
Knowledge Communities
Description
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Knowledge Communities - die Gruppierung von Individuen um ein gemeinsames Interessengebiet - beruhen auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und der individuellen Nutzenmaximierung. Sie können ungeahnte Potenziale durch ihre Fähigkeit zur Selbstorganisation entfalten. Um die ihnen innewohnende Innovationskraft für die Zielsetzungen des betrieblichen Wissensmanagement zu nutzen, bedarf es jedoch der Möglichkeit einer zielgerichteten Steuerung. Daraus resultiert ein Spannungsfeld von Steuerung und Selbstorganisation, das es in der Praxis auszubalancieren gilt.
Grundlage dieser Arbeit ist ein Rahmenkonzept für Community-gestütztes Wissensmanagement: In einem interdisziplinären Ansatz wird ein Informationsmodell für Knowledge Communities entwickelt, das die notwendigen Funktionalitäten, Organisationsstrukturen, Informationsobjekte und ihre Wirkungsverflechtungen untereinander erläutert.
Trotz existierender automatischer Methoden ist für die Strukturierung der in der Wissensbasis enthaltenen Informationen ein hoher manueller Aufwand erforderlich. Mit dem Modell der dynamischen Wissensbasis wird die Bildung individueller Wissensnetze der Teilnehmer unterstützt, bei der die Interaktionen der Gemeinschaft als einfache Methode zur automatischen und beiläufigen Strukturierung, Qualitätssicherung und Vernetzung von Informationsobjekten genutzt werden kann.
Über den Autor:
Malte Beinhauer wurde 1972 in Hamburg geboren. Nach Zivildienst Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Von 1998 bis 2002 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität des Saarlandes (Prof. Dr. Dr. h. c. mult. August-Wilhelm Scheer). Forschungsschwerpunkte waren Wissensmanagement, Virtuelle Communities und eLearning. 2002 Gastwissenschaftler an der University of California, Berkeley. 2004 Promotion zum Dr. rer. oec. Seit Anfang 2003 Senior Consultant und Leiter Business Unit Automotive bei der imc information multimedia communication AG.
More details
Content
2 - Vorwort [Seite 8]
3 - I Inhaltsübersicht [Seite 10]
4 - II Inhaltsverzeichnis [Seite 12]
5 - III Abkürzungsverzeichnis [Seite 16]
6 - IV Abbildungsverzeichnis [Seite 18]
7 - V Tabellenverzeichnis [Seite 22]
8 - 1 Einleitung [Seite 24]
8.1 - 1.1 Die Rolle von Gemeinschaften für die Wirtschaftsinformatik [Seite 24]
8.2 - 1.2 Forschungsfragen [Seite 26]
8.3 - 1.3 Lösungsansatz [Seite 31]
8.4 - 1.4 Aufbau der Arbeit [Seite 34]
9 - 2 Community-gestütztes Wissensmanagement [Seite 36]
9.1 - 2.1 Virtuelle Communities [Seite 36]
9.2 - 2.2 Knowledge Communities [Seite 63]
10 - 3 Rahmenkonzept für Knowledge Communities [Seite 74]
10.1 - 3.1 Modellierung von Knowledge-Community-Systemen [Seite 74]
10.2 - 3.2 Modellierung der Organisationssicht [Seite 79]
10.3 - 3.3 Modellierung der Funktionssicht [Seite 100]
10.4 - 3.4 Modellierung der Datensicht [Seite 140]
10.5 - 3.5 Modellierung der Leistungssicht [Seite 150]
10.6 - 3.6 Modellierung der Steuerungssicht [Seite 160]
10.7 - 3.7 Gesamtinformationsmodell Knowledge Communities [Seite 179]
11 - 4 Konzeption einer communitygestützten dynamischen Wissensbasis [Seite 180]
11.1 - 4.1 Idee der dynamischen Wissensbasis [Seite 180]
11.2 - 4.2 Automatische Strukturierung der Wissensbasis [Seite 183]
11.3 - 4.3 Strukturierung der Wissensbasis durch Nutzerverhalten [Seite 195]
12 - 5 Implementierung einer Knowledge Community am Beispiel Processworld [Seite 204]
12.1 - 5.1 Processworld [Seite 204]
12.2 - 5.2 Technologische Plattform und Systemarchitektur [Seite 205]
12.3 - 5.3 Systemfunktionalität aus Benutzersicht [Seite 206]
12.4 - 5.4 Zukünftige Ausrichtung von Processworld [Seite 219]
13 - 6 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick [Seite 222]
14 - VI Literaturverzeichnis [Seite 226]
"Effective management of knowledge requires
hybrid solutions of people and technology."
