Ellbogenland
Stephan Weiner(Author)
Edition Die Nische (Publisher)
1st Edition
Published on 12. October 2012
Book
Paperback/Softback
180 pages
978-3-9815175-1-4 (ISBN)
Description
Keine zwei Wochen sind seit dem Uni-Abschluss vergangen. Frisch gekämmt stellt er sich der Zukunft. Examen, check. Foto für den Lebenslauf, check. Nur noch zur Post und die Bewerbung abschicken. Die Karriere scheint in trockenen Tüchern. Auf nach Berlin! Wohin sonst? Wenn da nicht die Briefe wären. Diese Antwortbriefe mit den niederschmetternden "Leider"s und den standardisierten guten Wünschen für die Zukunft. Eine Zukunft ohne ihn, den Helden der Geisteswissenschaften, den Experten in Literatur und Philosophie, in Geschichte und Kultur. Die Türen zu der Welt der Medien, zu konstantem Einkommen, zu kreativer Selbstverwirklichung im Beruf bleiben verschlossen. "Schade!", denkt er und unter anderem auch seine Mutter. Warum hat er nicht auch etwas anderes studiert? Etwas Brauchbares. Etwas mit praktischem Wert. Fragen, die nicht nur von Müttern kommen.
Stephan Weiner schreibt, wie es ist, wenn Ideale Kompromissen zum Opfer fallen, wenn Lebensvorstellungen ins Wanken geraten und die Realität auf Hochschul-Naivität trifft. Niemals verbittert, öfter ironisch, immer sarkastisch .
Willkommen im Ellbogenland!
Stephan Weiner schreibt, wie es ist, wenn Ideale Kompromissen zum Opfer fallen, wenn Lebensvorstellungen ins Wanken geraten und die Realität auf Hochschul-Naivität trifft. Niemals verbittert, öfter ironisch, immer sarkastisch .
Willkommen im Ellbogenland!
More details
Language
German
Target group
Professional and scholarly
Young adult
College/higher education
Studenten und alle Menschen aus dem Hochschulbereich, Eltern und Angehörige dieser Menschen, insbesondere von Geisteswissenschaftlern. Generation "Praktikum", Menschen aus den Medien, Leute der "alternativen" Szene...Aussteiger.
Dimensions
Height: 19 cm
Width: 12 cm
ISBN-13
978-3-9815175-1-4 (9783981517514)
Schweitzer Classification
Persons
Stephan Weiner, geboren und aufgewachsen in Neuss (Rheinland), Germanistikstudium in Göttingen. Das Schreiben begann, begleitet von diversen Praktika im journalistischen Umfeld. Nach Abschluss des Studiums landete er erst beim Fernsehen und schließlich bei der Zeitung. Kompromiss oder bewusste Entscheidung? Ein bisschen von beidem. Hauptsache Schreiben. Daher Gründung des Weblogs "www.das-kauderwelsch-blog.com". "Ellbogenland" ist sein erster Roman.
Content
Zweites Kapitel
22.7. - 15 Tage nach dem Abschluss
Die Stadt-Frage ist noch nicht geklärt. - Wichtige Frage. - Das Setting muss stimmen. Es darf ja nicht egal sein, wo man hin will. Die meisten meiner Kommilitonen sagen ja: "Auf nach Berlin!" - Wer was auf sich hält, geht in die Stadt an der Spree. Andere Städte sind da nicht so hip. Berlin ist für meine Zwecke wohl genau das Richtige. Irgendwo in einer alten Fabrik wohnen. Grafiker, Designer und Fotografen um mich herum. Abends geht man zu Galerie-Eröffnungen. Ist ja erstaunlich, wie viele Galerien eröffnet werden. Sobald jemand in Berlin wohnt, wird er ja ständig in irgendwelche Galerien eingeladen. - Das will ich auch. Würde ja auch einfach super gut zu meinem neuen Job passen. Wird ja auf jeden Fall was in dieser freien Richtung sein. Ach, herrlich. Das ist natürlich nur eine Option. Je nachdem, wohin es mich verschlägt, könnte Hamburg auch eine denkbare Alternative sein. St. Pauli-Flair. Müsste ich wohl in die Werbung. Würde zur Kreativität passen. - Udo lebt da ja auch. Und Udo weiß, wie man lebt. Ist ja nicht umsonst der Meister. Ich stand mal vor seinem Hotel. Direkt an der Alster. Schön da. Ich hab in so ner Rock'n'Roll Kneipenherberge übernachtet. Da hat man noch nen Whisky zur Begrüßung gekriegt. Da könnte ich mich auch wohlfühlen. - Mir steht ja alles offen. Noch bin ich hier in meiner Ein-Zimmer-Wohnung im neunten Stock und warte auf meine Chance, die ja kommen muss. Wo kommen wir denn sonst hin? München wär' aber gar nichts. Ne, ist mir zu - ich weiß nicht - irgendwie zu unalternativ.
Die sind mir zu ordentlich. Das Bier ist gut, ja. Aber ich glaube, zu mir passt die Oktoberfest-Gaudi nicht. - Da würd' ich lieber noch zurückgehen. An den Rhein. Da kenn' ich mich aus. Da hab ich als Kind schon kreativ in die Hose gemacht. Mit Karneval und Altbier und Kölsch und den Wiesen und dem Pott direkt um die Ecke.
