
Trimurti
Wie Sie die Dreiheit von Kopf, Herz und Bauch in Einklang bringen
Anna E. Röcker(Author)
Arkana (Publisher)
Published on 26. March 2008
Book
Hardback
288 pages
978-3-442-33796-5 (ISBN)
Description
Raus aus der Eindimensionalität durch den Dreiklang von Kopf, Herz und Bauch
Anna Elisabeth Röcker geht in "Trimurti" dem Dreiklang von Körper, Geist und Seele nach. Während ihrer langjährigen Praxistätigkeit konnte sie immer wieder die Erfahrung machen, dass Menschen im Laufe des Lebens beinahe stereotype Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster entwickeln, die entweder vom Kopf, vom Herzen oder vom Bauch geprägt sind. Dabei ist jede dieser drei Ebenen gleich bedeutungsvoll und muss erfahren werden. Nur durch ihre Integration ist eine ganzheitliche Entwicklung unseres Potenzials gewährleistet. Bei ihren Betrachtungen bezieht die erfahrene Heilpraktikerin die Typenlehre von C.G. Jung ebenso mit ein wie die Yogalehre und das Chakren-Energie-System. Außerdem verdeutlicht Anna Elisabeth Röcker überraschende Parallelen der Dreiteilung in verschiedenen Kulturen und stellt deren Bedeutung in Märchen und Mythen dar. Mit Hilfe eines Fragebogens kann jeder herausfinden, ob er ein Bauch-, Herz- oder Kopftypus ist. Praktische Übungen helfen, die zu starke Überbetonung eines Bereichs auszugleichen, um zu einem harmonischen Miteinander von Denken, Mitempfinden und Bauchgefühlen zu kommen.
Anna Elisabeth Röcker geht in "Trimurti" dem Dreiklang von Körper, Geist und Seele nach. Während ihrer langjährigen Praxistätigkeit konnte sie immer wieder die Erfahrung machen, dass Menschen im Laufe des Lebens beinahe stereotype Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster entwickeln, die entweder vom Kopf, vom Herzen oder vom Bauch geprägt sind. Dabei ist jede dieser drei Ebenen gleich bedeutungsvoll und muss erfahren werden. Nur durch ihre Integration ist eine ganzheitliche Entwicklung unseres Potenzials gewährleistet. Bei ihren Betrachtungen bezieht die erfahrene Heilpraktikerin die Typenlehre von C.G. Jung ebenso mit ein wie die Yogalehre und das Chakren-Energie-System. Außerdem verdeutlicht Anna Elisabeth Röcker überraschende Parallelen der Dreiteilung in verschiedenen Kulturen und stellt deren Bedeutung in Märchen und Mythen dar. Mit Hilfe eines Fragebogens kann jeder herausfinden, ob er ein Bauch-, Herz- oder Kopftypus ist. Praktische Übungen helfen, die zu starke Überbetonung eines Bereichs auszugleichen, um zu einem harmonischen Miteinander von Denken, Mitempfinden und Bauchgefühlen zu kommen.
More details
Language
German
Product notice
With dust jacket
Dimensions
Height: 20 cm
Width: 12.5 cm
ISBN-13
978-3-442-33796-5 (9783442337965)
Schweitzer Classification
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E-Book
02/2009
Arkana
€4.99
Available for download
Content
Einleitung
Dem griechischen Helden Kadmos wurde von Zeus Harmonia, die Tochter von Ares und Aphrodite, zur Frau gegeben. Dem Mythos zufolge erstarrten Kadmos und Harmonia später zu Stein. C. G. Jung deutete diesen Vorgang so, dass aus lauter Harmonie nichts mehr geschah. Offensichtlich brauchen wir ein gewisses Maß an Disharmonie und Spannung, um Weiterentwicklung zu gewährleisten.
In diesem Sinne kann man auch die Spannung verstehen, die sich etwa zwischen unseren körperlichen Bedürfnissen einerseits und vernünftigen Überlegungen andererseits oder zwischen logischem Denken einerseits und verwirrenden Gefühlen andererseits immer wieder aufbaut.
'Die drei' - Körper, Gefühl und Intellekt - ringen nicht nur im einzelnen Menschen um die Vorherrschaft, sondern spielen im menschlichen Miteinander überhaupt eine große Rolle. Ein Leben lang sind sie aufeinander angewiesen, von ihrem Zusammenwirken hängt unser Glück ab. Dennoch sind wir täglich damit konfrontiert, aus der Balance zu fallen und diese wieder zu finden. Schon ein Heißhunger kann die Gedanken völlig in seinen Bann ziehen und sie nur noch auf Nahrungsbeschaffung konzentrieren, auch wenn eigentlich konzentriertes Nachdenken anstünde. Und wer kennt nicht das Gefühl, verliebt zu sein und scheinbar weder Schlaf noch Essen zu brauchen. Auch von logischem Denken ist dann keine Spur mehr zu finden. Auf einer Konferenz internationaler Medizinwissenschaftler schockte einer der vortragenden Professoren das Auditorium, als er eine genaue Beschreibung einer Liebesszene aus 'Lady Chatterley' vortrug. Dieser Roman von D. H. Lawrence gehört zu den bekanntesten Geschichten der erotischen Weltliteratur und beschreibt die Affäre, die sich zwischen der Frau eines englischen gelähmten Gutsbesitzers und dem Aufseher des Landguts entwickelt. Spöttisch bemerkte der Wissenschaftler, nachdem er das Gehörte noch ein paar Sekunden hatte nachwirken lassen: 'Na, meine Damen und Herren, sind Sie immer noch davon überzeugt, dass wir nur von unserem Denken, von unserem Kopf bestimmt werden?' Damit wollte er seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf den nachfolgenden Vortrag vorbereiten, der sich mit der Beeinflussung des Immunsystems durch unterdrückte Emotionen oder nicht gelebte triebhafte Impulse beschäftigte.
