Stottern in der Schule
Ein Ratgeber für Lehrerinnen und Lehrer
Georg Thum(Author)
Stottern & Selbsthilfe (Publisher)
1st Edition
Published on 3. January 2012
Book
Paperback/Softback
100 pages
978-3-921897-66-9 (ISBN)
Description
Bis zu fünf Prozent aller Kinder sind von Stottern betroffen. Speziell in der Schule kann die Sprechbehinderung zur extremen Belastung werden - sowohl für die stotternden Mädchen und Jungen als auch für ihre Lehrkräfte und die ganze Klasse.
Stottern verunsichert alle Beteiligten, denn der angemessene Umgang mit einem stotternden Kind oder Jugendlichen ist häufig unklar. Damit Stottern die Schulzeit betroffener Kinder nicht negativ prägt und Chancengleichheit für sie gewahrt werden kann, schafft dieser Ratgeber Klarheit: Er vermittelt in übersichtlicher, präziser Form Grundlagen über die Sprechbehinderung Stottern, gibt Informationen zum Nachteilsausgleich für mündliche Leistungen sowie zu den rechtlichen Hintergründen, nicht zuletzt präsentiert der Ratgeber praxisnahe Vorschläge und Methoden für förderlichen, positiven Umgang mit Stottern in der Schule. Damit ist dieses Buch auch ein hervorragender Ratgeber für Eltern stotternder Kinder.
Stottern verunsichert alle Beteiligten, denn der angemessene Umgang mit einem stotternden Kind oder Jugendlichen ist häufig unklar. Damit Stottern die Schulzeit betroffener Kinder nicht negativ prägt und Chancengleichheit für sie gewahrt werden kann, schafft dieser Ratgeber Klarheit: Er vermittelt in übersichtlicher, präziser Form Grundlagen über die Sprechbehinderung Stottern, gibt Informationen zum Nachteilsausgleich für mündliche Leistungen sowie zu den rechtlichen Hintergründen, nicht zuletzt präsentiert der Ratgeber praxisnahe Vorschläge und Methoden für förderlichen, positiven Umgang mit Stottern in der Schule. Damit ist dieses Buch auch ein hervorragender Ratgeber für Eltern stotternder Kinder.
Reviews / Votes
Rezensionen und Meinungenaus: Praxis Sprache, 2 - 2016
... Um es vorwegzunehmen: Der Ratgeber "Stottern in der Schule" ist ein hilfreiches Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer aller Schultypen, die zum Thema Stottern beraten und informieren wollen.
... Besonders hilfreich für Pädagogen ist die klare Struktur des Ratgebers, denn die Themen werden sowohl "Kurz und Knapp" als auch "ausführlich" dargestellt. Diese Darstellung vereinfacht es ungemein, sich schnell einen Überblick zu verschaffen und gegebenenfalls vertiefende Informationen zu finden.
... Zusammenfassend bietet dieser Ratgeber einen gut strukturierten und umfassenden Einblick in das Thema Stottern und gibt konkrete Hinweise für die praktische Arbeit mit betroffenen Schülern und Eltern. Auch wenn der Autor sich an Lehrerinnen und Lehrer wendet, profitieren sicher auch andere Pädagogen wie Erzieher, Sozialpädagogen oder Auszubildende im Schulleben, wenn diese Lektüre zur Verfügung steht. Diese Sicht entspricht dem abschließenden Satz auf dem Einband des Ratgebers: "Dieses Buch sollte in keiner Schulbibliothek fehlen."
Stefanie Dühring, Berlin
aus: mit SPRACHE, Heft 1, Jänner 2014, 46. Jahrgang (ehemals "der sprachheilpädagoge")
Fachzeitschrift für Sprachheilpädagogik und angrenzende Disziplinen
Zeitschrift der "Österreichischen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik"
. Dass dieses Buch in keiner Schulbibliothek fehlen sollte sagt schon der Titel "Stottern in der Schule".
