Zenjanischer Lotus
Raik Thorstad(Author)
Incubus Verlag
2nd Edition
Published on 23. October 2012
Book
584 pages
978-3-9815220-0-6 (ISBN)
Description
Zenjanischer Lotus entführt den Leser in eine raue Welt. Mächtige Handelsherren bestimmen die Geschicke des Kontinents Sunda. Ihnen dienen die berüchtigten Assassinen. Mörderische Gesellen auf der einen Seite, leibeigene Opfer auf der anderen.
Sothorn ist nicht nur einer dieser Assassinen, er ist der Beste - und der Älteste, denn das Gift Zenjanischer Lotus brennt die Meuchelmörder in jungen Jahren aus. Taub an Körper und Geist macht er sich auf den Weg zu seinem letzten Auftrag.
Ein unerwarteter Angriff seitens eines Assassinen vom Volk der Wargssolja stellt Sothorns Welt auf dem Kopf. Es gibt andere wie ihn - und sie haben sich zusammengetan, um das Beste aus ihrem Dasein zu machen. Sie zeigen Sothorn, was es bedeutet, lebendig zu sein - in allen Konsequenzen. Und so muss er sich auf einmal auch mit dem Zwischenmenschlichen herumschlagen, denn der widerspenstige Geryim hat es ihm angetan.
Ein Roman aus einer fantastischen Welt, in der Homosexualität etwas Selbstverständliches sein mag, aber das Miteinander von Mann und Mann nicht weniger Probleme nach sich zieht als in der Realität. Eine Reise von tiefster Hoffnungslosigkeit in das Licht eines neuen Morgens.
Sothorn ist nicht nur einer dieser Assassinen, er ist der Beste - und der Älteste, denn das Gift Zenjanischer Lotus brennt die Meuchelmörder in jungen Jahren aus. Taub an Körper und Geist macht er sich auf den Weg zu seinem letzten Auftrag.
Ein unerwarteter Angriff seitens eines Assassinen vom Volk der Wargssolja stellt Sothorns Welt auf dem Kopf. Es gibt andere wie ihn - und sie haben sich zusammengetan, um das Beste aus ihrem Dasein zu machen. Sie zeigen Sothorn, was es bedeutet, lebendig zu sein - in allen Konsequenzen. Und so muss er sich auf einmal auch mit dem Zwischenmenschlichen herumschlagen, denn der widerspenstige Geryim hat es ihm angetan.
Ein Roman aus einer fantastischen Welt, in der Homosexualität etwas Selbstverständliches sein mag, aber das Miteinander von Mann und Mann nicht weniger Probleme nach sich zieht als in der Realität. Eine Reise von tiefster Hoffnungslosigkeit in das Licht eines neuen Morgens.
More details
Language
German
Place of publication
Germany
Edition type
New edition
Dimensions
Height: 19 cm
Width: 12.5 cm
Weight
580 gr
ISBN-13
978-3-9815220-0-6 (9783981522006)
Schweitzer Classification
Person
Mit Zenjanischer Lotus erscheint Raik Thorstads zweiter Roman. Nach dem Erstling Leben im Käfig aus dem Jahr 2011 wendet der Autor sich seiner eigenen Fantasy-Welt zu. Raik Thorstad steht für schwule Literatur der erdigen Art und für bodenständige Charaktere, deren Zuneigung zueinander sich in leisen, widerstrebenden Tönen entwickelt.
Content
Als die Dämmerung heraufzog, dröhnte Sothorns Schädel. Er wusste, dass es an der Zeit war, nach Hause zu gehen. Nicht mehr lang, und er hatte kein Licht mehr. Sein Bedürfnis, auf dem schlüpfrigen Untergrund den Halt zu verlieren und sich die Knochen zu brechen, hielt sich in Grenzen.Seine Gelenke waren steif, als er sich ins Freie schob. Nachdem er sich ausgiebig gestreckt und sein Hemd aufgelesen hatte, trat er den Rückweg an. Sein Magen beschwerte sich über die Vernachlässigung.Das getriebene Gefühl war geblieben. Es zog in seinen Knochen und seinem Unterbauch. Es begleitete ihn, als er umsichtig die Wildwechsel entlang lief und sich an der Silhouette der zerschmetterten Freitreppe der Festung orientierte, die sich ehern vom zu grauen Abendhimmel abhob.Sothorn hörte die Schreie, bevor er den vom Wald zurückeroberten Vorplatz der Ruinen betrat. Sie brachen sich an den zerborstenen Torbögen. Der Zorn in der Stimme jagte ihm eine Gänsehaut über die Oberarme.Geryim.Sothorn beschleunigte seine Schritte und folgte den Schreien, zu denen sich im Näherkommen andere Geräusche gesellten.Schlagen, splittern. Dazu bestialische Laute, die kaum zu einem Menschen zu gehören schienen und ihn an Szaprey denken ließen.Besorgt - und deshalb über sich selbst verärgert - hetzte Sothorn um einen Mauervorsprung, nur um abrupt stehen zu bleiben.Es war Geryim. Er hatte sich nicht getäuscht.Der Wargssolja