
Mäuseköttel
... und andere durchaus ernsthafte Erzählungen
Maria Charlotte Wulff(Author)
Mövenort Verlag
1st Edition
Published on 15. March 2020
Book
Paperback/Softback
192 pages
978-3-9818955-4-4 (ISBN)
Description
Die Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg sowie das heutige Mecklenburg-Vorpommern, das aus jenen entstand, sind die Schauplätze dieser Sammlung von Erzählungen. Bei ihrem Lesen entstehen Bilder im Kopf: düster und hell, bunt und grau, klar und verwischt. Sozialistische und kapitalistische Lebensver-hältnisse haben Generationen von Menschen geformt, die ein verfeinertes Gefühl für Wahrheit und Lüge haben. Die durch die-se Jahre gegangen sind, sind durchweg anders. Das bleiben selbst noch die Kinder und Enkel dieser besonderen Frauen und Männer. Maria Charlotte Wulff hält sie lebendig für die, die 30 Jahre nach dem Zusammenschluss eines kleinen mit einem rei-chen Land immer noch nach Halt, Orientierung und Anerkennung suchen und für die, die diese Menschen verstehen wollen.
More details
Language
German
Place of publication
Ostseeheilbad Zingst
Germany
Target group
Young adult
Professional and scholarly
Sozial-, gesellschaftlich-, politisch- und regional-Interessierte MV
Edition type
New edition
Product notice
Unsewn / adhesive bound
Syllabification
Turn-around book
Illustrations
1
16 s/w Zeichnungen
Kind mit Roller, Russisches Hochzeitspaar, PKW, PKW Trabant und Porsche im Stau , Pilze im Wald, 2 Unternehmensberater am Schreibtisch, Nutte, PKW Trabant auf Hebebühne, Architektenhaus, Ostfrau und Westfrau, Liebespaar, 2 Mäuse, Dezente im Endstadium, Protestmarsch in London zum Brexit, Uhr
Dimensions
Height: 21 cm
Width: 14.8 cm
Weight
313 gr
ISBN-13
978-3-9818955-4-4 (9783981895544)
Schweitzer Classification
Person
Author
Autorin, Steuerberaterin, Dipl.Ing.Ök.
Maria Charlotte Wulff, Jahrgang 1948, lebte bis 1988 in Schwerin, zog mit ihren beiden halbwüchsigen Kindern nach Rostock und wohnt heute mit ihrem Ehemann an der ostdeut-schen Ostseeküste.
Maria Charlotte Wulff, Jahrgang 1948, lebte bis 1988 in Schwerin, zog mit ihren beiden halbwüchsigen Kindern nach Rostock und wohnt heute mit ihrem Ehemann an der ostdeut-schen Ostseeküste.
Content
"Hast du schon gehört: Es gibt... S. 7, Serjoscha S. 17, DDR-Rennpappe als Porschekiller S.33, Auf- und Abbau-Helfer S. 43, Leberschaden S. 59, Das wird man doch noch mal sagen dürfen S.67, Rote Laterne S. 77, CVM - Claudias Volks-Mercedes S. 87, Schandfleck S. 99, Sie denken, wir hätten nichts dazugelernt S. 109, Verrat S. 117, Mäuseköttel S. 133, Bärbel S. 147, Westreise S. 159, Ich war noch niemals in S. 169, Vier Minuten hätten gereicht S. 181
Sie denken, wir hätten nichts dazugelernt
Bei Notar Dr. Balamis in Rostock haben zwei Ehepaare, eines aus Hannover kommend, eines aus Zingst, am 14. Juli 2009 einen gemeinsamen Termin zur Protokollierung eines Kaufver-trages. Verkauft wird eine Ferienwohnung in der Seestraße von Zingst, direkt am Deich, dennoch nur 1B-Lage: wegen des leb-haften Verkehrs.
Im Vorhinein sind die Modalitäten per Mail ausverhandelt.
Notarfachangestellte Jessika Montag bittet um etwas Ge-duld: "Dr. Balamis wird gleich für Sie da sein. Darf ich Ihnen Getränke anbieten: Kaffee, Tee, Wasser?"
