
München migrantisch
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Content
2 - Aus der Perspektive der Migration forschen [Seite 10]
3 - Frauen in der Münchner Integrationspolitik: Zum schwierigen Verhältnis von Gender- und Ethnizitätskonzepten [Seite 28]
4 - "Wild, exotisch, erotisch, anders" - Oder: The Margin Strikes Back. Zur globalen Mobilisierung kultureller Images [Seite 52]
5 - Integration als pädagogisches Konzept? Eine Ethnographie über pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen internationaler Herkunft [Seite 74]
6 - Learning Ethnicity - Oder: Wie nehmen die Bewohner Neuperlachs ihre multikulturelle Wohnsituation wahr? [Seite 98]
7 - theinder. net: Wenn globalisierte Alltage online gehen - Eine biografisch orientierte virtuelle Ethnographie [Seite 118]
8 - Beobachtungen in der Münchner Jamszene - Transkulturelle Begegnungen im Hobbymusikerbereich? [Seite 136]
9 - Das Transnationale im Objekt? Identifikationsobjekte in deutsch-/türkischen1 Wohnungen [Seite 148]
10 - Stabilität trotz Mobilität? Alltag unter den Bedingungen räumlicher Mobilität am Beispiel von Artisten und Zirkusleuten [Seite 166]
11 - Doing Diaspora: Ethnographische Einblicke in die diasporische Lebenswelt tibetischer Migranten in München [Seite 188]
Veronika Knauer
Nadine ist 25 Jahre alt und lebt in Neuperlach, seit sie drei ist. Ihre Mutter ist gebürtige Tschechin und kam in den 1960er Jahren nach Deutschland. Hier lernte sie Nadines Vater kennen, den man wiederum auf den ersten Blick als "Urbayern" identifizieren würde, obgleich dessen Vater wiederum italienischer Abstammung ist. Trotzdem besteht kein Zweifel daran, dass Nadine, wenn sie den Begriff "Ausländer" oder "Migranten" benutzt, "die Anderen" meint.
Die Anderen - also die, die integriert werden müssen, die, die Probleme machen, oder eben auch nicht. Und es sind auch die Anderen, die Neuperlach zu dem machen, was es ist. Ein Stadtteil, der hervorsticht. Ein Stadtteil, der nicht so homogen ist, wie es viele gerne hätten. Ein Stadtteil, der Ärger macht, und daher in der Presse oftmals als "sozialer Brennpunkt" beschrieben wird. Aber wer sind eigentlich die Anderen? Sind das die "Türken", die in besonders großer Zahl hier leben?
Oder sind es die "Kroaten"? Sind es einfach die "Ausländer"? Aber wer sind denn die "Ausländer"? Sind es diejenigen, die keinen deutschen Pass haben? Oder die, deren Eltern nicht in Deutschland geboren sind? Oder sind es alle, deren Werte, Traditionen und Sichtweisen nicht der deutschen Norm entsprechen - was immer diese sein mag? Auch wenn unklar ist, wer denn genau "die Anderen" sind, so bilden sie dennoch eine feste Ordnungskategorie in den Köpfen der Menschen.
Derartige Kategorien sind so selbstverständlich in unserer Gesellschaft verankert, dass man sie benutzt, ohne genauer darüber nachzudenken, um die Umwelt zu strukturieren, um gut und böse, Täter und Opfer zu definieren. Sie werden sogar benutzt, um sie selbst in Frage zu stellen, auch diejenigen, die es gut meinen, wenn sie sagen "Die Anderen sind gar nicht so anders" können dies nicht tun, ohne auf die gleichen Kategorien zurückzugreifen.
Und nirgendwo ist die Polarisierung "fremd" und "eigen" stärker ausgeprägt als in den öffentlichen Diskursen über Themen wie Migration oder Integration. In Debatten über "soziale Brennpunkte" und Problemviertel spricht man von "Ausländern" und "Deutschen", von Tätern und Opfern und sieht in der Existenz "der Anderen" die Ursache aller Probleme. Doch woher kommt dieses Denken, und welche Rolle spielt es im Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller und nationaler Herkunft?
"Sozialer Brennpunkt" Neuperlach - zur Stigmatisierung eines Viertels
"Neuperlach. Trabantenstadt am Rande Münchens. Hier an der U-Bahnstation Neuperlach Zentrum haben sie ihren Treffpunkt - türkische Jugendliche. Es ist eine eigene Welt mitten in Deutschland, mit eigenen Gesetzen, eigener Musik und sogar einer eigenen Sprache." So lautet der einleitende Text zu dem Dokumentarfilm Schauen was geht - Jung sein auf Türkisch, einer Reportage von Erika Haas und Richard Unkmeir über eine Clique Jugendlicher
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