Die Mohns
Vom Provinzbuchhändler zum Weltkonzern: Die Familie hinter Bertelsmann
Thomas Schuler(Author)
Campus (Publisher)
1st Edition
Published in March 2004
Book
Hardback
372 pages
978-3-593-37307-2 (ISBN)
Description
Ob Bill Clinton oder Madeleine Albright, Luciano Pavarotti oder Britney Spears, Günther Jauch oder Dieter Bohlen: Wer im globalen Medienkarussell mitspielt, ist bei einem der vielen Unternehmen der Mohns unter Vertrag. Die Erfolgsgeschichte begann vor mehr als 175 Jahren mit einer Handpresse, mit der Carl Bertelsmann seine ersten protestantischen Liederbücher druckte. Die Erben, die seit 1887 Mohn heißen, machten aus dem Provinzverlag ein weltumspannendes Medienimperium.
Thomas Schuler erzählt die Geschichte der unsichtbaren Medienmogule aus Gütersloh. Er zeigt, wie Frömmigkeit, ein strenges Arbeitsethos und eine gehörige Portion Kälte und Opportunismus die Mohns an die Weltspitze führten - und welche Gräben der Erfolg in der Familie riss. Schuler fördert Konflikte zutage, die hinter der Fassade schwelen: Die Kämpfe um Reinhard Mohns Nachfolge haben
längst begonnen.
Thomas Schuler erzählt die Geschichte der unsichtbaren Medienmogule aus Gütersloh. Er zeigt, wie Frömmigkeit, ein strenges Arbeitsethos und eine gehörige Portion Kälte und Opportunismus die Mohns an die Weltspitze führten - und welche Gräben der Erfolg in der Familie riss. Schuler fördert Konflikte zutage, die hinter der Fassade schwelen: Die Kämpfe um Reinhard Mohns Nachfolge haben
längst begonnen.
Reviews / Votes
Klatschmohn"Schuler bohrt in Wunden ... er tut es so akribisch und gut belegt, dass man sie nicht mehr ignorieren kann." (Frankfurter Rundschau, 20.03.2004)
Klatsch und Mohn
"Thomas Schuler hat einen Blick hinter die Kulisse der heilen Provinz am Konzernsitz im ostwestfälischen Gütersloh gewagt und bürstet die bislang überwiegend offiziöse Geschichtsschreibung gegen den Strich."
(Die Tageszeitung, 22.03.2004)
Buch über Bertelsmann beschreibt Affären und Machtkämpfe
"Die Fassade bekommt erstmals Risse: In seiner Biografie 'Die Mohns' enthüllt der Journalist Thomas Schuler pikante Details aus dem Leben des Clans." (Focus, 22.03.2004)
Schein und Sein in Gütersloh
"Der erste unabhängige Autor, der den Aufstieg der Mohns zu einer der mächtigsten deutschen Unternehmerfamilien in umfassender und breiter Form darstellt." (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2004)
Buddenbrooks in Gütersloh
"Man liest das Buch einfach gerne, es ist süffig geschrieben von vorne bis hinten ... sehr gut recherchiert und ohne Vorurteile." (Netzeitung, 22.03.2004)
Denver in Deutschland
"Nichts ist aufregender als das Leben von medienscheuen Prominenten. Jetzt hat es Liz und Reinhard Mohn erwischt ... spannend zu lesen." (3sat Kulturzeit, 29.03.2004)
Dokudrama
"Eine Familiengeschichte, über die sich viele ärgern - vor allem die beschriebene Familie selbst ... Wer einst gerne 'Dallas' oder 'Denver" guckte, wird dieses Dokudrama zu schätzen wissen." (Süddeutsche Zeitung, 10.04.2004)
Unternehmenskultur unter der Lupe
"Das Buch bietet viele Ansätze, über die Doppelbödigkeiten in einer Unternehmenskultur zu diskutieren." (Wirtschaft & Weiterbildung, 01.05.2004)
Viel Klatsch-Mohn
"Schuler hat ein wichtiges Kapitel deutscher Verlagsgeschichte aufgezeichnet." (Augsburger Allgemeine, 29.05.2004)
Familienbande in Gütersloh
"Ein unterhaltsames und sehr informatives Buch." (VDI-Nachrichten, 11.06.2004)
Die Mohns
"Spannend und sehr informativ." (literaturtipp.de, 05.07.2004)
Die Mediendynastie aus Gütersloh
"Dem Autor ist ein spannendes Werk gelungen." (Die Welt, 28.08.2004)
Hinter den Fassaden des Medienriesen
"Eine zügig geschriebene Unternehmerbiografie. Detail- und anekdotenreich." (Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2005)
More details
Language
German
Edition type
New edition
Illustrations
16-seitiger Bildteil
Dimensions
Height: 21.5 cm
Width: 14 cm
Weight
640 gr
ISBN-13
978-3-593-37307-2 (9783593373072)
Schweitzer Classification
Other editions
Additional editions

E-Book
03/2004
1st Edition
Campus
€13.99
Available for download

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Person
Thomas Schuler, Jahrgang 1965, studierte Politik und Journalismus in München und New York. Er schreibt für die Berliner Zeitung und verfolgt seit Jahren die Geschichte des Bertelsmann-Konzerns. Für sein Buch über die Familie Mohn hat er zahlreiche Gespräche mit Familienmitgliedern und ehemaligen Managern geführt.