. Dieser Ratgeber wird seiner Bezeichnung gerecht! Lehrkräfte, die unsicher im Umgang mit Stotternden sind, oder noch nie mit diesem Thema konfrontiert waren, können schnell nachschlagen und sich in den Unterkapiteln kurz und knapp einlesen. Bei größerem Interesse oder einer gegebenen Notwendigkeit werden die Inhalte auch über mehrere Seiten ausführlich beschrieben. Die zahlreichen Falldarstellungen machen das Buch lebendig und zeigen auf, was möglich ist.
Christine Merhaut, Wien
aus: Praxis Sprache, Oktober 2013
... Neben Grundlagen und einem Kapitel zur Stottertherapie steht Stottern im Unterricht im Vordergrund. Haupthemen sind hier: Stottern thematisieren, über Stottern reden, Rahmenbedingungen sowie Unterstützung und Förderung im Unterricht. Da die Themen sowohl "kurz und knapp" als auch "ausführlich" behandelt werden, können sich Lehrer einen Überblick verschaffen und bei Bedarf tiefer in die einzelnen Themen einsteigen. ...
Ruth Maria Mötsch
aus: Sprache - Stimme - Gehör (Bücherecke), Januar 2013 (Quelle: www.thieme.de)
... Nach einem allgemeinen Überblick über Stottersymptome sowie Epidemiologie und Ätiologie zeigt der erfahrene Stottertherapeut auf, wie sich Stottern äußert, bzw. versteckt. Auf vielen Seiten erhält der Leser - unterlegt mit vielen Fallbeispielen - zahlreiche Anregungen, um einen stotternden Schüler in der Schule zu unterstützen: Es werden Möglichkeiten zur Thematisierung des Stotterns, zu Änderungen des Lernumfeldes und zur Reduzierung belastender Anforderungen dargestellt, um dem stotternden Schüler eine gute Teilhabe zu ermöglichen.
... Durch zahlreiche Falldarstellungen, Wiedergabe in wörtlicher Rede und durch viele Alternativvorschläge zu im Schulalltag üblichen Praktiken gelingt es dem Autor das Thema sehr anschaulich und praxisnah zu vermitteln. Dieser Ratgeber sollte in keiner Schulbibliothek fehlen!
Birte Rippken, Hannover
aus: Forum Logopädie Heft 5, September 2012
... Besonders hervorheben möchte ich die konkret dargestellten Methoden der Unterstützung und Förderung im Unterricht, von Hinweisen zur Sitzordnung bis hin zu verschiedenen Schwierigkeitsstufen der mündlichen Beteiligung. Die anschaulichen, sehr unterschiedlichen Fallbeispiele machen die ausgesprochene Vielfalt des Störungsbildes und den sich daraus ergebenden sehr spezifischen Hilfebedarf noch einmal besonders deutlich.
... Ich kann diesen Ratgeber empfehlen, um Informationen über die Problematik des Stotterns im Schulalltag und konkrete Hinweise für die Unterstützung betroffener Schüler zu erhalten.
Haike Kunz, Woltersdorf
More details
Language
German
Place of publication
Germany
Target group
Lehrer, Lehrerinnen, Pädagogen, Sozialarbeiter, Therapeuten
Illustrations
1
14 s/w Photographien bzw. Rasterbilder, 1 Kurvendiagramm
Dimensions
Height: 21 cm
Width: 14.7 cm
Weight
150 gr
ISBN-13
978-3-921897-66-9 (9783921897669)
Schweitzer Classification
Persons
Zum Autor
Georg Thum, akademischer Sprachtherapeut, spezialisierte sich 1996 ausschließlich auf die Therapie mit stotternden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Er ist Lehrbeauftragter am Lehrstuhl Sprachheilpädagogik sowie in der Beratung der Stotterberatungsstelle der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. Thum konzipierte zusammen mit Ingeborg Mayer die Intensivtherapie "Stärker als Stottern" und führt den methodenkombinierten Ansatz auch ambulant in eigener Praxis durch. Zudem begleitete er das gemeinsame Projekt "Stottern und Schule" der BVSS, des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, des Staatsinstitut für Unterrichtsqualität und Bildungsforschung und der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Georg Thum, akademischer Sprachtherapeut, spezialisierte sich 1996 ausschließlich auf die Therapie mit stotternden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Er ist Lehrbeauftragter am Lehrstuhl Sprachheilpädagogik sowie in der Beratung der Stotterberatungsstelle der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. Thum konzipierte zusammen mit Ingeborg Mayer die Intensivtherapie "Stärker als Stottern" und führt den methodenkombinierten Ansatz auch ambulant in eigener Praxis durch. Zudem begleitete er das gemeinsame Projekt "Stottern und Schule" der BVSS, des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, des Staatsinstitut für Unterrichtsqualität und Bildungsforschung und der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Content
