Winterliebe
Eine Anthologie aus fünf sinnlich-romantischen, humorvollen und homoerotischen Love Storys
Michaela Nelamischkies(Editor)
Fantasy Welt Zone (Publisher)
1st Edition
Published on 5. January 2012
Book
Paperback/Softback
132 pages
978-3-942539-51-7 (ISBN)
Description
Winterliebe ist eine Anthologie aus fünf sinnlich-romantischen, humorvollen und homoerotischen Love Storys
Definitionssache von Raik Thorstad
Leif fiebert Weihnachten entgegen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Er hat nur ein Ziel vor Augen: die letzten Tagen im Geschäft überstehen und ins Bett fallen,
während der Rest der Welt unter dem Weihnachtsbaum sitzt. Schlecht gelaunt stellt er sich auf Schmerztabletten,Taschentücher und Hustenbonbons ein und bekommt ein Geschenk, mit dem er schon lange nicht mehr gerechnet hat
Feuersteine von Chris P. Rolls
Feuersteine enthalten ein inneres Feuer, sagt man. Vor Jahren bekam Aischa einen solchen Stein und seither
gehen ihr diese besonderen Augen nicht mehr aus dem Sinn. Viel hat sich danach in ihrem Leben verändert.
Jeden Weihnachtsmarkt besucht sie in der stillen Hoffnung, diese Augen wiederzusehen.
Als sie Lily trifft, muss sie herausfinden, ob das Feuer im Innern des Steins auch stark genug in ihrem Herzen brennen kann.
Mit Plätzchen fängt man Engel von Nico Morleen
Eigentlich liebt Blake die Weihnachtszeit, doch dieses Jahr ist ihm die Lust darauf gründlich vergangen. Das wiederum sieht Cai überhaupt nicht ein.
Von Rentieren und Ritualen von Karo Stein
Michael war sich sicher, dass er in Robert den Partner gefunden hatte, der perfekt zu ihm passte.
Mit dem ersten Advent und einer ungeahnten Überraschung kamen ihm allerdings die ersten Zweifel.
Aber manchmal kann eine besondere Bestellung im Internet auch ein ganz besonderes Weihnachtsritual schaffen.
Weihnachtsmann zu verschenken von Isabel Shtar
Kurz vor Ladenschluss am Heiligabend. Immer noch kein Geschenk für die
exzentrische Mutter. Und dann auch noch so ein professioneller Kinderbelüger mit
falschem Rauschebart und schlechtem Humor. Gut, dass Judas sowohl ein Gedicht
als auch einen speziellen Wunsch parat hat.
Definitionssache von Raik Thorstad
Leif fiebert Weihnachten entgegen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Er hat nur ein Ziel vor Augen: die letzten Tagen im Geschäft überstehen und ins Bett fallen,
während der Rest der Welt unter dem Weihnachtsbaum sitzt. Schlecht gelaunt stellt er sich auf Schmerztabletten,Taschentücher und Hustenbonbons ein und bekommt ein Geschenk, mit dem er schon lange nicht mehr gerechnet hat
Feuersteine von Chris P. Rolls
Feuersteine enthalten ein inneres Feuer, sagt man. Vor Jahren bekam Aischa einen solchen Stein und seither
gehen ihr diese besonderen Augen nicht mehr aus dem Sinn. Viel hat sich danach in ihrem Leben verändert.
Jeden Weihnachtsmarkt besucht sie in der stillen Hoffnung, diese Augen wiederzusehen.
Als sie Lily trifft, muss sie herausfinden, ob das Feuer im Innern des Steins auch stark genug in ihrem Herzen brennen kann.
Mit Plätzchen fängt man Engel von Nico Morleen
Eigentlich liebt Blake die Weihnachtszeit, doch dieses Jahr ist ihm die Lust darauf gründlich vergangen. Das wiederum sieht Cai überhaupt nicht ein.
Von Rentieren und Ritualen von Karo Stein
Michael war sich sicher, dass er in Robert den Partner gefunden hatte, der perfekt zu ihm passte.
Mit dem ersten Advent und einer ungeahnten Überraschung kamen ihm allerdings die ersten Zweifel.
Aber manchmal kann eine besondere Bestellung im Internet auch ein ganz besonderes Weihnachtsritual schaffen.
Weihnachtsmann zu verschenken von Isabel Shtar
Kurz vor Ladenschluss am Heiligabend. Immer noch kein Geschenk für die
exzentrische Mutter. Und dann auch noch so ein professioneller Kinderbelüger mit
falschem Rauschebart und schlechtem Humor. Gut, dass Judas sowohl ein Gedicht
als auch einen speziellen Wunsch parat hat.
More details
Edition
1., Winterliebe
Language
German
Place of publication
Germany
Dimensions
Height: 22 cm
Width: 17 cm
ISBN-13
978-3-942539-51-7 (9783942539517)
Schweitzer Classification
Persons
Die Autor/innen
der Anthologie " Winterliebe"
Raik Thorstad ist ein Nordlicht, das zwischen seinen Leidenschaften Schreiben und Musik (gelernter Musikalienhändler und Mitarbeiter diverser Musikmagazine) hin- und herpendelt, und sich unlängst für die Feder entschieden hat. Allerdings nicht für ein festes Genre. Psychologie, Historie, Endzeit, Fantasy. Warum sich Grenzen setzen?
Der Autorenblog: http://raikthorstad.blogspot.com
Nico Morleen: in Hattingen geboren lebt die Autorin auch heute noch im Ruhrgebiet. Schon seit ihrer Jugend schreibt sie aus Leidenschaft und verfasst seit einigen Jahren hauptsächlich homoerotische Liebes- und Fantasyromane.
Ihr Autorenblog: http://nicomorleen.blogspot.com
Chris P. Rolls: studierte Pädagogik in Hamburg, heute arbeitet sie als Reitlehrerin/Pferdetrainerin und betreibt einen Pferdehof. Schon früh dem Schreiben verfallen, liegt ihre besondere Leidenschaft im Bereich Fantasy und Homoerotik. Nach ihrer Gay Mystic Fantasyreihe "Die Anderen", schreibt sie nun an einer neuen homoerotischen Fantasystory.
Ihr Autorenblog: http://chrisrolls.blogspot.com
Karo Stein: lebt mit Ihrer Familie in einer kleinen Stadt im Harzvorland. Neben Ihrer Familie ist das Schreiben mittlerweile zu Ihrer größten Leidenschaft geworden. Sie hat sich auf homoerotische Belletristik spezialisiert.
Ihr Autorenblog: http://crazykath74.blogspot.com
Isabel Shtar hat Kunstgeschichte und Klassische Archäologie studiert. Verwurzelt in Norddeutschland gilt ihre Leidenschaft neben dem Schreiben dem Reisen sowie ihrem äußerst gelehrigen, aber nicht immer kooperativen Nymphensittich. Aktuell arbeitet sie an verschiedenen homoerotischen Romanen, die Fantastisches und Reales auf unterschiedliche Weise miteinander vermischen.
der Anthologie " Winterliebe"
Raik Thorstad ist ein Nordlicht, das zwischen seinen Leidenschaften Schreiben und Musik (gelernter Musikalienhändler und Mitarbeiter diverser Musikmagazine) hin- und herpendelt, und sich unlängst für die Feder entschieden hat. Allerdings nicht für ein festes Genre. Psychologie, Historie, Endzeit, Fantasy. Warum sich Grenzen setzen?
Der Autorenblog: http://raikthorstad.blogspot.com
Nico Morleen: in Hattingen geboren lebt die Autorin auch heute noch im Ruhrgebiet. Schon seit ihrer Jugend schreibt sie aus Leidenschaft und verfasst seit einigen Jahren hauptsächlich homoerotische Liebes- und Fantasyromane.
Ihr Autorenblog: http://nicomorleen.blogspot.com
Chris P. Rolls: studierte Pädagogik in Hamburg, heute arbeitet sie als Reitlehrerin/Pferdetrainerin und betreibt einen Pferdehof. Schon früh dem Schreiben verfallen, liegt ihre besondere Leidenschaft im Bereich Fantasy und Homoerotik. Nach ihrer Gay Mystic Fantasyreihe "Die Anderen", schreibt sie nun an einer neuen homoerotischen Fantasystory.
Ihr Autorenblog: http://chrisrolls.blogspot.com
Karo Stein: lebt mit Ihrer Familie in einer kleinen Stadt im Harzvorland. Neben Ihrer Familie ist das Schreiben mittlerweile zu Ihrer größten Leidenschaft geworden. Sie hat sich auf homoerotische Belletristik spezialisiert.
Ihr Autorenblog: http://crazykath74.blogspot.com
Isabel Shtar hat Kunstgeschichte und Klassische Archäologie studiert. Verwurzelt in Norddeutschland gilt ihre Leidenschaft neben dem Schreiben dem Reisen sowie ihrem äußerst gelehrigen, aber nicht immer kooperativen Nymphensittich. Aktuell arbeitet sie an verschiedenen homoerotischen Romanen, die Fantastisches und Reales auf unterschiedliche Weise miteinander vermischen.
Content
Klappentext zu Winterliebe:
Definitionssache von Raik Thorstad
Leif fiebert Weihnachten entgegen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Er hat nur ein Ziel vor Augen: die letzten Tagen im Geschäft überstehen und ins Bett fallen,
während der Rest der Welt unter dem Weihnachtsbaum sitzt. Schlecht gelaunt stellt er sich auf Schmerztabletten,Taschentücher und Hustenbonbons ein und bekommt ein Geschenk, mit dem er schon lange nicht mehr gerechnet hat
Feuersteine von Chris P. Rolls
Feuersteine enthalten ein inneres Feuer, sagt man. Vor Jahren bekam Aischa einen solchen Stein und seither
gehen ihr diese besonderen Augen nicht mehr aus dem Sinn. Viel hat sich danach in ihrem Leben verändert.
Jeden Weihnachtsmarkt besucht sie in der stillen Hoffnung, diese Augen wiederzusehen.
Als sie Lily trifft, muss sie herausfinden, ob das Feuer im Innern des Steins auch stark genug in ihrem Herzen brennen kann.
Mit Plätzchen fängt man Engel von Nico Morleen
Eigentlich liebt Blake die Weihnachtszeit, doch dieses Jahr ist ihm die Lust darauf gründlich vergangen. Das wiederum sieht Cai überhaupt nicht ein.
Von Rentieren und Ritualen von Karo Stein
Michael war sich sicher, dass er in Robert den Partner gefunden hatte, der perfekt zu ihm passte.
