Heinz' Life
Description
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Diese Frage beantwortet Professor Dr. Lutz Heuser, der Leiter von SAP Research, zusammen mit den Pionieren und Vordenkern der deutschen und internationalen Informatik- und Kommunikationsbranche, in diesem Tagebuch von Heinz.
Wir schreiben das Jahr 2032. Heinz blickt auf sein Leben zurück, das nicht nur beruflich eng mit der Informations- und Kommunikationsbranche verquickt war. Zusammen mit ihm erleben Sie, wie sich die Computer von den raumfüllenden Servern mit eigenem Kraftwerk bis hin zu unsichtbaren Helfern entwickelt haben, die jeder nutzt, aber kaum einer noch wahrnimmt.
Anschaulich und unterhaltsam berichtet Heinz, was diese eingebetteten Computer heute schon in unseren Alltagsgeräten Erstaunliches leisten und welche nützlichen und umwälzenden Anwendungen in den nächsten 20 Jahren auf uns warten und unser Leben verändern werden.
"Man muss kein Prophet sein, um davon auszugehen, dass in etwa 20 Jahren der PC genauso rasch wieder von der Bildfläche verschwunden sein wird, wie er sie zur Jahrtausendwende als Statussymbol des Informationszeitalters erklommen hat. Warum? Ganz einfach: Er wird schlicht überflüssig, weil Tausende von Minirechnern aus unserer jeweiligen Umgebung seine Arbeit übernehmen. Genauso wenig werden wir noch ein Handy oder einen festen Fernsehbildschirm brauchen. All das ist der Elektroschrott von morgen."
Prof. Dr. Lutz Heuser
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Content
2 - Inhalt [Seite 10]
3 - 1962: Großes Baby in der Großrechnerzeit [Seite 15]
4 - 1963: Deutschlands erster Transistorencomputer [Seite 20]
5 - 1964: Maschinelle Rechentechnik im Osten [Seite 25]
6 - 1965: Der Kampf der Giganten im Westen [Seite 29]
7 - 1966: Logik - Die Kraft der Gedanken [Seite 35]
8 - 1967: Erste Schritte eines Grafikpioniers [Seite 39]
9 - 1968: Mama und Software in der Krise [Seite 42]
10 - 1969: Mein erster Schultag [Seite 47]
11 - 1970: Wie sich aus Eitelkeiten Kapital schlagen lässt [Seite 50]
12 - 1971: Sowjetische Großrechentechnik im Einsatz [Seite 55]
13 - 1972: Wo, bitte schön, ist Japan? [Seite 61]
14 - 1973: Made in Germany [Seite 64]
15 - 1974: Ein Vordenker für Internet und Hyperlink [Seite 68]
16 - 1975: Reif fürs Museum: Die Welt der Großrechner [Seite 72]
17 - 1976: Analoge Ionen und digitale Bits [Seite 75]
18 - 1977: Erste Begegnung mit dem Internet [Seite 79]
19 - 1978: High Speed dank ISDN [Seite 82]
20 - 1979: Tusch für den Taschenrechner mit Gedächtnis [Seite 90]
21 - 1980: "Da stimmt wohl was mit dem Computer nicht" [Seite 94]
22 - 1981: Ein Sommer in Massachusetts [Seite 100]
23 - 1982: Das Cleverle und das Forschungszentrum [Seite 109]
24 - 1983: Smalltalk - Programmieren mit eingebauter Müllabfuhr [Seite 112]
25 - 1984: You have Mail! [Seite 117]
26 - 1985: ENC - Heidelberger Alternativen zum Internet [Seite 122]
27 - 1986: Babylon im zwanzigsten Jahrhundert [Seite 127]
28 - 1987: Vom Ernst des Lebens [Seite 132]
29 - 1988: Mit Rotwein geht alles besser [Seite 136]
30 - 1989 Als die Bilder ein weiteres Mal laufen lernten [Seite 140]
31 - 1990: Wandel durch Handel [Seite 144]
32 - 1991: Was ist los in Humenné? [Seite 149]
33 - 1992: Von Fahrrad- und Prozessketten [Seite 153]
34 - 1993: Kosten-Nutzen-Rechnung in einem Biergarten [Seite 157]