war allein, wie Sothorn rasch ausspähte. Zwei Äxte wirbelten in seinen Händen, als wären sie Teil seines Körpers. Gewaltsam und begleitet von urtümlichen Aufschreien flogen die Axtblätter in den Rumpf einer Buche am der Südseite der Weide, hinterließen helle Wunden im Fleisch des Baumes. Späne von der Dicke eines Unterarms lösten sich aus dem Holz und fielen vor Geryims Füße, dessen finstere Miene zur Flucht riet.In seinem Jähzorn achtete er weder auf sein Umfeld noch auf sich selbst. Mehr als einmal kreisten die Äxte zu dicht an seinen Beinen vorbei.Sothorn glaubte zu erkennen, dass sich die Stiele der Waffen dunkel verfärbt hatten. Dunkel von Blut oder Wundwasser, das Geryim aus den geschundenen Händen rann.Ihm stockte der Atem. Nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen, lehnte er den Kopf an die zerfallende Mauer und konnte den Blick nicht von Geryim lösen. Er sah dessen Muskeln unter dem von Schweiß und Regen durchtränkten Hemd arbeiten, verlor sich im Anblick der langen Beine, die sich in den Grund stemmten.Zeuge der Raserei zu werden, klärte Sothorns Geist.Es war nicht Geryims raue, ungeschliffene Schönheit, nicht das animalische Gleißen in dessen Raubvogelaugen, das ihm nahe ging.Ja, die Äußerlichkeiten erregten ihn. Mehr, als er ertragen konnte. So sehr, dass er ihn zu Boden reißen und auf dem nassen Stein nehmen wollte.Weit über Lust und den Wunsch nach körperlicher Vereinigung hinaus schwächte ein anderes Empfinden Sothorns Knie. Runder, verzehrender und grausamer in seinem Verlangen. Allumfassend und kriegerisch in seiner Natur, sich eine Schneise in sein Selbst zu wüten. Ein Gefühl, das einer barbarischen Eroberungsarmee gleichkam.Sothorn sehnte sich danach, wortlos seinen Platz an Geryims Seite einzunehmen und allein durch seine Anwesenheit dessen Wahn zu lindern. Umsichtig wollte er die geschundenen Hände versorgen und von Geryim erfahren, was ihn so sehr peinigte, dass er die Äxte fliegen ließ. Sothorn gierte nach der Macht, Geryims Dämonen zu besänftigen. Nach dem Recht, ihn toben zu lassen und mit ihm durch die Wälder zu rennen, bis sie erschöpft zusammenbrachen und Seite an Seite Frieden fanden.Sothorn wollte - musste - der Mann sein, der Geryims Vertrauen besaß.Die Erkenntnis fuhr durch sein Rückgrat wie ein Blitzschlag. Er wollte bei Geryim sein. Seine Stimme hören, sich von seinem leisen Gelächter überspülen lassen, ihn nachts neben sich haben, nach ihm greifen können, wenn er den Halt verlor.Geryim sollte ihm Gesellschaft leisten, wenn die Vergangenheit ihn peinigte. Er sollte sich nachts an ihn drängen, sodass sie den Kopf an der Schulter des jeweils anderen verstecken konnten.Sothorn wollte sich erlauben können, zärtlich zu Geryim zu sein, wenn sie allein waren. Er wollte sich an ihn lehnen und herausfinden, wie es aussah, wenn zwei Männer sanft miteinander umgingen. Wenn sie eine Einheit bildeten.Sothorns Finger schlossen sich zu Fäusten. Er brauchte Geryim. Jetzt. Er wollte seine Hand nehmen und ihn nach unten in einen der verlassenen Wohnräume ziehen. Sie konnten ein Feuer entfachen und sich zusammen auf eine Decke an die Flammen setzen. Die Beine ineinander verstrickt, ihre Brustkörbe aneinander geschmiegt, die Arme um den jeweils anderen geschlungen.Geryims Gesicht einfühlsam mit den Fingerspitzen erkunden und seinen Blick weich werden sehen. Sich von ihm die Haare aus dem Gesicht streichen lassen. Sich unendlich lange sinnlich küssen, während das Feuer ihre Haut trocknete. Anschließend schweigend unter den Decken in den Armen des anderen liegen und die Gesichter aneinanderschmiegen.Sich nah sein. Zusammen sein.Sothorn senkte den Kopf, atmete geräuschvoll aus. In seiner Brust siedelte sich ein Klumpen Blei an. Geryims schlechtem Leumund zum Trotz empfand er tief für ihn.Es fühlte sich ausgesprochen eigenartig an. Zwiespältig.Als würde man gejagt und würde sich danach sehnen, erlegt zu werden. Als suche man einen Kampf, nur um dem anderen nah zu sein; Wunden und Prellungen in Kauf nehmend.Sothorn fühlte sich zerrissener denn je.Das einnehmende Pochen in Brust und Lenden ließ ihn lächeln. Es berauschte ihn, belebte seinen Geist. Aber er sah keinen Weg, mit Geryim zusammenzufinden, und das tat weh.