Körperliche Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken sind die wesentlichen Erfahrungsbereiche des Menschen. Alles muss erfahren und die damit verbundenen Erkenntnisse müssen integriert werden. Kein Bereich darf ausgegrenzt, abgewertet oder vernachlässigt werden. Dabei ist es wichtig, sich der Gefahr der einseitigen Identifikation bewusst zu sein. Wenn ich mich nur mit meinen körperlichen Bedürfnissen identifiziere und mich damit über den Körper definiere, führt dieser Weg genauso in die Irre wie der Glaube, dass der Beweis für mein Sein das Denken wäre.
Dieses Buch dient nicht nur der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern es soll vor allem möglichst praxisnah aufzeigen, wie wir zu größerer Präsenz finden, indem wir ganzheitlich leben. Die vielen Beispiele aus meiner Praxis sollen Ihnen helfen, sich bewusst zu werden, auf welcher Ebene Sie und der Mensch, mit dem Sie gerade zu tun haben, agieren: eher aus einem körperlichen Bedürfnis heraus, aufgrund eines Gefühls oder aber aufgrund einer logischen Überlegung, die ohnehin immer auch ein Stück weit von Gefühlen beeinflusst wird.
In vielen Kulturen gilt folgende Dreiteilung:
Der Bauch wird als Zentrum der körperlichen Ebene mit ihren lebendigen Impulsen und Trieben angesehen, als Zentrum des Instinkts und der damit verbundenen Kraft und Macht.
Das Herz als Zentrum unserer Gefühle.
Der Kopf als Zentrum des Intellekts.
In der hinduistischen Religion heißt es, dass die drei wichtigsten Gottheiten Brahma, Vishnu und Shiva, die Trimurti, in diesen drei Zentren wohnen: Brahma im Bauch, Vishnu in der Gegend des Herzens und Shiva im Kopf, im Gehirn. Darauf werde ich noch genauer eingehen.
Die Dreiteilung in Bauch, Herz und Kopf habe ich nicht nur übernommen, weil sie für die Erkenntnis hilfreich ist, sondern weil sie sich auch in der praktischen Arbeit sehr bewährt hat (zum Beispiel wenn es um Körper- oder Atemübungen geht, die je nachdem mehr im Brust- oder im Bauchraum wirken).
Während meiner langjährigen Praxis- und Seminartätigkeit konnte ich immer wieder feststellen, dass die meisten Menschen dazu neigen, dominant auf einer der drei Ebenen wahrzunehmen und zu handeln: die einen instinktiv aus dem Bauch heraus, die anderen auf der Herzebene empathisch, ihre und die Gefühle des anderen wahrnehmend. Die Dritten schalten sofort den Kopf ein, d.h. sie begegnen einer Situation kritisch analysierend und überlegt. Die jeweils bevorzugte Ebene der Wahrnehmung und Reaktion wird immer vertrauter und sicherer, je öfter wir auf ihr agieren. Dies führt schließlich zu einem eingespielten Muster, das wie von selbst abläuft. Die dabei vernachlässigten Bereiche - beim Kopfmenschen Herz und Bauch, beim Bauchmenschen Kopf und Herz und beim Herzmenschen das Denken und der Instinkt - rücken dadurch immer mehr in den Hintergrund. Der Preis dafür, dass wir das Vertraute wählen und uns vor Ungewohntem scheuen, ist Einseitigkeit, die uns an der Entwicklung unseres gesamten Potenzials hindert.
Zu einer ähnlichen Erkenntnis, nämlich dass Menschen unterschiedlich wahrnehmen und reagieren, ist auch C. G. Jung gekommen. Er fasste die Unterschiede in Form von vier Funktionstypen zusammen, auf die ich später noch näher eingehen werde. Entsprechende Überlegungen in der Gehirnforschung wurden in einem so genannten 'Hirn-Dominanz-Modell' zusammengefasst, das unter anderem der Arzt und Medizinjournalist Johannes Holler in seinem Buch 'Das neue Gehirn' beschreibt. Dabei wird von einer gewissen Dominanz eines Gehirnteils ausgegangen, die angeboren sowie durch Erziehung beeinflusst ist.
