
Bürgeradel
Portrait als Konzept
Ulrike Zilly(Editor)
Pagina Verlag
Published on 27. June 2013
Book
Hardback
144 pages
978-3-944146-06-5 (ISBN)
Description
Ulrike Zilly malt Portraits, um durch dieses künstlerische Schaffen zu erkennen, was um sie herum passiert. In den Portraits gibt sie Stimmungen und Werte weiter, die viel mehr über die gemalten aussagen als der Titel, den sie tragen oder die Rolle, die sie darstellen.
More details
Language
German
Place of publication
Germany
Target group
Kunstinterssierte
Edition type
New edition
Product notice
sewn/stitched
Illustrations
180
77 Fotos, 103 Abbildungen Gemälde
Dimensions
Height: 27 cm
Width: 21 cm
ISBN-13
978-3-944146-06-5 (9783944146065)
Schweitzer Classification
Persons
Editor
Other adaptation by
Photographs by
Content
Impressum 2
Georg Bussmann Vorwort 4-5
Josef Hinkel - Der Bürgerprinz Interview 10-11
Die Prinzen und Könige 6-30
Detlef Gryzbowski Interview 32-35
Geadelt durch Leistung 36-63
Die Politiker 64-79
Johannes auf der Lake CON BRIO -Bürger und Bilder 80
Die Unternehmer 81-87
Die Geistlichen 88-93
Peter Royen Interview 118-119
Isa Dorn Interview 99-102
Künstler 94-139
Zilly bei Zilly 140-142
Vita 143
Kunst unter den Begriff Konzept gestellt, besagt, dass es hier weniger um die Verwirklichung von Einzelleistungen geht, also um das, was man in der Kunstgeschichte "Meisterwerk" nennt, sondern dass die Produktion im Ganzen in einem System zu sehen ist, das zielbewusst nach Regeln, wie in
einer unendlichen Reihe gedacht, verwirklicht wird.
Natürlich behält dabei das einzelne Portrait als Bildnis eines Individuums seine ganz eigene besondere Gültigkeit. Was heißt, das Bildnis ist ein Bild dieser einen besonderen Person
in ihrer Unverwechselbarkeit, ja und auch - und dies ganz ungravitätisch - in ihrer Würde. Der Sinn solch gemalter Momentaufnahmen für den oder die Gemalte kann sein, dass man sich auf dieses narzisstische Spiel einlässt, sich also der Behauptung stellt: das soll ich sein, bin ich das, und wenn ich das bin, welcher Aspekt von mir ist das, und was ist mit den anderen? Was da als Portrait vor Augen steht, ist malerisch immer eine Einheit, die jedoch, auf das sogenannte "Ganze" der gemalten Person geschaut, Teil einer Vielheit ist.
Was wird von der Malerin hervorgekehrt, was ist der Tenor, die Grundstimmung, die Psychologie der Sache und was ist mit dem Dekorum? Da der Blick der Malerin nie tiefer gehen kann als bis auf die Haut, eignet dem Ganzen also immer auch etwas wie Oberflächlichkeit an, aber wenn, dann wäre das - um ein Wort Nietzsches zu gebrauchen - eine "Oberflächlichkeit aus Tiefe". Die Bilder treffen, haben ihre je eigene "Wahrheit", aber welche? Dass das unausgesprochen bleibt ist kein Mangel, sondern die Qualität dieser Bilder. So
sind sie beredt und doch zugleich auch stumm, verschlossen.
Sie sind eben Bilder und wenn da Verstellung, Übertreibung, Zuspitzung, oder Übersehen von "Wesenhaftem" im Spiel ist, so ist das alles in einem Moment da und geht zugleich in dieser wortlosen bildnerischen Intensität auf, die einen immer wieder hinschauen lässt, so dass man eigentlich mit diesen Bildern nie an ein Ende kommt.
Serien verlangen als Serien nach einem eigenen Titel. Als August Sander in den 20er Jahren mit seiner Kamera über Land zog und seine Art Portraits schuf, Foto um Foto, rieten ihm seine Künstlerkollegen,
diese Bilder unter einem Oberthema zusammenzufassen. Der Titel, "Menschen des 20. Jahrhunderts" hat Pathos und das Medium Fotografie mit seinem Versprechen auf Tatsächlichkeit gibt den Bildern diese
besondere Schwere, die man objektiv und existentiell nennen möchte. Bei Ulrike Zilly
sind solche Obertitel auch denkbar. Da gibt es die Portraits der Menschen aus dem Kunstbetrieb, die Adelsportraits, die Düsseldorfer Köpfe, das kann so weitergehen.
Soziologie mit ironischer Pointe. Die Ironie liegt in der unübersehbaren Anwesenheit der Person der Malerin. Sie ist immer da in ihrer Malerei wie in ihrer menschlichen Fähigkeit, den Akt des Gemaltwerdens zu etwas Besonderem zu machen, das jedoch dann im Endeffekt wie selbstverständlich erscheint. Ulrike Zilly
kann Menschen einnehmen, für sich, für die Malerei und für das, was als Bilder dabei herauskommt. "Con brio" hat das ein Interpret genannt und es "mit Feuer, Schwung und Munterkeit" übersetzt. Das trifft es.
Man möchte Menschen empfehlen, sich malen zu lassen von dieser Malerin und sich einzulassen auf dieses Vergnügen mit Tiefgang, das im Dauern der Bilder Lebensbegleitung sein kann. Und Dorian Grey grüßte von ferne? Und was ist es, wenn ich nun in einer Ausstellung von Ulrike Zilly Bild für Bild abgehe oder in einem Katalog eine um die andere Abbildung betrachte? Interessieren mich die einzelnen Personen? Manchmal ja, wenn man jemanden erkennt, aber insgesamt eher nein. Aber dann in der Reihung eben doch, warum? Vielleicht weil da so etwas Vages wie Zeitgenos-senschaft zu spüren ist, was dann ja auch eine irgendwie geartete Zugehörigkeit bedeuten würde. Und eingeschlossen darin wäre immer wieder neu, von Person zu Person, dieses unterschwellige Versprechen, dass es mit dem Leben so geht - irgendwie. Was da als Leben
erscheint, kommt von der Lebendigkeit der Malerei.
Thematisch scheint das immer wieder das Gleiche zu sein, Ein Kopf, ein Profil, ein Gesicht en face und
im Hintergrund dieses Karos, Farbflächen, Kringe und Wellenlinien. Wenn man so will, ein bisschen
Impressionismus, (Slevogt?), ein bisschen Tachismus und ein Schuss Pop Art. Vom Impressionismus
das schnelle sichere Reagieren und das gekonnte Abkürzen der Form, vom Tachismus das Lassen und
Zulassen der Farbbewegung und von der Pop Art der optimistische Grundton. In der Freude am Malen liegt
Zustimmung, an der man im Hinschauen teilnimmt.
Wie beschreibt man gute Malerei, wie ihre Suggestivität, ihre Sinnlichkeit, ihre Präsenz, und wie einen
das immer wieder, salopp gesagt, umhaut? Wenn man das liebt, erscheint einem diese Malerei im
Ganzen vielleicht wie ein Feuerwerk und das einzelne Bild darin wie eine Rakete. Und wenn man aufhört mit
dem Hinschauen und mit dem Aufschreiben, bliebe einem ein Lächeln.
Georg Bussmann