Ein kleines bisschen Rache
Roman
Anne Marshall Zwack(Author)
Blanvalet (Publisher)
Published on 11. August 2008
Book
Paperback/Softback
416 pages
978-3-442-37033-7 (ISBN)
Description
'Der Club der Teufelinnen' hat ein einen neuen Vorstand: Maggie!
Als ihr Gatte, der englische Botschafter in Wien, höchst unerwartet stirbt, trifft es Maggie wie ein Blitzschlag. Vom Donner gerührt ist sie jedoch, als sie erfährt, dass er in den Armen einer jungen blonden Wienerin sein Leben ausgehaucht hat - und neben 'Mausie' noch zahlreiche weitere Betthupferl zu genießen pflegte. Und so rüstet Maggie mit Entschlossenheit und der diplomatischen Grandesse der mondänen Attachésgattin zum Rachefeldzug quer durch Europa.
Humorvoll, listig und charmant - eine hinreißende Rache-Komödie!
Für alle Fans von Olivia Goldsmiths 'Der Club der Teufelinnen'
Als ihr Gatte, der englische Botschafter in Wien, höchst unerwartet stirbt, trifft es Maggie wie ein Blitzschlag. Vom Donner gerührt ist sie jedoch, als sie erfährt, dass er in den Armen einer jungen blonden Wienerin sein Leben ausgehaucht hat - und neben 'Mausie' noch zahlreiche weitere Betthupferl zu genießen pflegte. Und so rüstet Maggie mit Entschlossenheit und der diplomatischen Grandesse der mondänen Attachésgattin zum Rachefeldzug quer durch Europa.
Humorvoll, listig und charmant - eine hinreißende Rache-Komödie!
Für alle Fans von Olivia Goldsmiths 'Der Club der Teufelinnen'
More details
Series
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 11.5 cm
ISBN-13
978-3-442-37033-7 (9783442370337)
Schweitzer Classification
Persons
Anne Marshall Zwack ist mit einem ungarischen Aristokraten verheiratet. 'Ihm ist noch nie im Leben etwas passiert, was er nicht aufgeschrieben hätte', sagt sie - und so war es für sie wenig verwunderlich, als sie seine stattliche Tagebuchsammlung entdeckt
Content
WIEN
Den gesamten Trauergottesdienst hindurch hatte Maggie wie benommen einfach nur reglos dagesessen und die Zeremonie irgendwie über sich ergehen lassen. Ihr groß gewachsener Ehemann war ihr plötzlich so klein erschienen, wie er da in seinem Eichensarg im Hauptschiff der Kirche der Siebenten-Tages-Adventisten in Wien lag. Mit den Weihnachtsbäumen in der Botschaft ist es genauso, hatte sie unwillkürlich gedacht. Die sahen auch stets so klein aus, wenn sie geliefert wurden und zu einem festen Bündel zusammengeschnürt auf dem Boden des Atriums lagen. Dieser Eindruck änderte sich immer erst dann, wenn sie schließlich aufgerichtet wurden und sich fast bis zur Decke emporreckten, die Äste weit gespreizt.
Am Ende der Trauerfeier hatte Maggie ihren Platz in der Kondolenzreihe eingenommen, ganz so wie sie stets in Empfangsreihen an der Seite von Jeremy ihren Platz eingenommen hatte, all die vielen, vergangenen Jahre über, in all den verschiedenen Städten, in die sie versetzt worden waren. Sie hatte allen, die zur Beerdigung erschienen waren, die Hand geschüttelt, hatte auch jedes Mal die passenden Worte gefunden, und doch hatte in ihrem Kopf bloß völlige Leere geherrscht.
Es waren der Zweite Botschaftsrat und dessen Ehefrau Eileen gewesen, die Maggie anschließend in ihrem kleinen braunen Ford nach Hause gebracht hatten. In dem Botschaftswagen, den Maggie und Jeremy sonst immer benutzt hatten, wurde nun der stellvertretende Botschafter herumchauffiert. "Ich werde mein Bestes tun, die Stellung zu halten", hatte Mackintosh wichtigtuerisch vor dem Mann aus dem Außenministerium verlauten lassen, der extra wegen des Trauergottesdienstes mit dem Flugzeug angereist war. Und Hilary Mackintosh hatte darauf beharrt, die gesamte Zeremonie über Maggies Hand zu halten. Es war eine ziemlich feuchte Hand gewesen, doch Maggie hatte das Gefühl gehabt, dass es unhöflich gewesen wäre, die ihre zurückzuziehen. Schließlich wollte Hilary ja bloß nett zu ihr sein, genau wie alle anderen.
