
Wie die Ruhe vor dem Sturm
Description
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Als ich meine neue Stelle als Nanny einer reichen Familie antrat, konnte ich nicht ahnen, dass es Greyson Wests Kinder waren, die ich betreuen würde. Und auch nicht, dass der Junge, den ich einmal geliebt hatte, zum Mann geworden war - ein eiskalter, einsamer, unnahbarer Mann. Alles an Grey war in Schmerz versunken. Doch ab und zu sah ich den Jungen von damals in seinen sturmgrauen Augen - und ich wusste, dass es sich um ihn zu kämpfen lohnte.
"Die Emotionen haben mir den Atem geraubt. Brittainy C. Cherry ist eine Königin!" ANNA TODD
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Brittainy C. Cherrys erste große Liebe war die Literatur. Sie hat einen Abschluss der Carroll Universität in Schauspiel und Creative Writing. Seitdem schreibt sie hauptberuflich Theaterstücke und Romane. Sie lebt mit ihrer Familie in Milwaukee, Wisconsin.
Content
1
ELEANOR
21. Juni 2003
Alles, was ich über das Leben wusste, hatte ich von Harry Potter gelernt.
Ich nannte ihn den besten Lehrer in allen Lebenslagen und schwor, dass er mir schon unzählige Male das Leben gerettet hatte. Jedes Mal, wenn mich etwas belastete, schrieb ich Zaubersprüche, um Menschen in Ratten, Schnecken oder Kröten zu verwandeln.
Man muss wohl kaum erwähnen, dass meine sozialen Kompetenzen dürftig waren. Aber das war nicht schlimm, denn ich war wirklich gut darin, andere Menschen zu meiden - jedenfalls so lange, bis ich gezwungen war, mit ihnen zu interagieren.
»Du hast Raus-aus-deinem-Zimmer-Arrest.« Mom stand im Türrahmen und rieb sich mit den Handballen über das Gesicht. Ihre braunen Haare waren zu einem unordentlichen Knoten hochgebunden, und die Malerschürze, die sie sich um die Taille geschlungen hatte, verbarg ihr pinkfarbenes Pink-Floyd-T-Shirt. Ihre neongrünen Chucks waren voller Farbe, und das dicke pinkfarbene Gestell ihrer Brille saß oben auf ihrem Kopf, als sie mir ein strahlendes Lächeln schenkte.
Sie hatte den ganzen Tag in der Garage gemalt, denn an den Wochenenden konnte sie sich ganz ihrer Liebe zur Kunst widmen. In der Woche war sie die immer freundliche Nanny, die die Kinder vor einem Leben in Langeweile bewahrte. Aber an den Wochenenden konnte sie sie selbst sein.
Ihre Krebsdiagnose war zwei Monate her, und ich liebte es, wenn sie malte. Solange sie malte, hatte ich das Gefühl, alles sei gut. Solange sie noch sie selbst war, war jeder Tag leichter.
Und an den meisten Tagen war sie sie selbst. Manchmal war sie müde, aber sie war noch immer Mom. Sie legte sich nur häufiger hin, um sich auszuruhen.
Ich verengte die Augen und blickte von meinem Buch auf. »Du kannst niemandem Raus-aus-deinem-Zimmer-Arrest geben.«
»Doch, das kann ich. Dein Vater und ich haben darüber gesprochen, und wir verbieten dir, dich in diesen vier Wänden aufzuhalten. Du hast Sommerferien! Du solltest dich mit deinen Freunden treffen.«
Mein Blick wanderte von ihr zu meinem Buch und wieder zurück. »Was genau denkst du tue ich gerade?« Ich liebte meine Mutter. Sie war die beste Mutter der Welt, aber an diesem Nachmittag war sie wirklich rücksichtslos. Es war schließlich nicht irgendein Sommertag. Heute war der 21. Juni 2003, der Tag, auf den ich seit drei Jahren wartete.
Drei. Lange. Schmerzvolle. Jahre.
Und sie benahm sich tatsächlich, als wüsste sie nicht, dass heute Harry Potter und der Orden des Phönix in die Buchläden gekommen war. Der Umstand, dass sie überhaupt die Nerven hatte, über irgendetwas anderes als über Harry, Ron und Hermione zu sprechen, war unfassbar.