Mit dem ersten Advent und einer ungeahnten Überraschung kamen ihm allerdings die ersten Zweifel.
Aber manchmal kann eine besondere Bestellung im Internet auch ein ganz besonderes Weihnachtsritual schaffen.
Weihnachtsmann zu verschenken von Isabel Shtar
Kurz vor Ladenschluss am Heiligabend. Immer noch kein Geschenk für die
exzentrische Mutter. Und dann auch noch so ein professioneller Kinderbelüger mit
falschem Rauschebart und schlechtem Humor. Gut, dass Judas sowohl ein Gedicht
als auch einen speziellen Wunsch parat hat.
Definitionssache von Raik Thorstad
Leif fiebert Weihnachten entgegen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Er hat nur ein Ziel vor Augen: die letzten Tagen im Geschäft überstehen und ins Bett fallen,
während der Rest der Welt unter dem Weihnachtsbaum sitzt. Schlecht gelaunt stellt er sich auf Schmerztabletten,Taschentücher und Hustenbonbons ein und bekommt ein Geschenk, mit dem er schon lange nicht mehr gerechnet hat
Feuersteine von Chris P. Rolls
Feuersteine enthalten ein inneres Feuer, sagt man. Vor Jahren bekam Aischa einen solchen Stein und seither
gehen ihr diese besonderen Augen nicht mehr aus dem Sinn. Viel hat sich danach in ihrem Leben verändert.
Jeden Weihnachtsmarkt besucht sie in der stillen Hoffnung, diese Augen wiederzusehen.
Als sie Lily trifft, muss sie herausfinden, ob das Feuer im Innern des Steins auch stark genug in ihrem Herzen brennen kann.
Mit Plätzchen fängt man Engel von Nico Morleen
Eigentlich liebt Blake die Weihnachtszeit, doch dieses Jahr ist ihm die Lust darauf gründlich vergangen. Das wiederum sieht Cai überhaupt nicht ein.
Von Rentieren und Ritualen von Karo Stein
Michael war sich sicher, dass er in Robert den Partner gefunden hatte, der perfekt zu ihm passte.
Mit dem ersten Advent und einer ungeahnten Überraschung kamen ihm allerdings die ersten Zweifel.
Aber manchmal kann eine besondere Bestellung im Internet auch ein ganz besonderes Weihnachtsritual schaffen.
Weihnachtsmann zu verschenken von Isabel Shtar
Kurz vor Ladenschluss am Heiligabend. Immer noch kein Geschenk für die
exzentrische Mutter. Und dann auch noch so ein professioneller Kinderbelüger mit
falschem Rauschebart und schlechtem Humor. Gut, dass Judas sowohl ein Gedicht
als auch einen speziellen Wunsch parat hat.
Leseprobe:
Definitionssache
von Raik Thorstad
24. Dezember
Freunde, es geht mir schlecht.
Mein Körper weiß, dass in zwei Stunden Feierabend ist. Die Bakterien und Viren laden zum gemütlichen Kuscheln in den Ruinen meines Immunsystems ein. Die Nacht war ein Albtraum. Wer nicht durch die Nase atmen kann, hat einen trockenen Mund. Wer einen trockenen Mund hat, muss trinken. Wer niemanden hat, der die Wasserflaschen auswechselt, muss selbst aufstehen. Aber das macht nichts, weil man eh dauernd pinkeln muss. Dazu der Tanz mit der abwechselnd zu warmen oder zu kalten, da verschwitzten Bettdecke, der Wiegeschritt zwischen Schüttelfrost und Verglühen.
Ich habe nicht geschlafen, nicht gefrühstückt und kann knapp 39 Grad Fieber aufweisen. Mein Hals ist geschwollen und Husten schmerzt in der Brust.
Ich kann nicht mehr. Ich weiß, das habe ich gestern auch schon gesagt. Aber heute ist es wirklich schlimm um mich bestellt.
Ein Wort zum Thema kranke Männer: Ja, wir sind viel empfindlicher als die weibliche Hälfte der Bevölkerung, die sich tapfer durch PMS und Schwangerschaften schlägt. Wir sind Jammerlappen. Wir markieren den unerschütterlichen Hengst, und sobald wir eine verstopfte Nase haben, liegen wir stöhnend auf dem Sofa und wollen unser Testament aufsetzen. Natürlich ist das von außen betrachtet lächerlich. Aber das ändert nichts daran, dass es uns dreckig geht und wir Schmerzen und Krankheit weitaus schlechter erdulden können als unsere Schwestern, Mütter und Töchter. Warum die Natur das auf diese Weise eingerichtet hat, ist mir ehrlich gesagt egal. Ich weiß nur, dass ich in mein Bett will. Punkt.
Der einzige Grund, warum ich nicht das Handtuch schmeiße, ist, dass wir uns alle wie Schlafwandler durch das Geschäft bewegen. Selbst Maren ist geblieben, obwohl sie kaum noch etwas hört. Mittelohrentzündung nehme ich an. Sie packt Geschenke ein, ich kassiere. Es ist die Hölle auf Erden und hat mit Weihnachten so viel gemein wie ich mit einem Pantoffeltierchen.
Mir ist nicht einmal die Energie geblieben, mich über Last-Minute-Kunden aufzuregen. Meine Müdigkeit hat einen Punkt erreicht, an dem ich mich wie auf Wolken bewege. Ab und an pikst es in meinem Kopf und mir wird bewusst, dass ich so ausgelaugt bin, dass es schmerzt. Dann kehrt die Watte an ihren Platz zurück und ich schwebe mit ihr durch den Morgen des Heiligabends.
Es ist 12.34 Uhr, als Dirk kommt, um das Buch für seine Mutter abzuholen. Ich weiß es auf die Minute genau, da ich meine Armbanduhr nicht aus den Augen lasse. Sie liegt auf dem Kassentisch neben dem Plätzchenkorb, den eine gute Kundin uns als Dankeschön vorbeigebracht hat, weil wir. ich schweife ab.
Sogar Dirks Erscheinen ist mir nahezu gleichgültig, was viel über meinen gesundheitlichen Zustand aussagt. Ich freue mich für ihn, dass Kati ihr Versprechen wahrgemacht hat. Doch hier und heute ist er in erster Linie ein Kunde, für den ich meine bleischweren Finger an den Scanner heben muss.
"Wow, du siehst ja beschissen aus", haut er mir um die Ohren. Dieser Satz gehört auf die Liste von Dingen, die niemand gern über sich hört. Schon gar nicht von einem Mann wie Dirk.
Er unterzieht mich einer strengen Musterung: "Wie hoch ist das Fieber denn, hm?"
Ich bewege vage die Hand. Er erwartet eh keine Zahlen. Er will mir nur deutlich machen, wie übel ich aussehe.
Während ich seine Bestellung aus dem Regal fische, wird mir schwindelig. Ich muss mich am Brett festhalten, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Für den Bruchteil einer Sekunde ist mir schwarz vor Augen. Glücklicherweise hat das Regal ein Einsehen mit mir und hält meinem Gewicht stand.
Ich reiche das Buch an Maren weiter, die es mit einem erschöpften Lächeln entgegen nimmt. Es ist eigenartig. Ihre Sommersprossen scheinen mir heute zahlreicher als sonst. Meine Wahrnehmung ist trüb und gleichzeitig selten scharf.
Ich schäme mich ein bisschen vor Dirk. Jeder wird krank. Aber nicht jeder sieht dabei aus wie ein aufgeschwemmter Champignon. Ich schon.
"Hast du bald Feierabend? Das ist ja nicht mitanzusehen. Du gehörst ins Bett", sagt Dirk leise, während er mir seine EC-Karte reicht.
"In einer Stunde und 41 Minuten", antwortete ich mechanisch. Gleichzeitig sonne ich mich in seinem Interesse an meiner Person. Vielleicht sollte ich öfter krank werden?
Noch eine Stunde und 40 Minuten, korrigiere ich mich innerlich, als der Betrag abgebucht wird und das EC-Gerät summend die Belege ausspuckt. Maren braucht ein wenig länger. Eigentlich könnte Dirk den Platz vor der Kasse räumen und zu ihr gehen, aber er bleibt stehen und beobachtet mich. Ich bin überrascht, wie mild seine Eispickel-Augen sein können. Schließlich schüttelt er langsam den Kopf, als wäre er zu einem Entschluss gekommen, der ihm nicht gefällt. Unerwartet bietet er mir seine Hand an: "Sieh zu, dass du bald nach Hause kommst, damit sich jemand um dich kümmert."
Ich greife zu. Seine Finger sind wunderbar kühl, sodass ich sie ihm am liebsten klauen und mir auf die Stirn legen würde. Ich denke daran, dass ich gestern Abend meine Mutter angerufen und den Besuch bei meiner Familie abgesagt habe: "Ich fahre heute nicht mehr heim. Nicht bei dem Wetter und mit Fieber."
"Heim?", fragt Dirk verwirrt.
"Zu meinem Clan", erkläre ich. Meine Denkprozesse sind stark verlangsamt. Woher soll Dirk wissen, dass ich Weihnachten in Ermangelung eines festen Partners bei meinen Eltern verbringe?
"Ach so", nickt er und lässt sich von Maren seinen Einkauf geben. Sie hat die Tüte vergessen, aber er scheint sich nicht daran zu stören. Zusammen mit seiner wunderbaren Hand verschwindet das Buch in seiner Manteltasche. "Na wenigstens musst du dir keine Gedanken über fehlende Geschenke machen." Es klingt nicht sarkastisch, eher nach einem Versuch, mich aufzumuntern.
"Hoffentlich freut deine Mutter sich", erwidere ich mit einem schwachen Lächeln. "Ich wünsche dir frohe Weihnachten."
"Ich dir auch. Und gute Besserung."
Es ist ein eigenartiger Abschied. Ich weiß nicht, warum. Er hat etwas Endgültiges, das tief in mein wehleidiges Herzchen schneidet. Jedenfalls ist mir zum Heulen zumute, als er sich abwendet und geht.
Ich hasse Weihnachten.
Leseprobe:
Feuersteine
von Chris P. Rolls
Ihre Augen hatten Aischa gefangengenommen und wollten sie nicht gehen lassen. Dieses besondere Braun zog sie in ihren Bann. Ein warmer Farbton, der Ruhe, Geborgenheit, Sicherheit versprach.
Aischa bemerkte winzige Fältchen an den Augenwinkeln, bewunderte die wundervollen Wimpern, die Tiefe ihrer Augen. Ihr Gesicht war nicht extrem schön, ungeschminkt, die Haut gerötet von der Kälte, ein winziger, gerade verheilter Kratzer am Kinn, schmale Lippen, eine gerade Nase und hellbraunes, weich fallendes Haar.