Auch der Biologe und Verhaltensforscher Paul MacLean deutete nach dreißigjähriger Forschungsarbeit die drei Gehirnkomplexe als hierarchisch aufeinander aufbauende Bereiche. Das Stammhirn wird als Sitz der Instinkte und biologischen Erfahrungen bezeichnet, das Limbische System im Zwischenhirn als Sitz der Gefühle und das Großhirn als Ort des planenden Handelns und abstrakten Denkens. Auch wenn mir bewusst ist, dass Verallgemeinerung und das Zusammenfassen komplexer Inhalte immer auch Vereinfachung bedeutet, finde ich eine solche Dreiteilung hilfreich. Wir verstehen so leichter, wo wir 'stark' sind und was wir eher vernachlässigen in unserem Leben. Gerade der Teil, den wir vernachlässigen, begegnet uns oft in unseren Partnern oder in den Situationen, in die wir immer wieder geraten. Ich finde es äußerst hilfreich, wenn ich mich daran erinnere, dass das Stammhirn oder, wie MacLean sagt, das Reptiliengehirn sich in unseren Bauch-Impulsen widerspiegelt. Vor allem im Straßenverkehr erkenne ich diese Ebene sehr leicht, wenn sich zwei Autofahrer zuerst ein Rennen liefern und sich dann aus den Autofenstern heraus in einer Art beschimpfen, als wären sie bereit, sich gegenseitig auf der Stelle zu verschlingen.
Das vorliegende Buch enthält ausführliche Beschreibungen der Ebenen bzw. Bereiche von Kopf, Herz und Bauch. Mit Hilfe von Übungen können Sie die eher vernachlässigte(n) Seite(n) stärken.
Ziel des Buches ist es, den Individuationsweg im Sinne C. G. Jungs, den eigenen Entwicklungsweg zu unterstützen, bei dem es vor allem um die Integration bisher weniger gelebter und um der Erreichung bestimmter Lebensziele willen vernachlässigter Persönlichkeitsanteile geht. Gleichzeitig soll dieses Buch dabei helfen, etwas gegen übermächtig gewordene einseitige Persönlichkeitsanteile zu tun. Bei einem Menschen, der zum Beispiel bis zur Mitte seines Lebens die meiste Kraft in die Entwicklung seiner Intelligenz und einer entsprechenden Machtposition in der Welt investiert hat, geht es in diesem Prozess darum, sein Herz und seine Gefühle zu entdecken,- und das möglichst bevor ihn eine Herzerkrankung an diese Notwendigkeit erinnert. Für jemand anderen kann es wichtig sein, nach Jahren der Überbetonung des Gefühls und des Sorgens für andere eigene Gedanken und Ideen zu entwickeln und sie auch zu verfolgen. Der Individuationsweg soll dazu führen, dass der Mensch nicht mehr versucht, einem Bild von sich zu entsprechen und nicht nur danach zu handeln, was ihm Anerkennung in der Welt bringt. Ziel ist es, aus dem innersten Kern heraus zu leben, der alles umfasst: Bauch, Herz und Kopf, Körper, Gefühl und Intellekt, und dabei sowohl die Licht- wie die Schattenseite anzuschauen und anzunehmen. Erst wenn wir mit Kopf, Herz und Bauch leben, entwickeln wir echte Präsenz, die nicht mehr auf äußeren Statussymbolen und auf dem Bedürfnis, von allen geliebt zu werden, gründet. Daraus erst kann bewusstes und freiheitliches Denken und Handeln entstehen. Die Einseitigkeit macht uns zu Sklaven einer 'Funktion', mit allen damit verbundenen Problemen, auf die ich später eingehen werde. Die Gefahr, eine Harmonie zu erreichen, die zur Versteinerung führt, wie der griechische Mythos sagt, scheint mir hier nicht gegeben zu sein. Ich denke, das Leben selbst sorgt immer noch genug für kreatives Chaos.
Wenn ich in diesem Buch der Herzebene einen größeren Raum gebe, so deswegen, weil ich glaube, dass diese Qualität in unserer Zeit am meisten vernachlässigt und weniger geschätzt wird als die Qualitäten der Kopf- und Bauchebene, die eher Macht und Geld versprechen als die Qualitäten des Herzens. Wäre das anders, würde es gerechter zugehen auf der Welt, denn das Herz und die dadurch symbolisierte Liebe streben nach Gerechtigkeit und Ausgleich unter den Menschen, ohne die Frieden niemals verwirklicht werden kann. Der Philosoph André Görz hat die Fähigkeit zur Empfindung und vor allem die Fähigkeit zur Liebe als das größte Geschenk des Menschen überhaupt bezeichnet. Die Liebe, so sagte er, habe ihn überhaupt erst zu einem Menschen gemacht, der in der Lage war, die Spannungen und Unvereinbarkeiten in sich auszuhalten. Das Herz als Symbol für unsere Fähigkeit zu lieben ist es, das die Spannung zwischen Bauch und Kopf, zwischen Angst, Gier, Getriebensein und Informationsflut, zwischen gedanklicher Manipulation und Machtstreben überwinden kann. Mit Hilfe der Herzenergie kann die Lebens- und Schöpfungskraft des Bauches und die Intelligenz und Weisheit des Kopfes zu einer fruchtbaren Dreiheit werden, die wahrhaft den Namen 'Trimurti', Dreiheit der Götter, verdient.
