
Der springende Punkt
Anleitung zur Bibellektüre in sieben Schritten
Gütersloher Verlagshaus
Published on 11. January 2010
Book
Hardback
112 pages
978-3-579-08114-4 (ISBN)
Description
Preisreduziert: Bisher 17,95 ? - jetzt nur noch 8,99 ?
Bibellektüre als Tanz und spannendes Abenteuer
- Den 'springenden Punkt' in den biblischen Texten finden
Lesen kann als Tanz angesehen werden, der Positionen in Bewegung versetzt und die Tanzpartner miteinander reagieren lässt. In diesem Sinne beginnen die Autorinnen ein Gespräch sowohl mit dem biblischen Text als auch untereinander. Dabei verbinden sich die Perspektiven der Bibelwissenschaftlerin und der Ethikerin, die den Text sowohl auf seine Bedeutung für die damalige Zeit als auch auf dessen Tragfähigkeit und Weisheit für die Gegenwart befragen. Die biblischen Texte werden so immer neu zu einem Gegenüber, das Widerspruch herausfordert, Handeln inspiriert und in dem etwas von der Gegenwart Gottes aufleuchtet. Dieses Buch stellt sieben solcher Lektüre-Gespräche vor. In sieben Schritten wird jeder biblische Text 'durchtanzt'. Mit jedem Tanzschritt sind bestimmte Methoden und Fragen verknüpft, die dabei helfen, an andere Texte anzuklopfen und selbst zu tanzen.
Bibellektüre als Tanz und spannendes Abenteuer
- Den 'springenden Punkt' in den biblischen Texten finden
Lesen kann als Tanz angesehen werden, der Positionen in Bewegung versetzt und die Tanzpartner miteinander reagieren lässt. In diesem Sinne beginnen die Autorinnen ein Gespräch sowohl mit dem biblischen Text als auch untereinander. Dabei verbinden sich die Perspektiven der Bibelwissenschaftlerin und der Ethikerin, die den Text sowohl auf seine Bedeutung für die damalige Zeit als auch auf dessen Tragfähigkeit und Weisheit für die Gegenwart befragen. Die biblischen Texte werden so immer neu zu einem Gegenüber, das Widerspruch herausfordert, Handeln inspiriert und in dem etwas von der Gegenwart Gottes aufleuchtet. Dieses Buch stellt sieben solcher Lektüre-Gespräche vor. In sieben Schritten wird jeder biblische Text 'durchtanzt'. Mit jedem Tanzschritt sind bestimmte Methoden und Fragen verknüpft, die dabei helfen, an andere Texte anzuklopfen und selbst zu tanzen.
More details
Language
German
Dimensions
Height: 22 cm
Width: 19 cm
ISBN-13
978-3-579-08114-4 (9783579081144)
Schweitzer Classification
Persons
Luzia Sutter Rehmann, Dr., geb. 1960. Studium der Evangelischen Theologie in Basel und Montpellier (Frankreich); ordinierte Pfarrerin seit 1986. Promotion über das Gebärmotiv in der Apokalyptik 1994 in Kassel. Ist Titularprofessorin für Neues Testament an der theologischen Fakultät der Universität Basel und Studienleiterin am Arbeitskreis für Zeitfragen, Biel. Übersetzerin des Lukasevangeliums für die "Bibel in gerechter Sprache".
Kerstin Rödiger, Dr., geb. 1976. Studium der Religionspädagogik und Katholischen Theologie in Eichstätt, Bamberg (Deutschland) und Petrópolis (Brasilien). Promotion über neue Möglichkeiten für die Rezeption biblischer Texte in der Sozialethik, 2008 in Bamberg. Arbeitet als Theologin und Seelsorgerin in der Schweiz.
Kerstin Rödiger, Dr., geb. 1976. Studium der Religionspädagogik und Katholischen Theologie in Eichstätt, Bamberg (Deutschland) und Petrópolis (Brasilien). Promotion über neue Möglichkeiten für die Rezeption biblischer Texte in der Sozialethik, 2008 in Bamberg. Arbeitet als Theologin und Seelsorgerin in der Schweiz.
Content
I. Einladung zum Tanz
Die dicke Bibel schaukelt vor meinen Augen wie eine vollgepackte Karawane weckt Sehnsucht, Reisefieber ich möchte mit - doch wie?
Auf ihrem Rücken liegen Schichten von zähem Staub wie soll ich sie in die Hand nehmen wie mich nicht verschlucken an dem, was da steht?