Zum Autor Impressum
Vorwort Dank
1 Grundlagen
1.1 Was ist Stottern?
1.1.1 Kurz und knapp
1.1.2 Ausführlich
1.1.3 Falldarstellung
1.1.4 Bedeutung für die Schule
1.2 Epidemiologie und Ätiologie
1.2.1 Kurz und knapp
1.2.2 Ausführlich
1.2.3 Falldarstellung
1.2.4 Bedeutung für die Schule
1.3 Stottern erkennen
1.3.1 Kurz und knapp
1.3.2 Ausführlich
1.3.3 Falldarstellung
1.3.4 Bedeutung für die Schule
2 Stottern im Unterricht
2.1 Schule und Recht
2.1.1 Kurz und knapp
2.1.2 Ausführlich
2.1.3 Falldarstellung
2.2 Stottern thematisieren
2.2.1 Kurz und knapp
2.2.2 Ausführlich
2.2.3 Falldarstellung
2.3 Rahmenbedingungen im Unterricht
2.3.1 Kurz und knapp
2.3.2 Ausführlich
2.3.3 Falldarstellung
2.4 Unterstützung und Förderung im Unterricht
2.4.1 Kurz und knapp
2.4.2 Ausführlich
2.4.3 Falldarstellung
3 Stottertherapie
3. 1 Überblick
3.1.1 Wie wird Stottern behandelt?
3.1.2 Was ist eine seriöse Therapie?
3.1.3 Wie finde ich ein seriöses Therapieangebot?
3.2 Lokaler Ansatz: Stottermodifikation
3.3 Globaler Ansatz: Fluency Shaping
3.4 Methodenkombination
3.5 Therapie mit kleineren Kindern
3.5.1 Direkter Ansatz
3.5.2 Indirekter Ansatz
3.5.3 Verhaltenstherapeutischer Ansatz
3.6 Therapieformen
3.6.1 Einzel- oder Gruppentherapie
3.6.2 Ambulante Therapie
3.6.3 Intensivtherapie
3.7 Stottertherapie im Unterricht
3.7.1 Sprechtechniken
3.7.2 Therapeutische Maßnahmen im Unterricht
4 Zusammenfassung
5 Exkurs zum Thema Inklusion
Zehn Fragen und Antworten zu einer "Schule für Alle"
als Förderort stotternder Schülerinnen und Schüler
GlossarLiteratur
Zitierte Medien
Anhang
Beratungsstellen
Web-Links
Stottern
Schule, Nachteilsausgleich, Inklusion
Mobbing
Die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (BVSS)