Sie trug einen warmen Mantel, unter dem verschiedene Stoffschichten zu erkennen waren. Nicht ihrer Farbe, sondern vielmehr ihrer wärmenden Funktion wegen ausgewählt und wenig kleidsam. Bedächtig zog sie ihre dicken, dunkelgrünen Handschuhe aus. Schmale Finger mit kurzen Nägeln kamen zum Vorschein, denen man ansehen konnte, dass sie damit arbeitete und sie nicht in einem Manikürsalon behandeln ließ. Um ihre Beine spielte eine Jeans, die zu weit war, um elegant zu sein. Nichts an ihr war besonders auffällig. Bis auf ihre Augen.
"Können Sie Schönheit erkennen, wenn sie Ihnen begegnet?", fragte sie Frank ernst. Dieser lachte. Mit einer Spur Spott darin - Aischa kannte sein Lachen, welches höflich klang, immer jedoch eine Prise abfällige Häme enthielt. Ihr war nicht zum Lachen zumute. Sie fühlte sich verunsichert, innerlich bebend und zugleich fasziniert.
"Oh schau, Aischa, hier gibt es Steine zu kaufen", bemerkte Frank mit demselben Unterton darin. Er hob einen halbierten Stein hoch und musterte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen. "Wirklich Steine."
Es klang ein wenig ungläubig und Aischa löste ihren Blick von der Verkäuferin und wandte ihn ihrer Ware zu. Frank hielt einen Feuerstein in der Hand. Die typische, weiß-schwarze Kruste umschloss ein dunkel gefärbtes Inneres und erinnerte sie durchaus an einen unbearbeiteten Edelstein.
"Gewöhnliche Steine", ließ Frank verlauten, betrachtete ungeachtet seiner Worte die Auslagen jedoch interessiert. Schmuckanhänger aus geschliffenen Steinen in allen möglichen Größen und Formen lagen auf einer Unterlage aus schwarzem Stoff. Manche waren handtellergroß, andere so klein wie ein Daumennagel. Es gab offensichtlich grob bearbeitete Stücke, deren raue Wellen einem urzeitlichen Werkzeug glichen und viele, die geschliffen und poliert waren.
Aischa staunte über die unterschiedlichen, wunderbaren Muster und entdeckte ständig neue, noch schönere Stücke. Eine Sammlung aus Edelsteinen hätte nicht mehr Verzückung bei ihr auslösen können als diese offensichtlich normalen Feldsteine. Ihr Blick fiel auf einen Anhänger mit braunen Strukturen und im selben Moment legten sich schlanke Finger darum und hoben ihn auf.
Aischa folgte dem Anhänger und sah die Frau an, die ihn lächelnd in der Hand hielt.
"Ein Feuerstein", erklärte sie. "Jahrmillionen vor unserer Zeit entstanden."
"Geschmolzenes Gestein, welches wieder erstarrt ist", erklärte Frank. "Das universelle Werkzeug und die vielseitigste Waffe unserer Vorfahren." Sein Lachen verhallte in den Klängen der Weihnachtsmusik.
Die Frau bedachte ihm mit keinem Blick, lächelte lediglich nachsichtig.
"Die Entstehung von Feuerstein oder Flint ist noch umstritten, aber man geht eher davon aus, dass er durch Ablagerungen von kieselsäurehaltigen Skeletten in den flachen Meeren entstanden ist. Es gibt ihn auf der ganzen Welt und in ganz verschiedenen Farben. Dieser stammt von Helgoland, wo es diese besondere, rotbraune Farbe gibt." Sie öffnete ihre Hand und präsentierte das Schmuckstück darauf.
"Wunderschön", hauchte Aischa. Das feine, rotbraune Muster im Innern schien sie anzusehen, wie ein echtes Auge. Frank schob sich neben sie, betrachtete den Stein neugierig.
"Das ist wirklich ein schönes Stück. Gefällt er dir?"
"Und wie." Aischa streckte die Hand aus und die Verkäuferin ließ ihn hineingleiten. Ihre Finger berührten sich für einen winzigen Moment. Aischas Atem beschleunigte sich, sie wusste nicht warum, ihr Herz pochte jedoch plötzlich schneller in ihrer Brust. Diese schlanken Finger.
Der Stein fühlte sich warm an. Ihre Körperwärme, sie hat ihn in der Hand gehalten, wurde Aischa bewusst. In diesen Fingern. Unerklärlich durchzog sie der sehnsüchtige Gedanke, diese Finger in ihrer Hand, an ihrem Unterarm zu spüren. Sie lächelte und die andere Frau lächelte zurück. Eine Frage? Eine Antwort? Aischa hätte weder das eine noch das andere formulieren können. Zwischen ihnen war etwas, dem sie keine Worte, keinen Namen, nicht einmal ein echtes Gefühl zuordnen konnte.
"Dann kaufe ich ihn dir", durchbrach Frank ihre abschweifenden Gedanken. "So ein schönes Stück gehört um einen schönen Hals." Er kramte nach seiner Brieftasche, während Aischa abwechselnd den Stein und die Frau ansah. Zwischen ihnen schwebte das Lächeln, verband sich mit dem Geruch nach feuchten Tannennadeln, Crepes mit Nutella und Kakao vom Stand gegenüber. Aischa strich mit dem Daumen der anderen Hand über die glatte Oberfläche.
"Ein Stein aus den Tiefen. Er erdet und gibt Halt", erklärte die Verkäuferin mit gesenkter Stimme und Aischa wurde klar, dass diese Worte nur für sie waren. Frank blickte sie fragend an. "Fünfzehn", fügte sie hinzu.
Frank gab ihr einen Zwanzig- Euro-Schein mit den Worten: "Behalten Sie den Rest. Das ist der allemal wert."
Er nahm ihn Aischa ab, öffnete das dünne Lederband und trat hinter sie, um ihr den Stein umzuhängen. Sie neigte den Kopf leicht, als er ihre langen Haare zur Seite strich und ihren Hals entblößte. Es war kaum hörbar, doch Aischa war sich sicher, dass die andere Frau tiefer eingeatmet hatte. Ein feines Geräusch, wenn jemand die Lippen öffnete und die Luft einsog. Der Stein fühlte sich kühl an, als er von ihrer Kehle hinab glitt und auf ihrer Brust zu liegen kam. Glatt, angenehm war das Gefühl auf der Haut, als ob er genau dort hingehören würde.
Aischa lächelte noch jetzt über den Gedanken, der ihr damals gekommen war. Als ob der Stein sein Zuhause gefunden hätte, seine Bestimmung. Sie. Oder sie ihn.
Jemand rempelte sie an, murmelte eine hastige Entschuldigung und sie tauchte endgültig aus ihren Erinnerungen auf. Ihre Hand legte sich automatisch an die Stelle ihres Mantels, unter der der Stein auf ihrer Haut lag. Wann immer sie ins Grübeln geriet, wann immer sie eine dieser besonderen, nachdenklichen Stimmungen hatte, fanden ihre Finger fast von alleine den Weg an dessen glatte Oberfläche.
"Er gibt Halt." Ihre Worte waren ihr seither nicht aus dem Kopf gegangen. Sie auch nicht.
Leseprobe:
Von Rentieren und Ritualen
von Karo Stein (kath74)
"Bleib noch liegen. Ich decke den Frühstückstisch und rufe ich dich!"
Robert drückte mir einen kleinen Kuss auf den Mund und schwang sich aus dem Bett. Wie könnte ich dieses Angebot ablehnen?
Gemütlich zog ich mir die Decke bis zum Kinn und beobachtete, wie er nackt durchs Zimmer lief und sich frische Wäsche aus dem Schrank nahm. Sein Anblick war heiß und verführerisch. Ich mochte seine unglaublich langen und schlanken Beine, die er immer penibel von jedem einzelnen Haar befreite. Sein runder Po, an dem noch eine deutliche Spur des Gleitgels zu sehen war, brachte mich zum Seufzen, erweckte er doch die Erinnerungen an unser heißes Liebesspiel erneut. In meinem Bauch begann es zu kribbeln und allein die Tatsache, dass mein Penis teilnahmslos liegen blieb, zeigte mir, dass ich eindeutig noch nicht einsatzfähig war.
Für Robert gab es keine halben Sachen, schon gar nicht beim Sex. Er war erst zufrieden, wenn auch wirklich nichts mehr ging, wenn er mich sozusagen aller Energie beraubt hatte. Zumindest für eine angemessene Weile.
Und "Energie rauben" war hierbei wortwörtlich zu nehmen. Denn während ich vollkommen schlapp im Bett lag und eigentlich am liebsten die Augen geschlossen hätte, um mindestens bis zum Mittag zu schlafen, war er putzmunter und pfiff fröhlich vor sich hin.
Genau das machte Robert eben aus. Seine unglaubliche Energie, die sich je nach Stimmung in absoluter Fröhlichkeit, grenzenloser Zickigkeit oder, und das war mir am liebsten, in unglaublicher Hingabe äußerte.
Egal wie müde ich mich im Moment auch fühlte, ich konnte nicht aufhören, seinen Körper zu bewundern, mich an dem Spiel seiner Muskeln zu erfreuen, als er sich streckte, um ein Shirt aus dem oberen Fach unseres Schrankes zu holen.
Manchmal könnte ich tatsächlich ganz machomäßig hier im Bett bleiben und ihn einfach nur beobachten, mir mein Essen bringen lassen und in regelmäßigen Abständen seinen heißen Körper unter mir fühlen .
"Ich kann deine Gedanken bis hierher hören!", sagte er, drehte sich um und grinste mich dabei verführerisch an.
Natürlich liebte ich auch seine Vorderseite. Seine Brust war flach, dennoch verbargen sich darunter durchaus gut trainierte Muskeln. Sein langer Hals, der so wunderbar empfindlich war. Und nicht zu vergessen sein Penis, den Robert leider gerade hinter einer Boxershorts versteckte. Ich schluckte, als ich nur daran dachte, wie samtig er sich in meinen Händen anfühlte, wie sehr ich es liebte, ihn in den Mund zu nehmen und Robert damit dieses kehlige Stöhnen zu entlocken.
"Micha, du brennst mit deinen Augen Löcher in die Shorts!", maulte er und kam zu mir ans Bett. "Ich dachte, du wärst befriedigt!"