35 - 1994: Go East [Seite 162]
36 - 1995: Mit Sushi und Hummer in virtuelle Welten [Seite 166]
37 - 1996: AltaVista - Wer suchet, der findet [Seite 170]
38 - 1997: Der allgegenwärtige Computer kündigt sich an [Seite 174]
39 - 1998: Die Schreibmaschine in der Hosentasche [Seite 179]
40 - 1999: Wie viele Realitäten gibt es eigentlich auf dieser Welt? [Seite 182]
41 - 2000: Der Millenium-Bug und andere Zukunftsvisionen [Seite 187]
42 - 2001: Erst reden sie wie wir - und dann sehen sie auch noch so aus! [Seite 197]
43 - 2002: Polka in Zeitlupe oder im Schweinsgalopp [Seite 203]
44 - 2003: Einkauf im Dritten Jahrtausend [Seite 208]
45 - 2004: Auf dem Weg zu neuen Ufern [Seite 212]
46 - 2005: Web 2.0 - Von Blogs, Poesiebüchern und der Weisheit von vielen [Seite 216]
47 - 2006: Überall und doch unsichtbar [Seite 220]
48 - 2007: Von unechten Mühlrädern und echten Produkten [Seite 226]
49 - 2008: Human Touch in der virtuellen Welt [Seite 231]
50 - 2009: Die Wissensoase im Wüstensand [Seite 235]
51 - 2010: Wenn die Umgebung beginnt mitzudenken [Seite 238]
52 - 2011: Die neuen Internet-Adressen kommen [Seite 242]
53 - 2012: Fünfzig! - Mit allem, was das Herz begehrt [Seite 249]
54 - 2013: Handel im Wandel [Seite 252]
55 - 2014: Auto mit Authentifizierung [Seite 257]
56 - 2015: Einchecken wie im Fluge [Seite 261]
57 - 2016: Oh, Mandy! - Alles unter Kontrolle [Seite 264]
58 - 2017: Reisefreuden - Reiseleiden [Seite 270]
59 - 2018: Information im Überfluss [Seite 275]
60 - 2019: Bahrain - ich komme! [Seite 280]
61 - 2020: Erneuerbare Energien [Seite 284]
62 - 2021: Medizin hilft dem Hirn auf die Sprünge [Seite 289]
63 - 2022: Mein neues Traumauto X202 [Seite 294]
64 - 2023: Blick zurück in die Zukunft [Seite 300]
65 - 2024: Do it yourself: Herzklappe aus eigenen Stammzellen [Seite 305]
66 - 2025: Das intelligente Haus [Seite 308]
67 - 2026: PC - Was war das noch? [Seite 311]
68 - 2027: Die gestohlene Identität [Seite 317]
69 - 2028: Waggons - Der individuelle Massentransport [Seite 321]
70 - 2029: "TschupTschup" - Kommunikation ist alles [Seite 325]
71 - 2030: Unsichtbare Abläufe für diskrete Betreuung im Alter [Seite 330]
72 - 2031: Meine digitale Zukunft [Seite 335]
73 - 2032: Siebzig - und was kommt jetzt? [Seite 339]
74 - Die Autoren [Seite 342]
75 - . und zum Schluss ein Wort des Dankes [Seite 346]
16. Juli 1985
Mein Studium als Wirtschaftsinformatiker an der TU Darmstadt läuft inzwischen recht problemlos - vorausgesetzt, dass ich mich ans permanente Büffeln gewöhne. Betriebsblind möchte ich darüber aber nicht werden, deshalb versuche ich, mich über Fachzeitschriften in der Uni-Bibliothek und weitere Quellen ständig über technologische Neuentwicklungen, neue Trends oder Kommunikationsmöglichkeiten auf dem Laufenden zu halten. Auf die Ankündigung und Beschreibung der Gründung des European Networking Center1 in Heidelberg durch IBM bin ich in der Süddeutschen und der FAZ gestoßen. Der Gründungstag ist heute! In dieser Einrichtung möchte ich gern mal Mäuschen spielen. Insgesamt geht es hier um neue Wege, große Datenmengen über weite Entfernungen möglichst rasch zu transportieren. Aber auf welcher Basis? Am liebsten möchte ich dort mal ein Praktikum machen, fürchte aber, dass das meinen Horizont doch übersteigen dürfte.
