Todesgebet
Thriller
Inger Ash Wolfe(Author)
Blanvalet (Publisher)
Published on 9. February 2009
Book
Paperback/Softback
416 pages
978-3-442-37026-9 (ISBN)
Description
Komm, schöner Tod, erlöse mich!
Führe uns in Versuchung und übergebe uns an das Böse. Schlägereien, häusliche Gewalt, Einbruch, das sind die Fälle, mit denen Polizeichefin Hazel Micaleff, frisch geschieden und kurz vor der Rente, normalerweise in der kanadischen Provinz zu tun hat. Anfangs sieht sie es daher sehr gelassen, als eine unheilbar kranke Frau unter mysteriösen Umständen stirbt. Doch etwas lässt Hazel keine Ruhe. Und so macht sie sich, begleitet vom Gespött ihrer Kollegen, ihrer 80jährigen Mutter und der ganzen Stadt auf die Suche - und entdeckt weitere Fälle: 13 Fotos der Mordszenarien hängen schließlich an ihrer Wand. Ein Todesgebet - quer durch Kanada inszeniert von einem Wahnsinnigen, der sein letztes Amen noch nicht gesprochen hat .
Fesselnd, dunkel, stark und atmosphärisch
Detective Inspector Hazel Micalleffs erster Fall
Eine faszinierende Krimi-Entdeckung aus Kanada
Führe uns in Versuchung und übergebe uns an das Böse. Schlägereien, häusliche Gewalt, Einbruch, das sind die Fälle, mit denen Polizeichefin Hazel Micaleff, frisch geschieden und kurz vor der Rente, normalerweise in der kanadischen Provinz zu tun hat. Anfangs sieht sie es daher sehr gelassen, als eine unheilbar kranke Frau unter mysteriösen Umständen stirbt. Doch etwas lässt Hazel keine Ruhe. Und so macht sie sich, begleitet vom Gespött ihrer Kollegen, ihrer 80jährigen Mutter und der ganzen Stadt auf die Suche - und entdeckt weitere Fälle: 13 Fotos der Mordszenarien hängen schließlich an ihrer Wand. Ein Todesgebet - quer durch Kanada inszeniert von einem Wahnsinnigen, der sein letztes Amen noch nicht gesprochen hat .
Fesselnd, dunkel, stark und atmosphärisch
Detective Inspector Hazel Micalleffs erster Fall
Eine faszinierende Krimi-Entdeckung aus Kanada
More details
Series
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 11.5 cm
ISBN-13
978-3-442-37026-9 (9783442370269)
Schweitzer Classification
Persons
Inger Ash Wolfe ist das Pseudonym einer weltweit renommierten und preisgekrönten kanadischen Autorin.
Content
Freitag, 12. November, 15.00 Uhr
Er war auf die Minute pünktlich.
Den größten Teil des Nachmittags hatte sich Delia Chandler mit kleinen Aufgaben im Haus beschäftigt. Zwar hatte sie Obergeschoss und Erdgeschoss in dieser Woche bereits gesaugt, aber sie saugte sie noch einmal und achtete darauf, Tische und Stühle zu verrücken, damit die Staubsaugerdüse überallhin gelangte, wo sich Schmutz verstecken konnte. Eins von Simons Dogmen war Sauberkeit: Kein Stäubchen sollte im Haus zu sehen sein, wenn sie ihn zum ersten Mal traf.
Sie ließ die Geschirrspülmaschine laufen und reinigte das Serviertablett. Sie wusch sogar das Stück Seife im Badezimmer. In seinem Schriftwechsel mit ihr hatte Simon geschrieben, der Schlüssel zur Gesundheit liege darin, seine Umgebung ebenso zu pflegen wie sich selbst. Sie hatte seine Ratschläge äußerst gewissenhaft befolgt, hatte die Tees exakt so zubereitet, wie von ihm angegeben, und sie zu den vorgeschriebenen Tageszeiten getrunken, hatte Punkt sechs Uhr morgens leichte Übungen gemacht und war um neun Uhr abends zu Bett gegangen, um auch gewiss jede Nacht volle neun Stunden Schlaf zu bekommen.
