Die Neigung
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Die Frage und ihre Beantwortung im Interesse des Kranken ist ein Grundproblem in Uwe Bergers Roman DIE NEIGUNG. Der Kampf einer jungen Ärztin um gesittetes Verhalten in einem Krankenhaus, einem komplizierten Umfeld, führt zwei Menschen näher zusammen, die Ärztin Baum und den Fahrer Kusmin. Er bestärkt sie, gibt ihr Halt und Format. Der Unterschied in Bildung und Lebensgewohnheiten wird angesichts der Situation bedeutungslos.
Das Problem der sozialen Unterschiede jedoch bleibt und führt in die jüngste Vergangenheit, in der es ebenfalls um engagiertes Denken und entschlossenes Handeln ging.
Das spannende Buch erschien erstmals 1984 im Aufbau-Berlag Berlin und Weimar.
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Bibliografie
Lyrik und Prosa
Die Einwilligung. Sechs Erzählungen. Aufbau-Verlag, Berlin 1955
Straße der Heimat. Gedichte. Aufbau-Verlag, Berlin 1955
Der Dom in dir. Gedichte. Aufbau-Verlag, Berlin 1958
Der Erde Herz. Gedichte. Aufbau-Veriag, Berlin 1960
Hütten am Strom. Gedichte 1946-1961. Aufbau-Verlag, Berlin 1961
Rote Sonne. Skizzen und Aufzeichnungen. Aufbau-Veriag, Berlin 1963
Mittagsland. Gedichte. Aufbau-Verlag, Berlin 1965
Gesichter. Gedichte. Aufbau-Verlag, Berlin 1968
Die Chance der Lyrik. Aufsätze und Betrachtungen, Aufbau-Verlag, Berlin 1971
Bilder der Verwandlung. Gedichte. Aufbau-Verlag, Berlin 1971
Arbeitstage. Aus dem Tagebuch 1964-1972. Aufbau-Verlag, Berlin 1973
Feuerstein. Gedichte. Auswahl und Nachwort von Armin Zeißler. Reclam Verlag, Leipzig 1974
Lächeln im Flug. Gedichte. Aufbau-Verlag, Berlin 1975
Backsteintor und Spreewaldkahn. Märkische Landschaften, Aufbau-Verlag, Berlin 1975 Nebelmeer und Wermutsteppe. Begegnungen. Aufbau-Verlag, Berlin 1977
Zeitgericht (Gedichte 1946-1975). Miiitärverlag der DDR, Berlin 1977
Leise Worte. Gedichte. Aufbau-Verlag, Berlin 1978
Der Schamanenstein. Menschen und Orte. Aufbau-Verlag, Berlin 1980
Lächeln im Flug. Ausgewählte Gedichte (1946-1978; russisch, mit einem Vorwort von Lew Ginsburg). Verlag Progress, Moskau 1980
Nur ein Augenblick. 99 Reiseskizzen. Aufbau-Verlag, Berlin 1981
Auszug aus der Stille. Gedichte. Aufbau-Verlag, Berlin 1982
Das Verhängnis oder Die Liebe des Paul Fleming (Roman). Aufbau-Veriag, Berlin 1983
Die Neigung. Roman. Aufbau-Verlag, Berlin 1984
In deinen Augen dieses Widerscheinen. Gedichte. Aufbau-Verlag, Berlin 1985
Woher und wohin. Aufsätze und Reden 1972-1984. Aufbau-Verlag, Berlin 1986
Das Gespräch der Delphine. Tierverse. Der Kinderbuchverlag, Berlin 1986
Weg in den Herbst (Erinnerungen). Aufbau-Verlag, Berlin 1987
Traum des Orpheus. Liebesgedichte 1949-1984. Aufbau-Verlag, Berlin 1988
Rank saatus ehk Paul Fleming! armastus (estnisch, Übersetzung von Heigi Loik). Eesti Raamat, Tallinn 1988
Last und Leichtigkeit. Oden. Aufbau-Verlag, Berlin 1989
Flammen oder Das Wort der Frau. Erzählung. Aufbau-Verlag, Berlin 1990
Suche nach mehr. Roman. 1989-1991. Unveröffentlicht
Atem. Liebesgedichte und Grafiken. Mauer Verlag, Rottenburg a/N 2003
Räume. Verse und Bilder. Mauer Verlag, Rottenburg a/N 2004
Pfade hinaus. Episoden der Erinnerung. Mauer Verlag, Rottenburg a/N 2005
Wegworte. Gedichte und Zeichen. Zwiebelzwerg Verlag, Willebadessen 2006
Kater-Vater. Sinngedichte. Zwiebelzwerg Verlag, Willebadessen 2006
Den Granatapfel ehren, Hundert Gedichte 1946 - 1989. Mit Skizzen des Verfassers. Zwiebelzwerg Verlag, Willbadessen 2007
Du wirst sein. Gedichte und Zeichen. Mit Skizzen des Verfassers. Zwiebelzwerg Verlag, Willebadessen 2010
Vom Sinn. Nachlese. Zwiebelzwerg Verlag, Willebadessen 2011/2012
Tagebücher seit 1972. Unveröffentlicht
Essays und Rezensionen (Auswahl)
Von der Verzweiflung (Wolfgang Weyrauch; An die Wand geschrieben). Aufbau, Heft 2/1951
Zwei Dichter unserer Zeit. Zum 50. Geburtstag von Peter Huchel und Erich Arendt. Aufbau, Heft 4/1954
Vergangen und gegenwärtig (Karl Löwith). Sinn und Form, Heft 5/1965
Zum Bild Gertrud Kolmars, Sinn und Form, Heft 2/1972
Zur Literaturgeschichte der DDR. Sinn und Form, Heft 6/1977
Gegenwart der Klassik (Wolfgang Heise). Sinn und Form, Heft 6/1980
Für richtiges Lesen. Brief. Neue Deutsche Literatur, Heft 12/1980
Schritt zur Welt. Lyrik junger Autoren. Neue Deutsche Literatur, Heft 9/1981
Gedichte gegen den Krieg und für eine humane Welt (zum 90. Geburtstag von Nelly Sachs).
