
Beharrliche Provisorien
Städtische Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Darmstadt und Dessau 1869-1989
Marcus Stippak(Author)
Waxmann (Publisher)
1st Edition
Published in July 2010
Book
Paperback/Softback
492 pages
978-3-8309-2360-2 (ISBN)
Description
Als Kommunen im 19. Jahrhundert zentrale Systeme zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung schufen, hoffte man vielerorts, hygienische und ökologische Probleme ein für alle Mal lösen zu können. An die Stelle dieser auch auf Prestige-, Standort- und Machbarkeitsdenken ruhenden Erwartung trat aber bald Ernüchterung: Mit den beiden Infrastruktursystemen gingen unerwünschte Effekte wie ungenießbares Leitungswasser, ein ausufernder Wasserkonsum, die Versteppung von Landschaften, die Verunreinigung von Gewässern, Geruchsbelästigungen und partielle Systemzusammenbrüche einher.
Am Beispiel der Städte Darmstadt und Dessau wird deutlich, dass der noch zu BRD- und DDR-Zeiten für möglich gehaltene infrastrukturtechnische "Befreiungsschlag" allenfalls zum Teil glückte. Der Kurzlebigkeit einzelner Systemkomponenten stand die Langlebigkeit des in die jeweilige Region ausgreifenden Gesamtsystems gegenüber. Neuen Handlungsspielräumen folgten neue Handlungszwänge. Die im Kaiserreich geschaffenen Infrastruktursysteme erwiesen sich aus einer Vielzahl von politischen, technischen und gesellschaftlichen Faktoren als beharrliche Provisorien.
Am Beispiel der Städte Darmstadt und Dessau wird deutlich, dass der noch zu BRD- und DDR-Zeiten für möglich gehaltene infrastrukturtechnische "Befreiungsschlag" allenfalls zum Teil glückte. Der Kurzlebigkeit einzelner Systemkomponenten stand die Langlebigkeit des in die jeweilige Region ausgreifenden Gesamtsystems gegenüber. Neuen Handlungsspielräumen folgten neue Handlungszwänge. Die im Kaiserreich geschaffenen Infrastruktursysteme erwiesen sich aus einer Vielzahl von politischen, technischen und gesellschaftlichen Faktoren als beharrliche Provisorien.
Reviews / Votes
Das Thema ist nicht nur anrüchig wie ein Krimi. Stippak hat es auch genauso spannend behandelt. - Klaus Honold in: Darmstädter Echo vom 5. Oktober 2010.Die [...] Studie relativiert insgesamt die gesundheitspolitischen Implikationen der gesellschaftlichen Verallgemeinerung der Wasserversorgung [...] ihr besonderes Verdienst ist, dass sie zur unrühmlichen Wasser- und Umweltpolitik der DDR auf städtischer Ebene vorstößt. - Clemens Zimmermann in: Historische Zeitschrift, 293. 2011.
Ein Schlusskapitel fasst die Ergebnisse des Buchs zusammen, mit dem Marcus Stippak eine grundlegende, unsere Erkenntnisse zu einem wichtigen Bereich der kommunalen Daseinsvorsorge sehr fördernde Analyse vorlegt [...] - Frank Kreißler in: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde, 2011.
[...] jede Kapazitätserweiterung eines Wasserwerkes oder einer Abwassereinigungsanlage bedeutete nicht mehr als eine Atempause für den Betreiber des Infrastruktursystems, da ständig Anpassungen an veränderte Vorgaben notwendig wurden und neue Anforderungen entstanden. Es ist dem Autor gelungen, dem Leser dieses Phänomen auf überzeugende Weise nahezubringen. - Albrecht Hoffmann in: Hessisches Jahrbuch, Bd. 61/2011.
Über die Versorgung der modernen Stadt mit Wasser und die Entsorgung ihres Abwassers scheinen Stadt- und Umweltgeschichtsforschung schon fast alles gesagt zu haben. Dennoch gelingt es Marcus Stippak, den Forschungsstand mit seiner Dissertation [...] zu bereichern.[...] Ein entscheidender Verdienst der Arbeit ist es [...] den Vorstellungen eines "Zeitalters der Ökologie" nach 1970 das differenzierte Bild der Praxis in der Wasserwirtschaft entgegenzustellen. - Mathias Mutz, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 3/2012
Das Verdienst der [...] Studie ist es, sowohl interdisziplinäre Ansprüche, etwa aus der Sozialgeschichte oder der Ressourcenpolitik, zu erfüllen, als auch eine Verbindung der Wasserversorgung mit der Abwasserentsorgung herzustellen.[...] Zudem ergänzt sie schon bestehende Betrachtungen um den dringend benötigten und hier erstmals durchgeführten Vergleich der unterschiedlichen Entwicklungen in den beiden deutschen Staaten [...] Marcus Stippak legt mit dieser Arbeit eine solide Fallstudie vor [...] - Stefanie Preißler in: NTM, 20/2012
[...] ein sehr facettenreiches Bild der urbanen Infrastrukturgeschichte zweier mittelgroßer Städte - Christian Möller in: Technikgeschichte, H. 2/2013
More details
Series
Thesis
Doctoral thesis
2008
Technische Universität Darmstadt
Language
German
Place of publication
Germany
Edition type
New edition
Illustrations
mit einigen Abbildungen
Dimensions
Height: 23.5 cm
Width: 16.5 cm
ISBN-13
978-3-8309-2360-2 (9783830923602)
Schweitzer Classification
Person
Author
Marcus Stippak promovierte an der Technischen Universität Darmstadt zum Dr. phil. Er war Stipendiat des interdisziplinären DFG-Graduiertenkollegs "Technisierung und Gesellschaft". Zurzeit ist er als freiberuflicher Historiker für das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Darmstadt tätig.