Sie darf, und mit dem Tablett voller Getränke reicht sie beiden wartenden Paaren je einen Ausdruck des Vertrages, der demnächst von ihrem Chef verlesen werden soll. Hernach von den Parteien unterschrieben selbstverständlich, denn dafür ha-ben sie jeweils den weiten Weg in Kauf genommen.
Der Herr aus Hannover lässt seinen Kaffee kalt werden. Unruhig rutscht er auf dem Wartestuhl hin und her, holt tief Luft, streckt sich und sieht mal bedeutungsvoll zu seiner Frau, mal mustert er das Paar aus Zingst.
Man sieht ihm an, dass ihm etwas auf den Nägeln brennt.
Der Notar kommt aus seinem Büro. Er begrüßt die Immo-bilienkäufer herzlich, die Verkäufer ausgesucht höflich.
"Ich muss leider noch ein wichtiges Telefonat erledigen. Bitte sehen Sie es mir nach, dass sich Ihr Termin ein wenig verschiebt."
"Wir haben Zeit mitgebracht", gestattet der Herr aus Hannover dies mit einem feinen Lächeln. Er ist mit dem Notar allem Anschein nach bekannt. Die Verkäufer sind darob wenig amüsiert.
Die Zingster verkaufen ihre Ferienwohnung, weil Tochter und Schwiegersohn am Stadtrand von Rostock ein Baugrund-stück gekauft haben, sich darauf ein Häuschen bauen wollen und dafür das Geld benötigen, es auch haben sollen.
"Bleib ruhig, mein Schatz", flüstert der Ostmann seiner Ostfrau zu: "Es ist doch alles besprochen."
Es vergehen zähe fünf Minuten, da wendet sich Westmann an Ostmann und fragt: "Können wir bitte kurz über Mieten und Zinsen bis zur Eintragung des Eigentumsübergangs in das Grundbuch sprechen? Es ist doch nicht ganz gerecht, dass Sie bis dahin die Mieten vereinnahmen. Wir könnten Ihnen im Ge-genzug die Zinsen auf dem Notaranderkonto überlassen."
Ostmann schaut Ostfrau an. Die sagt: "Es ist alles verhan-delt. Wir sind Ihnen schon entgegengekommen und denken jetzt auf die Schnelle nicht darüber nach, ob der Vertrag nun gerecht ist oder nicht. Verhandelt ist verhandelt."
Dem Ostmann ist die unwirsche Art seiner Frau etwas peinlich. Entschuldigung andeutend wendet er sich dem Fra-genden zu: "Was haben Sie sich denn vorgestellt?"
Der Westmann holt einen Schnellhefter aus einer braunen Kollegmappe, blättert darin, bis er findet wonach er sucht und nimmt eine Seite heraus. Er reicht sie dem Ostmann hin, der den Platz an der Seite seiner Frau verlässt und sich zum West-mann begibt.
Er liest aufmerksam. Die Herren diskutieren leise mitei-nander.
Die Westfrau rückt an die Ostfrau heran. Sie sehen so ver-schieden aus, wie die Länder, die sich vor neunzehn Jahren miteinander verbunden haben. Ostfrau, lässig in schlabberigen Jeans, flachen hellblauen Schnürschuhen und blauweiß gemus-terter Bluse, die sie über der Hose trägt. Offene Jacke, weites weiches Tuch um den Hals. Die Haare sind rechts gescheitelt und lassen die hohe Stirn frei, fallen lockerwellig auf die Schul-tern. Sie ist, falls überhaupt, nur dezent geschminkt. Die andere trägt hochhackige Schuhe, ein dunkelgraues Kostüm mit engem Rock, den sie bemüht über die Knie schiebt, als ob sie es un-schicklich fände, dass die bei jeder Bewegung wieder hervor-kommen. Ihre langen blond gefärbten Haare, in der Mitte ge-scheitelt und sorgfältig nach hinten gekämmt, sitzen perfekt. Rund um die Augen ist sie stark geschminkt. Ihre Haut schim-mert seidig. Der leicht geöffnete Mund ist fuchsienrot betont, die Fingernägel blau. Eine wunderschöne Frau, ganz eindeutig, die Kontakt sucht, womöglich die Aufgabe hat, abzulenken.
?