Seine Dienste - auch wenn sie aus großer Ferne erfolgten - waren ein unschätzbarer Beitrag gewesen, damit sie durchhielt, bis er kommen konnte. Der Krebs saß inzwischen in ihren Knochen und hatte sich wie ein Moosgeflecht durch ihr Becken und in das umliegende Gewebe ausgebreitet. Dr. Lewiston hatte ihr die palliativen Möglichkeiten erläutert: Wenn der Schmerz zu stark wurde, würde man sie in ein Hospiz verlegen und die Sache 'erledigen'. Sie stellte sich vor, dass man sie einschläferte wie einen Hund. Ihre Söhne Robert und Dennis hatten ihr versichert, alle Kosten zu übernehmen, die für ihr Wohlergehen nötig seien. Liebe Jungs. Sie hatte all ihren Vorschlägen zugestimmt, in dem Wissen, ihre Hilfe gar nicht zu brauchen, wenn die Zeit gekommen war.
Um 14.30 Uhr ging Delia nach oben und kleidete sich angemessen für den Gast, den sie gleich empfangen würde. Sie zog eine neue Strumpfhose an und schlüpfte dann in ein blaues Wollkleid. Bei jeder Armbewegung über Schulterhöhe schoss ihr eine Schrotladung Schmerz durch den Körper, als wäre in ihrer Hüfte eine kleine Granate explodiert. Sie zog sich das Kleid langsam über Brust und Schultern und setzte sich, um Atem zu schöpfen. Dann stand sie wieder auf und betrachtete sich im Spiegel. Für eine einundachtzigjährige, sterbende Frau sah sie ganz passabel aus. Sie zog ein Paar schwarze Schuhe mit flachen Absätzen an, überlegte es sich jedoch anders und schlüpfte wieder in die orthopädischen Schuhe. Simon würde nicht wollen, dass sie Schmerzen litt, nur um gut für ihn auszusehen. Nein, solche Eitelkeit würde er nicht billigen.
Die Türglocke ertönte Punkt drei Uhr. Sie sah sogar den Sekundenzeiger genau in diesem Moment auf zwölf springen. Sie holte tief Luft, strich das Kleid über dem Bauch glatt und öffnete die Tür.
Simon stand mit einer schweren Reisetasche in der Hand auf der Eingangstreppe. Er war entsetzlich dünn, vielleicht einer der dünnsten Menschen, die sie je gesehen hatte. Es ließ ihn hochgewachsen erscheinen. Er trug einen langen, schwarzen Mantel und eine schwarze Melone auf dem Kopf, und sein Gesicht war tief zerfurcht. Er hatte etwas von einem freundlichen älteren Herrn, auch wenn sie wusste, dass er jünger war als sie, um wenigstens dreißig Jahre. In seinem Gesicht hatten sich all die Schläge des Lebens eingenistet. Sie empfand tiefes Mitleid mit ihm, obwohl eigentlich er zu ihrem Beistand gekommen war.
'Mrs Chandler', sagte er. 'Danke, dass Sie mich zu sich eingeladen haben.'
Sie zog die Tür weit auf und wies mit einer Handbewegung ins Haus. 'Es ist mir eine Ehre, Sie willkommen zu heißen, Simon.'
Er trat ein, nahm seinen Hut ab und legte ihn wortlos auf das Tischchen im Flur. Er löste eine schwarze Seidenlasche unter seinem Kinn, schlüpfte aus dem Mantel und reichte ihn Delia. Die Außenseite des Mantels war kalt von der Herbstluft draußen, aber innen, wo sein Körper gewesen war, war er warm. Sie hängte ihn an der Garderobe im Flur für ihn auf. Als sie zurückkam, saß er auf der Couch und ließ den Blick durch das Zimmer wandern; seine langen Hände umklammerten die Knie. 'Genau so habe ich mir Ihr Haus vorgestellt, Mrs Chandler.'
'Bitte nennen Sie mich Delia.'