Bücher & Filme aus dem Demosthenes -Verlag
Vorwort Dank
1 Grundlagen
1.1 Was ist Stottern?
1.1.1 Kurz und knapp
1.1.2 Ausführlich
1.1.3 Falldarstellung
1.1.4 Bedeutung für die Schule
1.2 Epidemiologie und Ätiologie
1.2.1 Kurz und knapp
1.2.2 Ausführlich
1.2.3 Falldarstellung
1.2.4 Bedeutung für die Schule
1.3 Stottern erkennen
1.3.1 Kurz und knapp
1.3.2 Ausführlich
1.3.3 Falldarstellung
1.3.4 Bedeutung für die Schule
2 Stottern im Unterricht
2.1 Schule und Recht
2.1.1 Kurz und knapp
2.1.2 Ausführlich
2.1.3 Falldarstellung
2.2 Stottern thematisieren
2.2.1 Kurz und knapp
2.2.2 Ausführlich
2.2.3 Falldarstellung
2.3 Rahmenbedingungen im Unterricht
2.3.1 Kurz und knapp
2.3.2 Ausführlich
2.3.3 Falldarstellung
2.4 Unterstützung und Förderung im Unterricht
2.4.1 Kurz und knapp
2.4.2 Ausführlich
2.4.3 Falldarstellung
3 Stottertherapie
3. 1 Überblick
3.1.1 Wie wird Stottern behandelt?
3.1.2 Was ist eine seriöse Therapie?
3.1.3 Wie finde ich ein seriöses Therapieangebot?
3.2 Lokaler Ansatz: Stottermodifikation
3.3 Globaler Ansatz: Fluency Shaping
3.4 Methodenkombination
3.5 Therapie mit kleineren Kindern
3.5.1 Direkter Ansatz
3.5.2 Indirekter Ansatz
3.5.3 Verhaltenstherapeutischer Ansatz
3.6 Therapieformen
3.6.1 Einzel- oder Gruppentherapie
3.6.2 Ambulante Therapie
3.6.3 Intensivtherapie
3.7 Stottertherapie im Unterricht
3.7.1 Sprechtechniken
3.7.2 Therapeutische Maßnahmen im Unterricht
4 Zusammenfassung
5 Exkurs zum Thema Inklusion
Zehn Fragen und Antworten zu einer "Schule für Alle"
als Förderort stotternder Schülerinnen und Schüler
GlossarLiteratur
Zitierte Medien
Anhang
Beratungsstellen
Web-Links
Stottern
Schule, Nachteilsausgleich, Inklusion
Mobbing
Die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (BVSS)
Bücher & Filme aus dem Demosthenes -Verlag
1.3 Stottern erkennen
1.3.1 Kurz und knapp
Eine Vielzahl stotternder Schüler bleibt unentdeckt. Eine höhere Aufmerksamkeit
führt zur Identifizierung - und in Konsequenz daraus - zu pädagogischen und therapeutischen
Maßnahmen, die die weitere schulische Laufbahn des Kindes dramatisch
verändern können. Schulpsychologen, Ärzte, Sprachtherapeutinnen sowie die
BVSS sind kompetente Ansprechpartner.
1.3.2 Ausführlich
Leicht stotternde Schüler beziehungsweise Schüler, die ihr Stottern gut verbergen
können, befinden sich oftmals in einer besonderen Notlage. Dahinter stecken Ängste,
entdeckt und ausgelacht zu werden sowie das Gefühl, alleine mit Stottern zurecht
kommen zu müssen. Woran erkennt man stotternde Schüler?
SLS - Screening List for Stuttering
Dieses Verfahren wurde für Ärzte und Pädagogen entwickelt, um Stottern zu erkennen.
Die SLS ersetzt kein aufwendiges Diagnostikverfahren sondern soll einen weiterführenden
Diagnose- oder Behandlungsbedarf erkennen. Milde, versteckte Symptomatik
ist mit Hilfe des Screenings ebenso schwer zu identifizieren wie belastende
Begleitsymptome auf psychosozialer Ebene. Dennoch bietet das Screening in vielen
Fällen einen wichtigen Anhaltspunkt. Die Version mit Onlineauswertung findet sich
unter www.ivs-online.de
www.ivs-online.de/service-stottertest--Einschaetzung+der+Sprechunfluessigkeiten.html
Dauer der Durchführung: ca. 5-10 Minuten.
