Mördermord
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Wider Erwarten sprach das Schwurgericht den überführten und geständigen Attentäter frei. Aufgrund der Weltempörung, die die Aussagen des armenischen Schützen zur Folge hatte, flüchteten die Richter respektive die Geschworenen sich in die Anwendung des Paragraphen 51, also im Sinne des Gesetzes nicht schuldfähig. Solomon Teilirian verließ Deutschland als freier Mann, ging zuerst in die USA, heiratete in Europa, wurde zweimal Vater und als er in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts starb, legte die armenische Gemeinde in San Franzisco auf den Sarg ein Fernglas, mit dem der Mörder Talaats tagelang sein Opfer observiert hatte. In diesem Zusammenhang erwähnt Dr. Stephan Heymann in seinem Nachwort, durch seine Studien in Armenien ein Kenner des Sachverhaltes, die Terroranschläge der ASALA (Geheimarmee zur Befreiung Armeniens) 1975-1985 auf türkische Diplomaten und Einrichtungen, die eine Wiederbeschäftigung mit dem vergessenen Völkermord in internationalen Gremien bewirkten. Es scheint mittlerweile unbestritten, dass der Berliner Attentäter im Auftrag einer Feme-Organisation den Schreibtischmörder Talaat Pascha, er lebte inkognito als Ali Bey in Berlin, eliminierte. Auch bleibt die Frage offen, wer seinerzeit die besten Anwälte Deutschlands bezahlte, die einen Freispruch für den Salomon Teilirian bewirkten .
Dass die Autoren von Mördermord sprechen, fand das Missfallen der Armenischen Kolonie zu Berlin. Es gibt auch eine Art Rivalität zwischen Juden und Armeniern. Letztere fühlen sich zurückgesetzt, weil in der Weltöffentlichkeit stets der Holocaust gewürdigt wird, nicht aber im gleichen Maße das Leid der armenischen Minderheit in der Türkei Anfang des 20. Jahrhunderte. In einem Telegramm zur Deportation der Armenier wies der Innenminister Talaat Pascha zynisch an: der Ort der Verbannung ist das Nichts. Der Leichnam Talaats ist übrigens in einem Staatsbegräbnis beigesetzt worden; sein Todestag wurde zugleich Staatsfeiertag in der Türkei .
Höchst bedenklich ist Folgendes, was eine junge armenische Berliner Ärztin nach einer Lesung berichte: Danach hatte sie im Laden eines türkischen Händlers Kleingeld eingewechselt. Der junge Mann folgte ihr auf die Straße und fragte, ob sie Armenierin sei? Als die Ärztin bejahte, spuckte der Türke aus und rief, ihre Anwesenheit sei ein Beweis, dass seine Vorfahren 1915 leider einige Armenier hatten entwischen lassen. Ein nachgeborener Türke also - kommt uns Deutschen diese öffentliche Schmähung nicht bekannt vor?
Ein ergreifendes und sehr brisantes E-Book, auf alle Fälle lesenswert.
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Persons
Von 1966 bis 1969 arbeitete er beim Verlag Junge Welt Berlin. Danach war er freischaffend tätig als Journalist, TV-Kameramann und Schriftsteller.
1977 erlitt Hans-Ulrich Lüdemann einen Unfall als Reservist während seiner NVA-Wehrpflicht, der ihn zeitlebens in den Rollstuhl zwingt.
Er ist Autor von 20 Hörspielen für Kinder und Erwachsene, desgleichen sind 26 Buchtitel von ihm erschienen. Als wichtigstes Werk gilt sein autobiographisch geprägter Roman Der weiße Stuhl. Hans-Ulrich Lüdemann hat sich auch als Szenarist von TV-Filmen ausgewiesen. Schreiben ist für ihn Therapie. Seiner physischen und psychischen Stärkung dienten seit 1992 über zwei Dutzend Aufenthalte in Dänemark, Reisen nach San Francisco, Zypern, Toronto, Guernsey, Kapstadt, Florida, Dubai, Sydney und Singapur.
Glückliche Rollstuhl-Tage in Kalifornien fanden ihren Niederschlag in San Francisco and so on Happy Rolliday I. Ein Reise-Essay zu Südafrika trägt den Titel Kapstadt und so weiter Happy Rolliday II. Das dritte Buch über eine Reise im Oktober 2002 mit dem Titel Florida and so on Happy Rolliday III erschien Januar 2005. Ein viertes Reise-Essay Dubai-Sydney-Singapur und so weiter Happy Rolliday IV schloss 2005 die Reihe Happy Rolliday ab.
Die Gesamtauflage seiner Bücher beträgt nahezu eine Million Exemplare.
Mitgliedschaften: SV der DDR 1974, VS 1990; IG Medien 1990.
1973 Hörspielpreis des DDR-Rundfunks, 1977 Kunstpreis des DTSB, 1982 Preis für Kinder- und Jugendliteratur des Kulturministeriums der DDR.
Content
Melikjan atmet tief durch. Dann vergewissert er sich noch einmal: "Das also haben Sie alles gehört, gnädige Frau?"
Frau von Wedel-Jarlsberg nickt. Und sie ist noch nicht am Ende mit ihrer Schilderung: "Am Morgen des 19. Juni, als die Todgeweihten vorübergetrieben wurden, sind wir mit ihnen in die Stadt gegangen. Nur zwei Männer waren in der Menge. Von den Frauen waren einige geisteskrank geworden. Eine rief andauernd: Wir wollen Moslems werden! Wir wollen Deutsche werden! Was Ihr wollt! Nur - rettet uns! Jetzt bringen sie uns nach Kemagh und dort werden sie uns die Hälse abschneiden!" Frau von Wedel-Jarlsberg packt die Erinnerung. Sie schluchzt auf.
"Nimm es dir nicht so zu Herzen, meine Liebe." Frau Elvers legt einen Arm um die Weinende und reicht ihr ein Taschentuch, um die Tränen abzutrocknen.
"Es tut mir leid", murmelt Soghomon Melikjan und er verbeugt sich schuldbewusst.
Aber Frau von Wedel-Jarlsberg fasst sich überraschend schnell. Sie streckt jetzt den Rücken durch und schaut wie von oben herab auf den jungen Mann vor ihr:
"Wir haben damals lange warten müssen, mein Herr. Um den Zug jämmerlich anzusehender Gestalten vorbeizulassen. In der Menge Todgeweihter liefen auch viele Kinder mit; einige hatten auffallend helles Haar und große blaue Augen, die uns so todernst und mit solch einer unbewußten Hoheit anblickten, als wären sie hier auf Erden schon Engel des Jüngsten Gerichts. Und ein griechischer Kutscher sagte uns noch: Die werden jetzt alle zusammengebunden und von hohen Felsen in die Fluten des Euphrat zu Tode gestürzt! Tausende Leichen flussabwärts hätte man bereits gesehen."
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