"Das bin ich auch. sehr sogar. Allerdings ist dein Anblick heiß und da kann ich meine Augen einfach nicht abwenden!", schnurrte ich und griff nach seinem Arm, um ihn zu mir herunter zu ziehen.
"Heiß, hmmm?", grinste er und beugte sich tatsächlich über mich.
"Ja, sehr, sehr heiß!"
Ich legte meine Arme um seinen Hals und verstärkte den Druck, bis sein Gesicht dicht vor meinem war.
"Ich kriege einfach nicht genug von dir!", murmelte ich gegen seine Lippen und küsste ihn. Seufzend erwiderte Robert den Kuss und ließ sich auf mich fallen. Spielerisch glitt meine Zunge über seine Lippen, bis sich sein Mund öffnete und mich einließ. Meine Hände wuschelten durch seine Haare. Ich stand drauf, dass er sie etwas länger trug. Ich mochte sogar die hellblonden Strähnen, die er sich vor kurzen hatte ziehen lassen. Auch wenn ich am Anfang nicht besonders begeistert davon war. Ich musste es zugeben: Die Strähnen standen ihm ganz hervorragend.
Genüsslich wickelte ich seine Haare um meine Finger, während meine Zunge seine suchte. Es war kein gieriger Kuss, kein Kuss, der ein eindeutiges Ziel hatte. Nein, es war eher ein zahmes Spiel, die richtige Mischung aus Vertrauen und Verlangen, süß und verheißungsvoll.
Als wir unsere Lippen voneinander trennten, sah mich Robert mit leuchtenden Augen an.
"Du kriegst tatsächlich nie genug!", hauchte er atemlos und ich schüttelte den Kopf. "Nicht von dir!"
"Hmm, der Sonntag ist ja noch lang, erst einmal habe ich Hunger und will frühstücken! Was ist mit dir?" Robert machte Anstalten, sich zu erheben und ich ließ ihn los.
"Gegen eine Tasse Kaffee hätte ich nichts einzuwenden . Ja, die wäre gar nicht schlecht!", seufzte ich und schloss die Augen.
"Sag ich doch. Zuerst frühstücken und ich habe ja auch noch eine Überraschung für dich!" Er ging zur Tür, öffnete sie ein Stück und drehte sich noch einmal zu mir um. "Und du bleibst schön, wo du bist, bis ich dich rufe!"
"Ich kann es kaum erwarten! Ich liebe Überraschungen ja bekanntlich über alles!"
Robert sah mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an und ich fing an zu lachen. Natürlich wusste er, dass ich Überraschungen nicht besonders leiden konnte. Ganz im Gegenteil, ich hasste es, mich auf Kommando über irgendetwas freuen zu müssen, das ich eigentlich gar nicht haben wollte. Nein, ich hielt nicht viel von Überraschungen. Ich vertraute Robert, denn bis jetzt hatte er ein erstaunlich gutes Gespür für mich, für das, was ich mag und vor allem für das, was unsere Beziehung ausmachte.
Obwohl ich die Worte wirklich ehrlich gemeint hatte, wusste er natürlich, wie ich darüber dachte.
Wir hatten schon die ein oder andere Diskussion deswegen und immer endete sie so wie jetzt: Die Tür flog mit einem lauten Knall ins Schloss! Er konnte so unglaublich zickig sein. Selbst das gefiel mir an ihm. Es schlug mich erstaunlicherweise nicht in die Flucht, so wie sonst immer. Nein, ich liebte auch diese Seite an ihm. Denn sie war nur eine von vielen Facetten, die Robert besaß. Und ich wusste nicht genau, wieso, aber sie passte so gut zu ihm und er. Er passte nahezu perfekt zu mir.
Leseprobe:
Mit Plätzchen fängt man Engel ein
von Nico Morleen (Zoya)
Verwirrt blinzelte Blake Norman in die Dunkelheit seines Zimmers, bevor sein Blick auf den Wecker fiel. Drei Uhr morgens? Warum, zum Teufel, war er nach drei Stunden Schlaf schon wieder.
Sein Kopf war mit einem Mal leer, sein Herz beschleunigte, bis das Blut in seinen Ohren rauschte. Angestrengt lauschte er, das Ticken seines Weckers klang gespenstisch laut und fast glaubte er, es sich nur eingebildet zu haben, beduselt vom Schlaf, als das Geräusch erneut erklang.
Ein leises Scheppern, das Blake nicht einzuordnen wusste, aber eindeutig von nebenan kam - aus der Küche.
Fahrig tastete er nach seinem Handy und zögerte. Sollte er wirklich die Polizei alarmieren? Was, wenn er nur vergessen hatte, das Fenster zu schließen und ihm lediglich das Biest, welches sein Nachbar als Katze bezeichnete, einen Besuch abstattete?
Und was, wenn es der nette Serienkiller mit dem Hang zu ahnungslosen Studenten ist?, wisperte ein sehr verängstigtes Stimmchen in seinem Hinterkopf.
So unwahrscheinlich Letzteres auch war und er sich viel eher zum vollkommenen Deppen machen würde, wählte er die drei Ziffern der Gesetzeshüter, um der Frau am anderen Ende der Leitung flüsternd zu berichten, dass er eigenartige Geräusche hörte. Diese wies ihn pragmatisch an, zu bleiben, wo er war, die Kollegen seien auf dem Weg und er solle um Himmels willen nicht den Helden spielen.
Automatisch kroch Blake ein wenig näher zur Wand. Für wie blöd hielt die ihn denn? Sekunden, nachdem er das Telefonat beendet hatte, kamen ihm allerdings Zweifel. Was, wenn es wirklich nur die Katze war?
Erneut lauschte er. Alles war ruhig. Wider besseres Wissen stand er leise auf, überlegte kurz und schnappte sich seinen Eishockeyschläger.
Wenn der 'ne Knarre hat, lacht der sich schlapp, verhöhnte ihn das Stimmchen nun schon mutiger.
Er ignorierte es wie zuvor und schlich die paar Schritte über den Flur, nur um sich sofort dafür zu verfluchen. Er hätte in seinem Schlafzimmer bleiben und sich unter dem Bett oder im Schrank verstecken sollen, denn wenn das Mistvieh nicht inzwischen gelernt hatte, das Licht einzuschalten, handelte es sich bei seinem nächtlichen Besucher doch um den Serienkiller. Aber seit wann machten die Licht?
Diese Vorgehensweise erschien ihm auch für einen Einbrecher recht sonderbar, und da einer seiner leuchtendsten Charaktereigenschaften, wie sein Vater es immer nannte, verdammte Neugierde war, konnte er es nicht lassen, um die Ecke zu spähen. Einen Wimpernschlag später glaubte er, ihm selbst habe man den Hockeyschläger übergezogen.
Fassungslos und mit offenem Mund starrte Blake auf das, was einmal seine Küche gewesen war und jetzt aussah wie nach einem Bombeneinschlag. Scheinbar all seine Schüsseln, Löffel, Ausstechförmchen, Rührbesen und Bleche war herausgeholt worden und mit diversen Substanzen gefüllt oder beschmiert. Zudem war der halbe Inhalt seines Vorratsschranks auf der Arbeitsfläche verteilt, der andere Teil hatte es sich auf dem Fußboden bequem gemacht.
"Was zum Teufel. ", entfuhr es ihm und erschreckte damit nicht nur sich, sondern auch den rothaarigen Mann, der sich gerade über seinen Küchentisch beugte und. Plätzchenteig ausrollte? Was war denn das für ein schräger Einbrecher?
Dieser blickte ihn nun mit teigverklebten Händen und Mehl auf den sommersprossigen Wangen an, bevor er einen Schritt auf ihn zu machte. Sofort hob Blake den Hockeyschläger und brachte ihn damit zum Stehen.
"Ich warne dich, bleib ja, wo du bist. Die Bullen kommen auch gleich!", knurrte Blake und funkelte den Eindringling, wie er hoffte, gefährlich an. Wobei die Boxershorts mit den gelben Quietscheenten diesem Eindruck sicherlich einen kleinen Abbruch bescherten, aber immerhin war er bewaffnet und außer dem Nudelholz lag bei dem Typen nichts Gefährliches in Greifweite.
Der junge Mann lieferte sich mit dem Einbrecher ein Duell mit einem Hockeyschläger und Nudelholz.
Er sah die Schlagzeile schon vor sich. Allerdings stellte er sich diese Szene besser nicht vor, er wusste im Moment sowieso nicht, ob er lieber lachen oder weinen sollte, und ein hysterischer Lachanfall wäre sicherlich nicht unbedingt hilfreich. Diese ganze Situation war so absurd, dass er ernsthaft in Erwägung zog, noch zu träumen. Das konnte einfach nicht die Realität sein!
Wer brach schon in ein Haus ein, um die Küche auf den Kopf zu stellen und zu backen? Okay, auch das wollte er sich nicht vorstellen, denn dieser Jemand musste einen gehörigen Sprung in der Schüssel haben, und die waren bekanntlich die gefährlichsten.
"Oh, ich ähm. ich also.", stammelte der Fremde, wischte sich mit dem Handrücken einige wellige Haare aus der Stirn und verpasste dieser somit ebenfalls eine Mehlschicht.
"Was zum Teufel. ", wiederholte Blake und zuckte zusammen, als plötzlich die Eieruhr schrillte.
"Die . die Plätzchen sind fertig", murmelte der Mann, sah zuerst zum Backofen und dann ihn erwartungsvoll an. Glaubte der Kerl ernsthaft, dass er ihn auch nur in die Nähe des Ofens ließ? Hinterher pfefferte der ihm noch das heiße Blech um die Ohren!
"Bleib ja, wo du bist", zischte er daher, machte einen Schritt in den Raum und tastete nach dem Knopf für den Backofen, um diesen auszuschalten. Danach, den Schläger weiterhin auf den Typen gerichtet, schaute er sich erneut um. "Was soll das hier?"
"Ich. ich backe", kam die kleinlaute Antwort.
"Das sehe ich", schnaubte Blake. "Aber, warum zum Teufel, tust du das in meiner Küche?"
Leseprobe:
Weihnachtsmann zu verschenken
von Isabel Shtar
"Warst du denn auch ein braver Junge?", fragte er ihn übertrieben polterig.
Judas nutzte die Gunst der Stunde und setzte sich ungeniert auf den Schoss des anderen. Während ihre zahlreicher werdenden Zuschauer über seine Frechheit lachten, erstarrte der Verkleidete für einen Herzschlag, bevor er sich wieder fing.