Content
"Lass mich erschießen, wenn du kannst", sagte sie leise, in ziemlich gutem Deutsch, jedes Wort betonend. Langsam bewegte sie ihre Hand zur Bluse. Ich ahnte, was sie vorhatte, und packte sie am Arm."
"Nicht! Ich tu dir nichts. Du kannst gehen."
Wortlos und starr blickte sie mich an.
"Nimm mit, was du geschrieben hast!"
"Wie heißt du?"
"Robert Schlegel."
Sie nahm ihren Zettel, besann sich, legte ihn wieder hin und fügte noch einige Notizen hinzu, dabei abwechselnd auf das Papier und auf mich schielend. Ihre Ruhe machte mich fassungslos.
"Beeil dich!"
Sie faltete den Zettel zusammen und steckte ihn in die Bluse. Sorgfältig legte sie die Akte, der ihr Interesse gegolten hatte, in eine Mappe und packte die Mappe in eine Schublade. Dann streifte sie mich noch einmal mit einem Blick. Legte den Finger auf die Lippen und ging.
Die junge Frau hieß Nina. Sie arbeitete in der Kommandantur des Ortes als Reinigungskraft. Ich bewohnte dort mit einem anderen Unteroffizier ein Zimmer. Als dieser abberufen worden war, erschien Nina eines Nachmittags bei mir.
"Ich will mich bedanken", sagte sie.
"Wofür?"
"Warum hast du es getan?"
"Ich hasse die Faschisten. Ich möchte zu euch kommen."
"Was heißt: zu euch?"
"Zu den Partisanen."
"Hör zu! Wir haben dich beobachtet. Ich glaube, dass du die Wahrheit sagst. Aber wenn du etwas gegen die Faschisten tun willst, dann sollst du hierbleiben und Informationen sammeln."
"Das ist gefährlich." Die Worte rutschten mir heraus.
"Es ist Krieg", antwortete sie, "wir haben ihn nicht gewollt. Gefährlich ist es, mit dir zu sprechen - du kannst ein Spitzel der Gestapo sein."
"Ich dachte, du glaubst mir, Nina."
"Ich glaube, und du musst beweisen."
Daraufhin erklärte ich mich einverstanden. Wir berieten die Einzelheiten. Ich sollte versuchen, die Zielorte von Truppentransporten, den Zeitpunkt von Aktionen gegen die Partisanen und ähnliches herauszubekommen. Nina würde meine Kontaktperson sein. Wenn möglich, wollte sie in mein Zimmer kommen. Sie riet mir, zu den Mitgliedern meines Bautrupps allmählich unfreundlicher zu werden und schließlich so barsch zu sein, wie es sich für einen Okkupanten gehört, und überhaupt die größte Vorsicht walten zu lassen.
Nina gab mir die Hand und entfernte sich leise.
Da ich am Fernschreiber Dienst tun musste, gingen manche Befehle und Mitteilungen durch meine Hand, aus denen Schlüsse zu ziehen waren. Auch versuchte ich, das gute Verhältnis, das ich zu einigen Leuten der Kommandantur hatte, zu entwickeln. Da war der Bursche des Kommandanten, der Obergefreite Bechtold, der mir manchmal sein Herz ausschüttete, oder mein unmittelbarer Vorgesetzter, der Oberleutnant Dreyer, der den Schnaps liebte.
Bechtold, von Beruf Schneider, ein faltiger Vierziger, kam eines Abends zu mir und jammerte: "Mit Balthasar ist mal wieder kein Auskommen. Nichts mach ich ihm recht. Er brüllt bloß herum."
Major Balthasar war der Ortskommandant.
"Was hat er denn?", fragte ich.
"Der Streifzug gegen die Partisanen ist ins Leere gegangen. Und heute im Morgengrauen haben die die Brücke vor der Stadt mit drei Lastwagen darauf in die Luft gesprengt. Hast du nicht die Detonation gehört?"
"Nein, Ich schlafe gut."
"Die werden noch mal die Kommandantur hochjagen, hat der Major geschrien, und wir müssen durchgreifen, ganz egal wo und wie, die stecken alle unter einer Decke, und Bechtold beugte sich vor und flüsterte, "in der nächsten Woche wird ein großer Schlag geführt, mit einem Strafkommando, mit Panzern und Artillerie."
"Woher weißt denn du davon? Dich werden sie gerade einweihen!"
"Der Kommandeur war schon hier, und die haben alles beredet; man konnte es durch die Tür hören."
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