Ostfrau bemerkt: "Termine vergeben und einen dann ewig war-ten lassen, das ist ja wie beim Arzt. Es geht schon auf Mittag zu. Ich habe eine Kollegin gebeten, mich zu vertreten. Ich muss so schnell wie möglich zurück nach Zingst. Und was die Männer da beschnacken, können sie getrost bleiben lassen."
Darauf lächelt die Westfrau verlegen.
"Gib mir deinen Taschenrechner", bittet der Ostmann sei-ne Frau. Die schüttelt den Kopf: "Der Vertrag bleibt wie er ist. Wenn du erst einmal anfängst, dich auf Diskussionen einzulas-sen, du wirst sehen, schieben sie noch dies und jenes nach."Aufgebracht ergänzt sie: "So, wie die beiden es die letzten Wo-chen doch auch schon immer versucht haben."
Der Notar erscheint und bittet in sein Büro.
"Die Herren fühlen sich bemüßigt, über den Vertragstext noch zu verhandeln. Damit bin ich nicht einverstanden", sagt, sich erhebend, mit Bestimmtheit die Ostfrau. Sie zwinkert der Westfrau zu, die nicht umhinkann, ihre Geschlechtsgenossin ob ihres selbstbewussten Auftrittes zu bewundern.
?
Dr. Balamis macht aufmerksam: "Ich habe eine Belehrungs-pflicht. Lassen Sie uns in Ruhe in meinem Büro Punkt für Punkt durchgehen."
"Nein, das tun wir nicht. Entweder wird der Vertrag so, wie er lang und breit vorher abgestimmt war, unterschrieben, oder gar nicht."
Ostmann bestätigt verlegen. "Meine Frau hat Recht, es war vereinbart, dass wir die Fahrerei nach Rostock nur dann auf uns nehmen, wenn der ausverhandelte Vertrag so auch endgültig zustande kommt."
"Was ist nun", fragt der Westmann den Ostmann. "Wer hat bei Ihnen das Sagen, Sie oder Ihre Frau? Wir waren uns doch schon einig."
Ostfrau grinst. Westfrau ist gespannt, wie das hier heute ausgeht.
"Darf ich Ihnen Kaffee in das Büro des Notars bringen", fragt Frau Montag. "Und ein wenig Gebäck?" Mittlerweile ste-hen mit ihr der Notar und die Vertragsparteien versammelt im kleinen Vorraum des Büros. Unschlüssig.
"Nein danke, Kekse machen mich nicht satt. Ich habe Hun-ger", wehrt die Ostfrau ab. Und der Ostmann, der die Signale seiner Frau mittlerweile verstanden hat, ergänzt: "Wir ändern nichts. Lassen Sie uns zu Potte kommen."
"Nein, so nicht", wettert Westmann.
"Doch, alles bleibt wie es vorher besprochen war", erwi-dert Ostmann, nun nicht minder energisch.
Wie Kampfhähne stehen die Männer einander gegenüber, sich weiter Widerworte zuwerfend, während die Frauen konsterniert bis amüsiert zusehen.
"Schluss jetzt", diktiert die Ostfrau. "Sie denken, wir Ossis sind immer noch so blöde wie 1990 und lassen uns so la la über den Tisch ziehen? Wir haben dazugelernt. Es ist schlicht unan-ständig, ein ausverhandeltes Paket kurz vor Verhandlungsbe-ginn neu aufzuschnüren. Wir gehen. Die Notarrechnung bezah-len Sie! Wie per Mail vereinbart."
Stolz, und im Endeffekt zufrieden, wendet sich das Ost-paar zum Ausgang. `Man wird schon noch anständige Käufer finden, sie laufen einem ja schließlich die Bude ein.´
Der Westmann blickt ihnen wütend nach. Schubst seine Frau von sich, die ihn halbherzig zu trösten versucht.
"Weiber!", flucht er.
Bei Notar Dr. Balamis in Rostock haben zwei Ehepaare, eines aus Hannover kommend, eines aus Zingst, am 14. Juli 2009 einen gemeinsamen Termin zur Protokollierung eines Kaufver-trages. Verkauft wird eine Ferienwohnung in der Seestraße von Zingst, direkt am Deich, dennoch nur 1B-Lage: wegen des leb-haften Verkehrs.