Tja, niemand legte sich ungestraft mit einem Judas Steinhöffer an, da war er ganz Sohn seiner Mutter. Seines Vaters wohl auch, der war Medienanwalt und auch nicht gerade für seine Friedfertigkeit bekannt, aber an den wollte er jetzt nicht denken. Jetzt war Showtime, High Noon im Wilden Westen des Weihnachtsverkaufes. Und hier kannte ihn ja keiner, hier konnte er das. Eigentlich war er im Alltag, wenn er ganz ehrlich mit sich war, ein eher zurückhaltender Mensch, aber ab und an platzte ihm der Kragen und das, was unter der Oberfläche lauerte, purzelte hinaus.
Er nickte fleißig auf die Frage hin und ratterte hingebungsvoll herunter: "Sicher war ich brav. Ich habe meine Hausaufgaben ordentlich gemacht, zu jeder Verabredung war ich pünktlich, wusch mich jeden Morgen - auch hinter den Ohren! - habe nicht gelogen, nicht gestohlen, bin mit dem Nachbarshund Gassi gegangen, habe meiner Mama den Smart geputzt und bin jeden Abend früh ins Bett."
"Sehr brav!", lachte der andere. "Ho, ho, ho! Und wie heißt du, mein Kleiner?", fragte er ihn und klopfte ihm anerkennend auf die Schulter.
"Judas", lächelte er scheinheilig. Das Publikum stutzte leicht, sein Kidnapper nicht weniger.
"Judas?", stammelte er. "Das ist ja. ein. außergewöhnlicher Name.?"
"Weihnachtsmann" ist aber auch nicht viel besser. Oder viel christlicher", wies Judas ihn freundlich hin und machte seine Augen so rund wie möglich. Der Typ unter ihm war ein junger Mann, ein Student vermutlich, diese dämliche Scharade war ja ein klassischer Studentenjob. Unter den lächerlichen Klamotten ließ sich ein schlanker, kräftiger Körper erahnen, die grünlichen Augen hatten den Glanz der Jugend noch nicht verloren.
Er lachte unter seinem etwas räudigen, falschen Bart und schlug vor: "Einigen wir uns auf ein Unentschieden."
"Okay, Weihnachtsmann", pflichtete er ihm bei und sah zu, sich auf seiner lebendigen Sitzunterlage ein wenig breiter zu machen. Wann kam er schon zu dem Vergnügen? Selten genug bis gar nicht.
Er war wohl einfach nicht der geborene Aufreißer. Außerdem ließen ihn die Türsteher einschlägiger Clubs selten ein, da sie dachten, sein Ausweis sei gefälscht. Hatten schon mal welche deswegen die Polizei gerufen - das war kein Spaß gewesen. Und selbst, wenn er es bis rein schaffte - was dann? Er studierte Latein und Mathematik auf Lehramt, das disqualifizierte ziemlich als Partykracher - außerdem wollte natürlich keiner etwas von dem minderjährigen Bubi, der er ärgerlicherweise schon seit mehreren Jahren nicht mehr war.
"Darf ich mir jetzt etwas wünschen?", bohrte er.
"Na ja", bremste ihn der "Weihnachtsmann" und schien unter seiner Gesichtsverschandlung zu grinsen. "Eigentlich ist jetzt ein Gedicht fällig. Oder ein Lied."
"Oh", grübelte Judas demonstrativ und musterte ihn sinnend. Wirklich hübsche Augen, die der da hatte - doch wahrscheinlich sah der versteckte Rest zum Kotzen aus. Aber man tat sich einen großen Gefallen, wenn man diese Möglichkeit nach bestem Vermögen ausblendete. Wenn die Realität nichts taugte, war Selbstbetrug manchmal die bessere Alternative. Könnte ja auch sein, dass der unter seiner Zipfelmützen-Verkleidung der absolute Kracher war. Einfach fleißig daran glauben. war schließlich Weihnachten.
"Also singen kann ich nicht", gestand er. "Aber ich könnte etwas dichten? Über. Weihnachten und was ich mir wünsche?"
"Wow! Äh . Ho! Ho! Ho! Da bin ich ja mal sehr gespannt, kleiner Judas!", ermunterte ihn der maskierte Weihnachtsscherge und legte ihm jovial die Hand noch fester auf die Schulter.
Judas nutzte die Chance und rutschte ein weiteres Stückchen zurück.
Er konzentrierte sich, verstärkte sein falsch-klebriges Lächeln, holte tief Luft und begann:
"Lieber, guter Weihnachtsmann,
Nimm mich bitte tierisch ran.
Denn der kleine Judas hier,
Hätte gerne einen Stier.
Nicht mit Hörnern und 'nem Kranz,
Lieber mit 'nem fetten Schwanz.
Sonst muss ich leider überwintern
Weiterhin mit keuschem Hintern.
Also lieber Weihnachtsmann,
Schick mir bitte einen Mann."
Die Zuhörer glotzten mit offenen Mündern. Dann begannen einige zu pöbeln, andere zu lachen. Die Hand des Weihnachtsmannes lag schlaff auf seiner Schulter.
"Was. was soll das denn?", stammelte er.
"Du hast gefragt", erwiderte Judas, drehte sich zu ihm um und bedachte ihn mit einem Unschuldsblick. "Kriege ich jetzt meinen Kerl? Wo ist doch so brav war?"
"Du. wie alt bist du.?", versuchte sich der Mützenträger zu sammeln.
"Zweiundzwanzig", erwiderte Judas würdevoll. Dann konnte er sich nicht mehr halten und prustete los vor Lachen. "Tja, falls es dich tröstet, du bist nicht der Erste, der auf mein Aussehen reingefallen wäre. Kriege ich zur Strafe jetzt eins mit deiner Rute? Bitte, bitte.", spottete er.
"Äh.?", brabbelte der Überfahrene nur unkoordiniert.
Mit leichtem Bedauern erhob sich Judas wieder von seiner kuscheligen Sitzgelegenheit.
"Ach", seufzte er. "Irgendwie hat das trotzdem meine Stimmung etwas verbessert. Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, ich brauche noch ein Geschenk für meine leicht exzentrische Mutter. Gutes Schaffen dir noch!"
"Öh . danke", erwiderte der Geschundene etwas schwächlich. "Und. viel Glück mit deinem Kerl."
"Ich erwarte die Lieferung heute Abend pünktlich unterm nicht vorhandenen Weihnachtsbaum!", stellte Judas klar. "Wehe, wenn nicht. Sonst verliere ich noch meinen Glauben an den Weihnachtsmann. Und das wäre doch tragisch. in meinem Alter."
Ich hörte, wie die Dusche im Bad anging, und machte es mir im Bett noch einmal bequem. Es würde wohl noch eine Weile dauern, bis er mich zum Frühstück rufen würde.
Definitionssache
von Raik Thorstad
24. Dezember
Freunde, es geht mir schlecht.
Mein Körper weiß, dass in zwei Stunden Feierabend ist. Die Bakterien und Viren laden zum gemütlichen Kuscheln in den Ruinen meines Immunsystems ein. Die Nacht war ein Albtraum. Wer nicht durch die Nase atmen kann, hat einen trockenen Mund. Wer einen trockenen Mund hat, muss trinken. Wer niemanden hat, der die Wasserflaschen auswechselt, muss selbst aufstehen. Aber das macht nichts, weil man eh dauernd pinkeln muss. Dazu der Tanz mit der abwechselnd zu warmen oder zu kalten, da verschwitzten Bettdecke, der Wiegeschritt zwischen Schüttelfrost und Verglühen.
Ich habe nicht geschlafen, nicht gefrühstückt und kann knapp 39 Grad Fieber aufweisen. Mein Hals ist geschwollen und Husten schmerzt in der Brust.
Ich kann nicht mehr. Ich weiß, das habe ich gestern auch schon gesagt. Aber heute ist es wirklich schlimm um mich bestellt.
Ein Wort zum Thema kranke Männer: Ja, wir sind viel empfindlicher als die weibliche Hälfte der Bevölkerung, die sich tapfer durch PMS und Schwangerschaften schlägt. Wir sind Jammerlappen. Wir markieren den unerschütterlichen Hengst, und sobald wir eine verstopfte Nase haben, liegen wir stöhnend auf dem Sofa und wollen unser Testament aufsetzen. Natürlich ist das von außen betrachtet lächerlich. Aber das ändert nichts daran, dass es uns dreckig geht und wir Schmerzen und Krankheit weitaus schlechter erdulden können als unsere Schwestern, Mütter und Töchter. Warum die Natur das auf diese Weise eingerichtet hat, ist mir ehrlich gesagt egal. Ich weiß nur, dass ich in mein Bett will. Punkt.
Der einzige Grund, warum ich nicht das Handtuch schmeiße, ist, dass wir uns alle wie Schlafwandler durch das Geschäft bewegen. Selbst Maren ist geblieben, obwohl sie kaum noch etwas hört. Mittelohrentzündung nehme ich an. Sie packt Geschenke ein, ich kassiere. Es ist die Hölle auf Erden und hat mit Weihnachten so viel gemein wie ich mit einem Pantoffeltierchen.
Mir ist nicht einmal die Energie geblieben, mich über Last-Minute-Kunden aufzuregen. Meine Müdigkeit hat einen Punkt erreicht, an dem ich mich wie auf Wolken bewege. Ab und an pikst es in meinem Kopf und mir wird bewusst, dass ich so ausgelaugt bin, dass es schmerzt. Dann kehrt die Watte an ihren Platz zurück und ich schwebe mit ihr durch den Morgen des Heiligabends.
Es ist 12.34 Uhr, als Dirk kommt, um das Buch für seine Mutter abzuholen. Ich weiß es auf die Minute genau, da ich meine Armbanduhr nicht aus den Augen lasse. Sie liegt auf dem Kassentisch neben dem Plätzchenkorb, den eine gute Kundin uns als Dankeschön vorbeigebracht hat, weil wir. ich schweife ab.
Sogar Dirks Erscheinen ist mir nahezu gleichgültig, was viel über meinen gesundheitlichen Zustand aussagt. Ich freue mich für ihn, dass Kati ihr Versprechen wahrgemacht hat. Doch hier und heute ist er in erster Linie ein Kunde, für den ich meine bleischweren Finger an den Scanner heben muss.
"Wow, du siehst ja beschissen aus", haut er mir um die Ohren. Dieser Satz gehört auf die Liste von Dingen, die niemand gern über sich hört. Schon gar nicht von einem Mann wie Dirk.
Er unterzieht mich einer strengen Musterung: "Wie hoch ist das Fieber denn, hm?"