Content
Prolog11
1.Wirf dein Anliegen auf den Herrn"
Die Gründerfamilie Bertelsmann17
2."Der vierte Pastor von Gütersloh"
Johannes Mohn heiratet einen Verlag35
3."Größere und größte Auflagen"
Heinrich Mohn und der Aufstieg von Bertelsmann45
4."Heil Bertelsmann!"
Ein Verleger zwischen Gott und "Führer"75
5."Singen, Beten und Blumenpflücken"
Die Familie Mohn im Nationalsozialismus96
6."Das ist ein Kerl!"
Die Erben ziehen in den Krieg108
7."Es ist wie ein Aufatmen"
Stunde Null bei Bertelsmann119
8."Den nationalsozialistischen Behörden
ein Dorn im Auge"
Die Legende vom Widerstandsverlag135
9."Mit Tausenden von Vertretern und Hunderten
von Werbewagen"
Die Königsidee des Leserings154
10."Roter Mohn"
Auf dem Weg zum Medienimperium177
11."Die Reise nach Jerusalem"
Reinhard Mohns Familienbande195
12."Es ist unglaublich, wenn es stimmt"
Bertelsmann und die Hitler-Tagebücher215
13."Ich muss die alleine regieren lassen"
Der Unternehmenschef geht und bleibt223
14."Die Tatsache, dass er mein Sohn ist,
reicht nicht aus"
Reinhard Mohn und seine Manager231
15."Ein heikles und empfindliches Thema"
Thomas Middelhoff meint es gut
und zerstört einen Mythos251
16."Ein Experiment, das mir woanders
so nicht bekannt ist"
Reinhard Mohn macht es seinen Erben nicht leicht267
17."Das müssen wir machen!"
Die Entscheidung für den Börsengang279
18."Mein Lebenswerk"
Ein Unternehmer geht stiften287
19."Jetzt werdet ihr sehen, für welche Firma
ihr arbeitet"
Die Rückkehr der Familie an die Unternehmensspitze295
20."Christoph wird nicht mein Nachfolger"
Vom Familienbetrieb zum Weltkonzern -
und wieder zurück?319
21."Mich gibt es gar nicht"
Die Vergessenen bei Bertelsmann327
Epilog351
Quellen355
Bildnachweis371
Danksagung372
1.Wirf dein Anliegen auf den Herrn"
Die Gründerfamilie Bertelsmann17
2."Der vierte Pastor von Gütersloh"
Johannes Mohn heiratet einen Verlag35
3."Größere und größte Auflagen"
Heinrich Mohn und der Aufstieg von Bertelsmann45
4."Heil Bertelsmann!"
Ein Verleger zwischen Gott und "Führer"75
5."Singen, Beten und Blumenpflücken"
Die Familie Mohn im Nationalsozialismus96
6."Das ist ein Kerl!"