Im Lied der Lieder ein Wort, ein Bild
von den Blüten, die sich sehen lassen auf Erden und den Tauben, die gurren im Land und die Ohren gehen mir über.
Luzia Sutter Rehmann Die Entdeckung der Lesenden
Die Bibel ist nicht einfach zu lesen. Am besten lesen wir sie nicht alleine für uns. Wir brauchen Gefährtinnen und Gefährten, die sich mit uns auf den Weg machen, die uns ihre Augen und Ohren leihen, damit wir uns nicht in unseren eigenen Vorstellungen verfangen, nicht nur das längst Bekannte wiederfinden, nicht immer über den gleichen Vers stolpern. Dieses Buch versucht, Ihnen ein wenig Gefährte zu sein.
Wir haben uns auch zu zweit auf einen Leseweg begeben und ein Gespräch untereinander und miteinander angefangen. Die Exegetin hat die Texte abgeklopft, die Ethikerin hat nach den Konsequenzen gefragt. Daraus sind Interpretationen gewachsen und Kommentare, die Sie als Gesprächspartner nutzen können bei Ihren eigenen Leseabenteuern. Unser Gespräch miteinander soll Ihnen helfen, sich einzumischen, mitzudenken und ihren Leseweg zu finden.
Was erwarten Sie, wenn Sie die Bibel aufschlagen? Ein Rezept für das Leben? Ein besseres Verstehen der frühen Kirche? Glasklare Antworten? Die Bibel macht es uns nicht einfach, sie zu verstehen - da liegen hunderte von Jahren und eine andere Kultur und eine alte Sprache zwischen uns. Aber sie will auch nicht nur ein schönes Buch sein, das wir zum Zeitvertreib lesen. Sie will uns die Augen öffnen, sie will etwas mit uns gemeinsam erschaffen und spricht uns so direkt an, bringt uns durcheinander. Oder stimmt das etwa nicht? Wollen nur wir etwas mit ihr? Wer will überhaupt - die Bibel oder wir?
Als Lesende beginnen wir ein Gespräch mit dem Text und den Menschen, die diesen hervorgebracht haben. Auch wenn wir, wenn wir lesen, zunächst allein dasitzen, auf dem Sofa oder im Garten oder im "Auch zwischen den Partnern dieses >GesprächsCafe, der Text konfrontiert uns mit anderen Menschen. Plötzlich sind da ganz viele, die auf uns einreden. Diese Stimmen kommen durch und über den Text zu uns: Aus dem Text selbst einerseits und andererseits hören wir auch all das, was uns je über diese Texte gesagt wurde. Diese Stimmen werden in uns wach durch die Lektüre. So stehen wir etwas verlegen vor dem Text, allein und in Unterzahl vor dem Chor an Stimmen, die uns im Prozess des Lesens begegnen. Lesen verbindet uns immer mit diesem Chor, was verwirrend sein kann. Daher brauchen wir Orientierungshilfen, Linien, Raster, die uns den Chor im Kopf und die Stimmen aus dem Text ordnen helfen.
Vielleicht hilft Ihnen das Bild der Musiknoten, um das zu verstehen, was wir hier Lektüre nennen. Wenn Sie Musiknoten vor sich sehen, dann braucht es einiges, bis diese klingen, nicht wahr? Buchstaben sind eigentlich wie Noten: sie müssen gelesen werden, sonst klingen sie nicht, sie müssen interpretiert, in einen Zusammenhang gestellt werden, sonst sind es nur unverständliche, schrille Pfiffe. Wie Noten Musiker, so brauchen Texte Lesende, damit daraus in der Gegenwart etwas Lebendiges wird.
Texte sind zu vollendende Kunstwerke, so der Zugang der Rezeptionsästhetik, wie sie Wolfgang Iser und Umberto Eco formulieren: "Denn das Werk ist mehr als der Text, da es erst in der Konkretion sein Leben gewinnt, und diese wiederum ist nicht gänzlich frei von den Dispositionen, die der Leser in sie einbringt, wenngleich solche Dispositionen nur zu den Bedingungen des Textes aktiviert werden. Dort also, wo Text und Leser zur Konvergenz gelangen, liegt der Ort des literarischen Werkes, und dieser hat zwangsläufig einen virtuellen Charakter, da er weder auf die Realität des Textes noch auf die den Leser kennzeichnenden Dispositionen reduziert werden kann." (Iser, Der Akt des Lesens, 38)
Biblische Texte in dieser Perspektive der Rezeptionsästhetik wahrzunehmen, bedeutet, sie als ein Gewebe zu sehen, als einen Teppich, in dem verschiedene Fäden verknüpft sind. Der Text ist kein Spiegel der Vergangenheit, kein Tatsachenbericht, kein Protokoll von vergangenen Ereignissen. Texte sind Kompositionen, Erzählungen, die auslassen, zuspitzen, eine bestimmte Perspektive einnehmen. Sie ordnen
Worte an, flechten Erinnerungen ein, beruhen auf Erfahrungen, enthalten Brüche und akzentuieren, was ihnen wichtig ist. An uns Lesenden ist es, diese Komposition zu verstehen, sie so zu ordnen, dass die Worte in uns Lesenden wachsen können.
