
Football Leaks
Description
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Das größte Datenleck der Sportgeschichte erschüttert die Fußballwelt Dass es in der Welt des Fußballs immer weniger um den Sport und immer mehr um schmutzige Geschäfte geht, ahnen die Fans nicht erst seit den Skandalen um die Fifa und die vermeintlich gekaufte WM 2006 in Deutschland. Die "Football Leaks" bieten nun erstmals Einblicke in die Schattenwelt der Branche, offenkundig wird die grenzenlose Gier, die hinter den Kulissen des Weltfußballs herrscht.
Der Whistleblower "John" hat dem SPIEGEL 1,9 Terabyte geheimer Daten übergeben: Rund 18,6 Millionen Dokumente über Verhandlungen, Verträge und Abkommen, die deutlich machen, dass für die Akteure im Profifußball Moral und Gesetz oft kaum Gültigkeit zu haben scheinen - weder für Vereine, Spieler, Manager noch für die mächtigen, aber im Hintergrund agierenden Spielerberater. In "Football Leaks" beschreiben Rafael Buschmann und Michael Wulzinger die wichtigsten Enthüllungen, die sie aus dem riesigen Datenberg in monatelanger Recherche zusammengetragen haben. Zugleich ist ihr Buch die packende Geschichte eines Whistleblowers, der den Fußball von mafiösen Einflüssen befreien will - und der inzwischen selbst zum Gejagten geworden ist.
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Prolog
Am 2. Dezember 2016 erschien der SPIEGEL mit einer Titelgeschichte, die zwei unterschiedliche Cover hatte. Auf dem einen war das Gesicht Cristiano Ronaldos zu sehen, auf dem anderen das Gesicht Mesut Özils, zwei Weltstars des Fußballs. In ihren Augen leuchteten Euro-Zeichen, die Schlagzeile hieß »Die Geldmeister«. Im Heft fanden sich zu beiden Spielern große Enthüllungsgeschichten über ihre zweifelhafte Steuermoral.
In der folgenden Ausgabe machte das Magazin mit einer weiteren Titelgeschichte auf, die die geheimen Verträge der Profis in der Fußball-Bundesliga beleuchtete. In Dutzenden weiteren Geschichten, die im Heft, auf SPIEGEL ONLINE und bei SPIEGEL TV erschienen, wurde den Lesern und Zuschauern die dunkle, die schmutzige, die kriminelle Seite des Milliardengeschäfts Fußball gezeigt.
Es ging um eine Sportvermarktungsagentur, die mit den bedeutendsten Klubs Europas Geschäfte macht und die enge Verbindungen in die südosteuropäische Unterwelt pflegt. Es ging um Spielervermittler, die die bekanntesten südamerikanischen Profis bei Klubs wie Real Madrid, Juventus Turin oder Manchester United vertreten und die mithilfe von Strohmännern Beraterhonorare für Transfers und Vertragsverlängerungen im zweistelligen Millionenbereich auf Konten einer Firma auf den British Virgin Islands schleusten, einem Steuerparadies in der Karibik. Es ging um den besonders widerlichen Handel mit minderjährigen Talenten aus Entwicklungsländern, die von einer großen Karriere träumen und an die falschen Leute geraten. Es ging um Finanziers, die skrupellos in Transferrechte von Spielern investierten und deren einziges Interesse darin lag, größtmöglichen Profit aus ihrem Investment zu schlagen. In vielen Beiträgen ging es um die scheinbar ganz alltäglichen Geschäfte im Fußball, einer der schillerndsten Branchen der weltweiten Unterhaltungsindustrie: um geheime Nebenabsprachen, um Gefälligkeiten im sechs- und siebenstelligen Euro-Bereich, um Knebelverträge, den Verdacht der Untreue, den Verdacht des Betrugs. Immer ging es um Geld, und immer ging es auch um Gier.
