
Mädchen und Gewalt
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Die Autorin erläutert die unterschiedlichen Motive und subjektiven Gewinne von physischer Gewalt für weibliche Jugendliche und verdeutlicht deren Sinnhaftigkeit im Rahmen familiär gelernter Interaktionslogiken.
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"Eine interessante und gut lesbare Doktorarbeit, die sich ausführlich einem Aspekt der Gewalttätigkeit von Mädchen widmet. Sie bietet neue Ausgangsüberlegungen für präventive und intervenierende Arbeit mit gewaltbereiten Mädchen und deren Bezugspersonen. Besonders die Zusammenfassung im neunten Kapitel kann wie eine Handreichung für PraktikerInnen gelesen werden. Sie macht aber auch neugierig auf die gesamte Studie. Für nicht wissenschaftliche Arbeitende gibt die Lektüre einen interessanten Einblick in Forschungsarbeit." www.socialnet.de, 17.05.2010More details
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Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den grundlagentheoretischen Grundlagen der vorliegenden Arbeit. Kapitel 1.1 fragt nach der Bedeutung des sozialen Geschlechts für die vorliegende Arbeit. Im Kapitel 1.2 beleuchte ich das Thema Gewalt unter verschiedenen theoretischen Aspekten. In Kapitel 1.3 stelle ich verschiedene Gewaltdefinitionen vor und leite daraus ab, in welcher Form ich selber den Gewaltbegriff nutze.
1.1 Theoretische Perspektiven auf Geschlecht
Die vorliegende Studie thematisiert Mädchen als Untersuchungsgruppe. Implizit ist damit unterstellt, dass es sinnvoll ist, auf die Kategorie Geschlecht Bezug zu nehmen. Im Folgenden möchte ich diese Selbstverständlichkeit problematisieren. Die überwiegende Mehrzahl aller Menschen weltweit sind biologisch eindeutig in eine der zwei Geschlechterkategorien Mann und Frau einteilbar und haben eine diesem biologischen Geschlecht entsprechende Geschlechtsidentität.
Die inhaltliche Ausformung der zwei Kategorien Mann und Frau unterscheidet sich jedoch von Kultur zu Kultur, insbesondere in ihren Rollenzuschreibungen in Bezug auf Gewalt (Mead 1983, 1961). Der soziale Unterschied zwischen den Geschlechtern ist immer grösser als der biologische (Kersten 1997b: 106).
Der soziale Unterschied in Bezug auf Geschlecht ist augenfällig: Physische Gewaltausübung gilt gesellschaftlich als Ausweis von Männlichkeit (Kersten 1997a, 1999). Das vorherrschende Weiblichkeitsbild in unserer Kultur definiert Frauen als nett, nicht aggressiv, empathisch, um andere bemüht und auf andere bezogen. Frauen, welche nicht aus Verzweiflung und zur Verteidigung Gewalt anwenden, verstoßen nicht nur gegen die Rechts- sondern auch gegen die Geschlechterordnung (Meuser 2003: 49).
Aggressive Mädchen im Alter von 1 bis 2 Jahren werden dementsprechend ignoriert, aggressive Jungen im gleichen Alter bekommen Aufmerksamkeit durch Erzieherinnen und Erzieher (Campbell 1995: 60). Mädchen lernen deshalb, Gewalterfahrungen passiv auszuhalten und eigene aggressive Empfindungen zu unterdrücken (Chodorow 1985, Hagemann-White 1984).
Junge, statusniedere Männer markieren durch Risikobereitschaft, eine aggressive Grundhaltung und die Zurschaustellung von Luxusgütern, dass sie den Nachwuchs, den sie potentiell zu zeugen fähig sind, beschützen und versorgen können (Kersten 1997b: 107). Auch wenn solche risikobehafteten und gewaltförmigen Entwürfe von Männlichkeit offiziell geächtet sind, sind sie doch im Prinzip legitimations- und konsensfähig (Kersten 1997b: 110).
Eine gewaltorientierte Konstruktion von Weiblichkeit wird hingegen sanktioniert, da sie nicht dem kulturell verbindlichen Gegenstück zur hegemonialen Männlichkeit, der betonten Weiblichkeit, entspricht (Kersten 1997b). Trotzdem oder gerade deswegen ist die öffentliche Form des 'bösen Mädchens' eine Ressource, sie bietet die Möglichkeit, Status und Identität zu erhalten (Laidler & Hunt 2001).
So scheint es folgerichtig, das soziale Geschlecht als bestimmende Erklärungsdimension anzusehen. Zweierlei muss allerdings beachtet werden: Erstens besteht die Gefahr, Unterschiede innerhalb einer Kategorie zu nivellieren und Unterschiede zwischen den Kategorien zu betonen. Beispielsweise machen Schriften, welche die Benachteiligung von Frauen sichtbar machen wollen, generelle Aussagen wie "Frauen sind." oder "Mädchen lernen.".
Damit werden Frauen genau jene stereotypen Eigenschaften zugeschrieben, deren Entstehung erklärt werden sollte (Hagemann-White 2004: 149). Durch die Darstellung von Geschlechtsunterschieden werden diese neu hergestellt und betont. Zum Zweiten besteht die Gefahr, die Geschlechtszugehörigkeit zur ungeprüften Hauptkategorie zu nehmen.
Das Handeln und Sein von Frauen und Männern scheint sich durch ihr Frau-Sein und Mann-Sein selbsttätig zu erklären. Ist aber (das biologische oder soziale) Geschlecht die entscheidende Kategorie? Nach Meinung einer wachsenden Zahl von Forschenden genügt der Genderaspekt bei weitem nicht, um die Lebenssituation von Menschen zu verstehen und deren Handlungen nachzuvollziehen. Die Lebenslage und daraus hervorgehend die Handlungen von Menschen lassen sich nicht auf ihr Geschlecht reduzieren.
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