Im Vorhinein sind die Modalitäten per Mail ausverhandelt.
Notarfachangestellte Jessika Montag bittet um etwas Ge-duld: "Dr. Balamis wird gleich für Sie da sein. Darf ich Ihnen Getränke anbieten: Kaffee, Tee, Wasser?"
Sie darf, und mit dem Tablett voller Getränke reicht sie beiden wartenden Paaren je einen Ausdruck des Vertrages, der demnächst von ihrem Chef verlesen werden soll. Hernach von den Parteien unterschrieben selbstverständlich, denn dafür ha-ben sie jeweils den weiten Weg in Kauf genommen.
Der Herr aus Hannover lässt seinen Kaffee kalt werden. Unruhig rutscht er auf dem Wartestuhl hin und her, holt tief Luft, streckt sich und sieht mal bedeutungsvoll zu seiner Frau, mal mustert er das Paar aus Zingst.
Man sieht ihm an, dass ihm etwas auf den Nägeln brennt.
Der Notar kommt aus seinem Büro. Er begrüßt die Immo-bilienkäufer herzlich, die Verkäufer ausgesucht höflich.
"Ich muss leider noch ein wichtiges Telefonat erledigen. Bitte sehen Sie es mir nach, dass sich Ihr Termin ein wenig verschiebt."
"Wir haben Zeit mitgebracht", gestattet der Herr aus Hannover dies mit einem feinen Lächeln. Er ist mit dem Notar allem Anschein nach bekannt. Die Verkäufer sind darob wenig amüsiert.
Die Zingster verkaufen ihre Ferienwohnung, weil Tochter und Schwiegersohn am Stadtrand von Rostock ein Baugrund-stück gekauft haben, sich darauf ein Häuschen bauen wollen und dafür das Geld benötigen, es auch haben sollen.
"Bleib ruhig, mein Schatz", flüstert der Ostmann seiner Ostfrau zu: "Es ist doch alles besprochen."
Es vergehen zähe fünf Minuten, da wendet sich Westmann an Ostmann und fragt: "Können wir bitte kurz über Mieten und Zinsen bis zur Eintragung des Eigentumsübergangs in das Grundbuch sprechen? Es ist doch nicht ganz gerecht, dass Sie bis dahin die Mieten vereinnahmen. Wir könnten Ihnen im Ge-genzug die Zinsen auf dem Notaranderkonto überlassen."
Ostmann schaut Ostfrau an. Die sagt: "Es ist alles verhan-delt. Wir sind Ihnen schon entgegengekommen und denken jetzt auf die Schnelle nicht darüber nach, ob der Vertrag nun gerecht ist oder nicht. Verhandelt ist verhandelt."
Dem Ostmann ist die unwirsche Art seiner Frau etwas peinlich. Entschuldigung andeutend wendet er sich dem Fra-genden zu: "Was haben Sie sich denn vorgestellt?"
Der Westmann holt einen Schnellhefter aus einer braunen Kollegmappe, blättert darin, bis er findet wonach er sucht und nimmt eine Seite heraus. Er reicht sie dem Ostmann hin, der den Platz an der Seite seiner Frau verlässt und sich zum West-mann begibt.
Er liest aufmerksam. Die Herren diskutieren leise mitei-nander.
Die Westfrau rückt an die Ostfrau heran. Sie sehen so ver-schieden aus, wie die Länder, die sich vor neunzehn Jahren miteinander verbunden haben. Ostfrau, lässig in schlabberigen Jeans, flachen hellblauen Schnürschuhen und blauweiß gemus-terter Bluse, die sie über der Hose trägt. Offene Jacke, weites weiches Tuch um den Hals. Die Haare sind rechts gescheitelt und lassen die hohe Stirn frei, fallen lockerwellig auf die Schul-tern. Sie ist, falls überhaupt, nur dezent geschminkt. Die andere trägt hochhackige Schuhe, ein dunkelgraues Kostüm mit engem Rock, den sie bemüht über die Knie schiebt, als ob sie es un-schicklich fände, dass die bei jeder Bewegung wieder hervor-kommen. Ihre langen blond gefärbten Haare, in der Mitte ge-scheitelt und sorgfältig nach hinten gekämmt, sitzen perfekt. Rund um die Augen ist sie stark geschminkt. Ihre Haut schim-mert seidig. Der leicht geöffnete Mund ist fuchsienrot betont, die Fingernägel blau. Eine wunderschöne Frau, ganz eindeutig, die Kontakt sucht, womöglich die Aufgabe hat, abzulenken.