Theoretischer Teil
Der Kopf-Herz-Bauch-Mythos in den Kulturen
Aller guten Dinge sind drei. Trimurti - die Dreiheit
Die Drei scheint eine sehr wichtige Zahl für die Menschheit zu sein. Stellen Sie sich zwei Menschen vor, die sich gegenüberstehen. Jeder vertritt seine Auffassung zu einem wichtigen Thema. Es muss eine Entscheidung getroffen werden. Beide beharren auf ihrem Standpunkt, keiner will sich von seinem Platz bewegen. Da kommt ein Dritter hinzu. Er oder sie ist nun aufgefordert, beide Standpunkte anzuhören und sich entweder dem einen oder dem anderen Pol zuzuneigen oder aber einen dritten Standpunkt einzunehmen. Es kommt Bewegung in die Geschichte, eine Mehrheit kann entstehen, einer wird überstimmt.
Die Drei steht demnach für ein dynamisches Prinzip, etwas Neues geschieht. Am deutlichsten ist das sichtbar in der Beziehung Mann und Frau, aus der etwas Neues, etwas Drittes, nämlich ein Kind, entsteht. Dem Kind gehört die Zukunft, es kann weitergehen mit der Menschheit. Kein Wunder also, dass die Drei einen so hohen Stellenwert besitzt.
Kopf, Herz und Bauch als Archetypen
Die Dreiheit von Körper, Seele und Geist finden wir in allen Kulturen. Sie hat sich aus der Erfahrung heraus entwickelt, dass wir einen physischen Körper haben, mit all seinen natürlichen Vorgängen und Bedürfnissen. Dann erleben wir uns als ein Bündel von wechselnden Gefühlen, Wünschen, Sehnsüchten. Und wieder ein anderes Mal sind wir auf einen Gedanken konzentriert, erleben die Ruhe der Meditation oder einer geistigen Erfahrung. Dabei ist alles miteinander verwoben: Gedanken lösen Gefühle aus, Gefühle verändern körperliche Prozesse und umgekehrt. Die drei Bereiche können nie getrennt voneinander erfahren werden.
Kopf, Herz und Bauch entsprechen dem, was C. G. Jung als Archetypen, als Strukturelemente des Unbewussten, bezeichnete. Obwohl er diesen Begriff nicht erfunden hat, ist dieser doch durch Jungs Arbeiten populär geworden. Die Archetypen können sich auf die biologische Ebene beziehen: auf unseren Körper, auf die innere und äußere Natur, auf unsere Instinkte und Lebenstriebe. Die archetypischen Bilder, in denen sich diese Grundelemente des Lebens zeigen, können allerdings in jeder Zeit und jeder Kultur sehr unterschiedlich sein. Auch bestimmte Formen des seelischen Erlebens, wie Trauer und Freude, sind archetypisch, also allen Menschen eigen.
In vielen Kulturen gilt der Bauch als Symbol der körperlichen und instinkthaften Ebene, der auch für das Dunkle und Unbewusste steht. Archetypische Bilder, wie das Verschlungenwerden durch ein Meerungeheuer, in dessen Bauch man dann, wie Jonas, drei Tage verbringen muss, sprechen von dieser Angst. Das Unbewusste macht sich über Gefühlssymptome (Schmerz, Freude, Trauer, Ärger) deutlich und kann so analysiert, verstanden und integriert werden. Die Gefühle haben ihren Sitz im Herzen. Das Zentrum des Intellekts und des Bewusstseins wird natürlicherweise in den Kopf verlegt.
Eine weitere Dreiteilung findet sich bei Freud und seiner Beschreibung des Ich als Realitätsprinzip, des Es als Lustprinzip und des Über-Ich. Das Ich übernimmt die vermittelnde Position zwischen Es und Über-Ich. Auch bei diesem Modell lokalisiert man das Über-Ich im Kopf und das Es mit seiner Lustenergie oder Libido, die von sexuellen und aggressiven Wünschen und Trieben beherrscht wird, im Bauch. Der Platz des vermittelnden Realitäts-Ichs ist der Bereich dazwischen, also der Herzbereich.
Die Drei in den Religionen
Die Drei gilt von alters her als göttliche Zahl. Beginnen wir bei der christlichen Religion, so finden wir eine Dreiheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Der Vater entspricht dem schöpferischen Willensprinzip, der Sohn der Liebe und der Heilige Geist dem Intellekt- oder Geistprinzip. Maria, die Mutter, symbolisiert das körperliche Prinzip, das vom Geist befruchtet wird; unter ihrem Herzen trägt sie das göttliche Kind.
Die Mystiker des Christentums beschreiben häufig ein Herz oder sogar ein blutendes Herz als Symbol für Christus, während der Geist in Form einer Taube oder einer Feuerzunge über dem Kopf oder auch im Bereich des Gehirns dargestellt wird. Weitere Dreiergruppen des Christentums finden wir in der Heiligen Familie - Josef, Maria und Jesuskind - oder in den Heiligen Drei Königen. Bei der im Mittelalter hoch verehrten Anna Selbdritt, der Heiligen Anna in Verbindung mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind, finden wir die Drei schon im Namen: Anna symbolisiert in dieser Gruppe das mütterliche, strukturierende, körperliche Prinzip, Maria steht für Herz und Gefühl und das Jesuskind für den Geist. Christus wird - ähnlich wie Buddha - als eine Verkörperung des voll entwickelten göttlichen Menschen betrachtet, in dem alle Kräfte vereint sind.
