
Die Tochter des Papstes. Ein Renaissance-Schicksal
Description
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Die Lebensbeschreibung der Lucretia Borgia, sorgfältig recherchiert und mit eigenem Bildmaterial des Autors versehen, liest sich wie ein Roman. Sie wendet sich weniger an Fachgelehrte, als an historisch interessierte Leser. Es wurden Atmosphäre und Sitten der Zeit - auch im Hinblick auf die zu Lebzeiten Lucrezias herrschenden Päpste und ihres Anhangs - ohne Prüderie betrachtet, sodass man von einer Studie ohne Feigenblatt sprechen kann.
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Content
2 - I N H A L T [Seite 5]
3 - Der Kardinal [Seite 8]
3.1 - Andere Sitten [Seite 8]
3.2 - Alles ist menschlich [Seite 9]
4 - Vannozza [Seite 11]
4.1 - Ehrenwerte Meretrix [Seite 12]
4.2 - Sandro Botticelli: Rodrigo Borgia (Alexander VI.) als junger Kardinal [Seite 13]
4.3 - Der Stier der Borgia [Seite 14]
5 - Heilige Väter [Seite 16]
5.1 - Verdienste [Seite 23]
6 - Zeit im Umbruch [Seite 24]
6.1 - Das Dilemma [Seite 27]
7 - Alexander VI. [Seite 28]
7.1 - Felipe Moratilla: Alexander VI. Grabrelief [Seite 29]
7.2 - Das Leben geht weiter [Seite 31]
7.3 - Vermehret euch . . . [Seite 33]
7.4 - Eine ideale Erziehung [Seite 34]
7.5 - Giulia la Bella [Seite 37]
8 - Lucrezia [Seite 39]
8.1 - Lucrezia hält Hof [Seite 40]
8.2 - Die doppelte Verlobung [Seite 42]
8.3 - Bernardino Pinturicchio: Lucrezia Borgia als Siebzehnjährige. [Seite 43]
8.4 - Wer wagt, verliert [Seite 44]
8.5 - Zeitzeuge Burcardus [Seite 45]
8.6 - Eine Fürstenhochzeit [Seite 46]
8.7 - Lucrezia und Giovanni [Seite 48]
8.8 - Was ist Wahrheit? [Seite 50]
8.9 - La dolce vita vaticana [Seite 53]
8.10 - Sebastiano del Piombo: Cesare Borgia [Seite 55]
9 - Im Zeichen des Kreuzes [Seite 57]
9.1 - Armer Prinz [Seite 57]
9.2 - Das Jahr in Pesaro [Seite 60]
9.3 - Das Ende der Idylle [Seite 61]
9.4 - DerWendepunkt [Seite 63]
9.5 - Der schreckliche Fischzug [Seite 64]
9.6 - Klostergeheimnisse [Seite 68]
9.7 - Schmutzige Wäsche [Seite 70]
9.8 - Ein Eifersuchtsdrama? [Seite 71]
9.9 - Inzest [Seite 73]
9.10 - Kein kleines Mädchen [Seite 75]
9.11 - Der lachende Sechste [Seite 77]
10 - Der zweite Versuch [Seite 78]
10.1 - Hochzeit auf dem Vulkan [Seite 80]
10.2 - Machiavelli [Seite 81]
10.3 - Ein neues Blutopfer [Seite 85]
10.4 - Verschlungene Wege [Seite 85]
10.5 - "Gottes Finger" [Seite 89]
10.6 - Die Politik der Dolche [Seite 92]
10.7 - In päpstlicher Ungnade [Seite 95]
10.8 - Neue Heiratspläne [Seite 97]
10.9 - Nepi heute [Seite 98]
11 - Die Herzogin [Seite 102]
11.1 - Schwierige Vorbereitungen [Seite 103]
11.2 - Boschetto: Lucrezia Borgia vertritt Alexander VI [Seite 104]
11.3 - Böse Kritik aus dem Norden [Seite 106]
11.4 - Ein Triumphzug [Seite 108]
11.5 - Rom im Taumel [Seite 110]
11.6 - Kleine Aufmerksamkeiten [Seite 112]
11.7 - Abschied von Rom [Seite 115]
11.8 - Der lange Weg nach Ferrara [Seite 117]
11.9 - Urbino [Seite 118]
11.10 - Wieder in Pesaro [Seite 119]
11.11 - Zwei entscheidende Stunden [Seite 121]
11.12 - Hochmut und Liebreiz [Seite 122]
11.13 - Alle Eitelkeit der Erde [Seite 123]
11.14 - Eine kühle Hochzeitsnacht? [Seite 126]
11.15 - Lucrezia Borgia. Gedenkmedaille [Seite 127]
11.16 - Alltag in Ferrara [Seite 128]
11.17 - Anerkennung [Seite 130]
11.18 - Krankheit und Niederkunft [Seite 131]
12 - Bembo [Seite 135]
12.1 - Korrekte Beziehungen [Seite 135]
12.2 - Eine Frau von 23 [Seite 137]
12.3 - Die Vorgeschichte [Seite 138]
12.4 - Heimliche Briefchen [Seite 140]
13 - Alexanders Tod [Seite 140]
13.1 - Jenseits von Gut und Böse [Seite 141]
13.2 - Zum Schaden der Kirche [Seite 142]