Möglich gemacht hat diese Einblicke in die Dunkelkammern des Profifußballs die Enthüllungsplattform »Football Leaks«, die im September 2015 damit begonnen hatte, Brancheninterna ins Netz zu stellen - Originalverträge, streng vertrauliche Klauseln, Geldflüsse. Doch dann war es auf der Football-Leaks-Seite plötzlich still geworden: Einer der Macher hatte sich entschlossen, mit dem SPIEGEL zu kooperieren und dem Nachrichten-Magazin einen riesigen Datensatz von 1,9 Terabyte zu überlassen. Woher das Material stammt, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Es kommt aus zahlreichen Ländern, offenbar von Verbänden, Vereinen, Berateragenturen, Konzernen. Eines ist sicher: Es gibt nicht nur die eine Ursprungsquelle für die Dokumente. Ein entscheidendes Argument für die Weitergabe der Daten war aus Sicht von Football Leaks, dass so nicht nur einzelne Schriftstücke veröffentlicht werden konnten, sondern dass die Möglichkeit bestand, die Geschichten und Zusammenhänge hinter den Zahlen und Verträgen zu erzählen.
Weil dieser Datensatz 18,6 Millionen Dokumente enthält, entschloss sich der SPIEGEL, den Schatz mit seinen Partnern vom Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) zu teilen. Zu dem Verbund gehören die Medienhäuser »Mediapart« in Frankreich, »NRC Handelsblad« in den Niederlanden, »Politiken« in Dänemark, »Le Soir« in Belgien, »L'Espresso« in Italien, »El Mundo« in Spanien, »NewsWeek« in Serbien, »Falter« in Österreich sowie »RCIJ / The Black Sea« in Rumänien. Verstärkt wurde das Investigativprojekt zudem von »The Sunday Times« in Großbritannien und »Expresso« in Portugal.
60 Reporter und Dokumentare, dazu IT-Experten und Juristen arbeiteten sieben Monate lang an einer Röntgenaufnahme des Milliardengeschäfts Fußball, wie es sie niemals zuvor gegeben hat. Dieses Buch beschreibt, wie es dazu kam. Und es erzählt die Geschichte des Informanten, der sich mit den mächtigsten Vertretern einer enthemmten und immer einflussreicher werdenden Branche angelegt hat. Er ist ein junger Mann aus Portugal, der ohne festen Wohnsitz in Osteuropa lebt, intelligent, verwegen, getrieben, gehetzt, zwischen Furchtlosigkeit und Verzweiflung schwankend, ein Romantiker des Fußballs, ein leidenschaftlicher Fan.
Einer, der es nicht ertragen könne, wie er selbst von sich sagt, dass die Branche durchsetzt sei von gewissenlosen Geschäftemachern. Als eines seiner Hauptmotive für Football Leaks, das größte Datenleck in der Geschichte des Sports, bezeichnet er seine Wut: die Wut auf die Profiteure des schmutzigen Geldes, das der Fußball anzieht und bewegt. Er nennt sie »die Feinde des Spiels«, ihnen gilt sein Feldzug, sie will er bloßstellen, entlarven, überführen, mit nicht zu widerlegenden Fakten: Verträgen und Nebenabreden, Kontoauszügen, Rechnungen. Die Feinde des Spiels sind nun auch seine, er wurde vom Jäger zum Gejagten.
Vier Kapitel dieses Buches betreffen Personen und Themen, um die es bereits im SPIEGEL ging: Cristiano Ronaldo, den skrupellosen Sportvermarkter Doyen, die Gier der Spielerberater und die geheimen Klauseln der Spielerverträge. Diese Geschichten wurden neu aufgelegt, teilweise mit Informationen und Dokumenten, die uns nach den Dezember-Veröffentlichungen im SPIEGEL zugespielt wurden. Acht weitere Kapitel, die hier veröffentlicht werden, stammen ebenfalls aus dem Material von Football Leaks. Sie geben neue Einblicke in die Fußballbranche.