Ich bewege vage die Hand. Er erwartet eh keine Zahlen. Er will mir nur deutlich machen, wie übel ich aussehe.
Während ich seine Bestellung aus dem Regal fische, wird mir schwindelig. Ich muss mich am Brett festhalten, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Für den Bruchteil einer Sekunde ist mir schwarz vor Augen. Glücklicherweise hat das Regal ein Einsehen mit mir und hält meinem Gewicht stand.
Ich reiche das Buch an Maren weiter, die es mit einem erschöpften Lächeln entgegen nimmt. Es ist eigenartig. Ihre Sommersprossen scheinen mir heute zahlreicher als sonst. Meine Wahrnehmung ist trüb und gleichzeitig selten scharf.
Ich schäme mich ein bisschen vor Dirk. Jeder wird krank. Aber nicht jeder sieht dabei aus wie ein aufgeschwemmter Champignon. Ich schon.
"Hast du bald Feierabend? Das ist ja nicht mitanzusehen. Du gehörst ins Bett", sagt Dirk leise, während er mir seine EC-Karte reicht.
"In einer Stunde und 41 Minuten", antwortete ich mechanisch. Gleichzeitig sonne ich mich in seinem Interesse an meiner Person. Vielleicht sollte ich öfter krank werden?
Noch eine Stunde und 40 Minuten, korrigiere ich mich innerlich, als der Betrag abgebucht wird und das EC-Gerät summend die Belege ausspuckt. Maren braucht ein wenig länger. Eigentlich könnte Dirk den Platz vor der Kasse räumen und zu ihr gehen, aber er bleibt stehen und beobachtet mich. Ich bin überrascht, wie mild seine Eispickel-Augen sein können. Schließlich schüttelt er langsam den Kopf, als wäre er zu einem Entschluss gekommen, der ihm nicht gefällt. Unerwartet bietet er mir seine Hand an: "Sieh zu, dass du bald nach Hause kommst, damit sich jemand um dich kümmert."
Ich greife zu. Seine Finger sind wunderbar kühl, sodass ich sie ihm am liebsten klauen und mir auf die Stirn legen würde. Ich denke daran, dass ich gestern Abend meine Mutter angerufen und den Besuch bei meiner Familie abgesagt habe: "Ich fahre heute nicht mehr heim. Nicht bei dem Wetter und mit Fieber."
"Heim?", fragt Dirk verwirrt.
"Zu meinem Clan", erkläre ich. Meine Denkprozesse sind stark verlangsamt. Woher soll Dirk wissen, dass ich Weihnachten in Ermangelung eines festen Partners bei meinen Eltern verbringe?
"Ach so", nickt er und lässt sich von Maren seinen Einkauf geben. Sie hat die Tüte vergessen, aber er scheint sich nicht daran zu stören. Zusammen mit seiner wunderbaren Hand verschwindet das Buch in seiner Manteltasche. "Na wenigstens musst du dir keine Gedanken über fehlende Geschenke machen." Es klingt nicht sarkastisch, eher nach einem Versuch, mich aufzumuntern.
"Hoffentlich freut deine Mutter sich", erwidere ich mit einem schwachen Lächeln. "Ich wünsche dir frohe Weihnachten."
"Ich dir auch. Und gute Besserung."
Es ist ein eigenartiger Abschied. Ich weiß nicht, warum. Er hat etwas Endgültiges, das tief in mein wehleidiges Herzchen schneidet. Jedenfalls ist mir zum Heulen zumute, als er sich abwendet und geht.
Ich hasse Weihnachten.
Leseprobe:
Feuersteine
von Chris P. Rolls
Ihre Augen hatten Aischa gefangengenommen und wollten sie nicht gehen lassen. Dieses besondere Braun zog sie in ihren Bann. Ein warmer Farbton, der Ruhe, Geborgenheit, Sicherheit versprach.
Aischa bemerkte winzige Fältchen an den Augenwinkeln, bewunderte die wundervollen Wimpern, die Tiefe ihrer Augen. Ihr Gesicht war nicht extrem schön, ungeschminkt, die Haut gerötet von der Kälte, ein winziger, gerade verheilter Kratzer am Kinn, schmale Lippen, eine gerade Nase und hellbraunes, weich fallendes Haar.
Sie trug einen warmen Mantel, unter dem verschiedene Stoffschichten zu erkennen waren. Nicht ihrer Farbe, sondern vielmehr ihrer wärmenden Funktion wegen ausgewählt und wenig kleidsam. Bedächtig zog sie ihre dicken, dunkelgrünen Handschuhe aus. Schmale Finger mit kurzen Nägeln kamen zum Vorschein, denen man ansehen konnte, dass sie damit arbeitete und sie nicht in einem Manikürsalon behandeln ließ. Um ihre Beine spielte eine Jeans, die zu weit war, um elegant zu sein. Nichts an ihr war besonders auffällig. Bis auf ihre Augen.
"Können Sie Schönheit erkennen, wenn sie Ihnen begegnet?", fragte sie Frank ernst. Dieser lachte. Mit einer Spur Spott darin - Aischa kannte sein Lachen, welches höflich klang, immer jedoch eine Prise abfällige Häme enthielt. Ihr war nicht zum Lachen zumute. Sie fühlte sich verunsichert, innerlich bebend und zugleich fasziniert.
"Oh schau, Aischa, hier gibt es Steine zu kaufen", bemerkte Frank mit demselben Unterton darin. Er hob einen halbierten Stein hoch und musterte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen. "Wirklich Steine."
Es klang ein wenig ungläubig und Aischa löste ihren Blick von der Verkäuferin und wandte ihn ihrer Ware zu. Frank hielt einen Feuerstein in der Hand. Die typische, weiß-schwarze Kruste umschloss ein dunkel gefärbtes Inneres und erinnerte sie durchaus an einen unbearbeiteten Edelstein.
"Gewöhnliche Steine", ließ Frank verlauten, betrachtete ungeachtet seiner Worte die Auslagen jedoch interessiert. Schmuckanhänger aus geschliffenen Steinen in allen möglichen Größen und Formen lagen auf einer Unterlage aus schwarzem Stoff. Manche waren handtellergroß, andere so klein wie ein Daumennagel. Es gab offensichtlich grob bearbeitete Stücke, deren raue Wellen einem urzeitlichen Werkzeug glichen und viele, die geschliffen und poliert waren.
Aischa staunte über die unterschiedlichen, wunderbaren Muster und entdeckte ständig neue, noch schönere Stücke. Eine Sammlung aus Edelsteinen hätte nicht mehr Verzückung bei ihr auslösen können als diese offensichtlich normalen Feldsteine. Ihr Blick fiel auf einen Anhänger mit braunen Strukturen und im selben Moment legten sich schlanke Finger darum und hoben ihn auf.
Aischa folgte dem Anhänger und sah die Frau an, die ihn lächelnd in der Hand hielt.
"Ein Feuerstein", erklärte sie. "Jahrmillionen vor unserer Zeit entstanden."
"Geschmolzenes Gestein, welches wieder erstarrt ist", erklärte Frank. "Das universelle Werkzeug und die vielseitigste Waffe unserer Vorfahren." Sein Lachen verhallte in den Klängen der Weihnachtsmusik.
Die Frau bedachte ihm mit keinem Blick, lächelte lediglich nachsichtig.
"Die Entstehung von Feuerstein oder Flint ist noch umstritten, aber man geht eher davon aus, dass er durch Ablagerungen von kieselsäurehaltigen Skeletten in den flachen Meeren entstanden ist. Es gibt ihn auf der ganzen Welt und in ganz verschiedenen Farben. Dieser stammt von Helgoland, wo es diese besondere, rotbraune Farbe gibt." Sie öffnete ihre Hand und präsentierte das Schmuckstück darauf.
"Wunderschön", hauchte Aischa. Das feine, rotbraune Muster im Innern schien sie anzusehen, wie ein echtes Auge. Frank schob sich neben sie, betrachtete den Stein neugierig.
"Das ist wirklich ein schönes Stück. Gefällt er dir?"
"Und wie." Aischa streckte die Hand aus und die Verkäuferin ließ ihn hineingleiten. Ihre Finger berührten sich für einen winzigen Moment. Aischas Atem beschleunigte sich, sie wusste nicht warum, ihr Herz pochte jedoch plötzlich schneller in ihrer Brust. Diese schlanken Finger.
Der Stein fühlte sich warm an. Ihre Körperwärme, sie hat ihn in der Hand gehalten, wurde Aischa bewusst. In diesen Fingern. Unerklärlich durchzog sie der sehnsüchtige Gedanke, diese Finger in ihrer Hand, an ihrem Unterarm zu spüren. Sie lächelte und die andere Frau lächelte zurück. Eine Frage? Eine Antwort? Aischa hätte weder das eine noch das andere formulieren können. Zwischen ihnen war etwas, dem sie keine Worte, keinen Namen, nicht einmal ein echtes Gefühl zuordnen konnte.
"Dann kaufe ich ihn dir", durchbrach Frank ihre abschweifenden Gedanken. "So ein schönes Stück gehört um einen schönen Hals." Er kramte nach seiner Brieftasche, während Aischa abwechselnd den Stein und die Frau ansah. Zwischen ihnen schwebte das Lächeln, verband sich mit dem Geruch nach feuchten Tannennadeln, Crepes mit Nutella und Kakao vom Stand gegenüber. Aischa strich mit dem Daumen der anderen Hand über die glatte Oberfläche.
"Ein Stein aus den Tiefen. Er erdet und gibt Halt", erklärte die Verkäuferin mit gesenkter Stimme und Aischa wurde klar, dass diese Worte nur für sie waren. Frank blickte sie fragend an. "Fünfzehn", fügte sie hinzu.
Frank gab ihr einen Zwanzig- Euro-Schein mit den Worten: "Behalten Sie den Rest. Das ist der allemal wert."
Er nahm ihn Aischa ab, öffnete das dünne Lederband und trat hinter sie, um ihr den Stein umzuhängen. Sie neigte den Kopf leicht, als er ihre langen Haare zur Seite strich und ihren Hals entblößte. Es war kaum hörbar, doch Aischa war sich sicher, dass die andere Frau tiefer eingeatmet hatte. Ein feines Geräusch, wenn jemand die Lippen öffnete und die Luft einsog. Der Stein fühlte sich kühl an, als er von ihrer Kehle hinab glitt und auf ihrer Brust zu liegen kam. Glatt, angenehm war das Gefühl auf der Haut, als ob er genau dort hingehören würde.
Aischa lächelte noch jetzt über den Gedanken, der ihr damals gekommen war. Als ob der Stein sein Zuhause gefunden hätte, seine Bestimmung. Sie. Oder sie ihn.