Thomas H. Davenport
4.1 Idee der dynamischen Wissensbasis
Theoretische Ansätze zeichnen ein Idealbild des Wissensmanagements auf. Sie betrachten allerdings in erster Linie nur die Einführung eines Systems bzw. die organisatorischen Änderungen im Sinne eines Business Process Reengineering. Selten werden weitergehende Überlegungen angestellt, wie dieses neu eingeführte Wissensmanagement am Laufen gehalten bzw. weiterentwickelt werden kann. Notwendige Ressourcen wie Arbeitskraft oder Geld werden vernachlässigt. Dadurch besteht die Gefahr, dass Projekte nach der ersten Euphoriephase im Sande verlaufen bzw. durch mangelnde Ressourcen im Wachstum stagnieren. Communities wachsen im Zeitverlauf bzgl. der Anzahl ihrer Mitglieder sowie ihrer Wissensobjekte. Der inhaltliche Betreuungsaufwand steigt damit proportional. Dies führt bei gleich bleibendem Personaleinsatz entweder zu einer Verlangsamung im Bereich der Wissensverteilung (wenn neue Beiträge erst redaktionell überprüft und im Rahmen der Wissensintegration den relevanten Themenbereichen zugeordnet werden) oder zu einer Unübersichtlichkeit der Wissensbasis (wenn neue Wissensobjekte ohne Reflexion in die bestehende Wissensbasis eingestellt werden). Diese entstehende Unübersichtlichkeit lässt sich anhand der Entwicklung des Internets beobachten.
Aufgrund der Vielzahl existierender Websites ist inzwischen eine Situation erreicht worden, in der die Masse der Informationen zu einem "Information Overload" führt. Nach Erhebungen von NETCRAFT sind im Dezember 2002 über 35,5 Millionen Websites unter eigenem Domain-Namen erreichbar. Die Gesamtwissensbasis Internet bietet dem Nutzer zu viele Informationen an, die dieser nicht mehr verarbeiten kann. Das Ergebnis ist "[.] negative information which causes the reader to know less because it cannot be integrated, applied, and transformed into knowledge."
Suchmaschinen bieten dem Anwender zwar die Möglichkeit indizierte Seiten im World Wide Web (WWW) zu durchsuchen. Dadurch entsteht eine nach individuellen Kriterien gebildete Auswahl von Websites. Die effiziente Suche nach Informationen mit Hilfe von Suchmaschinen erfordert jedoch eine genaue Kenntnis der Wissensdomäne, zu der relevante Informationen benötigt werden. Nur durch exakte Angabe von Schlagworten wird ein annehmbares Resultat erzielt. Die alleinige Eingabe des Suchbegriffs "Knowledge Management" liefert z.B. im Dezember 2002 bei der Suchmaschine GOOGLE mehr als 1,1 Millionen Ergebnisse. Die Aufgabe von Portalen ist es hingegen, Transparenz über die Informations- und Wissensbasis durch inhaltliche Eingrenzung herzustellen. Dazu werden relevante Websites zu bestimmten Themenkomplexen zusammengestellt, strukturiert und dem Nutzer über einen zentralen Einstiegspunkt präsentiert. Die Einstellung bzw. Verifizierung neuer Wissensobjekte sowie die Strukturierung der Wissensbasis erfolgt meist durch den Portalbetreiber. Die mangelnde Interaktivität kann als Hauptkritikpunkt dieses Konzeptes angesehen werden: Mittels Personalisierungskomponenten wird es zwar möglich, individuelle Ausschnitte auf die einzelnen Themenkomplexe zu definieren. Ergebnis ist jedoch immer nur eine Teilmenge der vorhandenen Wissensobjekte in bestehenden Strukturen.
Aus den Informationen, welche in der Wissensbasis gespeichert sind, kann nur durch Integration und Anwendung Wissen entstehen. "We can mass produce information through the internet, but we cannot mass produce knowledge which is created by individual minds." In diesem Sinne muss versucht werden, durch die inhaltliche Verknüpfung der zur Problemlösung relevanten Informationen, diese dem Benutzer kompakt bereitzustellen. So wird der Benutzer dabei unterstützt, selbst Beziehungen zwischen den Informationen zu erkennen und somit Wissen zu generieren.
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