Der Schlüssel zum "Aufschließen" biblischer Texte liegt nicht in der Frage: "Hat sich das damals wirklich genau so zugetragen?" oder: "Muss ich das genau so glauben, wie es da steht?" Biblische Texte können nicht ein für alle Mal "erledigt" werden, sondern sie laden ein, mit ihnen zu tanzen.
Der Schlüssel zum Aufschließen liegt in den Erfahrungen, die in biblischen Texten stecken. Diese sind allerdings nicht so eindeutig, wie wir meinen oder hoffen. Die Texte verweben Erfahrungen, packen sie in Worte, spielen sie manchmal herunter oder verstecken sie, damit wir sie suchen. Texte rechnen mit Leserinnen und Lesern, sie warten auf unser Interesse! Erst im Lesen wachsen die Worte über sich hinaus und entwerfen einen neuen Sinn, der für mich Bedeutung hat. Nach den Erfahrungen zu fragen, die in den Texten zum Ausdruck kommen, ist genauso wichtig, wie sich über unsere Erfahrungen klar zu werden, die wir mitbringen. Sie können sich zwischen den Text stellen und die Sicht erschweren. Sie können aber auch zur Brücke werden zu den Texten über die räumliche und zeitliche Distanz hinweg.
Die wichtigste Frage ist also, wie Sie als Leserin und Leser die Erfahrungen, die in einem Text stecken, entdecken können.
Die dicke Bibel schaukelt vor meinen Augen wie eine vollgepackte Karawane weckt Sehnsucht, Reisefieber ich möchte mit - doch wie?
Auf ihrem Rücken liegen Schichten von zähem Staub wie soll ich sie in die Hand nehmen wie mich nicht verschlucken an dem, was da steht?
Im Lied der Lieder ein Wort, ein Bild
von den Blüten, die sich sehen lassen auf Erden und den Tauben, die gurren im Land und die Ohren gehen mir über.
Luzia Sutter Rehmann Die Entdeckung der Lesenden
Die Bibel ist nicht einfach zu lesen. Am besten lesen wir sie nicht alleine für uns. Wir brauchen Gefährtinnen und Gefährten, die sich mit uns auf den Weg machen, die uns ihre Augen und Ohren leihen, damit wir uns nicht in unseren eigenen Vorstellungen verfangen, nicht nur das längst Bekannte wiederfinden, nicht immer über den gleichen Vers stolpern. Dieses Buch versucht, Ihnen ein wenig Gefährte zu sein.
Wir haben uns auch zu zweit auf einen Leseweg begeben und ein Gespräch untereinander und miteinander angefangen. Die Exegetin hat die Texte abgeklopft, die Ethikerin hat nach den Konsequenzen gefragt. Daraus sind Interpretationen gewachsen und Kommentare, die Sie als Gesprächspartner nutzen können bei Ihren eigenen Leseabenteuern. Unser Gespräch miteinander soll Ihnen helfen, sich einzumischen, mitzudenken und ihren Leseweg zu finden.
Was erwarten Sie, wenn Sie die Bibel aufschlagen? Ein Rezept für das Leben? Ein besseres Verstehen der frühen Kirche? Glasklare Antworten? Die Bibel macht es uns nicht einfach, sie zu verstehen - da liegen hunderte von Jahren und eine andere Kultur und eine alte Sprache zwischen uns. Aber sie will auch nicht nur ein schönes Buch sein, das wir zum Zeitvertreib lesen. Sie will uns die Augen öffnen, sie will etwas mit uns gemeinsam erschaffen und spricht uns so direkt an, bringt uns durcheinander. Oder stimmt das etwa nicht? Wollen nur wir etwas mit ihr? Wer will überhaupt - die Bibel oder wir?
