
Offene Innovationsprozesse
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Joachim Henkel zeigt am Beispiel von "embedded Linux" auf, dass eine selektive Freigabe von Entwicklungen offene, kollektive Innovationsprozesse ermöglicht, von denen unter geeigneten Bedingungen alle Beteiligten profitieren. Kostspielige Parallelarbeiten können vermieden werden und die Unternehmen ihre Ressourcen auf Entwicklungen konzentrieren, die für ihre Kunden einen wirklichen Wert schaffen. Offene Innovationsprozesse dieser Art erfordern ein Umdenken gegenüber der überkommenen Haltung, geistiges Eigentum so umfassend wie möglich zu schützen.
Das Buch wendet sich an Dozenten und Studenten der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Technologie- und Innovationsmanagement sowie Industrieökonomik. Praktiker in der Softwareentwicklung, die Open-Source-Software nutzen oder entwickeln, erhalten wertvolle Hinweise.
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1.1 Motivation
Open-Source-Software erregt seit einigen Jahren große Aufmerksamkeit. Ungewöhnlich an dieser Software ist, dass jeder Nutzer das Recht hat, sie zu verändern und seinerseits weiterzugeben. Zudem wird Open-Source-Software, obwohl vielfach von hoher Qualität, weitgehend gratis verbreitet. Wer zur Entwicklung von Open-Source-Software beiträgt, verzichtet somit bewusst darauf, für seine Entwicklungen Institutionen zum Schutz geistigen Eigentums in Anspruch zu nehmen.
Während viele Open-Source-Programme von Hobby-Entwicklern initiiert wurden, tragen seit etwa 1998 auch Unternehmen wie IBM, Sun und Hewlett Packard in großem Umfang zur Entwicklung von Open-Source-Software bei. Dies ist aus Sicht der Betriebswirtschaftslehre überraschend: ein Unternehmen, das Software unter einer Open-Source-Lizenz vertreibt, kann dafür weder Lizenzgebühren erheben noch die Weitergabe oder Veränderung der Software verhindern. Die zunehmende Beteiligung von Unternehmen an der Entwicklung von Open-Source-Software ist umso erstaunlicher angesichts einer allgemein steigenden Neigung zur Patentierung.
Smith &, Parr (2000, S. 1) stellen zur Bedeutung geistigen Eigentums fest: " Intellectual property is the central resource for creating wealth in almost all industries. The foundation of commercial power has shifted from capital resources to intellectual property." Zwischen dieser Aussage und der wachsenden Bedeutung von Open-Source-Software besteht nicht notwendigerweise ein Widerspruch.
Vielmehr stellt die freie Weitergabe von Entwicklungen eine von mehreren Möglichkeiten dar, mit geistigem Eigentum umzugehen, alternative Möglichkeiten bestehen in Geheimhaltung und rechtlichen Schutzmechanismen.
Letztere sind vielfach Voraussetzungen für die profitable Eigennutzung einer Invention, und auch eine Fremdnutzung gegen Lizenzgebühren erfordert im Normalfall gewerbliche Schutzrechte. Die Fremdnutzung einer Invention kann dem Erfinder jedoch auch indirekte Vorteile bereiten. Diese können beispielsweise in erhöhten Umsätzen mit komplementären Produkten bestehen oder darin, dass andere Akteure die Entwicklung weiterführen und ihre Verbesserungen wiederum veröffentlichen.
IBM ist ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, das sich parallel verschiedener Mechanismen zur Aneignung von Innovationsrenten bedient. Der Konzern wendet jährlich mehr als fünf Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung auf.
Resultate dieser F&,E Anstrengungen werden in großem Umfang in eigenen Produkten genutzt. So hat IBM im Jahre 2001 allein mit Hardware Umsätze in Höhe von 36,80 Mrd. Dollar erwirtschaftet und einen Gewinn (vor Steuern) von 1,30 Mrd. Dollar erzielt (IBM 2001, S. 102).
Die Eigennutzung von Inventionen stellt für das Unternehmen somit einen sehr wichtigen Aneignungsmechanismus dar. Auch eine direkte Aneignung von Innovationsrenten aus Fremdnutzung spielt für IBM eine wichtige Rolle, was Einnahmen aus der Lizenzierung und dem Verkauf geistiger Eigentumsrechte in Höhe von 1,25 Mrd. Dollar im Jahre 2001 eindrucksvoll belegen (IBM 2001, S. 91). Sowohl die Lizenzierung einer Invention als vielfach auch deren Eigennutzung setzen voraus, die Nutzung durch andere Akteure verhindern bzw. kontrollieren zu können.
Andernfalls würde die Zahlungsbereitschaft potentieller Lizenznehmer abnehmen bzw. würden Konkurrenten den Wettbewerbsvorteil des Innovators mit geringen Kosten aufholen können. IBM bedient sich zu diesem Zweck in großem Umfang gewerblicher Schutzrechte.
Allein im Jahre 2001 wurden dem Unternehmen in den USA 3411 Patente erteilt, mehr als irgendeinem anderen Patentanmelder zuvor (IBM 2001, S. 62). Die hohe Zahl von Patentanmeldungen bedeutet jedoch nicht, dass IBM die Fremdnutzung seiner Entwicklungen grundsätzlich entweder ausschließt oder nur gegen Lizenzgebühren erlaubt.
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