'Delia, gut. Dieses Haus ist, als hätte ich es geträumt. Kommen Sie, und setzen Sie sich zu mir.' Sie gehorchte und nahm unter Anstrengung in dem Sessel neben der Couch Platz. Als sie saß, stellte er seine Reisetasche auf den Tisch und öffnete sie. Kampfergeruch entwich aus ihrem Innern. 'Wir brauchen uns nicht mit Plaudereien aufzuhalten', sagte er. 'Es ist, als wären wir bereits alte Freunde, nicht wahr?' Sie lächelte ihn an und nickte. Es freute sie, dass sein persönliches Auftreten völlig in Einklang damit stand, wie er sich in seinen E-Mails gegeben hatte: ernst, aber nicht humorlos und auf eine leise Art gebieterisch. Er zog ein halbes Dutzend Glasfläschchen aus der Reisetasche. Sie waren mit getrockneter Pflanzenmaterie und
Pulvern gefüllt. Er reihte sie ordentlich auf dem Kaffeetisch auf. 'Wie geht es Ihnen?', fragte er. 'Was machen die Schmerzen?'
'Es ist erträglich', sagte sie. 'Ich nehme das Wandelröschen gegen den Schmerz in meinen Knochen, und es hilft ein paar Stunden lang. Aber das ist schon in Ordnung. Eine kleine Atempause ist alles, was ich brauche, während ich auf Sie warte.'
Darüber lächelte er und ergriff sanft ihre Hand. 'Ich wähle sehr sorgfältig aus, wen ich besuche, Delia. Nur wer sich absolut festgelegt hat, kommt infrage. Sind Sie sich Ihrer Sache noch völlig sicher?'
'Ja.'
'Und Sie haben keine Angst?'
Hier zögerte sie und wandte den Blick ab. 'Ich habe mir vorgenommen, aufrichtig zu Ihnen zu sein, deshalb gebe ich zu, dass ich Angst hatte, ja. Ein bisschen. Aber nicht jetzt, nicht in diesem Augenblick.'
'Gut', sagte er, und seine Stimme verriet ihr, dass es in Ordnung war, wenn sie ein wenig Angst empfunden hatte. Es bedeutete, dass sie sich ihr gestellt und sie überwunden hatte. 'Dann sollten wir anfangen.'
'Ja', sagte sie.
'Ich muss Sie jedoch zuerst um eine Sache bitten. Es wird Ihnen etwas unangenehm sein.' Delia sah ihm in die Augen und wartete auf eine Erklärung. 'Ich muss mir Ihren Körper ansehen, Delia. Ich muss Ihre Haut sehen, ehe ich weitermache.'
Sie erbleichte bei diesen Worten und dachte daran, wie sie die wenigen Kleider in ihrem Schrank nach einem durchgegangen war, in dem sie möglichst vorzeigbar aussah. Und jetzt sollte sie sich ihm nackt präsentieren? Doch sie stellte ihn nicht infrage; vielmehr stand sie auf und drehte sich vor dem niedrigen Kaffeetischchen zu ihm um.
Sie langte mit einer Hand hinter sich und zog den Reißverschluss am Rücken ihres Kleids nach unten; vor Schmerz zuckte sie zusammen.
'Warten Sie', sagte er. 'Ich will Ihnen keine Schwierigkeiten bereiten.' Er stand auf, trat hinter sie und zog den Reißverschluss ganz auf. Das Kleid fiel als Häufchen blauer Wolle zu Boden.
Er war auf die Minute pünktlich.
Den größten Teil des Nachmittags hatte sich Delia Chandler mit kleinen Aufgaben im Haus beschäftigt. Zwar hatte sie Obergeschoss und Erdgeschoss in dieser Woche bereits gesaugt, aber sie saugte sie noch einmal und achtete darauf, Tische und Stühle zu verrücken, damit die Staubsaugerdüse überallhin gelangte, wo sich Schmutz verstecken konnte. Eins von Simons Dogmen war Sauberkeit: Kein Stäubchen sollte im Haus zu sehen sein, wenn sie ihn zum ersten Mal traf.