Als Lesende beginnen wir ein Gespräch mit dem Text und den Menschen, die diesen hervorgebracht haben. Auch wenn wir, wenn wir lesen, zunächst allein dasitzen, auf dem Sofa oder im Garten oder im "Auch zwischen den Partnern dieses >GesprächsCafe, der Text konfrontiert uns mit anderen Menschen. Plötzlich sind da ganz viele, die auf uns einreden. Diese Stimmen kommen durch und über den Text zu uns: Aus dem Text selbst einerseits und andererseits hören wir auch all das, was uns je über diese Texte gesagt wurde. Diese Stimmen werden in uns wach durch die Lektüre. So stehen wir etwas verlegen vor dem Text, allein und in Unterzahl vor dem Chor an Stimmen, die uns im Prozess des Lesens begegnen. Lesen verbindet uns immer mit diesem Chor, was verwirrend sein kann. Daher brauchen wir Orientierungshilfen, Linien, Raster, die uns den Chor im Kopf und die Stimmen aus dem Text ordnen helfen.
Vielleicht hilft Ihnen das Bild der Musiknoten, um das zu verstehen, was wir hier Lektüre nennen. Wenn Sie Musiknoten vor sich sehen, dann braucht es einiges, bis diese klingen, nicht wahr? Buchstaben sind eigentlich wie Noten: sie müssen gelesen werden, sonst klingen sie nicht, sie müssen interpretiert, in einen Zusammenhang gestellt werden, sonst sind es nur unverständliche, schrille Pfiffe. Wie Noten Musiker, so brauchen Texte Lesende, damit daraus in der Gegenwart etwas Lebendiges wird.
Texte sind zu vollendende Kunstwerke, so der Zugang der Rezeptionsästhetik, wie sie Wolfgang Iser und Umberto Eco formulieren: "Denn das Werk ist mehr als der Text, da es erst in der Konkretion sein Leben gewinnt, und diese wiederum ist nicht gänzlich frei von den Dispositionen, die der Leser in sie einbringt, wenngleich solche Dispositionen nur zu den Bedingungen des Textes aktiviert werden. Dort also, wo Text und Leser zur Konvergenz gelangen, liegt der Ort des literarischen Werkes, und dieser hat zwangsläufig einen virtuellen Charakter, da er weder auf die Realität des Textes noch auf die den Leser kennzeichnenden Dispositionen reduziert werden kann." (Iser, Der Akt des Lesens, 38)
Biblische Texte in dieser Perspektive der Rezeptionsästhetik wahrzunehmen, bedeutet, sie als ein Gewebe zu sehen, als einen Teppich, in dem verschiedene Fäden verknüpft sind. Der Text ist kein Spiegel der Vergangenheit, kein Tatsachenbericht, kein Protokoll von vergangenen Ereignissen. Texte sind Kompositionen, Erzählungen, die auslassen, zuspitzen, eine bestimmte Perspektive einnehmen. Sie ordnen
Worte an, flechten Erinnerungen ein, beruhen auf Erfahrungen, enthalten Brüche und akzentuieren, was ihnen wichtig ist. An uns Lesenden ist es, diese Komposition zu verstehen, sie so zu ordnen, dass die Worte in uns Lesenden wachsen können.
Der Schlüssel zum "Aufschließen" biblischer Texte liegt nicht in der Frage: "Hat sich das damals wirklich genau so zugetragen?" oder: "Muss ich das genau so glauben, wie es da steht?" Biblische Texte können nicht ein für alle Mal "erledigt" werden, sondern sie laden ein, mit ihnen zu tanzen.
Der Schlüssel zum Aufschließen liegt in den Erfahrungen, die in biblischen Texten stecken. Diese sind allerdings nicht so eindeutig, wie wir meinen oder hoffen. Die Texte verweben Erfahrungen, packen sie in Worte, spielen sie manchmal herunter oder verstecken sie, damit wir sie suchen. Texte rechnen mit Leserinnen und Lesern, sie warten auf unser Interesse! Erst im Lesen wachsen die Worte über sich hinaus und entwerfen einen neuen Sinn, der für mich Bedeutung hat. Nach den Erfahrungen zu fragen, die in den Texten zum Ausdruck kommen, ist genauso wichtig, wie sich über unsere Erfahrungen klar zu werden, die wir mitbringen. Sie können sich zwischen den Text stellen und die Sicht erschweren. Sie können aber auch zur Brücke werden zu den Texten über die räumliche und zeitliche Distanz hinweg.
Die wichtigste Frage ist also, wie Sie als Leserin und Leser die Erfahrungen, die in einem Text stecken, entdecken können.