Wie bereits in der Einleitung angedeutet, haben im Hinduismus die drei Hauptgötter ihren Sitz auch im menschlichen Körper: Brahma der Weltschöpfer im Bauch, Vishnu der Erhalter und Gott des Mitgefühls im Herzen, Shiva der Zerstörer im Kopf. Da der Bauch der Körperbereich ist, in dem Menschen gezeugt und während der Schwangerschaft getragen werden, ist es nur natürlich, dass der Weltenschöpfer hier seinen Platz hat. Vishnu, der menschenfreundliche Aspekt des Göttlichen, wohnt im Herzen. In der heiligen Schrift des Hinduismus, der Bhagavadgita, heißt es, dass Vishnu sich immer dann auf der Erde inkarniert, wenn die Menschen seine Hilfe am dringendsten benötigen. Krishna, die bekannteste Inkarnation des Gottes Vishnu, wird auch heute noch in Indien am meisten verehrt, weil er, der selbst unter armen Hirtenmädchen aufgewachsen ist, die Menschen kennt und liebt. Shiva wohnt im Gehirn. Hier hat der Zweifel seinen Platz, das zerteilende, bewertende, abgrenzende und zerstörende Prinzip. So ist es nicht verwunderlich, dass wohl die größten Intelligenzleistungen des Menschen, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der Entwicklung der Atombombe haben, der Herstellung von Waffen dienten.
Dem griechischen Helden Kadmos wurde von Zeus Harmonia, die Tochter von Ares und Aphrodite, zur Frau gegeben. Dem Mythos zufolge erstarrten Kadmos und Harmonia später zu Stein. C. G. Jung deutete diesen Vorgang so, dass aus lauter Harmonie nichts mehr geschah. Offensichtlich brauchen wir ein gewisses Maß an Disharmonie und Spannung, um Weiterentwicklung zu gewährleisten.
In diesem Sinne kann man auch die Spannung verstehen, die sich etwa zwischen unseren körperlichen Bedürfnissen einerseits und vernünftigen Überlegungen andererseits oder zwischen logischem Denken einerseits und verwirrenden Gefühlen andererseits immer wieder aufbaut.
'Die drei' - Körper, Gefühl und Intellekt - ringen nicht nur im einzelnen Menschen um die Vorherrschaft, sondern spielen im menschlichen Miteinander überhaupt eine große Rolle. Ein Leben lang sind sie aufeinander angewiesen, von ihrem Zusammenwirken hängt unser Glück ab. Dennoch sind wir täglich damit konfrontiert, aus der Balance zu fallen und diese wieder zu finden. Schon ein Heißhunger kann die Gedanken völlig in seinen Bann ziehen und sie nur noch auf Nahrungsbeschaffung konzentrieren, auch wenn eigentlich konzentriertes Nachdenken anstünde. Und wer kennt nicht das Gefühl, verliebt zu sein und scheinbar weder Schlaf noch Essen zu brauchen. Auch von logischem Denken ist dann keine Spur mehr zu finden. Auf einer Konferenz internationaler Medizinwissenschaftler schockte einer der vortragenden Professoren das Auditorium, als er eine genaue Beschreibung einer Liebesszene aus 'Lady Chatterley' vortrug. Dieser Roman von D. H. Lawrence gehört zu den bekanntesten Geschichten der erotischen Weltliteratur und beschreibt die Affäre, die sich zwischen der Frau eines englischen gelähmten Gutsbesitzers und dem Aufseher des Landguts entwickelt. Spöttisch bemerkte der Wissenschaftler, nachdem er das Gehörte noch ein paar Sekunden hatte nachwirken lassen: 'Na, meine Damen und Herren, sind Sie immer noch davon überzeugt, dass wir nur von unserem Denken, von unserem Kopf bestimmt werden?' Damit wollte er seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf den nachfolgenden Vortrag vorbereiten, der sich mit der Beeinflussung des Immunsystems durch unterdrückte Emotionen oder nicht gelebte triebhafte Impulse beschäftigte.
Körperliche Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken sind die wesentlichen Erfahrungsbereiche des Menschen. Alles muss erfahren und die damit verbundenen Erkenntnisse müssen integriert werden. Kein Bereich darf ausgegrenzt, abgewertet oder vernachlässigt werden. Dabei ist es wichtig, sich der Gefahr der einseitigen Identifikation bewusst zu sein. Wenn ich mich nur mit meinen körperlichen Bedürfnissen identifiziere und mich damit über den Körper definiere, führt dieser Weg genauso in die Irre wie der Glaube, dass der Beweis für mein Sein das Denken wäre.
Dieses Buch dient nicht nur der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern es soll vor allem möglichst praxisnah aufzeigen, wie wir zu größerer Präsenz finden, indem wir ganzheitlich leben. Die vielen Beispiele aus meiner Praxis sollen Ihnen helfen, sich bewusst zu werden, auf welcher Ebene Sie und der Mensch, mit dem Sie gerade zu tun haben, agieren: eher aus einem körperlichen Bedürfnis heraus, aufgrund eines Gefühls oder aber aufgrund einer logischen Überlegung, die ohnehin immer auch ein Stück weit von Gefühlen beeinflusst wird.