?
Ostfrau bemerkt: "Termine vergeben und einen dann ewig war-ten lassen, das ist ja wie beim Arzt. Es geht schon auf Mittag zu. Ich habe eine Kollegin gebeten, mich zu vertreten. Ich muss so schnell wie möglich zurück nach Zingst. Und was die Männer da beschnacken, können sie getrost bleiben lassen."
Darauf lächelt die Westfrau verlegen.
"Gib mir deinen Taschenrechner", bittet der Ostmann sei-ne Frau. Die schüttelt den Kopf: "Der Vertrag bleibt wie er ist. Wenn du erst einmal anfängst, dich auf Diskussionen einzulas-sen, du wirst sehen, schieben sie noch dies und jenes nach."Aufgebracht ergänzt sie: "So, wie die beiden es die letzten Wo-chen doch auch schon immer versucht haben."
Der Notar erscheint und bittet in sein Büro.
"Die Herren fühlen sich bemüßigt, über den Vertragstext noch zu verhandeln. Damit bin ich nicht einverstanden", sagt, sich erhebend, mit Bestimmtheit die Ostfrau. Sie zwinkert der Westfrau zu, die nicht umhinkann, ihre Geschlechtsgenossin ob ihres selbstbewussten Auftrittes zu bewundern.
?
Dr. Balamis macht aufmerksam: "Ich habe eine Belehrungs-pflicht. Lassen Sie uns in Ruhe in meinem Büro Punkt für Punkt durchgehen."
"Nein, das tun wir nicht. Entweder wird der Vertrag so, wie er lang und breit vorher abgestimmt war, unterschrieben, oder gar nicht."
Ostmann bestätigt verlegen. "Meine Frau hat Recht, es war vereinbart, dass wir die Fahrerei nach Rostock nur dann auf uns nehmen, wenn der ausverhandelte Vertrag so auch endgültig zustande kommt."
"Was ist nun", fragt der Westmann den Ostmann. "Wer hat bei Ihnen das Sagen, Sie oder Ihre Frau? Wir waren uns doch schon einig."
Ostfrau grinst. Westfrau ist gespannt, wie das hier heute ausgeht.
"Darf ich Ihnen Kaffee in das Büro des Notars bringen", fragt Frau Montag. "Und ein wenig Gebäck?" Mittlerweile ste-hen mit ihr der Notar und die Vertragsparteien versammelt im kleinen Vorraum des Büros. Unschlüssig.
"Nein danke, Kekse machen mich nicht satt. Ich habe Hun-ger", wehrt die Ostfrau ab. Und der Ostmann, der die Signale seiner Frau mittlerweile verstanden hat, ergänzt: "Wir ändern nichts. Lassen Sie uns zu Potte kommen."
"Nein, so nicht", wettert Westmann.
"Doch, alles bleibt wie es vorher besprochen war", erwi-dert Ostmann, nun nicht minder energisch.
Wie Kampfhähne stehen die Männer einander gegenüber, sich weiter Widerworte zuwerfend, während die Frauen konsterniert bis amüsiert zusehen.
"Schluss jetzt", diktiert die Ostfrau. "Sie denken, wir Ossis sind immer noch so blöde wie 1990 und lassen uns so la la über den Tisch ziehen? Wir haben dazugelernt. Es ist schlicht unan-ständig, ein ausverhandeltes Paket kurz vor Verhandlungsbe-ginn neu aufzuschnüren. Wir gehen. Die Notarrechnung bezah-len Sie! Wie per Mail vereinbart."
Stolz, und im Endeffekt zufrieden, wendet sich das Ost-paar zum Ausgang. `Man wird schon noch anständige Käufer finden, sie laufen einem ja schließlich die Bude ein.´
Der Westmann blickt ihnen wütend nach. Schubst seine Frau von sich, die ihn halbherzig zu trösten versucht.
"Weiber!", flucht er.