"Möchtest du eine Tasse Tee?", fragte Eileen nun betont munter, als sie die Eingangshalle der Botschaftsvilla betraten.
Maggie schaute sich hilflos um und wusste mit einem Mal nicht mehr so recht weiter. Sie begann, an den Fingern der schwarzen Baumwollhandschuhe zu zupfen, die sie zur Beerdigung getragen hatte - Maggie gehörte jener Generation an, die noch Handschuhe zum Kirchgang
trug.
"Vielleicht würde sie ja lieber einen Brandy trinken?", schlug der Zweite Botschaftsrat vor, der auf der Fußmatte stand und nervös seine Fingerknöchel knacken ließ.
"Nun ja, ein Sherry wäre vielleicht nicht schlecht", gestand Maggie ein.
Ihre Antwort ließ den Zweiten Botschaftsrat augenblicklich aktiv werden. Witwen zu trösten, noch dazu unter diesen besonderen Umständen, war eine Aufgabe, für die er sich noch nie sonderlich gut geeignet hatte - der Zubereitung von Drinks dagegen fühlte er sich sowohl physisch als auch mental vollauf gewachsen. Beinahe unverzüglich kehrte er von der Hausbar zurück, in der Hand ein kleines Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit. "Amontillado?", fragte er Maggie, die sich murmelnd bedankte.
"Ihr seid alle so lieb zu mir", sagte sie, denn es waren wahrlich alle überaus nett und hilfsbereit.
"Möchtest du, dass wir bei dir bleiben?", erkundigte Eileen sich pflichtbewusst von ihrem Platz in der Mitte des Raumes her, ihre kleine, lacklederne Handtasche mit beiden Händen fest umklammernd.
"Nein, nein, lasst nur, bitte macht euch keine Umstände! Mir geht es gut. Ich werde schon allein zurechtkommen. Wirklich. Ihr habt euch alle so sehr um mich gekümmert."
"Aber was ist mit dem Abendessen? Du solltest wirklich etwas essen, um bei Kräften zu bleiben."
"Oh, aber ich habe im Moment absolut keinen Hunger. Esmeralda hinterlässt immer Unmengen von Essen in der Tiefkühltruhe, wenn sie in Urlaub fährt. Macht euch um mich mal keine Sorgen!" Insgeheim war Maggie erleichtert darüber, dass die Köchin gerade ihren alljährlichen Urlaub in Portugal genoss. Denn Esmeraldas Art, ihrem Kummer Ausdruck zu verleihen, würde lärmend und nervenaufreibend sein. Wenn diese in ein oder zwei Tagen zurückkehrte, so hoffte Maggie, würde sie selbst sich wieder stark genug fühlen, um Esmeraldas Trauerbekundungen ertragen zu können. Vorläufig jedoch hatte sie das dringende Bedürfnis, allein zu sein. Sie brauchte jetzt erst einmal Ruhe und Einsamkeit, um die Dinge zu begreifen, zu verarbeiten.
Das Paar zog sich wieder in die Halle zurück und blieb einen Moment lang unsicher im grellen Licht des Kronleuchters stehen. Maggie ertappte sich bei dem Gedanken daran, wie unendlich viele Kronleuchter ihr gemeinsames Leben mit Jeremy erhellt hatten. Diese schienen ein unverzichtbarer Bestandteil des Botschaftslebens zu sein, wo immer sie und Jeremy auch gewesen waren: Wien, Budapest, Rom, Paris. sämtliche Botschaftsvillen waren erleuchtet gewesen von einem Meer glitzernder Kristalltropfen; es war eine strahlend helle Welt, in der Schatten oder gar geheime Ecken und Winkel keinerlei Daseinsberechtigung besaßen.
"Na ja, dann, wenn du dir ganz sicher bist.", entgegnete der Zweite Botschaftsrat, eine Hand bereits auf dem Türknauf.
"Aber bitte, pass gut auf dich auf", ermahnte Eileen ihre Freundin.
Dann schlossen die beiden mit einem taktvoll gedämpften Klicken hinter sich die Tür. Endlich war Maggie für sich allein.