13.3 - Vertauschte Becher? [Seite 142]
13.4 - Gift [Seite 144]
13.5 - Johannes Paul I. [Seite 145]
13.6 - Offene Fragen [Seite 146]
13.7 - Vom Teufel geholt [Seite 148]
13.8 - Requiescat in pace [Seite 149]
13.9 - Felipe Moratilla: Grabmal der Päpste Calixtus III. und Alexander VI in Santa Maria di Monserato, Rom [Seite 150]
14 - Das Alte stürzt . . . [Seite 152]
14.1 - Alfonso d'Este [Seite 153]
14.2 - Geschändete Grabtafel der Vannozza de Catanei [Seite 156]
15 - Platonische Flammen [Seite 159]
15.1 - Verdachtsmomente [Seite 159]
15.2 - Süsse Worte [Seite 160]
15.3 - Tod des alten Herzogs [Seite 163]
15.4 - Endlich ein Thronerbe [Seite 164]
15.5 - Die Verschwörung [Seite 166]
15.6 - Die Liebe und die Dolche [Seite 169]
15.7 - Letzte Hoffnungen [Seite 172]
15.8 - Zum bitteren Ende [Seite 174]
16 - Schattenbeschwörung [Seite 177]
16.1 - Grabmale [Seite 177]
16.2 - Was aus ihnen wurde [Seite 180]
16.3 - Wie sah Lucrezia aus? [Seite 181]
17 - Epilog [Seite 184]
Am 1. September 1501 schlossen Prokuratoren im Schloss Belfiore zu Ferrara den Ehekontrakt zwischen Alfonso d’Este und Lucrezia Borgia. Als die Nachricht in Rom eintraf, liess der Papst sogleich den Vatikan illuminieren und die Kanonen auf der Engelsburg Salut schiessen, um aller Welt das grosse Ereignis kund zu tun. Tags darauf zog eine gewaltige Prozession zur römischen Kirche der Spanier, Santa Maria del Popolo, um der Himmelskönigin für das glückliche Zustandekommen der fürstlichen Ehe zu danken. Nach dem Gottesdienst kippte die feierliche Prozession sofort in einen Karnevalszug um. Auf den Strassen wurde getanzt, gesungen und Schabernack getrieben.
Lucrezia hatte sich in der Sakristei umgezogen und ihr goldgewirktes Kleid ihrem Hofnarren geschenkt, der nun damit durch die Stadt ritt, es wie eine Fahne schwenkte und obszöne Reime dazu in die jubelnde Menge rief. Schwierige Vorbereitungen Trotz Volksfest und Salutschüssen erwiesen sich die realen Verhandlungen als äusserst zäh. Der Herzog von Ferrara hatte zwei hochrangige nach Rom geschickt, damit es über keinen Punkt “mündliche Vereinbarungen” gäbe, sondern nur schriftliche. Lange Sitzungen zwischen ferrarischen und vatikanischen Rechtsgelehrten fanden im Beisein des Papstes statt.
Die auswärtigen Teilnehmer berichteten ihrem Chef in Ferrara erstaunt, dass es vor allem Lucrezia war, die sich jedes Schriftstück vornahm, es las, beurteilte, auf zweifelhafte Formulierungen hinwies und Änderungen durchsetzte. Die Herren hoben in ihren Mitteilungen überhaupt die führende Rolle der jungen Braut hervor, ihre Sicherheit, ihren Kenntnisreichtum und ihre unerschütterliche Liebenswürdigkeit. Einer der beiden meinte in seinem Bericht sogar, Madonna Lucrezia sei “mehr an Geschäften interessiert als an Vergnügungen.”
Sie ging bei ihrem Vater ein und aus, wie sie wollte, bestimmte, welche Kardinäle oder auswärtige Botschafter vorgelassen wurden oder zu warten hätten. Sie spielte, nach heutigen Kriterien, die Rolle einer Chefsekretärin und Beraterin zugleich. Der alternde Alexander hatte sich schon so sehr an ihre Allgegenwart und Dienstfertigkeit gewöhnt, dass es ihm nur allzu lieb schien, wenn sich ihre Abreise noch verzögerte. Ein langwieriges Hin und Her zwischen Rom und Ferrara gab es über das Ehrengeleit, das Ercole entsenden sollte, um die Braut einzuholen, sowie über das Ehrengeleit, das der Brautvater seiner Tochter nach Ferrara mitzugeben gedachte. Listen der Teilnehmer wurden ausgetauscht, verbessert und abermals ausgetauscht, bis beide Seiten zufrieden waren.
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