Die Erben ziehen in den Krieg108
7."Es ist wie ein Aufatmen"
Stunde Null bei Bertelsmann119
8."Den nationalsozialistischen Behörden
ein Dorn im Auge"
Die Legende vom Widerstandsverlag135
9."Mit Tausenden von Vertretern und Hunderten
von Werbewagen"
Die Königsidee des Leserings154
10."Roter Mohn"
Auf dem Weg zum Medienimperium177
11."Die Reise nach Jerusalem"
Reinhard Mohns Familienbande195
12."Es ist unglaublich, wenn es stimmt"
Bertelsmann und die Hitler-Tagebücher215
13."Ich muss die alleine regieren lassen"
Der Unternehmenschef geht und bleibt223
14."Die Tatsache, dass er mein Sohn ist,
reicht nicht aus"
Reinhard Mohn und seine Manager231
15."Ein heikles und empfindliches Thema"
Thomas Middelhoff meint es gut
und zerstört einen Mythos251
16."Ein Experiment, das mir woanders
so nicht bekannt ist"
Reinhard Mohn macht es seinen Erben nicht leicht267
17."Das müssen wir machen!"
Die Entscheidung für den Börsengang279
18."Mein Lebenswerk"
Ein Unternehmer geht stiften287
19."Jetzt werdet ihr sehen, für welche Firma
ihr arbeitet"
Die Rückkehr der Familie an die Unternehmensspitze295
20."Christoph wird nicht mein Nachfolger"
Vom Familienbetrieb zum Weltkonzern -
und wieder zurück?319
21."Mich gibt es gar nicht"
Die Vergessenen bei Bertelsmann327
Epilog351
Quellen355
Bildnachweis371
Danksagung372
Prolog
Eines Tages stand ein Vertreter des Buchclubs am Gartenzaun. Der Herr trug einen Anzug und hielt eine Mappe unterm Arm. Was er sagte, machte mich stolz. Er beglückwünschte mich zu einem Malwettbewerb meiner Schulklasse. Ich hätte einen Preis gewonnen: ein Malheft - und die Mitgliedschaft im Buchclub von Bertelsmann. Ich war baff. Ich war damals ein Knirps im Grundschulalter und es war das erste Mal, dass ich etwas gewonnen hatte. Dass der Vertreter eine Masche anwandte, störte mich nicht. Ich hatte gewonnen - und wollte meinen Gewinn in Empfang nehmen. Meine Eltern durchschauten den Trick, aber ich setzte mich durch. Ein Jahr lang bestellten meine Eltern Abenteuerbücher und Romane, ein Gesundheitslexikon und Gartenratgeber. Nach einem Jahr hatten wir alle wichtigen Garten- und Gesundheitsbücher im Schrank - und meine Eltern traten wieder aus. Meine Sympathie für Bertelsmann war dennoch groß damals.
Später, als Journalist, empfand ich eine Mischung aus Respekt und distanzierter Bewunderung für Bertelsmann und den Eigentümer des Konzerns: Reinhard Mohn. Er hatte aus einem Familienunternehmen ein Weltunternehmen gemacht und ist der letzte noch lebende Vertreter einer ganzen Generation von Nachkriegsgründern in Deutschland. Die Geschichte seiner Aufbauleistung und Medienmacht ist ein Stück Nachkriegsgeschichte. Reinhard Mohn hat immer wieder Grenzen überschritten. Er griff Trends auf und setzte sie um, ehe andere nur daran dachten. Als "aufgeklärter Kapitalist" wurde er bezeichnet. Er belohnte Mitarbeiter besser als die Konkurrenz, erklärte Betriebsräte zu Partnern und nahm damit den Gewerkschaften im eigenen Unternehmen Macht. Noch nie gab es einen Streik bei Bertelsmann. Früher als andere hob er die Trennung zwischen Arbeitern und Angestellten auf. Er motivierte seine Mitarbeiter, indem er sie zu Unternehmern machte, und er profitierte davon. Bertelsmann wächst jedes Jahr etwa um die Größe des Burda-Verlags. Seine
Gründungen und Übernahmen haben die Verlagswelt revolutioniert und die Medienlandschaft kommerzialisiert.
Den "erfolgreichsten Unternehmer der Bundesrepublik" nannte ihn der Publizist Günter Gaus 1986. Die Wochenzeitung Die Zeit erklärte ihn wegen seiner Art der Unternehmensführung 1998 zum "Unternehmer des Jahrhunderts". Er wäre der reichste Deutsche, hätte er seinen Konzern nicht seiner Stiftung überschrieben. So belegt er "nur" die Nummer fünf der Rangliste. Doch anders als Berlusconi, Kirch oder Murdoch ist er einer breiten Öffentlichkeit unbekannt geblieben. "Der stille Mensch aus Gütersloh" nannte der NDR eine Dokumentation über ihn. Seine Bekanntheit ist ihm allerdings nicht sonderlich wichtig, solange seine Produkte konsumiert werden.