Sie nahm das Glas mit dem Amontillado mit hinüber zu ihrem Lieblingssessel. Es waren nun schon dreieinhalb Jahre, dass sie stets in diesem Sessel Platz zu nehmen pflegte, genau seit jenem Tag nämlich, als Jeremy seinen Dienst in Wien angetreten hatte. Auf der anderen Seite des Kamins stand der hochlehnige, mit moosgrünem Samt bezogene Ohrensessel, in dem er immer gesessen hatte, wenn er aus der Botschaft heimgekehrt war; auf dem Beistelltisch neben sich und sorgsam auf einem Untersetzer platziert seinen Whisky Soda. Der Sessel zeigte noch immer die Einbuchtungen, die Jeremys stattliche Gestalt darin hinterlassen hatte. Die Stehlampe war nicht eingeschaltet, und Schatten lauerten in den samtenen Ecken, wo jener Mann, mit dem Maggie ganze fünfundzwanzig Jahre verheiratet gewesen war, ihr Abend für Abend gegenübergesessen hatte, einen milden Ausdruck der Geringschätzung auf dem Gesicht.
Jeremy war ein außerordentlich fähiger Staatsbeamter gewesen, und er besaß sämtliche Attribute des traditionellen Diplomaten. In Wien hatte er zum ersten Mal die Stelle des Botschafters bekleidet, und aller Wahrscheinlichkeit nach hätte er in knapp sechs Monaten sogar nach Washington entsandt werden sollen, als krönender Abschluss seiner beispielhaften Karriere.
Den gesamten Trauergottesdienst hindurch hatte Maggie wie benommen einfach nur reglos dagesessen und die Zeremonie irgendwie über sich ergehen lassen. Ihr groß gewachsener Ehemann war ihr plötzlich so klein erschienen, wie er da in seinem Eichensarg im Hauptschiff der Kirche der Siebenten-Tages-Adventisten in Wien lag. Mit den Weihnachtsbäumen in der Botschaft ist es genauso, hatte sie unwillkürlich gedacht. Die sahen auch stets so klein aus, wenn sie geliefert wurden und zu einem festen Bündel zusammengeschnürt auf dem Boden des Atriums lagen. Dieser Eindruck änderte sich immer erst dann, wenn sie schließlich aufgerichtet wurden und sich fast bis zur Decke emporreckten, die Äste weit gespreizt.
Am Ende der Trauerfeier hatte Maggie ihren Platz in der Kondolenzreihe eingenommen, ganz so wie sie stets in Empfangsreihen an der Seite von Jeremy ihren Platz eingenommen hatte, all die vielen, vergangenen Jahre über, in all den verschiedenen Städten, in die sie versetzt worden waren. Sie hatte allen, die zur Beerdigung erschienen waren, die Hand geschüttelt, hatte auch jedes Mal die passenden Worte gefunden, und doch hatte in ihrem Kopf bloß völlige Leere geherrscht.
Es waren der Zweite Botschaftsrat und dessen Ehefrau Eileen gewesen, die Maggie anschließend in ihrem kleinen braunen Ford nach Hause gebracht hatten. In dem Botschaftswagen, den Maggie und Jeremy sonst immer benutzt hatten, wurde nun der stellvertretende Botschafter herumchauffiert. "Ich werde mein Bestes tun, die Stellung zu halten", hatte Mackintosh wichtigtuerisch vor dem Mann aus dem Außenministerium verlauten lassen, der extra wegen des Trauergottesdienstes mit dem Flugzeug angereist war. Und Hilary Mackintosh hatte darauf beharrt, die gesamte Zeremonie über Maggies Hand zu halten. Es war eine ziemlich feuchte Hand gewesen, doch Maggie hatte das Gefühl gehabt, dass es unhöflich gewesen wäre, die ihre zurückzuziehen. Schließlich wollte Hilary ja bloß nett zu ihr sein, genau wie alle anderen.
"Möchtest du eine Tasse Tee?", fragte Eileen nun betont munter, als sie die Eingangshalle der Botschaftsvilla betraten.
Maggie schaute sich hilflos um und wusste mit einem Mal nicht mehr so recht weiter. Sie begann, an den Fingern der schwarzen Baumwollhandschuhe zu zupfen, die sie zur Beerdigung getragen hatte - Maggie gehörte jener Generation an, die noch Handschuhe zum Kirchgang
trug.
"Vielleicht würde sie ja lieber einen Brandy trinken?", schlug der Zweite Botschaftsrat vor, der auf der Fußmatte stand und nervös seine Fingerknöchel knacken ließ.
"Nun ja, ein Sherry wäre vielleicht nicht schlecht", gestand Maggie ein.
Ihre Antwort ließ den Zweiten Botschaftsrat augenblicklich aktiv werden. Witwen zu trösten, noch dazu unter diesen besonderen Umständen, war eine Aufgabe, für die er sich noch nie sonderlich gut geeignet hatte - der Zubereitung von Drinks dagegen fühlte er sich sowohl physisch als auch mental vollauf gewachsen. Beinahe unverzüglich kehrte er von der Hausbar zurück, in der Hand ein kleines Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit. "Amontillado?", fragte er Maggie, die sich murmelnd bedankte.