Jemand rempelte sie an, murmelte eine hastige Entschuldigung und sie tauchte endgültig aus ihren Erinnerungen auf. Ihre Hand legte sich automatisch an die Stelle ihres Mantels, unter der der Stein auf ihrer Haut lag. Wann immer sie ins Grübeln geriet, wann immer sie eine dieser besonderen, nachdenklichen Stimmungen hatte, fanden ihre Finger fast von alleine den Weg an dessen glatte Oberfläche.
"Er gibt Halt." Ihre Worte waren ihr seither nicht aus dem Kopf gegangen. Sie auch nicht.
Leseprobe:
Von Rentieren und Ritualen
von Karo Stein (kath74)
"Bleib noch liegen. Ich decke den Frühstückstisch und rufe ich dich!"
Robert drückte mir einen kleinen Kuss auf den Mund und schwang sich aus dem Bett. Wie könnte ich dieses Angebot ablehnen?
Gemütlich zog ich mir die Decke bis zum Kinn und beobachtete, wie er nackt durchs Zimmer lief und sich frische Wäsche aus dem Schrank nahm. Sein Anblick war heiß und verführerisch. Ich mochte seine unglaublich langen und schlanken Beine, die er immer penibel von jedem einzelnen Haar befreite. Sein runder Po, an dem noch eine deutliche Spur des Gleitgels zu sehen war, brachte mich zum Seufzen, erweckte er doch die Erinnerungen an unser heißes Liebesspiel erneut. In meinem Bauch begann es zu kribbeln und allein die Tatsache, dass mein Penis teilnahmslos liegen blieb, zeigte mir, dass ich eindeutig noch nicht einsatzfähig war.
Für Robert gab es keine halben Sachen, schon gar nicht beim Sex. Er war erst zufrieden, wenn auch wirklich nichts mehr ging, wenn er mich sozusagen aller Energie beraubt hatte. Zumindest für eine angemessene Weile.
Und "Energie rauben" war hierbei wortwörtlich zu nehmen. Denn während ich vollkommen schlapp im Bett lag und eigentlich am liebsten die Augen geschlossen hätte, um mindestens bis zum Mittag zu schlafen, war er putzmunter und pfiff fröhlich vor sich hin.
Genau das machte Robert eben aus. Seine unglaubliche Energie, die sich je nach Stimmung in absoluter Fröhlichkeit, grenzenloser Zickigkeit oder, und das war mir am liebsten, in unglaublicher Hingabe äußerte.
Egal wie müde ich mich im Moment auch fühlte, ich konnte nicht aufhören, seinen Körper zu bewundern, mich an dem Spiel seiner Muskeln zu erfreuen, als er sich streckte, um ein Shirt aus dem oberen Fach unseres Schrankes zu holen.
Manchmal könnte ich tatsächlich ganz machomäßig hier im Bett bleiben und ihn einfach nur beobachten, mir mein Essen bringen lassen und in regelmäßigen Abständen seinen heißen Körper unter mir fühlen .
"Ich kann deine Gedanken bis hierher hören!", sagte er, drehte sich um und grinste mich dabei verführerisch an.
Natürlich liebte ich auch seine Vorderseite. Seine Brust war flach, dennoch verbargen sich darunter durchaus gut trainierte Muskeln. Sein langer Hals, der so wunderbar empfindlich war. Und nicht zu vergessen sein Penis, den Robert leider gerade hinter einer Boxershorts versteckte. Ich schluckte, als ich nur daran dachte, wie samtig er sich in meinen Händen anfühlte, wie sehr ich es liebte, ihn in den Mund zu nehmen und Robert damit dieses kehlige Stöhnen zu entlocken.
"Micha, du brennst mit deinen Augen Löcher in die Shorts!", maulte er und kam zu mir ans Bett. "Ich dachte, du wärst befriedigt!"
"Das bin ich auch. sehr sogar. Allerdings ist dein Anblick heiß und da kann ich meine Augen einfach nicht abwenden!", schnurrte ich und griff nach seinem Arm, um ihn zu mir herunter zu ziehen.
"Heiß, hmmm?", grinste er und beugte sich tatsächlich über mich.
"Ja, sehr, sehr heiß!"
Ich legte meine Arme um seinen Hals und verstärkte den Druck, bis sein Gesicht dicht vor meinem war.
"Ich kriege einfach nicht genug von dir!", murmelte ich gegen seine Lippen und küsste ihn. Seufzend erwiderte Robert den Kuss und ließ sich auf mich fallen. Spielerisch glitt meine Zunge über seine Lippen, bis sich sein Mund öffnete und mich einließ. Meine Hände wuschelten durch seine Haare. Ich stand drauf, dass er sie etwas länger trug. Ich mochte sogar die hellblonden Strähnen, die er sich vor kurzen hatte ziehen lassen. Auch wenn ich am Anfang nicht besonders begeistert davon war. Ich musste es zugeben: Die Strähnen standen ihm ganz hervorragend.
Genüsslich wickelte ich seine Haare um meine Finger, während meine Zunge seine suchte. Es war kein gieriger Kuss, kein Kuss, der ein eindeutiges Ziel hatte. Nein, es war eher ein zahmes Spiel, die richtige Mischung aus Vertrauen und Verlangen, süß und verheißungsvoll.
Als wir unsere Lippen voneinander trennten, sah mich Robert mit leuchtenden Augen an.
"Du kriegst tatsächlich nie genug!", hauchte er atemlos und ich schüttelte den Kopf. "Nicht von dir!"
"Hmm, der Sonntag ist ja noch lang, erst einmal habe ich Hunger und will frühstücken! Was ist mit dir?" Robert machte Anstalten, sich zu erheben und ich ließ ihn los.
"Gegen eine Tasse Kaffee hätte ich nichts einzuwenden . Ja, die wäre gar nicht schlecht!", seufzte ich und schloss die Augen.
"Sag ich doch. Zuerst frühstücken und ich habe ja auch noch eine Überraschung für dich!" Er ging zur Tür, öffnete sie ein Stück und drehte sich noch einmal zu mir um. "Und du bleibst schön, wo du bist, bis ich dich rufe!"
"Ich kann es kaum erwarten! Ich liebe Überraschungen ja bekanntlich über alles!"
Robert sah mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an und ich fing an zu lachen. Natürlich wusste er, dass ich Überraschungen nicht besonders leiden konnte. Ganz im Gegenteil, ich hasste es, mich auf Kommando über irgendetwas freuen zu müssen, das ich eigentlich gar nicht haben wollte. Nein, ich hielt nicht viel von Überraschungen. Ich vertraute Robert, denn bis jetzt hatte er ein erstaunlich gutes Gespür für mich, für das, was ich mag und vor allem für das, was unsere Beziehung ausmachte.
Obwohl ich die Worte wirklich ehrlich gemeint hatte, wusste er natürlich, wie ich darüber dachte.
Wir hatten schon die ein oder andere Diskussion deswegen und immer endete sie so wie jetzt: Die Tür flog mit einem lauten Knall ins Schloss! Er konnte so unglaublich zickig sein. Selbst das gefiel mir an ihm. Es schlug mich erstaunlicherweise nicht in die Flucht, so wie sonst immer. Nein, ich liebte auch diese Seite an ihm. Denn sie war nur eine von vielen Facetten, die Robert besaß. Und ich wusste nicht genau, wieso, aber sie passte so gut zu ihm und er. Er passte nahezu perfekt zu mir.
Leseprobe:
Mit Plätzchen fängt man Engel ein
von Nico Morleen (Zoya)
Verwirrt blinzelte Blake Norman in die Dunkelheit seines Zimmers, bevor sein Blick auf den Wecker fiel. Drei Uhr morgens? Warum, zum Teufel, war er nach drei Stunden Schlaf schon wieder.
Sein Kopf war mit einem Mal leer, sein Herz beschleunigte, bis das Blut in seinen Ohren rauschte. Angestrengt lauschte er, das Ticken seines Weckers klang gespenstisch laut und fast glaubte er, es sich nur eingebildet zu haben, beduselt vom Schlaf, als das Geräusch erneut erklang.
Ein leises Scheppern, das Blake nicht einzuordnen wusste, aber eindeutig von nebenan kam - aus der Küche.
Fahrig tastete er nach seinem Handy und zögerte. Sollte er wirklich die Polizei alarmieren? Was, wenn er nur vergessen hatte, das Fenster zu schließen und ihm lediglich das Biest, welches sein Nachbar als Katze bezeichnete, einen Besuch abstattete?
Und was, wenn es der nette Serienkiller mit dem Hang zu ahnungslosen Studenten ist?, wisperte ein sehr verängstigtes Stimmchen in seinem Hinterkopf.
So unwahrscheinlich Letzteres auch war und er sich viel eher zum vollkommenen Deppen machen würde, wählte er die drei Ziffern der Gesetzeshüter, um der Frau am anderen Ende der Leitung flüsternd zu berichten, dass er eigenartige Geräusche hörte. Diese wies ihn pragmatisch an, zu bleiben, wo er war, die Kollegen seien auf dem Weg und er solle um Himmels willen nicht den Helden spielen.
Automatisch kroch Blake ein wenig näher zur Wand. Für wie blöd hielt die ihn denn? Sekunden, nachdem er das Telefonat beendet hatte, kamen ihm allerdings Zweifel. Was, wenn es wirklich nur die Katze war?
Erneut lauschte er. Alles war ruhig. Wider besseres Wissen stand er leise auf, überlegte kurz und schnappte sich seinen Eishockeyschläger.
Wenn der 'ne Knarre hat, lacht der sich schlapp, verhöhnte ihn das Stimmchen nun schon mutiger.
Er ignorierte es wie zuvor und schlich die paar Schritte über den Flur, nur um sich sofort dafür zu verfluchen. Er hätte in seinem Schlafzimmer bleiben und sich unter dem Bett oder im Schrank verstecken sollen, denn wenn das Mistvieh nicht inzwischen gelernt hatte, das Licht einzuschalten, handelte es sich bei seinem nächtlichen Besucher doch um den Serienkiller. Aber seit wann machten die Licht?
Diese Vorgehensweise erschien ihm auch für einen Einbrecher recht sonderbar, und da einer seiner leuchtendsten Charaktereigenschaften, wie sein Vater es immer nannte, verdammte Neugierde war, konnte er es nicht lassen, um die Ecke zu spähen. Einen Wimpernschlag später glaubte er, ihm selbst habe man den Hockeyschläger übergezogen.
