Fundamente der Ethik
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»Düsings Buch ist für den Fachphilosophen von heute eine hervorragende und überzeugend disziplinierende Herausforderung. Für den philosophisch bewanderten Laien sogar ist es lesbar und kann ebenfalls in vielen Passagen zum Genuss werden. [...] Das ist bei fachphilosophischen Büchern von heute keine Selbstverständlichkeit.« Wolfgang Hinrichs, Pädagogische RundschauMore details
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Content
2 - Summary [Seite 7]
3 - Inhalt [Seite 10]
4 - Vorwort [Seite 14]
5 - Einleitung: Die Diversität moderner Ethik-Entwürfe [Seite 16]
6 - 1 Grundtypen der Ethik [Seite 24]
6.1 - Einleitung [Seite 24]
6.2 - 1. Deontologie [Seite 25]
6.3 - 2. Utilitarismus und Eudämonismus [Seite 34]
6.4 - 3. Tugendlehre [Seite 42]
6.5 - 4. Politische Ethik [Seite 48]
6.6 - 5. Individualethik [Seite 54]
6.7 - 6. Rationale oder empirische Ethikfundierungen [Seite 58]
6.8 - Resümee [Seite 73]
7 - 2 Grundlagen und Probleme moderner Ethik-Entwürfe. Eine kritische Analyse [Seite 80]
7.1 - Einleitung [Seite 80]
7.2 - 1. Neuere und neueste deontologische Lehren [Seite 81]
7.3 - 2. Varianten des Utilitarismus [Seite 96]
7.4 - 3. Typen evolutionärer Ethik [Seite 116]
7.5 - 4. Ansätze zu einer Ethik als Tugendlehre [Seite 138]
8 - 3 Subjektivität als Prinzip der Ethik [Seite 144]
8.1 - Einleitung: Handlungssubjekte in konkreten Beispielen [Seite 144]
8.2 - 1. Selbstbewußtseinsmodelle. Eine Übersicht [Seite 149]
8.3 - 2. Idealisierte voluntative Selbstbestimmung als Grundlage der Ethik [Seite 164]
9 - 4 Das Prinzip der Ethik und seine grundlegenden Realisierungsgebiete [Seite 202]
9.1 - Einleitung [Seite 202]
9.2 - 1. Ethische Subjektivität und Intersubjektivität als Begründungssinn der Pflichten [Seite 204]
9.3 - 2. Das ethische Selbst und seine Tugenden [Seite 231]
9.4 - 3. Das ethische Selbst, seine Zwecke und Güter sowie sein höchstes Gut [Seite 264]
9.5 - 4. Individualethik und politische Ethik auf der Grundlage sittlicher Subjektivität und Intersubjektivität [Seite 285]
9.6 - 5. Die subjektive Fundierung sittlicher Selbstbestimmung in Vernunft, in Gefühlen, in Selbstbewußtseinsmodellen [Seite 297]
10 - Schluß: Zur Methode der Idealisierung und der Realisierung [Seite 316]
11 - Verzeichnis der zitierten Literatur [Seite 322]
12 - Personenregister [Seite 338]
13 - Sachregister [Seite 342]
Das Prinzip der Ethik und seine grundlegenden Realisierungsgebiete
Einleitung
Wie eingangs dargelegt, ergeben sich aus der Struktur des selbstbewußten Willens die verschiedenen grundlegenden Gebiete und Arten der Ethik. Dies kann nun dahingehend präzisiert werden, daß es die ideale voluntative Selbstbestimmung des Selbst und das darin implizierte Ideal einer ethischen Gemeinschaft sind, die das eigentliche Fundament für jene verschiedenen Gebiete und Arten der Ethik ausmachen. Jenes Ideal enthält nur den noematischen Vorstellungsinhalt, daß Personen von sich aus einander wechselseitig anerkennen und achten in ihrer jeweiligen idealen voluntativen Selbstbestimmung.
Da dies Ideal, konstituiert von der idealen voluntativen Selbstbestimmung, praktische Bedeutung haben und den Willen in seinen freien Entschließungen dazu bestimmen soll, es zu befördern, wird solche Beförderung also als schlechthin gesollt vorgestellt. Darin gründen die ethischen Pflichten und damit auch die Lehre über sie, die ethische Pflichtenlehre. Die sich in ihrem Wollen sittlich bestimmende Person faßt aber in der Beförderung dieses Ideals und spezifischer hinsichtlich der Ausführung ethischer Pflichten nicht lediglich verstreute, punktuelle Entschlüsse; sie bildet vielmehr aufgrund der Identität und synthetischen Einheit ihrer voluntativen Selbstbestimmung bestimmte ethische Haltungen aus als dauerhafte, konstante, subjektive Möglichkeiten oder Dispositionen zu handeln, in denen die Person sich zugleich selbst versteht, die Tugenden; die ethische Lehre über sie ist die Tugendlehre.
Der Wille des endlichen Selbst ist zudem in der voluntativen Vorstellung des Spannungsfeldes zwischen seinen Möglichkeiten und seiner Wirklichkeit teleologisch strukturiert; er entwirft, ausgehend von seinem wirklichen Zustand, im Vollzug der Selbstbestimmung inhaltlich erfüllte eigene Zwecke, die modal nur möglich sind, und sucht sie zu verwirklichen. Sofern ethische voluntative Selbstbestimmung von solcher teleologischen Beschaffenheit ist, verfolgt sie ethische Zwecke und als deren leitendes Prinzip einen inhaltlich bestimmten höchsten Zweck oder ein höchstes Gut, was in einer Lehre von ethischen Zwecken und von einem höchsten ethischen Zweck oder Gut ausgeführt wird.
So zeigt sich anhand von Grundstrukturen der idealen voluntativen Selbstbestimmung, daß eine subjektivitätstheoretisch fundierte Ethik alle drei entscheidenden Gebiete der Ethik in einer noch darzulegenden Ordnung zu behandeln hat. Solche Ordnung wird auch für den Typus dieser Ethik von prägender Bedeutung sein. Die ethische Darlegung dieser Pflichten-, Tugend- und Zweckelehre erfolgt nun jeweils in unterschiedlicher Weise, je nach dem ob deren primärer Referenzbereich der Einzelne oder die Gesellschaft ist, ob die Ethik also als Individualethik oder als politische Ethik durchgeführt wird. Beides ist hier erforderlich; da die ideale voluntative Selbstbestimmung vom einzelnen Selbst vollzogen wird, erweist sich die hiesige Ethik vorrangig als Ethik des Einzelnen und konkreter: des Individuums. Auf dieser Grundlage kann dann in spezifischer Explikation des Ideals einer ethischen Gemeinschaft auch die gesellschaftlich- politische Dimension dieser Ethik entwickelt werden.
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