Zwei Geschichten beleuchten die sogenannte Third-Party-Ownership (TPO), die mittlerweile vom Weltfußballverband Fifa verbotene Beteiligung Dritter an den Transferrechten von Fußballprofis, eine davon spielt in Hoffenheim. Sie beschreibt, wie eine Firma, an der der Mäzen Dietmar Hopp beteiligt war, Transferrechte an Spielern seines Klubs erwarb, etwa an dem brasilianischen Nationalspieler Firmino, der für die Rekordablöse von 40 Millionen Euro zum FC Liverpool wechselte. Die andere Geschichte beschäftigt sich mit dem spanischen Spitzenklub Atlético Madrid, dessen Vereinsboss über Jahre die besten Spieler seines Kaders an einen undurchsichtigen Investmentfonds verhökert hat, hinter dem der portugiesische Berater Jorge Mendes steckt.
Der Adidas-Konzern ist einer der einflussreichsten Akteure in der weltweiten Vermarktung des Fußballs. Vertrauliche Dokumente belegen, mit welchen Summen und welchen Verträgen der Sportartikel-Gigant die populärsten Klubs und die prominentesten Stars an sich bindet - und wie die Milliardenzahlungen des Konzerns aus Herzogenaurach den sportlichen Wettbewerb langfristig aushöhlen.
Finanziell sind Vereine wie Real Madrid und Manchester United, zwei Adidas-Klubs, den meisten Konkurrenten in Europa längst entrückt. Wie weit, das enthüllen drei Beiträge. In einem geht es um die Champions-League-Prämien der Real-Stars und eine ebenfalls mit dem Titelgewinn verbundene Dreizehn-Millionen-Euro-Klausel im Vertrag ihres Trainers Zinédine Zidane. Ein weiterer Beitrag deckt das Gehalt des bestbezahlten Spielers der englischen Premier League auf, des Schweden Zlatan Ibrahimovic. Ein dritter Beitrag beleuchtet den 105-Millionen-Euro-Transfer seines Mannschaftskameraden Paul Pogba zu Manchester United, des teuersten Spielers der Welt. Pogbas Berater Mino Raiola handelte für den Franzosen im Sommer 2016 abenteuerliche Summen aus. Auch für Raiola wurde Pogbas Transfer zum Deal seines Lebens, er kassierte 49 Millionen Euro. Im Rausch des Geldes hob der Superberater dann offenbar ab. Die Dokumente von Football Leaks belegen, dass Raiola von drei Parteien kassierte: von Pogbas altem Klub Juventus Turin, von Pogbas neuem Klub Manchester United und von Pogba selbst.
Der Markt ist entfesselt wie niemals zuvor, und das größte Geld lockt in China, wie eine weitere Geschichte in diesem Buch beschreibt. Im Material von Football Leaks finden sich die Belege: Dutzende von Arbeitsverträgen mit Profis wie den Argentiniern Ezequiel Iván Lavezzi oder Carlos Tévez, die den Altstars obszöne Gehälter garantieren - bis zu 56,7 Millionen Dollar netto für nicht einmal zwei Jahre.
Doch für die besten jungen Spieler der Welt bleiben die Sehnsuchtsziele die englische Premier League, die spanische Primera División, die italienische Serie A oder die deutsche Bundesliga. Um den Sprung in eines dieser Länder zu schaffen, müssen die begehrten Talente aus purer Not häufig mit den Bossen ihrer alten Klubs paktieren. Gerüchte über Vereinsfunktionäre, die sich am Verkauf von Spielern in die besten Ligen Europas bereichern, kursieren seit Jahren. Football Leaks liefert dazu umfassende Belege von Klubs auf dem Balkan, betroffen sind Spieler wie der vom Hamburger SV verpflichtete Alen Halilovic, Mijat Gacinovic von Eintracht Frankfurt, Tin Jedvaj von Bayer Leverkusen. Im Zentrum dieser mafiösen Machenschaften steht Dinamo Zagreb. In dem Klub regierte ein Familienclan, der über ein Netz von Briefkastenfirmen Ablösesummen im zweistelligen Millionenbereich ins Ausland verschob - nach Hongkong, nach Dubai, nach Malta, in die Schweiz.
Der Profifußball war schon immer eine undurchsichtige Branche, eine Branche, die schnell vergisst und der man schnell verzeiht. Wenn die Helden des Vereins Steuern...
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