In vielen Kulturen gilt folgende Dreiteilung:
Der Bauch wird als Zentrum der körperlichen Ebene mit ihren lebendigen Impulsen und Trieben angesehen, als Zentrum des Instinkts und der damit verbundenen Kraft und Macht.
Das Herz als Zentrum unserer Gefühle.
Der Kopf als Zentrum des Intellekts.
In der hinduistischen Religion heißt es, dass die drei wichtigsten Gottheiten Brahma, Vishnu und Shiva, die Trimurti, in diesen drei Zentren wohnen: Brahma im Bauch, Vishnu in der Gegend des Herzens und Shiva im Kopf, im Gehirn. Darauf werde ich noch genauer eingehen.
Die Dreiteilung in Bauch, Herz und Kopf habe ich nicht nur übernommen, weil sie für die Erkenntnis hilfreich ist, sondern weil sie sich auch in der praktischen Arbeit sehr bewährt hat (zum Beispiel wenn es um Körper- oder Atemübungen geht, die je nachdem mehr im Brust- oder im Bauchraum wirken).
Während meiner langjährigen Praxis- und Seminartätigkeit konnte ich immer wieder feststellen, dass die meisten Menschen dazu neigen, dominant auf einer der drei Ebenen wahrzunehmen und zu handeln: die einen instinktiv aus dem Bauch heraus, die anderen auf der Herzebene empathisch, ihre und die Gefühle des anderen wahrnehmend. Die Dritten schalten sofort den Kopf ein, d.h. sie begegnen einer Situation kritisch analysierend und überlegt. Die jeweils bevorzugte Ebene der Wahrnehmung und Reaktion wird immer vertrauter und sicherer, je öfter wir auf ihr agieren. Dies führt schließlich zu einem eingespielten Muster, das wie von selbst abläuft. Die dabei vernachlässigten Bereiche - beim Kopfmenschen Herz und Bauch, beim Bauchmenschen Kopf und Herz und beim Herzmenschen das Denken und der Instinkt - rücken dadurch immer mehr in den Hintergrund. Der Preis dafür, dass wir das Vertraute wählen und uns vor Ungewohntem scheuen, ist Einseitigkeit, die uns an der Entwicklung unseres gesamten Potenzials hindert.
Zu einer ähnlichen Erkenntnis, nämlich dass Menschen unterschiedlich wahrnehmen und reagieren, ist auch C. G. Jung gekommen. Er fasste die Unterschiede in Form von vier Funktionstypen zusammen, auf die ich später noch näher eingehen werde. Entsprechende Überlegungen in der Gehirnforschung wurden in einem so genannten 'Hirn-Dominanz-Modell' zusammengefasst, das unter anderem der Arzt und Medizinjournalist Johannes Holler in seinem Buch 'Das neue Gehirn' beschreibt. Dabei wird von einer gewissen Dominanz eines Gehirnteils ausgegangen, die angeboren sowie durch Erziehung beeinflusst ist.
Auch der Biologe und Verhaltensforscher Paul MacLean deutete nach dreißigjähriger Forschungsarbeit die drei Gehirnkomplexe als hierarchisch aufeinander aufbauende Bereiche. Das Stammhirn wird als Sitz der Instinkte und biologischen Erfahrungen bezeichnet, das Limbische System im Zwischenhirn als Sitz der Gefühle und das Großhirn als Ort des planenden Handelns und abstrakten Denkens. Auch wenn mir bewusst ist, dass Verallgemeinerung und das Zusammenfassen komplexer Inhalte immer auch Vereinfachung bedeutet, finde ich eine solche Dreiteilung hilfreich. Wir verstehen so leichter, wo wir 'stark' sind und was wir eher vernachlässigen in unserem Leben. Gerade der Teil, den wir vernachlässigen, begegnet uns oft in unseren Partnern oder in den Situationen, in die wir immer wieder geraten. Ich finde es äußerst hilfreich, wenn ich mich daran erinnere, dass das Stammhirn oder, wie MacLean sagt, das Reptiliengehirn sich in unseren Bauch-Impulsen widerspiegelt. Vor allem im Straßenverkehr erkenne ich diese Ebene sehr leicht, wenn sich zwei Autofahrer zuerst ein Rennen liefern und sich dann aus den Autofenstern heraus in einer Art beschimpfen, als wären sie bereit, sich gegenseitig auf der Stelle zu verschlingen.
Das vorliegende Buch enthält ausführliche Beschreibungen der Ebenen bzw. Bereiche von Kopf, Herz und Bauch. Mit Hilfe von Übungen können Sie die eher vernachlässigte(n) Seite(n) stärken.
