
Gewohnte Gewalt
Häusliche Brutalität und heimliche Bedrohung im Spannungskino
Sonderzahl (Publisher)
1st Edition
Published on 18. April 2022
Book
280 pages
978-3-85449-601-4 (ISBN)
Description
Nicht erst die gegenwärtig extreme Häufung von Femiziden durch (Ex-)Beziehungspartner in Österreich erinnert daran: Gewalt dringt nicht so oft von >außen< ein, wie sie vielmehr im sozialen Nahbereich ausgeübt wird, oftmals im gemeinsamen Haushalt. Häusliche Gewalt, die fast immer von Männern ausgeht, wird zur gewohnten Gewalt, wird von Betroffenen wie auch von Öffentlichkeiten viel zu oft als normal, als Teil des Alltäglichen, hingenommen.
Das Kino weiß davon: nicht zuletzt davon, wie das allzu Gewohnte von Herrschafts- und Gewaltverhältnissen in Form von Schocks und Schrecken wahrgenommen wird; und wie daraus wiederum Routinen entstehen, Subgenres und Kinotrends, räumliche und erzählerische Muster. Besonders Filmthriller erzählen häufig von Heim, Beziehung und Familie als Schauplätzen von Bedrohung durch deine täglichen Nächsten, die männlich gegendert und sozial klassifiziert ist. Von den Gaslight -Filmen der 1940er Jahre und ihren Nachbildern bis zu den Wendungen von Gone Girl (2014), vom Sixties-Klassiker What Ever Happened to Baby Jane? bis zum Oscar-Gewinner Parasite (2019), von Nazis und anderen Feinden in deinem Bett bis zu den totalen (und brutalen) Familien des österreichischen Films: Diese Arten von Spannungskino wirken auch zurück auf populäre Sprechweisen und Vorstellungen von Gewalt, Viktimisierung und Gegenwehr.
Die circa 50 kurzen Texte dieses Bandes ziehen Bahnen durch dieses Feld der domestic thrillers und ihrer Umgebungen, in Hollywood und weltweit. Filmkritik und Filmgeschichte verbindet sich dabei mit Sozialkritik der Gegenwart: Was an diesen Motivvorräten von Nahgefahr, Psychospielen und Entmächtigung erscheint im Licht rezenter Erfahrungen von Lockdown und ansteigender Beziehungsgewalt wieder oder neu aufschlussreich und klarsichtig? Wo sind diese Filme in ihren Festschreibungen - etwa von Rassifizierungen, von Geschlechter- und Klassenpositionen - selbst Teil des Problems? Und was verrät das Kino im Spannungsmodus über den Schrecken, der Alltagsobjekten, Hausarbeit und privilegierten Lebensweisen latent innewohnt?
Das Kino weiß davon: nicht zuletzt davon, wie das allzu Gewohnte von Herrschafts- und Gewaltverhältnissen in Form von Schocks und Schrecken wahrgenommen wird; und wie daraus wiederum Routinen entstehen, Subgenres und Kinotrends, räumliche und erzählerische Muster. Besonders Filmthriller erzählen häufig von Heim, Beziehung und Familie als Schauplätzen von Bedrohung durch deine täglichen Nächsten, die männlich gegendert und sozial klassifiziert ist. Von den Gaslight -Filmen der 1940er Jahre und ihren Nachbildern bis zu den Wendungen von Gone Girl (2014), vom Sixties-Klassiker What Ever Happened to Baby Jane? bis zum Oscar-Gewinner Parasite (2019), von Nazis und anderen Feinden in deinem Bett bis zu den totalen (und brutalen) Familien des österreichischen Films: Diese Arten von Spannungskino wirken auch zurück auf populäre Sprechweisen und Vorstellungen von Gewalt, Viktimisierung und Gegenwehr.
Die circa 50 kurzen Texte dieses Bandes ziehen Bahnen durch dieses Feld der domestic thrillers und ihrer Umgebungen, in Hollywood und weltweit. Filmkritik und Filmgeschichte verbindet sich dabei mit Sozialkritik der Gegenwart: Was an diesen Motivvorräten von Nahgefahr, Psychospielen und Entmächtigung erscheint im Licht rezenter Erfahrungen von Lockdown und ansteigender Beziehungsgewalt wieder oder neu aufschlussreich und klarsichtig? Wo sind diese Filme in ihren Festschreibungen - etwa von Rassifizierungen, von Geschlechter- und Klassenpositionen - selbst Teil des Problems? Und was verrät das Kino im Spannungsmodus über den Schrecken, der Alltagsobjekten, Hausarbeit und privilegierten Lebensweisen latent innewohnt?
More details
Edition
1
Language
German
Place of publication
Austria
Dimensions
Height: 23 cm
Width: 16.5 cm
Weight
650 gr
ISBN-13
978-3-85449-601-4 (9783854496014)
Schweitzer Classification
Persons
Editor
Drehli Robnik, Theoriedienstleister und Essayist in Sachen Film, Geschichte, Politik; außerdem Edutainer. Er »lebt« in Wien-Erdberg und ist Autor/(Mit-) Herausgeber von Bänden zu Jacques Rancière, Siegfried Kracauer, Kontrollhorrorkino, Pandemie-Politik im Spielfilm und Klassenwahrnehmung.
ISNI: 0000 0000 8276 1284 GND: 138214395
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Joachim Schätz, Filmwissenschaftler, Universitätsassistent am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: Gebrauchsfilm, Poetiken und Politiken der Komödie, Theorien des Details, österreichische und deutsche Filmgeschichte.
ISNI: 0000 0003 6750 2884 GND: 1011183838
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Contributions
Karl Sierek, Filmtheoretiker und Soziologe, Professor emeritus am Seminar für Kunstgeschichte und Filmwissenschaft der Universität Jena und wissenschaftlicher Leiter des Béla-Balázs-Instituts für Laufbildforschung in Wien. Gastprofessuren und Senior Fellowships an der FU Berlin, der Université Paris I und Paris III, der Meji University Tokyo, der Fudan University Shanghai und der Université Montréal. Jüngste Bücher: Der lange Arm der Ufa (2018), Filmanthropologie (2018).
ISNI: 0000 0000 4902 7643 GND: 109173031
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ISNI: 0000 0004 5796 4644 GND: 1081457953
Karin Harrasser ist Professorin für Kulturwissenschaft an der Kunstuniversität Linz und ebendort Vizerektorin für Forschung.
ISNI: 0000 0000 5434 2517 GND: 129985120
ISNI: 0000 0000 5434 2517 GND: 129985120