Wenn ich mir die derzeitige Lage so anschaue, dann ist die Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) durch Großrechner gekennzeichnet, die lose miteinander verbunden sind. Die IBM ist technisch und wirtschaftlich ihrer despektierlich unter dem Sammelbegriff BUNCH2 zusammengefassten Konkurrenz mit der SNA3 meilenweit voraus. Die analoge Kommunikation wird von den nationalen Telekomgesellschaften bestimmt. Beide Welten existieren separat nebeneinander und leben gut davon.
Die Wissenschaft ist sich einig, dass es nicht dem Fortschritt dienen kann, wenn die übertragung von ein paar digitalen Fotos von Heidelberg nach Hamburg mit einer Rechnung von DM 25.000 bestraft wird. Diese Form der ITInfrastruktur ist also schlicht zu teuer. Nicht nur die Ingenieure wissen, dass IuK4 technisch zusammenfinden müssen, wenn man billigere und attraktivere Dienste haben will. Ob dieses technische Wissen allerdings die Motivation für die Gründung des ENC 1985 in Heidelberg ist?
Dafür lösen sich die Ideen, wie Telekommunikation und Datenverarbeitung in Zukunft organisiert sein sollten, einfach zu rasant ab. Nachtrag vom 12. Juni 2007 Komme gerade von einem amüsanten Abend nach Hause. Es gab einen Empfang anlässlich eines hochkarätig besetzten Symposiums an unserer Fakultät. Dort habe ich Professor Müller kennengelernt. Wir standen zufällig zusammen in der Schlange vom Buffet, und er erklärte mir die Warteschlangentheorie5. Ich war baff. Selbst beim Warten auf das Essen bringen diese Informatik-Professoren nebenbei ihr Wissen an. Auf meine Rückfrage, was er denn so mache, erzählte er mir - während wir uns langsam der reichen Speisenauswahl näherten - aus seinem beruflichen Werdegang.
Und da erwähnte er, dass er der ehemalige Gründer und erste Direktor jenes ENCs war, das ich vor 17 Jahren als mein Wunschziel für ein Praktikum ausgeguckt hatte. Das musste ich Müller gleich erzählen. Er schien allerdings inzwischen ein recht gespaltenes Verhältnis zum ENC und seiner Entwicklung zu haben. Er warf jedenfalls einen eher kritischen Blick zurück auf die Entwicklungen im ENC und dessen Einflüsse auf die ITK-Landschaft. Als wir die Pasta à la Panna vom Buffet genommen und uns an einen Tisch in der Ecke zurückgezogen hatten, begann er, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ich habe jetzt zwar über 15 Jahre Abstand, seit meinem Ausscheiden dort, trotzdem kann ich diese Zeit nicht objektiv analysieren.
Dafür war ich zu sehr in die Geschehnisse involviert. Zwar entstand das ENC erst 1985, aber schon lang vor der Gründung wurden in vielen Begegnungen und Gesprächen seit 1981 die neu entstehenden Rechnernetzaktivitäten in aller Welt analysiert. So entstand die überzeugung, dass OSI6 das beste Konzept sei, um die IuK-Vision in naher Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen. Es gab aber noch viele andere Kandidaten. Und das Internet erschien als die unwahrscheinlichste Option. Es verfügte gerade einmal über vier Knotenpunkte und wurde von damals wenig angesehenen Wissenschaftlern namens Vinton Cerf und Robert Kahn in Stanford vorangetrieben."
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