Pripjat, April 1986. Innerhalb kürzester Zeit verändert die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl das Leben vieler Menschen unwiderruflich. Auch für eine junge Frau, die ihre Stadt, ihre Arbeit und ihre Zukunftspläne plötzlich infrage gestellt sieht, beginnt eine Zeit der Unsicherheit und Entwurzelung. Mit der Evakuierung bleiben nicht nur Orte zurück, sondern Teile von Identität und Erinnerung, die nie wieder dieselben sein werden.
In
Das Pripjat-Syndrom
erzählt Ljubow Sirota vom Leben nach dem Unglück und von der langsamen Erkenntnis, dass es kein einfaches Zurück gibt. Während der vertraute Alltag aus dem Gleichgewicht gerät, wächst zugleich das Gefühl, von staatlichen Strukturen und Versprechen im Stich gelassen zu werden. Krankheit und Tod rücken näher und werden zu unausweichlichen Begleitern in einer veränderten Wirklichkeit.
Der Roman erzählt eine Geschichte, die eng mit den persönlichen Erlebnissen der Autorin verbunden ist. Mit ruhiger Präzision und großer menschlicher Nähe zeichnet Sirota das Bild einer Generation, die lernen muss, mit den unsichtbaren Folgen einer Katastrophe zu leben und dennoch ihren eigenen Weg zu finden.
Das Pripjat-Syndrom
ist ein eindringlicher Roman über Erinnerung, Verlust und die Suche nach Zukunft. Geschrieben bereits 1991, erscheint er nun erstmals in deutscher Übersetzung mit einem ausführlichen Nachwort der Autorin, die heute im österreichischen Exil lebt.
Series
Edition
Language
Place of publication
Target group
Professional and scholarly
Dimensions
Height: 210 mm
Width: 148 mm
Thickness: 14 mm
Weight
ISBN-13
978-3-8382-2087-1 (9783838220871)
Schweitzer Classification
Author
Ljubow Sirota (*1956 in der Kasachischen SSR) wuchs in Kirgisien auf und zog 1975 in die Ukraine. Ab 1983 lebte sie mit ihrem Sohn in Pripjat, wo sie im Kulturhaus arbeitete und erste Theaterstücke inszenierte. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 wurde sie evakuiert und engagierte sich anschließend für ehemalige Bewohner der Stadt. Sie arbeitete bis 1992 im Dowschenko-Filmstudio in Kiew, konnte ihre Tätigkeit jedoch aufgrund strahlenbedingter Erkrankungen nur eingeschränkt fortsetzen. Internationale Bekanntheit erlangte sie mit dem Lyrikband "Noscha" und dem Dokumentarfilm "Tschernobyl - Die Schwelle", der früh die sozialen Folgen der Katastrophe thematisierte. Nach Stationen in Kiew und auf der Krim lebt sie heute im österreichischen Exil und schreibt weiter über Erinnerung, Verlust und Verantwortung.
Editor
Geboren 1988 in Klagenfurt, studierte Publizistik und Slavistik. Neben Studienreisen und -aufenthalten in der Ukraine, Russland, Weißrussland und den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens besuchte er viele Male die Sperrzone von Tschernobyl zu Forschungs- und Dokumentationszwecken. Er ist seit 2008 aktives Mitglied im Verein PRIPYAT.com und an weiteren Projekten zur Erinnerung an die Katastrophe von Tschernobyl beteiligt.
Translation
Geboren 1980 in Freital (ehemalige DDR), studierte Slavistik, Politik- und Kommunikationswissenschaft in Dresden, Krakau und Minsk. Während des Studiums unterstützte sie Erholungsaufenthalte für belarusische "Tschernobylkinder" und machte ein Praktikum in der Minsker Stiftung Den Kindern von Tschernobyl. Sie übersetzt Literatur aus dem Belarusischen, Russischen und Polnischen, u.a. für das Onlineportal dekoder.org.