Ziel des Buches ist es, den Individuationsweg im Sinne C. G. Jungs, den eigenen Entwicklungsweg zu unterstützen, bei dem es vor allem um die Integration bisher weniger gelebter und um der Erreichung bestimmter Lebensziele willen vernachlässigter Persönlichkeitsanteile geht. Gleichzeitig soll dieses Buch dabei helfen, etwas gegen übermächtig gewordene einseitige Persönlichkeitsanteile zu tun. Bei einem Menschen, der zum Beispiel bis zur Mitte seines Lebens die meiste Kraft in die Entwicklung seiner Intelligenz und einer entsprechenden Machtposition in der Welt investiert hat, geht es in diesem Prozess darum, sein Herz und seine Gefühle zu entdecken,- und das möglichst bevor ihn eine Herzerkrankung an diese Notwendigkeit erinnert. Für jemand anderen kann es wichtig sein, nach Jahren der Überbetonung des Gefühls und des Sorgens für andere eigene Gedanken und Ideen zu entwickeln und sie auch zu verfolgen. Der Individuationsweg soll dazu führen, dass der Mensch nicht mehr versucht, einem Bild von sich zu entsprechen und nicht nur danach zu handeln, was ihm Anerkennung in der Welt bringt. Ziel ist es, aus dem innersten Kern heraus zu leben, der alles umfasst: Bauch, Herz und Kopf, Körper, Gefühl und Intellekt, und dabei sowohl die Licht- wie die Schattenseite anzuschauen und anzunehmen. Erst wenn wir mit Kopf, Herz und Bauch leben, entwickeln wir echte Präsenz, die nicht mehr auf äußeren Statussymbolen und auf dem Bedürfnis, von allen geliebt zu werden, gründet. Daraus erst kann bewusstes und freiheitliches Denken und Handeln entstehen. Die Einseitigkeit macht uns zu Sklaven einer 'Funktion', mit allen damit verbundenen Problemen, auf die ich später eingehen werde. Die Gefahr, eine Harmonie zu erreichen, die zur Versteinerung führt, wie der griechische Mythos sagt, scheint mir hier nicht gegeben zu sein. Ich denke, das Leben selbst sorgt immer noch genug für kreatives Chaos.
Wenn ich in diesem Buch der Herzebene einen größeren Raum gebe, so deswegen, weil ich glaube, dass diese Qualität in unserer Zeit am meisten vernachlässigt und weniger geschätzt wird als die Qualitäten der Kopf- und Bauchebene, die eher Macht und Geld versprechen als die Qualitäten des Herzens. Wäre das anders, würde es gerechter zugehen auf der Welt, denn das Herz und die dadurch symbolisierte Liebe streben nach Gerechtigkeit und Ausgleich unter den Menschen, ohne die Frieden niemals verwirklicht werden kann. Der Philosoph André Görz hat die Fähigkeit zur Empfindung und vor allem die Fähigkeit zur Liebe als das größte Geschenk des Menschen überhaupt bezeichnet. Die Liebe, so sagte er, habe ihn überhaupt erst zu einem Menschen gemacht, der in der Lage war, die Spannungen und Unvereinbarkeiten in sich auszuhalten. Das Herz als Symbol für unsere Fähigkeit zu lieben ist es, das die Spannung zwischen Bauch und Kopf, zwischen Angst, Gier, Getriebensein und Informationsflut, zwischen gedanklicher Manipulation und Machtstreben überwinden kann. Mit Hilfe der Herzenergie kann die Lebens- und Schöpfungskraft des Bauches und die Intelligenz und Weisheit des Kopfes zu einer fruchtbaren Dreiheit werden, die wahrhaft den Namen 'Trimurti', Dreiheit der Götter, verdient.
Theoretischer Teil
Der Kopf-Herz-Bauch-Mythos in den Kulturen
Aller guten Dinge sind drei. Trimurti - die Dreiheit
Die Drei scheint eine sehr wichtige Zahl für die Menschheit zu sein. Stellen Sie sich zwei Menschen vor, die sich gegenüberstehen. Jeder vertritt seine Auffassung zu einem wichtigen Thema. Es muss eine Entscheidung getroffen werden. Beide beharren auf ihrem Standpunkt, keiner will sich von seinem Platz bewegen. Da kommt ein Dritter hinzu. Er oder sie ist nun aufgefordert, beide Standpunkte anzuhören und sich entweder dem einen oder dem anderen Pol zuzuneigen oder aber einen dritten Standpunkt einzunehmen. Es kommt Bewegung in die Geschichte, eine Mehrheit kann entstehen, einer wird überstimmt.
Die Drei steht demnach für ein dynamisches Prinzip, etwas Neues geschieht. Am deutlichsten ist das sichtbar in der Beziehung Mann und Frau, aus der etwas Neues, etwas Drittes, nämlich ein Kind, entsteht. Dem Kind gehört die Zukunft, es kann weitergehen mit der Menschheit. Kein Wunder also, dass die Drei einen so hohen Stellenwert besitzt.
Kopf, Herz und Bauch als Archetypen
Die Dreiheit von Körper, Seele und Geist finden wir in allen Kulturen. Sie hat sich aus der Erfahrung heraus entwickelt, dass wir einen physischen Körper haben, mit all seinen natürlichen Vorgängen und Bedürfnissen. Dann erleben wir uns als ein Bündel von wechselnden Gefühlen, Wünschen, Sehnsüchten. Und wieder ein anderes Mal sind wir auf einen Gedanken konzentriert, erleben die Ruhe der Meditation oder einer geistigen Erfahrung. Dabei ist alles miteinander verwoben: Gedanken lösen Gefühle aus, Gefühle verändern körperliche Prozesse und umgekehrt. Die drei Bereiche können nie getrennt voneinander erfahren werden.
