
Handbuch Familie
Description
Alles über E-Books | Antworten auf Fragen rund um E-Books, Kopierschutz und Dateiformate finden Sie in unserem Info- & Hilfebereich.
Reviews / Votes
"In dieser Form bietet das [...] Werk über seine Materialfülle hinaus auch zahlreiche Anregungen und Impulse für gegenwärtige und zukünftige Forschung und Praxis. [...] dieses Buch [ist] in seiner erziehungswissenschaftlichen Perspektive auf das in dieser profession ambivalent betrachtete Feld Familie ein wichtiges und mutiges Werk [...]." www.frauenberatenfrauen.at, 09.02.2009"[...] eine große Bereicherung, da es hier gelungen ist, empirische, theoretische und methodische Befunde der Familienforschung in historischer und aktueller Perspektive im Hinblick auf pädagogische Handlungsfelder darzustellen und zu diskutieren." Kontext - Zeitschrift für Systemische Therapie und Familientherapie, 03/2008
"Der Herausgerbin ist mit der inhaltlichen Aufbereitung dieses Handbuches ein besonderes Kunststück gelungen, nämlich ein für die Erziehungswissenschaft ambivalent besetztes und komplexes Thema Familie bekömmlich und nachvollziehbar aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive aufzubereiten und ohne den roten Faden zu verlieren. [...] Insgesamt betrachtet liegt mit diesem Handbuch ein einmaliges Standardwerk vor, das eine profunde Arbeitsbasis darstellt und in keiner Bibliothek fehlen sollte." www.socialnet.de, 14.01.2008
More details
Other editions
Additional editions

Person
Content
Kulturelle Transferbeziehungen
Ludwig Stecher / Jürgen Zinnecker
1. Einleitung
Die Familie ist ein Ort, wo Kultur gelebt und weitergegeben wird. Es ist nicht der einzige gesellschaftliche Ort, an dem dies geschieht, und die Urteile über den Wert der Familie im Prozess der Tradierung von Kultur sind schwankend und kontrovers. Der Mikrokosmos Familie stützt sich auf eine genealogische Abfolge von Generationen. Zwischen diesen Generationen wird die Weitergabe von Kultur ausgehandelt und praktiziert. Eltern leben die kulturellen Muster einer Gesellschaft vor, die nachgeborenen Kinder leben sie nach und modifizieren sie dabei. An keinem gesellschaftlichen Ort wird dieser Prozess der Weitergabe von Kultur so augen- und sinnfällig. Die Eltern-Kind-Interaktion besitzt gewissermaßen eine archetypische Qualität.
2. Das Konzept der intergenerativen Transferbeziehungen
Die Beziehungen zwischen den Eltern und ihren Kindern lassen sich in vielerlei Hinsicht als ein Transferprozess zwischen der jüngeren und der älteren Familiengeneration thematisieren. Anfang der 1990er Jahre wurde dafür das Konzept der Eltern-Kind-Beziehungen als intergenerative Transferbeziehungen entwickelt (vgl. Zinnecker 1994). Der Begriff des Transfers ist darin breit gefasst. Er reicht vom Austausch materieller Güter und (Dienst-)Leistungen bis zu immateriellen Dingen wie dem Austausch von persönlichen Befindlichkeiten, Wissen oder Informationen.
Der Begriff des Transfers, entnommen der Sozialpolitik bzw. Sozialökonomie, verweist über den konkreten Austausch in der Familie hinaus darauf, dass die binnenfamilialen Beziehungen auch im weiteren Kontext gesellschaftlich organisierter Generationenbeziehungen zu sehen sind. Hier knüpft das Konzept an makrosoziologische Modelle intergenerativer Beziehungen an, wie sie zum Beispiel von Margaret Mead (1970) mit Bezug auf den gesellschaftlich organisierten Wissenstransfer zwischen der älteren und der jüngeren Generation formuliert wurden. Mit dem Begriff der Beziehung soll andererseits betont werden, dass der Transfer innerhalb eines spezifischen - privaten - (Eltern-Kind-)Kommunikationsverhältnisses realisiert wird, "das gemeinsam geteilte Nahwelten und Alltäglichkeiten" und eine gemeinsame Vergangenheit sowie Zukunft umfasst (Zinnecker 1994, S. 25).
Grundlage der Beziehungen sind dabei die relativ dauerhaften Handlungs- und Orientierungsmuster der Kinder und ihrer Eltern - das, was Pierre Bourdieu zusammenfassend den Habitus nennt (vgl. Bourdieu 1993, S. 33f.). Die Nomenklatur kennt ihre eigene kleine semantische Wissenschaftsgeschichte. Der Prozess der Weitergabe von Kultur zwischen den Generationen wird in der empirischen Literatur häufig mit dem Term "kulturelle Transmission" belegt, einer Eindeutschung aus dem englischen Sprachraum. "Transmission" bezeichnete im Englischen ursprünglich die Übertragung genetischer Merkmale von den Eltern auf die Kinder. In der kulturanthropologischen Schule wurde daraus, beginnend mit den 1930er Jahren, eine kulturelle Institution - "The Transmission of Culture" (Spindler 1974/1997) als ein zentrales Thema von Erziehung und Sozialisation.
Brake und Büchner unterscheiden gegenwärtig zwischen Transfer und Transmission. Während sich der Begriff Transfer auf "die Inhalte und Gegenstände des intergenerativen Austauschs" beziehe, drehe sich der Begriff der Transmission "in erster Linie um die Prozessualität der wechselseitigen Austausch- und Aushandlungsprozesse" (2003, S. 635, Anmerkung 3). Um das Ergebnis bzw. das angestrebte Ziel kultureller Transmission zu kennzeichnen, hat sich seit den 1960er Jahren der Begriff "Enkulturation" eingebürgt, allerdings nicht generell durchgesetzt. So spricht beispielsweise W. Loch (1968) von der "Enkulturation als Grundbegriff der Pädagogik" (vgl. Mollenhauer 1989).
System requirements
File format: PDF
Copy protection: Watermark-DRM (Digital Rights Management)
System requirements:
- Computer (Windows; MacOS X; Linux): Use the free software Adobe Reader, Adobe Digital Editions, or any other PDF viewer of your choice (see eBook Help).
- Tablet/Smartphone (Android; iOS): Install the free app Adobe Digital Editions or another reading app for eBooks, e.g., PocketBook (see eBook Help).
- E-reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino and many more (only limited: Kindle).
The file format PDF always displays a book page identically on any hardware. This makes PDF suitable for complex layouts such as those used in textbooks and reference books (images, tables, columns, footnotes). Unfortunately, on the small screens of e-readers or smartphones, PDFs are rather annoying, requiring too much scrolling.
This eBook uses Watermark-DRM, a „soft” copy protection. This means that there are no technical restrictions to prevent illegal distribution. However, there is a personalised watermark embedded in the eBook that can be used to identify the purchaser of the eBook in the event of misuse and to provide evidence for legal purposes.
For more information, see our eBook Help page.