Durchführung: Eltern, Bezugspersonen des Schülers, Klassenlehrer. Ein umfassenderes
Bild ergibt sich, wenn unterschiedliche Bezugspersonen des Schülers (Lehrer,
Eltern, Trainer, etc.) die SLS ausfüllen. Vor Durchführung der SLS sollten die Eltern
informiert werden.
Beobachtungen durch den Lehrer
Jedes Stottern ist anders. Eine allgemeingültige Beschreibung von Identifikationsmerkmalen
stotternder Schüler gibt es nicht. Folgende Punkte sind als Anregung zu
verstehen, betroffene Schüler zu erkennen, um ihnen Unterstützung anzubieten.
Schulleben:
(Sprachliches) Rückzugsverhalten: wenig oder regressive Unterrichtsbeteiligung,
beispielsweise auch in bestimmten Situationen (Vorlesen, vor
der Klasse sprechen, beim Ausfragen etc.).
Rückzug: zunehmender Rückzug auch innerhalb der Peer-Group.
Differenz mündlicher und schriftlicher Leistung: kann ein Hinweis
darauf, sein, dass das Kind eine schlechte mündliche Note in Kauf
nimmt, anstatt öffentlich zu stottern.
Eltern und/oder Kollegen berichten von (sprachlichen) Auffälligkeiten:
Oftmals verdecken betroffene Schüler im Klassenzimmer ihr Stottern
so gut, dass es für beteiligte Lehrer nicht ersichtlich ist. Hinweise von
Kollegen oder Eltern sollten ernst genommen werden.
Sprachliche Ebene:
Beobachtete Primärsymptomatik: siehe Kapitel 1.1 Was ist Stottern?
Verändertes Sprechen: Schüler spricht beispielsweise mit verstellter
Stimme, in einem "Singsang" oder in Kindersprache. Dies könnte ein
Hinweis auf eine Coping-Strategie sein. Siehe Kapitel Negative Coping
Strategien
Ausschweifende Antworten: selbst einfache Fragen werden ausschweifend
beantwortet. Hinweis auf Coping-Strategie, Wörter zu vermeiden.
Kurze Antworten: auf das Nötigste reduziert.
Psychosoziale Ebene:
(Sprech-) Ängste: nichts sagen wollen, Sprechen in der Gruppe wird als
spürbare Belastung empfunden.
Ausweichverhalten bei Fragen: abwehrende, oftmals knappe Antworten
wie "ähh, weiß' grad nicht" oder Gesten (Kopfschütteln, Zeichensprache).
Sprechverweigerung: Schüler verweigert Antworten oder sprachliche
Aufgaben (Aufgerufen werden, Vorlesen, Referate).
Weiterführende Diagnostik
Differenzierte Diagnostiken führen entweder Ärzte (HNO-Ärzte, Phoniater) selbst
durch oder verweisen auf spezialisierte Sprachtherapeutinnen. Ein Verzeichnis spezialisierter
Sprachtherapeuten finden Sie auf der Website der BVSS.
Zudem gibt es kostenlose telefonische und persönliche Beratungsangebote für Betroffene,
Eltern und Lehrer. Nähere Informationen finden Sie im Anhang.
1.3.1 Kurz und knapp
Eine Vielzahl stotternder Schüler bleibt unentdeckt. Eine höhere Aufmerksamkeit
führt zur Identifizierung - und in Konsequenz daraus - zu pädagogischen und therapeutischen
Maßnahmen, die die weitere schulische Laufbahn des Kindes dramatisch
verändern können. Schulpsychologen, Ärzte, Sprachtherapeutinnen sowie die
BVSS sind kompetente Ansprechpartner.
1.3.2 Ausführlich
Leicht stotternde Schüler beziehungsweise Schüler, die ihr Stottern gut verbergen
können, befinden sich oftmals in einer besonderen Notlage. Dahinter stecken Ängste,
entdeckt und ausgelacht zu werden sowie das Gefühl, alleine mit Stottern zurecht
kommen zu müssen. Woran erkennt man stotternde Schüler?