"Ihr seid alle so lieb zu mir", sagte sie, denn es waren wahrlich alle überaus nett und hilfsbereit.
"Möchtest du, dass wir bei dir bleiben?", erkundigte Eileen sich pflichtbewusst von ihrem Platz in der Mitte des Raumes her, ihre kleine, lacklederne Handtasche mit beiden Händen fest umklammernd.
"Nein, nein, lasst nur, bitte macht euch keine Umstände! Mir geht es gut. Ich werde schon allein zurechtkommen. Wirklich. Ihr habt euch alle so sehr um mich gekümmert."
"Aber was ist mit dem Abendessen? Du solltest wirklich etwas essen, um bei Kräften zu bleiben."
"Oh, aber ich habe im Moment absolut keinen Hunger. Esmeralda hinterlässt immer Unmengen von Essen in der Tiefkühltruhe, wenn sie in Urlaub fährt. Macht euch um mich mal keine Sorgen!" Insgeheim war Maggie erleichtert darüber, dass die Köchin gerade ihren alljährlichen Urlaub in Portugal genoss. Denn Esmeraldas Art, ihrem Kummer Ausdruck zu verleihen, würde lärmend und nervenaufreibend sein. Wenn diese in ein oder zwei Tagen zurückkehrte, so hoffte Maggie, würde sie selbst sich wieder stark genug fühlen, um Esmeraldas Trauerbekundungen ertragen zu können. Vorläufig jedoch hatte sie das dringende Bedürfnis, allein zu sein. Sie brauchte jetzt erst einmal Ruhe und Einsamkeit, um die Dinge zu begreifen, zu verarbeiten.
Das Paar zog sich wieder in die Halle zurück und blieb einen Moment lang unsicher im grellen Licht des Kronleuchters stehen. Maggie ertappte sich bei dem Gedanken daran, wie unendlich viele Kronleuchter ihr gemeinsames Leben mit Jeremy erhellt hatten. Diese schienen ein unverzichtbarer Bestandteil des Botschaftslebens zu sein, wo immer sie und Jeremy auch gewesen waren: Wien, Budapest, Rom, Paris. sämtliche Botschaftsvillen waren erleuchtet gewesen von einem Meer glitzernder Kristalltropfen; es war eine strahlend helle Welt, in der Schatten oder gar geheime Ecken und Winkel keinerlei Daseinsberechtigung besaßen.
"Na ja, dann, wenn du dir ganz sicher bist.", entgegnete der Zweite Botschaftsrat, eine Hand bereits auf dem Türknauf.
"Aber bitte, pass gut auf dich auf", ermahnte Eileen ihre Freundin.
Dann schlossen die beiden mit einem taktvoll gedämpften Klicken hinter sich die Tür. Endlich war Maggie für sich allein.
Sie nahm das Glas mit dem Amontillado mit hinüber zu ihrem Lieblingssessel. Es waren nun schon dreieinhalb Jahre, dass sie stets in diesem Sessel Platz zu nehmen pflegte, genau seit jenem Tag nämlich, als Jeremy seinen Dienst in Wien angetreten hatte. Auf der anderen Seite des Kamins stand der hochlehnige, mit moosgrünem Samt bezogene Ohrensessel, in dem er immer gesessen hatte, wenn er aus der Botschaft heimgekehrt war; auf dem Beistelltisch neben sich und sorgsam auf einem Untersetzer platziert seinen Whisky Soda. Der Sessel zeigte noch immer die Einbuchtungen, die Jeremys stattliche Gestalt darin hinterlassen hatte. Die Stehlampe war nicht eingeschaltet, und Schatten lauerten in den samtenen Ecken, wo jener Mann, mit dem Maggie ganze fünfundzwanzig Jahre verheiratet gewesen war, ihr Abend für Abend gegenübergesessen hatte, einen milden Ausdruck der Geringschätzung auf dem Gesicht.
Jeremy war ein außerordentlich fähiger Staatsbeamter gewesen, und er besaß sämtliche Attribute des traditionellen Diplomaten. In Wien hatte er zum ersten Mal die Stelle des Botschafters bekleidet, und aller Wahrscheinlichkeit nach hätte er in knapp sechs Monaten sogar nach Washington entsandt werden sollen, als krönender Abschluss seiner beispielhaften Karriere.