
Partizipation per Post
Description
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Bürgerbriefe an Politikerinnen und Politiker sind im 20. Jahrhundert eine weitverbreitete Partizipationsform. Bürgerinnen und Bürger wandten sich mit Huldigungen, Bitten, Stellungnahmen oder Kritik an ihr politisches Personal. Zwischen Privatheit und Öffentlichkeit umgingen Bürgerbriefe staatliche Hierarchieebenen und beanspruchten, mit "Volkes Stimme" zu sprechen. Sie dienten der politischen Einflussnahme jenseits von Wahlen, Parteien oder Demonstrationen. Die Politik nahm diese Schreiben als Stimmungsbarometer erstaunlich ernst und wendete viel Zeit und Mühen für die Antworten auf.
Die Autorinnen und Autoren des Bandes untersuchen den Wandel dieser politischen Kommunikationsform vom Kaiserreich bis zur Deutschen Einheit 1990. Sie fragen nach den Motiven, Strukturen und Inhalten der Schreiben sowie nach der Sozialstruktur der Schreibenden. Welchen Stellenwert haben Emotionen und Autoritätsbekundungen? Welches Verständnis von Staat und Demokratie, welche Erwartungen an die Politik drückt die Korrespondenz aus? Die Bürgerbriefe in Diktatur und Demokratie erweisen sich als ambivalent: ein Medium der politischen Partizipation, das aber nicht unbedingt die Demokratie fördert.
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Content
- Intro
- Vorwort
- Inhalt
- Einleitung
- Frank Bösch: Bürgerbriefe als politische Partizipation. Zugänge und Forschungsperspektiven
- Zwischen Obrigkeitsstaat und Demokratisierung: Kaiserreich und Weimarer Republik
- Hedwig Richter: Devotion und Partizipation. Bürgerbriefe und Petitionen von 1848 bis zum Ersten Weltkrieg
- Volker Köhler: Vom Parteigenossen zum Minister. Bittbriefe an sozialdemokratische Amtsträger in Sachsen (1918-1923)
- Lobpreisung und Denunziation im Nationalsozialismus
- Stefan Scholl: Bürgerbriefe im Nationalsozialismus - Reaktionsweisen des Regimes
- Wolfram Pyta: Briefe an die Macht - Briefe an den "Führer"
- Erlernen demokratischer Haltungen in der frühen Bundesrepublik
- Ernst Wolfgang Becker: "Allerweltsgespräch" als demokratische Praxis? Bürgerbriefe an Theodor Heuss und Konrad Adenauer
- Jörg Neuheiser: Arbeitslosigkeit, Doppelverdiener und der Schatten der NS-Arbeitsideologie. Bürgerbriefe an die Bundesregierung und die vergessene Krise der Arbeit in Westdeutschland (1949-1955)
- Claudia C. Gatzka: Feedback aus der Peripherie der Demokratie. Bürgerbriefe und politische Repräsentation in der Bundesrepublik (1949-1980)
- Grenzen der demokratischen Kommunikation
- Bernhard Gotto: Demokratie und Differenz. Der Umgang mit Alltagsrassismus in Zuschriften an Franz Josef Strauß von den 1960er bis 1980er Jahren
- Philipp Gassert: "Die da unten . Ihr da oben" Briefe an baden-württembergische Ministerpräsidenten in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre
- Thomas Süsler-Rohringer: Leerstelle - Enttäuschung - Elitenprojekt. Die europäische Integration in Bürgerbriefen an den Präsidenten und die Präsidentin des Europäischen Parlaments (1980-1984)
- Grenzüberschreitende Politisierung in der DDR und im geteilten Deutschland bis zur Deutschen Einheit
- Martin Sabrow: Kommunikation in der Konsensdiktatur. Bürgerbriefe an Erich Honecker
- Daniela Münkel: Briefe ohne Antwort. Die Stasi und Zuschriften von DDR-Bürgern und -Bürgerinnen an Bundespolitiker
- Helena Gand: Emotionen, Zukunftserwartungen und Demokratieverständnis in der Bevölkerungspost zur Deutschen Einheit
- Christina Morina: "Demokratie ist keine Geste der Staatsmacht gegenüber der Gesellschaft ." Zur Analyse des Demokratie- und Bürgerselbstverständnisses anhand von ost- und westdeutschen Bürgerbriefen seit den 1980er Jahren
- Die Autorinnen und Autoren des Bandes
- Personenregister
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