SLS - Screening List for Stuttering
Dieses Verfahren wurde für Ärzte und Pädagogen entwickelt, um Stottern zu erkennen.
Die SLS ersetzt kein aufwendiges Diagnostikverfahren sondern soll einen weiterführenden
Diagnose- oder Behandlungsbedarf erkennen. Milde, versteckte Symptomatik
ist mit Hilfe des Screenings ebenso schwer zu identifizieren wie belastende
Begleitsymptome auf psychosozialer Ebene. Dennoch bietet das Screening in vielen
Fällen einen wichtigen Anhaltspunkt. Die Version mit Onlineauswertung findet sich
unter www.ivs-online.de
www.ivs-online.de/service-stottertest--Einschaetzung+der+Sprechunfluessigkeiten.html
Dauer der Durchführung: ca. 5-10 Minuten.
Durchführung: Eltern, Bezugspersonen des Schülers, Klassenlehrer. Ein umfassenderes
Bild ergibt sich, wenn unterschiedliche Bezugspersonen des Schülers (Lehrer,
Eltern, Trainer, etc.) die SLS ausfüllen. Vor Durchführung der SLS sollten die Eltern
informiert werden.
Beobachtungen durch den Lehrer
Jedes Stottern ist anders. Eine allgemeingültige Beschreibung von Identifikationsmerkmalen
stotternder Schüler gibt es nicht. Folgende Punkte sind als Anregung zu
verstehen, betroffene Schüler zu erkennen, um ihnen Unterstützung anzubieten.
Schulleben:
(Sprachliches) Rückzugsverhalten: wenig oder regressive Unterrichtsbeteiligung,
beispielsweise auch in bestimmten Situationen (Vorlesen, vor
der Klasse sprechen, beim Ausfragen etc.).
Rückzug: zunehmender Rückzug auch innerhalb der Peer-Group.
Differenz mündlicher und schriftlicher Leistung: kann ein Hinweis
darauf, sein, dass das Kind eine schlechte mündliche Note in Kauf
nimmt, anstatt öffentlich zu stottern.
Eltern und/oder Kollegen berichten von (sprachlichen) Auffälligkeiten:
Oftmals verdecken betroffene Schüler im Klassenzimmer ihr Stottern
so gut, dass es für beteiligte Lehrer nicht ersichtlich ist. Hinweise von
Kollegen oder Eltern sollten ernst genommen werden.
Sprachliche Ebene:
Beobachtete Primärsymptomatik: siehe Kapitel 1.1 Was ist Stottern?
Verändertes Sprechen: Schüler spricht beispielsweise mit verstellter
Stimme, in einem "Singsang" oder in Kindersprache. Dies könnte ein
Hinweis auf eine Coping-Strategie sein. Siehe Kapitel Negative Coping
Strategien
Ausschweifende Antworten: selbst einfache Fragen werden ausschweifend
beantwortet. Hinweis auf Coping-Strategie, Wörter zu vermeiden.
Kurze Antworten: auf das Nötigste reduziert.
Psychosoziale Ebene:
(Sprech-) Ängste: nichts sagen wollen, Sprechen in der Gruppe wird als
spürbare Belastung empfunden.
Ausweichverhalten bei Fragen: abwehrende, oftmals knappe Antworten
wie "ähh, weiß' grad nicht" oder Gesten (Kopfschütteln, Zeichensprache).
Sprechverweigerung: Schüler verweigert Antworten oder sprachliche
Aufgaben (Aufgerufen werden, Vorlesen, Referate).
Weiterführende Diagnostik
Differenzierte Diagnostiken führen entweder Ärzte (HNO-Ärzte, Phoniater) selbst
durch oder verweisen auf spezialisierte Sprachtherapeutinnen. Ein Verzeichnis spezialisierter
Sprachtherapeuten finden Sie auf der Website der BVSS.
Zudem gibt es kostenlose telefonische und persönliche Beratungsangebote für Betroffene,
Eltern und Lehrer. Nähere Informationen finden Sie im Anhang.