
Promised Heaven
Description
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Thomas kann den Tod seiner Schwester nicht akzeptieren und fühlt sich als älterer Bruder verpflichtet herauszufinden, was ihr gefehlt und was sie zu ihrer Tat bewogen hat. Nach und nach entdeckt er in ihrem Profil bei einem sozialen Netzwerk merkwürdige Beiträge und geht dem nach. Schon bald muss er feststellen, dass er, wenn er alles über Lunas letzte Tage erfahren will, diese auch genauso durchleben muss, wie sie es getan hat, und steigt somit in ein tödliches Spiel ein. Um die Wahrheit herauszufinden, ist er sogar bereit, sein Leben zu opfern.
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Content
Prolog
Aus ganzer Kraft presche ich die Treppe hinunter, laufe um mein Leben. Warum eigentlich? Warum will ich plötzlich, sechsundzwanzig Tage nachdem ich beschlossen habe, mein Leben zu verlassen, dem jetzt so schnell wie möglich entgehen? Es gibt doch kein Zurück mehr. Ich würde aus diesem Teufelskreis nicht mehr entkommen können.
Mein Herz donnert wie bekloppt gegen meine Rippen und mein Atem ist außer Kontrolle, als ich die Wohnungstür erreiche und diese hinter mir rasch zumache. Abschließen! Eins. Zwei. Warum haben wir keinen zweiten Riegel?!
Ich weiß, dass ich beobachtet werde, dass ich verfolgt werde. Ich habe Angst. Nicht zum ersten Mal. Die Angst ist bereits mein Problem. Natürlich hat jeder Mensch Ängste: vor Mikroben, Spinnen, Flugzeugen, vor verschiedenen Erkrankungen wie Aids oder Krebs, vor Liebe oder Heirat, Zahnärzten, Schwiegermüttern, Falschheit und Neid, Höhe, Terroristen, einem Haar in der Suppe, Clowns, Hexerei und bösen Geistern . Aber vor allem hat jeder Angst vor dem Sterben. So wie ich .
Meine Nerven liegen blank. Seit Wochen spüre ich, dass ich nicht mehr normal bin - normal war ich auch schon davor nicht -, aber dass meine Psyche jetzt stark nachgibt, das bezweifle ich nicht mehr. Ich bin nicht mehr ich selbst, . das merken auch bereits die anderen. Doch will ich sie auch alle um mich rum haben? Eigentlich nicht wirklich, zumindest bis heute nicht. Irgendwie habe ich mich in den letzten Wochen mit meinem stillen Ich sehr gut angefreundet, fühlte mich wohl. Doch jetzt will ich anders sein, kann es aber nicht mehr. Irgendetwas in mir hält mich fest, zieht mich runter, taucht mich in die schwarze Tiefe, . will, dass ich untergehe! Das war doch das Ziel des Ganzen .
Mein Handy klingelt in der Sweetjacke. Mein Atem hat einen Aussetzer und ich hole es mit zitternden Händen heraus, fürchte mich, darauf zu schauen. Es macht keinen Sinn, wegzulaufen .
Als ich sehe, dass es Thomas ist, atme ich etwas erleichtert aus. Er will bestimmt wissen, wo ich abgeblieben bin. - Ich bin beim Aufgeben!
Thomas. Wenn er wüsste, wie sehr mir die frühere Zeit fehlt. Mir kullern die Tränen. Ich vermisse ihn. Ich hätte von Anfang an zu ihm kommen sollen, er war immer meine Stütze gewesen, bis ich in diesen Abgrund fiel. Warum konnte ich ihm das nicht anvertrauen? Warum kann ich ihm das jetzt nicht erzählen? . Weil ich damit auch sein Leben riskieren würde, . auch das von Elise. Mein Herz blutet beim Gedanken an meine kleine Schwester. Die Entscheidung, die mir anfangs so leicht erschien, fällt mir nun sehr schwer. Weil es jetzt nicht von mir selbst ausgeht, sondern weil ich Bockmist gebaut und mich auf einen Deal mit dem Teufel eingelassen habe. Und damit meine Familie nun in Sicherheit bleibt, muss ich das zu Ende bringen.
Erneut simst mein Handy, diesmal weiß ich, wer das ist - der Teufel selbst. Ich reagiere nicht und schaue nicht mal mein Telefon an, sitze inzwischen auf meinem Bett und denke an die Tage zurück, versuche selbst herauszufinden, wann das alles begann: Seit dem Tod meiner Mutter, die nach der Geburt meiner Schwester verstorben ist? Gott, ich bin fast wahnsinnig geworden, wie sehr ich sie vermisst habe und es immer noch tue. Sie fehlt mir nach wie vor sehr und ich kann sie nicht mehr umarmen. Mit meinem Ärmel wische ich über meine Augen. Ich will zu ihr, ich will sie sehen . Das ist einer der Gründe, warum ich sterben möchte.
Doch ich weiß ganz genau, dass es nicht der wahre Grund ist, der mich endgültig dazu gebracht hat, mich auf den Teufel einzulassen. Es war David, der mir diesen Stoß gegeben hat. Ich lehne meinen Kopf an die Wand und denke an den Tag zurück, als mich irgendetwas geritten hat, ihm meine Liebe in einem Brief zu beichten.
»Guckt mal, ich habe einen Liebesbrief bekommen!«, ruft er so laut, dass es die halbe Schule hören kann.
Neben ihm lachen seine Kumpels gehässig auf.