»Eleanor, es sind Sommerferien, und du hast noch kein einziges Mal dein Zimmer verlassen.«
»Aber nur, weil ich die ersten vier Harry-Potter-Bände nochmal lesen musste, um mich auf das hier vorzubereiten.« Das hätte sie aber auch wirklich verstehen können. Es war in etwa so, als hätte Grandma meine Mom früher, wenn ein neues Black-Sabbath-Album rausgekommen war, Milch kaufen geschickt, statt sie Musik hören zu lassen.
Total uncool.
Black Sabbath > Milch.
Harry Potter > Sozialleben.
»Shay sagt, heute Abend steigt eine Party«, erklärte Mom und setzte sich auf mein Bett. »Es gibt bestimmt Gras und Alkohol«, witzelte sie und stieß mich mit dem Ellbogen an.
»Toll«, spöttelte ich. »Wie könnte ich mir das entgehen lassen?«
»Okay, ich weiß ja, dass du nicht so ein Partylöwe bist, wie ich es früher mal war, aber ich finde, jede Sechzehnjährige sollte wenigstens einmal im Leben auf einer richtigen Teenager-Party ohne Erwachsene gewesen sein.«
»Wieso sollte ich das wollen? Wieso solltest du wollen, dass ich da hingehe?«
»Weil wir seit Anfang der Sommerferien keinen Sex mehr hatten«, mischte Dad sich trocken in unser Gespräch ein.
»Dad«, stöhnte ich und hielt mir die Ohren zu. »Hör auf damit!«
Er kam herein, setzte sich hinter Mom aufs Bett und legte die Arme um sie. »Ach, komm schon, Ellie. Wir alle wissen, dass Geschlechtsverkehr ein wundervoller natürlicher Akt ist, und wir alle sollten uns darüber freuen, wenn er in respektvollem beiderseitigem Einverständnis stattfindet.«
»Oh mein Gott, bitte hör auf, so zu reden. Ich meine es ernst. Hör auf.« Ich drückte die Handballen noch fester auf die Ohren, woraufhin beide lachten.
»Hey, er will dich doch nur ärgern. Eigentlich hatten wir uns einen Horror-Filme-Abend erhofft, und ich weiß doch, wie sehr du solche Filme hasst«, sagte Mom, und ich war ihr dankbar für die Warnung.
Einmal, als Kind, war ich ins Wohnzimmer gekommen, als meine Eltern sich gerade Chucky - die Mörderpuppe anschauten, woraufhin ich wochenlang davon überzeugt gewesen war, dass meine Puppen es auf mein Leben abgesehen hatten. Ich hatte mich beeilt, jedes einzelne Stofftier loszuwerden, das ich besaß. Irgendwie wird einem erst bewusst, wie gruselig Cabbage Patch Kids aussehen, wenn man sie sich mit einem Schlachtermesser in der Hand vorstellt.
Und ich will gar nicht erst davon anfangen, wie es war, als Dad dachte, ich wäre alt genug, um The Shining zu sehen.
Spoilerwarnung: Ich war es nicht.
Seitdem sah ich bei solchen Gelegenheiten zu, dass ich zu Shay kam.
»Au Mann, warum ausgerechnet heute?«, fragte ich. »Habt ihr das nicht erst letztes Jahr gemacht?«
Dad grinste. »Ist schon witzig. Du kannst dir das Erscheinungsdatum von Büchern merken, aber nicht den Hochzeitstag deiner Eltern.«
»Du würdest es verstehen, wenn du diese Bücher jemals gelesen hättest, Dad.«
»Sie stehen immerhin auf meiner Leseliste«, scherzte Dad. Aber das sagte er schon, seit der erste Band von Harry Potter rausgekommen war.
»Ich sag ja nur, dass es schön wäre, wenn dein Vater und ich das Haus heute Abend für uns hätten. Du weißt, wie schwierig es für uns ist, ein wenig Zeit für uns zu haben, um . du weißt schon«, sagte Mom.