Sie ließ die Geschirrspülmaschine laufen und reinigte das Serviertablett. Sie wusch sogar das Stück Seife im Badezimmer. In seinem Schriftwechsel mit ihr hatte Simon geschrieben, der Schlüssel zur Gesundheit liege darin, seine Umgebung ebenso zu pflegen wie sich selbst. Sie hatte seine Ratschläge äußerst gewissenhaft befolgt, hatte die Tees exakt so zubereitet, wie von ihm angegeben, und sie zu den vorgeschriebenen Tageszeiten getrunken, hatte Punkt sechs Uhr morgens leichte Übungen gemacht und war um neun Uhr abends zu Bett gegangen, um auch gewiss jede Nacht volle neun Stunden Schlaf zu bekommen.
Seine Dienste - auch wenn sie aus großer Ferne erfolgten - waren ein unschätzbarer Beitrag gewesen, damit sie durchhielt, bis er kommen konnte. Der Krebs saß inzwischen in ihren Knochen und hatte sich wie ein Moosgeflecht durch ihr Becken und in das umliegende Gewebe ausgebreitet. Dr. Lewiston hatte ihr die palliativen Möglichkeiten erläutert: Wenn der Schmerz zu stark wurde, würde man sie in ein Hospiz verlegen und die Sache 'erledigen'. Sie stellte sich vor, dass man sie einschläferte wie einen Hund. Ihre Söhne Robert und Dennis hatten ihr versichert, alle Kosten zu übernehmen, die für ihr Wohlergehen nötig seien. Liebe Jungs. Sie hatte all ihren Vorschlägen zugestimmt, in dem Wissen, ihre Hilfe gar nicht zu brauchen, wenn die Zeit gekommen war.
Um 14.30 Uhr ging Delia nach oben und kleidete sich angemessen für den Gast, den sie gleich empfangen würde. Sie zog eine neue Strumpfhose an und schlüpfte dann in ein blaues Wollkleid. Bei jeder Armbewegung über Schulterhöhe schoss ihr eine Schrotladung Schmerz durch den Körper, als wäre in ihrer Hüfte eine kleine Granate explodiert. Sie zog sich das Kleid langsam über Brust und Schultern und setzte sich, um Atem zu schöpfen. Dann stand sie wieder auf und betrachtete sich im Spiegel. Für eine einundachtzigjährige, sterbende Frau sah sie ganz passabel aus. Sie zog ein Paar schwarze Schuhe mit flachen Absätzen an, überlegte es sich jedoch anders und schlüpfte wieder in die orthopädischen Schuhe. Simon würde nicht wollen, dass sie Schmerzen litt, nur um gut für ihn auszusehen. Nein, solche Eitelkeit würde er nicht billigen.
Die Türglocke ertönte Punkt drei Uhr. Sie sah sogar den Sekundenzeiger genau in diesem Moment auf zwölf springen. Sie holte tief Luft, strich das Kleid über dem Bauch glatt und öffnete die Tür.
Simon stand mit einer schweren Reisetasche in der Hand auf der Eingangstreppe. Er war entsetzlich dünn, vielleicht einer der dünnsten Menschen, die sie je gesehen hatte. Es ließ ihn hochgewachsen erscheinen. Er trug einen langen, schwarzen Mantel und eine schwarze Melone auf dem Kopf, und sein Gesicht war tief zerfurcht. Er hatte etwas von einem freundlichen älteren Herrn, auch wenn sie wusste, dass er jünger war als sie, um wenigstens dreißig Jahre. In seinem Gesicht hatten sich all die Schläge des Lebens eingenistet. Sie empfand tiefes Mitleid mit ihm, obwohl eigentlich er zu ihrem Beistand gekommen war.
'Mrs Chandler', sagte er. 'Danke, dass Sie mich zu sich eingeladen haben.'
Sie zog die Tür weit auf und wies mit einer Handbewegung ins Haus. 'Es ist mir eine Ehre, Sie willkommen zu heißen, Simon.'