Mit dem Unternehmen Bertelsmann verhält es sich kaum anders. Hinter dem Namen vermuten viele noch immer den Buchclub. Dabei ist Bertelsmann längst zu einem Medienhaus der Superlative gewachsen, mit einer Vielzahl eigener Medientöchter: Random House ist der
größte Buchverlag der Welt, der John Grisham, Toni Morrison, Daniel Goldhagen, Richard von Weizsäcker, Michael Gorbatschow und Bill Clinton, aber auch Boris Becker, Dieter Bohlen und Daniel Küblböck verlegt. RTL ist der größte Fernsehkonzern Europas und hat in Deutschland Verona Feldbusch und Günter Jauch unter Vertrag und sendet "Big Brother" und "Deutschland sucht den Superstar". BMG ist einer der größten Musikproduzenten der Welt, der Musik von Udo Jürgens, Luciano Pavarotti und Britney Spears verkauft. Gruner + Jahr ist das größte Zeitschriftenhaus Europas mit dem Magazin Stern als Flaggschiff; seit dem Tod von Rudolf Augstein hat Gruner + Jahr aber auch ein Veto bei wichtigen Entscheidungen beim Konkurrenten Der Spiegel. Arvato ist das größte Druckhaus Europas, das in Deutschland die meisten Bücher und fast jedes Handy ausliefert, die Bahncard und das Vielfliegerprogramm der Lufthansa betreut. Die Bertelsmann Stiftung schließlich ist die größte operative Stiftung Deutschlands, die Einfluss nimmt auf viele Felder der Politik.
Mehr noch als die Größe bewunderte ich die offene Gesprächskultur. Journalisten bekommen stets das Gefühl, es gebe keine Tabus. Doch enden Gespräche regelmäßig, sobald man Fragen über die Familie Mohn stellt. Die Mohns sprechen gerne über Bertelsmann, aber was sie selbst betrifft, sind sie weit weniger offen. Liz und Reinhard Mohn lancieren sehr einseitige Selbstdarstellungen, auch wenn es Dinge betrifft, die mit der Kultur, der Glaubwürdigkeit und dem Erbe ihres Unternehmens oder ihrer gemeinnützigen Stiftung zu tun haben.
Beide haben über ihr Leben schreiben lassen. 2001 legte Liz Mohn ihre Autobiografie vor; Reinhard Mohn gab unter anderem für das Firmenjubiläum 1985 sowie einer von Bertelsmann auf öffentlichen Druck hin eingesetzten Historikerkommission 1999 und 2000 Auskunft über sein Leben. Beide Darstellungen werfen etwa so viele Fragen auf, wie sie beantworten. [...]
Eines Tages stand ein Vertreter des Buchclubs am Gartenzaun. Der Herr trug einen Anzug und hielt eine Mappe unterm Arm. Was er sagte, machte mich stolz. Er beglückwünschte mich zu einem Malwettbewerb meiner Schulklasse. Ich hätte einen Preis gewonnen: ein Malheft - und die Mitgliedschaft im Buchclub von Bertelsmann. Ich war baff. Ich war damals ein Knirps im Grundschulalter und es war das erste Mal, dass ich etwas gewonnen hatte. Dass der Vertreter eine Masche anwandte, störte mich nicht. Ich hatte gewonnen - und wollte meinen Gewinn in Empfang nehmen. Meine Eltern durchschauten den Trick, aber ich setzte mich durch. Ein Jahr lang bestellten meine Eltern Abenteuerbücher und Romane, ein Gesundheitslexikon und Gartenratgeber. Nach einem Jahr hatten wir alle wichtigen Garten- und Gesundheitsbücher im Schrank - und meine Eltern traten wieder aus. Meine Sympathie für Bertelsmann war dennoch groß damals.
