
Wie die Stille vor dem Fall
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Was macht dein Herz?
Es schlägt noch.
Bevor ich mich auf die Wette einließ, dass ich jedes Mädchen - selbst Shay Gable - dazu bringen würde, sich in mich zu verlieben, war ich mir sicher, dass ich nichts von den Dingen, die Shay mir geben könnte, jemals wollte. Doch schon bald konnte ich an nichts anderes mehr denken: Glück. Das Gefühl, zu Hause zu sein. Einen sicheren Ort zu haben, um mich fallen zu lassen. Hoffnung. Liebe. Ihre Seele. Und ihr Licht. Doch was konnte ich ihr im Gegenzug geben? Meine Narben. Meine Angst. Meine Schwere. Meinen Schmerz. Meine Dunkelheit. Das war nicht fair. Und deshalb stieß ich Shay von mir. Ich sorgte dafür, dass sie niemals zu mir zurückkehren würde - bevor ich ihr sagen konnte, dass ich sie ebenfalls liebe.
"Brittainy C. Cherry zaubert mit Worten. Nur ihre Geschichten schaffen es, einem das Herz in tausend Stücke zu brechen und es danach liebevoll wieder zusammenzusetzen." mariesliteratur
Erster Teil des zweiten Bandes der herzzerreißenden CHANCES-Reihe von SPIEGEL-Bestseller-Autorin Brittainy C. Cherry.
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Landon & Shay
11. und 12. Klasse
2003
1
LANDON
Ich wollte kein Monster sein, aber manchmal fragte ich mich, ob manche Menschen nicht als Monster geboren werden, mit einer inneren Finsternis, die in ihr Blut sickert und ihre Seelen infiziert.
Mein Name war der Beweis dafür, dass ich ein besserer Mensch hätte sein sollen.
Ich stammte aus einer Familie außergewöhnlicher Männer. Meine Mutter hatte mich nach meinem Onkel Lance und meinem Großvater Don benannt - zwei der großartigsten Menschen, die je gelebt hatten. Der Name Don bedeutet »edel«, und Lance »Diener«, und beide, mein Onkel wie mein Großvater, hatten ihrem Namen alle Ehre gemacht. Sie kämpften im Krieg und opferten ihr Leben und ihre Seelen für andere. Sie gaben alles, mit weit geöffneten Armen, und erlaubten den Menschen, von ihnen zu nehmen, bis nichts mehr übrig war.
Die Kombination ihrer Namen hätte mich zu einem edlen Diener dieser Welt machen sollen, doch ich war alles andere als edel. Wenn man meine Klassenkameraden gefragt hätte, was mein Name bedeutete, so hätten sie vermutlich geantwortet: Arschloch. Und das zu Recht.
Ich war kein bisschen wie mein Großvater oder mein Onkel, im Gegenteil, ich war eine Schande für ihr Angedenken.
Keine Ahnung, warum so viel Finsternis auf meiner Seele lastete oder warum ich so wütend war. Ich wusste nur, dass ich es war.
Ich war ein Arschloch, auch wenn ich es gar nicht sein wollte. Die Einzigen, die es mit mir aushielten, waren meine engsten Freunde, und Monica, die ich einfach nicht mehr loswurde.
Nichts an mir war edel oder zum Dienen bereit. Ich kümmerte mich um mich selbst und um die wenigen Menschen, die mutig genug waren, mich als ihren Freund zu bezeichnen.
Und das hasste ich an mir. Ich hasste es, dass ich kein guter Mensch war. Ich hatte keinen Funken Anstand, sondern tat eine Menge unanständiger Dinge, bei denen Lance und Grandpa sich wahrscheinlich im Grab umdrehten.
Und warum war ich so?
Wenn ich das wüsste.
Mein Verstand war ein einziges großes Puzzle, und ich hatte nur eine grobe Vorstellung davon, welche Teile zusammengehörten.
Nach einem sinnlosen Vormittag voll sinnbefreiter Unterrichtsstunden ging ich in die Cafeteria und nahm mir ein Tablett. Es war mein Senior Year - noch ein Semester, bis ich endlich aus dem provinziellen Raine, Illinois, verschwinden konnte.