Eigentlich ja schon fast eine Reizüberflutung. Da wünscht man sich doch fast in die gute alte Zeit zurück. In die Kutschenzeit. Wenn eine Fahrt vier Tage dauert, überlegt man es sich zweimal, ob man mit seinem ganzen Ikeazeug umziehen möchte. Und damals gab es noch nicht mal Ikea. Da gab's nur selbstgezimmerte Eichenmöbel. Zwei Tonnen schwer und so groß wie Güterzüge. Was also erstaunlich leicht ist für die Größe. Und trotzdem hochwertige Qualität. Handarbeit. Davon kann der Pressspanmist von Ikea nur träumen. Aber egal. Möglichkeiten gibt's also viele. Ich hab gehört, dass in Leipzig auch ein neues Viertel entsteht. Oder ein altes wird wieder aufgebaut oder so. Da gibt's Leute, die kaufen sich ein Haus, renovieren, lassen ein paar Künstler darin wohnen und werten so den Preis auf, um es dann später für viel Geld an irgendwelche Juppi-Immobilien-Spekulanten wieder zu verkaufen. Da könnte man sich auch ansiedeln.
Ja, die Stadt-Frage ist eine wichtige Frage. Ich werde noch eine Weile in mich gehen müssen. Die erste Wahl ist jedenfalls Berlin. Da schick' ich meine erste Bewerbung hin. Vermutlich an eine Film- und Fernsehagentur. Filme machen. Das wär's doch.
Filme machen in Berlin .
22.7. - 15 Tage nach dem Abschluss
Die Stadt-Frage ist noch nicht geklärt. - Wichtige Frage. - Das Setting muss stimmen. Es darf ja nicht egal sein, wo man hin will. Die meisten meiner Kommilitonen sagen ja: "Auf nach Berlin!" - Wer was auf sich hält, geht in die Stadt an der Spree. Andere Städte sind da nicht so hip. Berlin ist für meine Zwecke wohl genau das Richtige. Irgendwo in einer alten Fabrik wohnen. Grafiker, Designer und Fotografen um mich herum. Abends geht man zu Galerie-Eröffnungen. Ist ja erstaunlich, wie viele Galerien eröffnet werden. Sobald jemand in Berlin wohnt, wird er ja ständig in irgendwelche Galerien eingeladen. - Das will ich auch. Würde ja auch einfach super gut zu meinem neuen Job passen. Wird ja auf jeden Fall was in dieser freien Richtung sein. Ach, herrlich. Das ist natürlich nur eine Option. Je nachdem, wohin es mich verschlägt, könnte Hamburg auch eine denkbare Alternative sein. St. Pauli-Flair. Müsste ich wohl in die Werbung. Würde zur Kreativität passen. - Udo lebt da ja auch. Und Udo weiß, wie man lebt. Ist ja nicht umsonst der Meister. Ich stand mal vor seinem Hotel. Direkt an der Alster. Schön da. Ich hab in so ner Rock'n'Roll Kneipenherberge übernachtet. Da hat man noch nen Whisky zur Begrüßung gekriegt. Da könnte ich mich auch wohlfühlen. - Mir steht ja alles offen. Noch bin ich hier in meiner Ein-Zimmer-Wohnung im neunten Stock und warte auf meine Chance, die ja kommen muss. Wo kommen wir denn sonst hin? München wär' aber gar nichts. Ne, ist mir zu - ich weiß nicht - irgendwie zu unalternativ.
Die sind mir zu ordentlich. Das Bier ist gut, ja. Aber ich glaube, zu mir passt die Oktoberfest-Gaudi nicht. - Da würd' ich lieber noch zurückgehen. An den Rhein. Da kenn' ich mich aus. Da hab ich als Kind schon kreativ in die Hose gemacht. Mit Karneval und Altbier und Kölsch und den Wiesen und dem Pott direkt um die Ecke.
Eigentlich ja schon fast eine Reizüberflutung. Da wünscht man sich doch fast in die gute alte Zeit zurück. In die Kutschenzeit. Wenn eine Fahrt vier Tage dauert, überlegt man es sich zweimal, ob man mit seinem ganzen Ikeazeug umziehen möchte. Und damals gab es noch nicht mal Ikea. Da gab's nur selbstgezimmerte Eichenmöbel. Zwei Tonnen schwer und so groß wie Güterzüge. Was also erstaunlich leicht ist für die Größe. Und trotzdem hochwertige Qualität. Handarbeit. Davon kann der Pressspanmist von Ikea nur träumen. Aber egal. Möglichkeiten gibt's also viele. Ich hab gehört, dass in Leipzig auch ein neues Viertel entsteht. Oder ein altes wird wieder aufgebaut oder so. Da gibt's Leute, die kaufen sich ein Haus, renovieren, lassen ein paar Künstler darin wohnen und werten so den Preis auf, um es dann später für viel Geld an irgendwelche Juppi-Immobilien-Spekulanten wieder zu verkaufen. Da könnte man sich auch ansiedeln.
Ja, die Stadt-Frage ist eine wichtige Frage. Ich werde noch eine Weile in mich gehen müssen. Die erste Wahl ist jedenfalls Berlin. Da schick' ich meine erste Bewerbung hin. Vermutlich an eine Film- und Fernsehagentur. Filme machen. Das wär's doch.
Filme machen in Berlin .