Später, als Journalist, empfand ich eine Mischung aus Respekt und distanzierter Bewunderung für Bertelsmann und den Eigentümer des Konzerns: Reinhard Mohn. Er hatte aus einem Familienunternehmen ein Weltunternehmen gemacht und ist der letzte noch lebende Vertreter einer ganzen Generation von Nachkriegsgründern in Deutschland. Die Geschichte seiner Aufbauleistung und Medienmacht ist ein Stück Nachkriegsgeschichte. Reinhard Mohn hat immer wieder Grenzen überschritten. Er griff Trends auf und setzte sie um, ehe andere nur daran dachten. Als "aufgeklärter Kapitalist" wurde er bezeichnet. Er belohnte Mitarbeiter besser als die Konkurrenz, erklärte Betriebsräte zu Partnern und nahm damit den Gewerkschaften im eigenen Unternehmen Macht. Noch nie gab es einen Streik bei Bertelsmann. Früher als andere hob er die Trennung zwischen Arbeitern und Angestellten auf. Er motivierte seine Mitarbeiter, indem er sie zu Unternehmern machte, und er profitierte davon. Bertelsmann wächst jedes Jahr etwa um die Größe des Burda-Verlags. Seine
Gründungen und Übernahmen haben die Verlagswelt revolutioniert und die Medienlandschaft kommerzialisiert.
Den "erfolgreichsten Unternehmer der Bundesrepublik" nannte ihn der Publizist Günter Gaus 1986. Die Wochenzeitung Die Zeit erklärte ihn wegen seiner Art der Unternehmensführung 1998 zum "Unternehmer des Jahrhunderts". Er wäre der reichste Deutsche, hätte er seinen Konzern nicht seiner Stiftung überschrieben. So belegt er "nur" die Nummer fünf der Rangliste. Doch anders als Berlusconi, Kirch oder Murdoch ist er einer breiten Öffentlichkeit unbekannt geblieben. "Der stille Mensch aus Gütersloh" nannte der NDR eine Dokumentation über ihn. Seine Bekanntheit ist ihm allerdings nicht sonderlich wichtig, solange seine Produkte konsumiert werden.
Mit dem Unternehmen Bertelsmann verhält es sich kaum anders. Hinter dem Namen vermuten viele noch immer den Buchclub. Dabei ist Bertelsmann längst zu einem Medienhaus der Superlative gewachsen, mit einer Vielzahl eigener Medientöchter: Random House ist der
größte Buchverlag der Welt, der John Grisham, Toni Morrison, Daniel Goldhagen, Richard von Weizsäcker, Michael Gorbatschow und Bill Clinton, aber auch Boris Becker, Dieter Bohlen und Daniel Küblböck verlegt. RTL ist der größte Fernsehkonzern Europas und hat in Deutschland Verona Feldbusch und Günter Jauch unter Vertrag und sendet "Big Brother" und "Deutschland sucht den Superstar". BMG ist einer der größten Musikproduzenten der Welt, der Musik von Udo Jürgens, Luciano Pavarotti und Britney Spears verkauft. Gruner + Jahr ist das größte Zeitschriftenhaus Europas mit dem Magazin Stern als Flaggschiff; seit dem Tod von Rudolf Augstein hat Gruner + Jahr aber auch ein Veto bei wichtigen Entscheidungen beim Konkurrenten Der Spiegel. Arvato ist das größte Druckhaus Europas, das in Deutschland die meisten Bücher und fast jedes Handy ausliefert, die Bahncard und das Vielfliegerprogramm der Lufthansa betreut. Die Bertelsmann Stiftung schließlich ist die größte operative Stiftung Deutschlands, die Einfluss nimmt auf viele Felder der Politik.
Mehr noch als die Größe bewunderte ich die offene Gesprächskultur. Journalisten bekommen stets das Gefühl, es gebe keine Tabus. Doch enden Gespräche regelmäßig, sobald man Fragen über die Familie Mohn stellt. Die Mohns sprechen gerne über Bertelsmann, aber was sie selbst betrifft, sind sie weit weniger offen. Liz und Reinhard Mohn lancieren sehr einseitige Selbstdarstellungen, auch wenn es Dinge betrifft, die mit der Kultur, der Glaubwürdigkeit und dem Erbe ihres Unternehmens oder ihrer gemeinnützigen Stiftung zu tun haben.
Beide haben über ihr Leben schreiben lassen. 2001 legte Liz Mohn ihre Autobiografie vor; Reinhard Mohn gab unter anderem für das Firmenjubiläum 1985 sowie einer von Bertelsmann auf öffentlichen Druck hin eingesetzten Historikerkommission 1999 und 2000 Auskunft über sein Leben. Beide Darstellungen werfen etwa so viele Fragen auf, wie sie beantworten. [...]