Ich ging zu meinem Tisch und verzog das Gesicht, als ich Monica dort sitzen sah. Doch während ich noch überlegte, ob ich warten sollte, bis Greyson, Hank oder Eric auftauchten, hatte sie mich schon entdeckt und winkte.
»Landon! Hol mir noch eine Milch - fettarm«, orderte sie schrill. Ich hasste diese Stimme. Sie klang wie eine Furie, und ich sage euch, ich hatte Albträume, in denen diese Frau meinen Namen kreischte.
Keine Ahnung, ob ihre Stimme mich früher schon so genervt hatte, aber dazu muss man sagen, dass ich während all unserer vorangegangenen Interaktionen entweder betrunken oder bekifft gewesen war. Monica und ich kannten uns seit einer Ewigkeit. Wir waren Nachbarskinder mit mehr oder weniger verkorksten Leben. Ich hatte meine Dämonen, und Monica hatte ihre.
Wenn uns alles zu viel wurde, gingen wir miteinander ins Bett, um für eine Weile den Kopf auszuschalten. Das Ganze hatte nichts mit Liebe oder Romantik zu tun - tatsächlich konnten wir uns nicht mal besonders gut leiden, weswegen die Sache für mich ganz gut funktionierte. Ich hatte kein Interesse an einer Freundin oder einer festen Beziehung. Alles, was ich brauchte, war gelegentlicher Sex, um abzuschalten.
Eine Weile lief es ganz gut, bis ich beschloss, mir in Sachen Alkohol und Drogen einen kalten Entzug zu verordnen, und seitdem laberte Monica nur noch Mist. »Wenn du drauf bist, gefällst du mir besser«, hatte sie bei unserem letzten Fick-Date erklärt.
Worauf ich geantwortet hatte: »Und du gefällst mir besser, wenn du meinen Schwanz im Mund hast.«
Was nicht mal stimmte. Der Sex mit Monica war nicht besonders gut. Er vertrieb mir einfach die Zeit. Sie war beim Sex wie die Frauen im Porno, was theoretisch echt geil hätte sein können. Aber in Wirklichkeit bedeutete es zu viel Sabber, zu viel zielloses Grapschen, und meistens musste ich es mir selbst besorgen, um zum Abschluss zu kommen.
Als ich ihr das irgendwann mal gesagt hatte, verpasste Monica mir eine Ohrfeige, und der Schmerz gefiel mir irgendwie. Meine Haut brannte und pochte an der Stelle, wo sie mich geschlagen hatte, was mir bewies, dass ich noch am Leben und noch in der Lage war, etwas zu spüren, auch wenn ich mich die meiste Zeit fühlte wie Trockeneis - hart gefroren und schmerzhaft für jeden, der es wagte, mich zu lange festzuhalten.
Monica erklärte, sie würde mich erst wieder vögeln, wenn ich high wäre.
Und seitdem war das Desaster, zu dem wir zusammengefunden hatten, offiziell beendet - jedenfalls von meiner Warte aus gesehen.
Monica hatte die Nachricht allerdings offenbar nicht bekommen. Seit Wochen versuchte ich sie loszuwerden, aber als die treue Kakerlake, die sie war, ließ sie sich einfach nicht abschütteln und tauchte immer dann auf, wenn ich sie gerade überhaupt nicht gebrauchen konnte.
»Bist du high? Hattest du einen Rückfall? Willst du an meinen Titten lutschen?«
Die Letzte, mit der ich mich in dieser Woche abgeben wollte, war Monica, aber wenn ich mich nicht zu ihr setzte, würde sie nur noch lauter werden.
Also stellte ich mein Tablett ab und nickte ihr knapp zu.
»Wo ist meine Milch?«, fragte sie.
»Hab dich nicht gehört«, antwortete ich trocken.
Sie griff rüber, nahm meine Milch, ohne sich um meinen Durst zu scheren, und öffnete sie. Sie hatte Glück, dass ich nicht die Energie hatte, mich mit ihr zu streiten. Ich hatte in der vergangenen Nacht nicht geschlafen und sparte mir meinen Ärger für Menschen und Dinge, die mir tatsächlich etwas bedeuteten. Die Liste war kurz, und ihr Name stand nicht darauf.