Kopf, Herz und Bauch entsprechen dem, was C. G. Jung als Archetypen, als Strukturelemente des Unbewussten, bezeichnete. Obwohl er diesen Begriff nicht erfunden hat, ist dieser doch durch Jungs Arbeiten populär geworden. Die Archetypen können sich auf die biologische Ebene beziehen: auf unseren Körper, auf die innere und äußere Natur, auf unsere Instinkte und Lebenstriebe. Die archetypischen Bilder, in denen sich diese Grundelemente des Lebens zeigen, können allerdings in jeder Zeit und jeder Kultur sehr unterschiedlich sein. Auch bestimmte Formen des seelischen Erlebens, wie Trauer und Freude, sind archetypisch, also allen Menschen eigen.
In vielen Kulturen gilt der Bauch als Symbol der körperlichen und instinkthaften Ebene, der auch für das Dunkle und Unbewusste steht. Archetypische Bilder, wie das Verschlungenwerden durch ein Meerungeheuer, in dessen Bauch man dann, wie Jonas, drei Tage verbringen muss, sprechen von dieser Angst. Das Unbewusste macht sich über Gefühlssymptome (Schmerz, Freude, Trauer, Ärger) deutlich und kann so analysiert, verstanden und integriert werden. Die Gefühle haben ihren Sitz im Herzen. Das Zentrum des Intellekts und des Bewusstseins wird natürlicherweise in den Kopf verlegt.
Eine weitere Dreiteilung findet sich bei Freud und seiner Beschreibung des Ich als Realitätsprinzip, des Es als Lustprinzip und des Über-Ich. Das Ich übernimmt die vermittelnde Position zwischen Es und Über-Ich. Auch bei diesem Modell lokalisiert man das Über-Ich im Kopf und das Es mit seiner Lustenergie oder Libido, die von sexuellen und aggressiven Wünschen und Trieben beherrscht wird, im Bauch. Der Platz des vermittelnden Realitäts-Ichs ist der Bereich dazwischen, also der Herzbereich.
Die Drei in den Religionen
Die Drei gilt von alters her als göttliche Zahl. Beginnen wir bei der christlichen Religion, so finden wir eine Dreiheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Der Vater entspricht dem schöpferischen Willensprinzip, der Sohn der Liebe und der Heilige Geist dem Intellekt- oder Geistprinzip. Maria, die Mutter, symbolisiert das körperliche Prinzip, das vom Geist befruchtet wird; unter ihrem Herzen trägt sie das göttliche Kind.
Die Mystiker des Christentums beschreiben häufig ein Herz oder sogar ein blutendes Herz als Symbol für Christus, während der Geist in Form einer Taube oder einer Feuerzunge über dem Kopf oder auch im Bereich des Gehirns dargestellt wird. Weitere Dreiergruppen des Christentums finden wir in der Heiligen Familie - Josef, Maria und Jesuskind - oder in den Heiligen Drei Königen. Bei der im Mittelalter hoch verehrten Anna Selbdritt, der Heiligen Anna in Verbindung mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind, finden wir die Drei schon im Namen: Anna symbolisiert in dieser Gruppe das mütterliche, strukturierende, körperliche Prinzip, Maria steht für Herz und Gefühl und das Jesuskind für den Geist. Christus wird - ähnlich wie Buddha - als eine Verkörperung des voll entwickelten göttlichen Menschen betrachtet, in dem alle Kräfte vereint sind.
Wie bereits in der Einleitung angedeutet, haben im Hinduismus die drei Hauptgötter ihren Sitz auch im menschlichen Körper: Brahma der Weltschöpfer im Bauch, Vishnu der Erhalter und Gott des Mitgefühls im Herzen, Shiva der Zerstörer im Kopf. Da der Bauch der Körperbereich ist, in dem Menschen gezeugt und während der Schwangerschaft getragen werden, ist es nur natürlich, dass der Weltenschöpfer hier seinen Platz hat. Vishnu, der menschenfreundliche Aspekt des Göttlichen, wohnt im Herzen. In der heiligen Schrift des Hinduismus, der Bhagavadgita, heißt es, dass Vishnu sich immer dann auf der Erde inkarniert, wenn die Menschen seine Hilfe am dringendsten benötigen. Krishna, die bekannteste Inkarnation des Gottes Vishnu, wird auch heute noch in Indien am meisten verehrt, weil er, der selbst unter armen Hirtenmädchen aufgewachsen ist, die Menschen kennt und liebt. Shiva wohnt im Gehirn. Hier hat der Zweifel seinen Platz, das zerteilende, bewertende, abgrenzende und zerstörende Prinzip. So ist es nicht verwunderlich, dass wohl die größten Intelligenzleistungen des Menschen, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der Entwicklung der Atombombe haben, der Herstellung von Waffen dienten.