»Sex zu haben«, ergänzte Dad, um alle Zweifel auszuräumen. »Ganz ehrlich, du kannst gerne hierbleiben, aber du weißt, wie dünn die Wände sind. Wenn du also nach den Schreien im Film auch noch deine Mutter schreien hören willst .«
»Hilfe . Ich wünschte, du würdest endlich zu reden aufhören.«
Es war das Hobby meiner Eltern, dafür zu sorgen, dass ich mich unbehaglich fühlte. Und sie waren auch noch unglaublich gut darin. Es machte ihnen grässlichen Spaß, mich leiden zu sehen.
Dad konnte einfach nicht aufhören, mich zu quälen. »Wenn du willst, kannst du dir auch einfach Ohropax in die Ohren stecken, wenn wir .«
Ich sprang von meinem Bett auf und rief: »Okay! Okay! Ihr habt gewonnen. Ich werde mit Shay auf diese Party gehen.«
Sie lächelten zufrieden.
»Trotzdem finde ich es ziemlich unhöflich von euch, mich mit diesem Gerede über Sex zu quälen, nur damit ihr euren Willen bekommt.«
»Oh Schatz.« Mom lächelte und legte den Kopf auf Dads Schulter, während er sie noch fester in seine Arme zog. Sie liebten sich so sehr. »Das Lustigste für Eltern ist es, die eigenen Kinder zu quälen. Vergiss das nicht.«
»Ich werde es mir merken. Ich bin um zehn wieder zurück, also seht zu, dass ihr bis dahin fertig seid.«
»Okay, aber mach heute Abend ruhig Mitternacht draus! Du bist jung! Und jetzt geh, sei frei! Tob dich aus!«, rief Dad. »Und hab ein Auge auf Shay, ja?«
»Werde ich.«
»Oh, brauchst du Kondome?«, fragte Mom, und ich wand mich vor Unbehagen, während sie jede Sekunde genoss.
»Nein, geliebte Mama. Alles gut.«
»Alles gut?«, fragte Shay, als wir am Abend vor dem Haus irgendeines Teenagers standen. Sie schaute in ihren Taschenspiegel und trug noch ein Pfund Lipgloss auf. Meine Cousine war wunderschön - und damit meine ich die Art Schönheit, die bei einem High-School-Kid einfach nicht fair zu sein schien -, und sie war immer schon so schön gewesen. Meine Tante Camila war eine umwerfende Hispana, und Shay kam mehr nach ihr als nach meinem Onkel Kurt, was ein Segen war, denn Kurt war ein Arschloch. Je schwächer die Verbindung zu ihrem Vater, desto besser.
Und sie hatte das Aussehen ihrer Mutter geerbt, oh ja. Ich hätte schwören können, dass Shay am Tag ihrer Geburt auf einem roten Teppich herausgerollt war und auf die Fragen der Paparazzi nach ihrem Outfit geantwortet hatte: »Body von JCPenny.«
Ihr Haar war so schwarz wie das von Schneewittchen, und ihre Augen dunkelschokoladenbraun mit Wimpern, von denen andere Mädchen nur träumen konnten. Sie hatte Kurven an den Stellen, an denen ich nur platte Reifen vorweisen konnte, aber das Allerbeste an Shay war, dass sie sich kein bisschen auf ihre Schönheit einbildete. Sie gehörte zu den bodenständigsten und witzigsten Menschen, die es gab, und war, dank ihres Arschlochs von Vater, zudem eine überzeugte Feministin.
Wir redeten eigentlich nicht viel über Kurt, denn Shays Eltern hatten sich getrennt, und ich hielt es so für das Beste. Wenn Shay ihren Vater mal erwähnte, dann nannte sie ihn nur einen >Shitty Shithead<, der ihr und ihrer Mutter das Leben schwergemacht hatte.
Dad bezeichnete Kurt immer noch als seinen Bruder, auch wenn er nicht besonders stolz darauf war. So wie Mufasa Scar nicht verleugnete, obwohl er genau wusste, dass sein Bruder ein hinterhältiges Arschloch war.
Aber wer weiß, vielleicht...
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