»Ich hab nachgedacht - du solltest am Wochenende eine Party geben«, sagte sie, während sie meine Milch austrank. Es war Vollmilch - also hatte Monica wenigstens nicht alles bekommen, was sie wollte.
»Darüber denkst du öfter nach«, erwiderte ich und konzentrierte mich auf mein Mittagessen. Es war die erste Woche nach den Winterferien, und es war gut zu wissen, dass die Cafeteria uns noch immer den gleichen Mist servierte wie letzten Monat. Wenn ich eins mochte, dann Beständigkeit.
»Ja, aber dieses Wochenende solltest du wirklich eine schmeißen. Schließlich ist es Lance' Geburtstag. Wir sollten sein Andenken feiern.«
Ich spürte ein Feuer in mir auflodern, als sie über Lance sprach, als hätte sie ihn gekannt oder würde sich auch nur im Geringsten für ihn interessieren. Und sie hatte es auch genau aus diesem Grund gesagt - um mich zu provozieren und in das Monster zu verwandeln, das sie so vermisste, denn sie war davon überzeugt, dass sie mich erst benutzen konnte, um ihre Narben zu vergessen, wenn meine aufs Neue aufgerissen wurden.
Es war fast ein Jahr her, seit Lance gestorben war.
Und noch immer fühlte es sich an, als wäre es gestern gewesen.
Ich biss die Zähne aufeinander. »Reiz mich nicht, Monica.«
»Warum? Ich liebe es, dich zu reizen.«
»Gibt es nicht ein paar ältere Schwänze, hinter denen du her sein könntest?« Ich ließ Luft ab, und sie sah mich mit einem finsteren Lächeln an. Sie mochte es, wenn ich darauf anspielte, dass sie mit älteren Männern ins Bett ging. Auf diese Weise hatte sie sich an mir rächen wollen, weil ich nicht mehr mit ihr schlief. Sie hatte sich einen älteren Kerl geangelt und mir alles haarklein berichtet.
Schade nur, dass es mich nicht interessierte.
Wenn ich irgendwas bedauerte, dann ihr mangelndes Selbstwertgefühl.
Monica war der klassische Fall eines reichen Mädchens mit Vaterkomplex, und es half nicht wirklich, dass ihr Vater ein Riesenarschloch war. Als Monica ihm mal erzählte, dass einer seiner Geschäftspartner sie auf einer Party begrapscht hatte, behauptete er, sie würde lügen. Ich wusste, dass sie die Wahrheit sagte, denn ich hatte gesehen, wie sie an diesem Abend auf ihr Zimmer verschwunden war und geweint hatte. Niemand weinte so ohne Grund. Wie sich herausstellte, war es nicht das erste Mal, dass einer der Geschäftsfreunde ihres Vaters sich an ihr vergriffen hatte, doch jedes Mal, wenn sie es ansprach, erklärte er nur, sie sei erbärmlich und wollte bloß Aufmerksamkeit.
Und so wurde sie, was ihr Vater ihr vorgeworfen hatte: erbärmlich und süchtig nach Aufmerksamkeit.
Monica gierte nach dem Verlangen der Männer, von denen ihr Vater behauptete, sie hätten kein Interesse an ihr. Sie hatte ein Problem mit ihrem Vater, also schlief sie mit Männern in seinem Alter. Im Bett nannte sie sie sogar »Daddy«, was in mehr als einer Hinsicht echt krank war.
Einmal hatte sie sogar mich beim Sex »Daddy« genannt, und ich hatte die Nummer sofort abgebrochen. Schließlich wollte ich ihre Dämonen nicht noch weiter füttern. Ich wollte nur meine eigenen für eine Weile stumm schalten.
Ehrlich gesagt, war ich froh, dass Monica und ich nicht mehr miteinander schliefen.
Monica spielte jetzt mit der Zunge in ihrer Wange und sah mich herausfordernd an. »Bist du etwa eifersüchtig, oder was?«
Sie wünschte es, sie hoffte es, und sie betete, dass ich es war.
Ich war es nicht.
»Monica, dir ist schon bewusst, dass wir...
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