, sie aber auch in existentielle Schwierigkeiten bringen konnte.
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Content
- Intro
- Danksagung
- Inhalt
- 1. Einleitung
- 2. Schulden eingehen
- 2.1 Zur Begrifflichkeit
- 2.2 Schuldformen und Schuldgründe
- 2.2.1 Bardarlehen
- 2.2.2 Verkaufssituationen
- 2.2.3 Gegenseitige Verrechnung
- 2.2.4 Soziale Settings des Schuldenmachens
- 2.2.5 Schuldgründe in den Stichproben
- 2.3 Sicherheiten
- 2.3.1 Sicherheiten bei Zahlungsversprechen
- 2.3.2 Pfänder
- 2.3.3 Bürgschaften
- 2.4 Fazit: sozial eingebundene Schulden
- 3. Schulden einfordern
- 3.1 Geldflüsse und Zirkulation von Objekten
- 3.1.1 Bargeld
- 3.1.2 Bezahlung mit Gütern und Arbeitsleistungen
- 3.1.3 Zirkulation von Schulden
- 3.2 Säumige SchuldnerInnen konfrontieren
- 3.2.1 Zeitpunkt des Einforderns
- 3.2.2 Schulden eintreiben
- 3.2.3 Die Konkurrenz der Gerichte
- 3.3 Schulden belegen
- 3.3.1 Schriftliche Schuldbelege
- 3.3.2 Nichtschriftliche Arten, Schulden zu belegen
- 3.4 Fazit: Wertflüsse verhandeln
- 4. Gerichte nutzen
- 4.1 Kreise von GerichtsnutzerInnen
- 4.1.1 Nutzung des Schultheißengerichts durch BaslerInnen
- 4.1.2 Nutzung des Schultheißengerichts durch Auswärtige
- 4.1.3 Zur Rolle der Frauen vor Gericht
- 4.1.4 Vertretungen
- 4.2 Das gerichtliche Angebot an Prozessformen
- 4.2.1 Vergicht
- 4.2.2 Klage wegen Schuld
- 4.2.3 Verbot
- 4.2.4 Frönung
- 4.2.5 Unzüchterbuch
- 4.3 Nutzung der Prozessformen
- 4.3.1 Herkunft und Distanz
- 4.3.2 Geschlecht
- 4.3.3 Vermögen
- 4.3.4 Logistische Regression zu Herkunft, Geschlecht und Vermögen
- 4.3.5 Schuldsummen
- 4.3.6 Schulden von verstorbenen Personen
- 4.3.7 Charakterisierung der Schuldanerkennungen
- 4.4 Fazit: differenzierte Gerichtsnutzung
- 5. Fälle verhandeln
- 5.1 Prozessschritte bei Vergichten, Frönungen und Verboten
- 5.2 Entscheide des Gerichts
- 5.2.1 Vertagungen
- 5.2.2 Vermittlung
- 5.2.3 Urteile
- 5.2.4 Kosten
- 5.2.5 Freiwillige Gerichtsbarkeit
- 5.3 Sanktionen und Druckmittel
- 5.3.1 Leisten
- 5.3.2 Verbannung und Flucht
- 5.3.3 Schuldhaft
- 5.4 Fazit: Schulden vor Gericht
- 5.4.1 Szenarien der Gerichtsnutzung
- 5.4.2 Die Frage des Vertrauens
- 5.4.3 Das Gericht als Institution
- 6. Schulden leben
- 6.1 Schuldennetzwerke
- 6.1.1 Netzwerkvergleich
- 6.1.2 Schuldenketten
- 6.1.3 Zeitliche Dimension
- 6.1.4 Komplexe Schuldmuster
- 6.2 Wer schuldete wem?
- 6.2.1 Attribute
- 6.2.2 Schuldsummen
- 6.3 Spezielle Gruppen von GerichtsnutzerInnen
- 6.3.1 Wichtige GläubigerInnen
- 6.3.2 Gerichtspersonal
- 6.3.3 Aristokratie
- 6.3.4 Verwandte
- 6.4 Fazit: Schuldennetzwerke
- 7. Fazit: Schuldbeziehungen
- 7.1 Schulden als Beziehung
- 7.2 Schulden und Abhängigkeit
- 8. Anhang
- 8.1 Quellenverzeichnis der Stichproben
- 8.2 Beschreibung der Codierung und der vorgenommenen Kategorisierungen
- 8.2.1 Erfasste Beziehungen
- 8.2.2 Umgang mit Schuldsummen
- 8.2.3 Bildung der Vermögenskategorien anhand der Steuerlisten
- 8.2.4 Weitere Kategorien
- 8.2.5 Probleme bei der Identifikation von Personen
- 8.3 Beschreibung der Auswertungsmethoden
- 8.3.1 Umgang mit fehlenden Daten
- 8.3.2 Statistische Methoden
- 8.3.3 Verwendete Software
- 8.3.4 Verwendetes Material für QGIS
- 8.4 Tabellen und Darstellungen
- 8.4.1 Attribute
- 8.4.2 Zeitlicher Verlauf
- 8.4.3 Prozessformen
- 8.4.4 Blockmodell und Typenbildung
- 8.4.5 Schriftstücke zur Schuld
- 9. Quellen
- 10. Bibliografie
- 10.1 Wörterbücher
- 10.2 Literatur
- 11. Tafelteil
- Register
- Personenregister
- Orts- und Institutionenregister
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