Er trat ein, nahm seinen Hut ab und legte ihn wortlos auf das Tischchen im Flur. Er löste eine schwarze Seidenlasche unter seinem Kinn, schlüpfte aus dem Mantel und reichte ihn Delia. Die Außenseite des Mantels war kalt von der Herbstluft draußen, aber innen, wo sein Körper gewesen war, war er warm. Sie hängte ihn an der Garderobe im Flur für ihn auf. Als sie zurückkam, saß er auf der Couch und ließ den Blick durch das Zimmer wandern; seine langen Hände umklammerten die Knie. 'Genau so habe ich mir Ihr Haus vorgestellt, Mrs Chandler.'
'Bitte nennen Sie mich Delia.'
'Delia, gut. Dieses Haus ist, als hätte ich es geträumt. Kommen Sie, und setzen Sie sich zu mir.' Sie gehorchte und nahm unter Anstrengung in dem Sessel neben der Couch Platz. Als sie saß, stellte er seine Reisetasche auf den Tisch und öffnete sie. Kampfergeruch entwich aus ihrem Innern. 'Wir brauchen uns nicht mit Plaudereien aufzuhalten', sagte er. 'Es ist, als wären wir bereits alte Freunde, nicht wahr?' Sie lächelte ihn an und nickte. Es freute sie, dass sein persönliches Auftreten völlig in Einklang damit stand, wie er sich in seinen E-Mails gegeben hatte: ernst, aber nicht humorlos und auf eine leise Art gebieterisch. Er zog ein halbes Dutzend Glasfläschchen aus der Reisetasche. Sie waren mit getrockneter Pflanzenmaterie und
Pulvern gefüllt. Er reihte sie ordentlich auf dem Kaffeetisch auf. 'Wie geht es Ihnen?', fragte er. 'Was machen die Schmerzen?'
'Es ist erträglich', sagte sie. 'Ich nehme das Wandelröschen gegen den Schmerz in meinen Knochen, und es hilft ein paar Stunden lang. Aber das ist schon in Ordnung. Eine kleine Atempause ist alles, was ich brauche, während ich auf Sie warte.'
Darüber lächelte er und ergriff sanft ihre Hand. 'Ich wähle sehr sorgfältig aus, wen ich besuche, Delia. Nur wer sich absolut festgelegt hat, kommt infrage. Sind Sie sich Ihrer Sache noch völlig sicher?'
'Ja.'
'Und Sie haben keine Angst?'
Hier zögerte sie und wandte den Blick ab. 'Ich habe mir vorgenommen, aufrichtig zu Ihnen zu sein, deshalb gebe ich zu, dass ich Angst hatte, ja. Ein bisschen. Aber nicht jetzt, nicht in diesem Augenblick.'
'Gut', sagte er, und seine Stimme verriet ihr, dass es in Ordnung war, wenn sie ein wenig Angst empfunden hatte. Es bedeutete, dass sie sich ihr gestellt und sie überwunden hatte. 'Dann sollten wir anfangen.'
'Ja', sagte sie.
'Ich muss Sie jedoch zuerst um eine Sache bitten. Es wird Ihnen etwas unangenehm sein.' Delia sah ihm in die Augen und wartete auf eine Erklärung. 'Ich muss mir Ihren Körper ansehen, Delia. Ich muss Ihre Haut sehen, ehe ich weitermache.'
Sie erbleichte bei diesen Worten und dachte daran, wie sie die wenigen Kleider in ihrem Schrank nach einem durchgegangen war, in dem sie möglichst vorzeigbar aussah. Und jetzt sollte sie sich ihm nackt präsentieren? Doch sie stellte ihn nicht infrage; vielmehr stand sie auf und drehte sich vor dem niedrigen Kaffeetischchen zu ihm um.
Sie langte mit einer Hand hinter sich und zog den Reißverschluss am Rücken ihres Kleids nach unten; vor Schmerz zuckte sie zusammen.
'Warten Sie', sagte er. 'Ich will Ihnen keine Schwierigkeiten bereiten.' Er stand auf, trat hinter sie und zog den Reißverschluss ganz auf. Das Kleid fiel als Häufchen blauer Wolle zu Boden.