Fassungslos und mit offenem Mund starrte Blake auf das, was einmal seine Küche gewesen war und jetzt aussah wie nach einem Bombeneinschlag. Scheinbar all seine Schüsseln, Löffel, Ausstechförmchen, Rührbesen und Bleche war herausgeholt worden und mit diversen Substanzen gefüllt oder beschmiert. Zudem war der halbe Inhalt seines Vorratsschranks auf der Arbeitsfläche verteilt, der andere Teil hatte es sich auf dem Fußboden bequem gemacht.
"Was zum Teufel. ", entfuhr es ihm und erschreckte damit nicht nur sich, sondern auch den rothaarigen Mann, der sich gerade über seinen Küchentisch beugte und. Plätzchenteig ausrollte? Was war denn das für ein schräger Einbrecher?
Dieser blickte ihn nun mit teigverklebten Händen und Mehl auf den sommersprossigen Wangen an, bevor er einen Schritt auf ihn zu machte. Sofort hob Blake den Hockeyschläger und brachte ihn damit zum Stehen.
"Ich warne dich, bleib ja, wo du bist. Die Bullen kommen auch gleich!", knurrte Blake und funkelte den Eindringling, wie er hoffte, gefährlich an. Wobei die Boxershorts mit den gelben Quietscheenten diesem Eindruck sicherlich einen kleinen Abbruch bescherten, aber immerhin war er bewaffnet und außer dem Nudelholz lag bei dem Typen nichts Gefährliches in Greifweite.
Der junge Mann lieferte sich mit dem Einbrecher ein Duell mit einem Hockeyschläger und Nudelholz.
Er sah die Schlagzeile schon vor sich. Allerdings stellte er sich diese Szene besser nicht vor, er wusste im Moment sowieso nicht, ob er lieber lachen oder weinen sollte, und ein hysterischer Lachanfall wäre sicherlich nicht unbedingt hilfreich. Diese ganze Situation war so absurd, dass er ernsthaft in Erwägung zog, noch zu träumen. Das konnte einfach nicht die Realität sein!
Wer brach schon in ein Haus ein, um die Küche auf den Kopf zu stellen und zu backen? Okay, auch das wollte er sich nicht vorstellen, denn dieser Jemand musste einen gehörigen Sprung in der Schüssel haben, und die waren bekanntlich die gefährlichsten.
"Oh, ich ähm. ich also.", stammelte der Fremde, wischte sich mit dem Handrücken einige wellige Haare aus der Stirn und verpasste dieser somit ebenfalls eine Mehlschicht.
"Was zum Teufel. ", wiederholte Blake und zuckte zusammen, als plötzlich die Eieruhr schrillte.
"Die . die Plätzchen sind fertig", murmelte der Mann, sah zuerst zum Backofen und dann ihn erwartungsvoll an. Glaubte der Kerl ernsthaft, dass er ihn auch nur in die Nähe des Ofens ließ? Hinterher pfefferte der ihm noch das heiße Blech um die Ohren!
"Bleib ja, wo du bist", zischte er daher, machte einen Schritt in den Raum und tastete nach dem Knopf für den Backofen, um diesen auszuschalten. Danach, den Schläger weiterhin auf den Typen gerichtet, schaute er sich erneut um. "Was soll das hier?"
"Ich. ich backe", kam die kleinlaute Antwort.
"Das sehe ich", schnaubte Blake. "Aber, warum zum Teufel, tust du das in meiner Küche?"
Leseprobe:
Weihnachtsmann zu verschenken
von Isabel Shtar
"Warst du denn auch ein braver Junge?", fragte er ihn übertrieben polterig.
Judas nutzte die Gunst der Stunde und setzte sich ungeniert auf den Schoss des anderen. Während ihre zahlreicher werdenden Zuschauer über seine Frechheit lachten, erstarrte der Verkleidete für einen Herzschlag, bevor er sich wieder fing.
Tja, niemand legte sich ungestraft mit einem Judas Steinhöffer an, da war er ganz Sohn seiner Mutter. Seines Vaters wohl auch, der war Medienanwalt und auch nicht gerade für seine Friedfertigkeit bekannt, aber an den wollte er jetzt nicht denken. Jetzt war Showtime, High Noon im Wilden Westen des Weihnachtsverkaufes. Und hier kannte ihn ja keiner, hier konnte er das. Eigentlich war er im Alltag, wenn er ganz ehrlich mit sich war, ein eher zurückhaltender Mensch, aber ab und an platzte ihm der Kragen und das, was unter der Oberfläche lauerte, purzelte hinaus.
Er nickte fleißig auf die Frage hin und ratterte hingebungsvoll herunter: "Sicher war ich brav. Ich habe meine Hausaufgaben ordentlich gemacht, zu jeder Verabredung war ich pünktlich, wusch mich jeden Morgen - auch hinter den Ohren! - habe nicht gelogen, nicht gestohlen, bin mit dem Nachbarshund Gassi gegangen, habe meiner Mama den Smart geputzt und bin jeden Abend früh ins Bett."
"Sehr brav!", lachte der andere. "Ho, ho, ho! Und wie heißt du, mein Kleiner?", fragte er ihn und klopfte ihm anerkennend auf die Schulter.
"Judas", lächelte er scheinheilig. Das Publikum stutzte leicht, sein Kidnapper nicht weniger.
"Judas?", stammelte er. "Das ist ja. ein. außergewöhnlicher Name.?"
"Weihnachtsmann" ist aber auch nicht viel besser. Oder viel christlicher", wies Judas ihn freundlich hin und machte seine Augen so rund wie möglich. Der Typ unter ihm war ein junger Mann, ein Student vermutlich, diese dämliche Scharade war ja ein klassischer Studentenjob. Unter den lächerlichen Klamotten ließ sich ein schlanker, kräftiger Körper erahnen, die grünlichen Augen hatten den Glanz der Jugend noch nicht verloren.
Er lachte unter seinem etwas räudigen, falschen Bart und schlug vor: "Einigen wir uns auf ein Unentschieden."
"Okay, Weihnachtsmann", pflichtete er ihm bei und sah zu, sich auf seiner lebendigen Sitzunterlage ein wenig breiter zu machen. Wann kam er schon zu dem Vergnügen? Selten genug bis gar nicht.
Er war wohl einfach nicht der geborene Aufreißer. Außerdem ließen ihn die Türsteher einschlägiger Clubs selten ein, da sie dachten, sein Ausweis sei gefälscht. Hatten schon mal welche deswegen die Polizei gerufen - das war kein Spaß gewesen. Und selbst, wenn er es bis rein schaffte - was dann? Er studierte Latein und Mathematik auf Lehramt, das disqualifizierte ziemlich als Partykracher - außerdem wollte natürlich keiner etwas von dem minderjährigen Bubi, der er ärgerlicherweise schon seit mehreren Jahren nicht mehr war.
"Darf ich mir jetzt etwas wünschen?", bohrte er.
"Na ja", bremste ihn der "Weihnachtsmann" und schien unter seiner Gesichtsverschandlung zu grinsen. "Eigentlich ist jetzt ein Gedicht fällig. Oder ein Lied."
"Oh", grübelte Judas demonstrativ und musterte ihn sinnend. Wirklich hübsche Augen, die der da hatte - doch wahrscheinlich sah der versteckte Rest zum Kotzen aus. Aber man tat sich einen großen Gefallen, wenn man diese Möglichkeit nach bestem Vermögen ausblendete. Wenn die Realität nichts taugte, war Selbstbetrug manchmal die bessere Alternative. Könnte ja auch sein, dass der unter seiner Zipfelmützen-Verkleidung der absolute Kracher war. Einfach fleißig daran glauben. war schließlich Weihnachten.
"Also singen kann ich nicht", gestand er. "Aber ich könnte etwas dichten? Über. Weihnachten und was ich mir wünsche?"
"Wow! Äh . Ho! Ho! Ho! Da bin ich ja mal sehr gespannt, kleiner Judas!", ermunterte ihn der maskierte Weihnachtsscherge und legte ihm jovial die Hand noch fester auf die Schulter.
Judas nutzte die Chance und rutschte ein weiteres Stückchen zurück.
Er konzentrierte sich, verstärkte sein falsch-klebriges Lächeln, holte tief Luft und begann:
"Lieber, guter Weihnachtsmann,
Nimm mich bitte tierisch ran.
Denn der kleine Judas hier,
Hätte gerne einen Stier.
Nicht mit Hörnern und 'nem Kranz,
Lieber mit 'nem fetten Schwanz.
Sonst muss ich leider überwintern
Weiterhin mit keuschem Hintern.
Also lieber Weihnachtsmann,
Schick mir bitte einen Mann."
Die Zuhörer glotzten mit offenen Mündern. Dann begannen einige zu pöbeln, andere zu lachen. Die Hand des Weihnachtsmannes lag schlaff auf seiner Schulter.
"Was. was soll das denn?", stammelte er.
"Du hast gefragt", erwiderte Judas, drehte sich zu ihm um und bedachte ihn mit einem Unschuldsblick. "Kriege ich jetzt meinen Kerl? Wo ist doch so brav war?"
"Du. wie alt bist du.?", versuchte sich der Mützenträger zu sammeln.
"Zweiundzwanzig", erwiderte Judas würdevoll. Dann konnte er sich nicht mehr halten und prustete los vor Lachen. "Tja, falls es dich tröstet, du bist nicht der Erste, der auf mein Aussehen reingefallen wäre. Kriege ich zur Strafe jetzt eins mit deiner Rute? Bitte, bitte.", spottete er.
"Äh.?", brabbelte der Überfahrene nur unkoordiniert.
Mit leichtem Bedauern erhob sich Judas wieder von seiner kuscheligen Sitzgelegenheit.
"Ach", seufzte er. "Irgendwie hat das trotzdem meine Stimmung etwas verbessert. Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, ich brauche noch ein Geschenk für meine leicht exzentrische Mutter. Gutes Schaffen dir noch!"
"Öh . danke", erwiderte der Geschundene etwas schwächlich. "Und. viel Glück mit deinem Kerl."
"Ich erwarte die Lieferung heute Abend pünktlich unterm nicht vorhandenen Weihnachtsbaum!", stellte Judas klar. "Wehe, wenn nicht. Sonst verliere ich noch meinen Glauben an den Weihnachtsmann. Und das wäre doch tragisch. in meinem Alter."
Ich hörte, wie die Dusche im Bad anging, und machte es mir im Bett noch einmal bequem. Es würde wohl noch eine Weile dauern, bis er mich zum Frühstück rufen würde.