Ich habe so viel Mut in den Brief gesteckt, mich ihm darin ganz in meiner Liebe offenbart und er, . er tritt mich gerade mit Füßen, stellt mich vor allen bloß. Ich bin nicht nur verliebt in ihn, ich liebe ihn bis zum Verrücktwerden, bin süchtig nach seinem Äußeren, nach seinem Parfüm, das ich am liebsten immer riechen will, und bin wie versteinert in seiner Gegenwart.
Ich will ihm meinen Brief wieder aus seiner Hand entreißen, er soll jetzt nicht mehr wissen, wie sehr ich ihm mein Herz ausschütte. Doch er streckt seine Hand mit dem Papierstück so hoch, dass ich nicht drankomme und er deshalb schallend lacht.
Die Kränkung brennt in mir, bringt mich zum Glühen und ein dicker Kloß lässt kein Wort mehr heraus. Vor Schmerz und Demütigung will ich mich nur noch kleinmachen, in eine Ecke verkriechen und heulen. Das Bedürfnis dringt immer mehr an die Oberfläche und ich kann ein paar Tränen nicht mehr halten.
»Ahaha, du hast sie zum Heulen gebracht!«, meldet sich einer seiner Kumpels und sie brüllen vor Lachen. Das gibt mir den Rest. Ich laufe weinend davon.
Niemals hätte ich geglaubt, dass ich seine grauen Augen, die mich damals so anblickten, derart hassen würde. Nicht nur wegen seiner Nummer mit dem Brief, sondern weil er noch weiterging und die Liebe in mir zum Einsturz gebracht hat, er hat sie gnadenlos ermordet.
Ein paar Tage nach meinem Bekenntnis traf David mich in der Bibliothek, in der ich auf meinen Bruder wartete. Er sprach mich an, als wären wir beste Freunde, was mich nach der Aktion mit meinem Liebesbrief sehr verwunderte. Er entschuldigte sich sogar für sein Verhalten!
Ich war so naiv und habe ihm das ganze Geschwafel einfach abgekauft, während ich ihn so verliebt ansah, wie er mich neckte und seine blonden Haare von seiner Stirn streifte . so sexy.
Scheiß Liebe, sie kann so blind machen.
Als er mir vorschlug, mit ihm nach Hause zu gehen, dachte ich deshalb an nichts Schlimmes, packte schnell meine Bücher in meine Tasche und lief mit meiner rosaroten Brille hinter ihm her .
Gerade als wir aus dem Leseraum der Bibliothek in die Flur gehen, zerrt er mich auf die Toilette. Verständnislos blicke ich noch kurz in seine Augen, als er mich an die Wand kleistert und mit einem Kuss überfällt. Dieser Kuss ist der erste in meinem Leben und das auch noch mit dem Jungen, den ich liebe. Zugegeben, der Kuss ist der helle Wahnsinn und ich genieße ihn sehr. Das Gefühl des inneren Knisterns, dieses Feuer in mir, ist mir noch gänzlich unbekannt. Es ist beängstigend und berauschend schön zugleich, . bis David weitergeht, viel zu schnell, viel zu grob, viel zu bedrängend. Er zieht mein Shirt hoch und seine Hand schlüpft in meine Hose.
»Warte!«, keuche ich atemlos.
»Hab dich nicht so, du liebst mich doch«, raunt er an meinem Ohr und beißt mich am Hals, an dem er mich dann bis zu meiner Schulter liebkost. Wahnsinn .
Seine Finger kriechen weiter in meinen Slip und ich beginne, mich nun zu wehren, bitte ihn aufzuhören, was ihn aber nicht davon abhält, und er wird nur noch aufdringlicher.
»Komm schon, du bist schon nass.«
Mit meinen Händen drücke ich ihn an seiner Brust von mir weg. Erfolglos.
»Ich habe meine Tage«, wimmere ich beschämt.
»Was?!«, quiekt er entsetzt und springt sofort von mir weg, als hätte er sich an mir verbrannt. »Fuck!«, zischt er angewidert und starrt seine Finger an, die er sofort in einem kleinen Becken zu waschen beginnt. »Gott, ist das widerlich!«
Mir ist es auch zuwider, ich fühle mich elendig und ungemein beschämt. Ich wäre am liebsten im Boden versunken.
»Scheiß auf die Wette!« Sein abstoßender Blick wandert auf mich, bevor er hastig die Toilette verlässt.
Ich rutsche an der kalten Fliesenwand herunter und beginne zu weinen. Mir wird bewusst, dass er mit seinen Kumpels womöglich eine Wette abgeschlossen hat, dass ich mich ihm hingeben würde . Mir geht es nun noch dreckiger.
Die durchdringenden Blicke in der Schule spürte ich seitdem tagtäglich auf mir, bestimmt erzählte er allen davon. Jeden Morgen quälte ich mich dazu, mich aufzuraffen und den Tag in der Schule zu überstehen. Seine Freunde lachten mich aus, wenn ich an ihnen vorbeiging, während er mich nur anfunkelte oder einfach ignorierte. Ich war überzeugt davon, dass es viel schlimmer hätte ausgehen können, wenn ich keine Tage gehabt hätte, - da hätte ich mir gleich einen Strick genommen.
Darüber mit jemandem reden konnte ich nicht, nicht mal mit meiner Freundin Rebekka, ich schämte mich dafür, fühlte mich gedemütigt. Außerdem hat meine Freundin David abgrundtief gehasst und mir ständig eingeredet, dass ich mich auf ihn bloß nicht einlassen sollte, weil er allen Mädchen den Kopf verdrehte und sie ausnutzte, - und ich musste mich ausgerechnet noch in ihn verlieben.
Mein Leben schien mir nichts mehr wert. Ich hasste David, ich hasste mich und hasste mein Leben, das solch eine drastische Wendung genommen...
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