Die Geisterfeger
Roman
Wendy Roberts(Author)
Goldmann (Publisher)
Published on 8. February 2010
Book
Paperback/Softback
352 pages
978-3-442-47114-0 (ISBN)
Description
Ein Geist im Haus ist besser als ein Mörder vor der Tür .
Über ihren Job redet Sadie Novak nicht gern. Was soll sie auch sagen? Nach einem Mord bin ich diejenige, die das Blut aufwischt? Ach ja, und dann erscheinen mir die Geister der Opfer? Das klingt verrückt, findet selbst ihr Kollege, der attraktive Ex-Cop Zack Bowman. Aber es ist nun einmal so: Die Toten sprechen zu Sadie. Doch als ihr der Geist der ermordeten Trudy erscheint, weiß sie, dass es diesmal mit Zuhören nicht getan ist. Der wahre Mörder ist nämlich noch nicht gefunden und setzt alles daran, dass das auch so bleibt .
Der Start einer brillanten Serie um eine Heldin mit einem Herz für Seelen in Not.
Über ihren Job redet Sadie Novak nicht gern. Was soll sie auch sagen? Nach einem Mord bin ich diejenige, die das Blut aufwischt? Ach ja, und dann erscheinen mir die Geister der Opfer? Das klingt verrückt, findet selbst ihr Kollege, der attraktive Ex-Cop Zack Bowman. Aber es ist nun einmal so: Die Toten sprechen zu Sadie. Doch als ihr der Geist der ermordeten Trudy erscheint, weiß sie, dass es diesmal mit Zuhören nicht getan ist. Der wahre Mörder ist nämlich noch nicht gefunden und setzt alles daran, dass das auch so bleibt .
Der Start einer brillanten Serie um eine Heldin mit einem Herz für Seelen in Not.
More details
Language
German
Dimensions
Height: 18.7 cm
Width: 11.8 cm
ISBN-13
978-3-442-47114-0 (9783442471140)
Schweitzer Classification
Persons
Content
Sie tauchte eine Scheuerbürste ins Putzwasser und strich mit weit ausholenden Bewegungen über die Schlafzimmerwand. Obwohl Sadie sich völlig auf ihre Arbeit konzentrierte, versuchte sie, die Person hinter ihr nicht ganz links liegen zu lassen.
'Das ist einfach nicht fair', jammerte der Mann. 'Jacob, wir haben seit gestern schon ein Dutzend Mal darüber gesprochen', erklärte Sadie mit geduldiger Stimme, während sie die tropfende Bürste wieder aus der Lauge hob. 'Es lässt sich nicht ändern. Was passiert ist, ist passiert. Das haben Sie sich selbst eingebrockt.' 'Das ist nicht komisch.'
'Tut mir leid.' Aber Sadie musste trotzdem lachen. Dann trat sie einen Schritt zurück und betrachtete prüfend ihre Arbeit. Manchmal bedurfte es einer gewissen Distanz, um zu sehen, ob alles sauber war.
'Es müsste einen andern Weg geben', murrte er.
'Jacob, jetzt mal ganz ehrlich. Sie sind tot. Sie haben sich aufs Bett gesetzt und sich das Hirn weggeblasen.' Mit einem entschlossenen Blick schritt sie auf ihn zu. 'Es tut mir leid, aber es gibt kein Zurück mehr.'
Er machte ein gequältes Gesicht - und das nicht nur, weil ihm die gesamte linke Kopfhälfte fehlte. Sadie verübelte es ihm nicht, dass er zögerte - es war ganz natürlich, Angst vor dem Jenseits zu haben. Es musste ihm nur jemand den nötigen Tritt in den Hintern verpassen.
'Aber es war ein Unfall', erklärte er. 'Ich hatte keine Ahnung, dass die Waffe geladen war.'
Sadie wusste, dass er die Wahrheit sagte.
'Sie glauben mir also.'
'Tatsache ist, dass wir diese Unterhaltung nicht führen würden, wenn Sie Selbstmord begangen hätten. Ich weiß nicht, warum, aber diejenigen, die freiwillig aus dem Leben geschieden sind, wollen nichts mit mir zu tun haben.'
'Ihre Familie muss sehr stolz auf Sie sein', meinte er sarkastisch. 'Oder haben alle bei Ihnen 'ne Macke?'
'Ich kenne keinen, der sonst noch mit diesem Talent gestraft ist', erklärte Sadie wahrheitsgemäß. 'Meine Eltern wissen nichts davon, meine Schwester muss sich erst noch an den Gedanken gewöhnen, und meine beste Freundin würde mich am liebsten zu Oprah Winfrey ins Fernsehen schicken. Aber genug von mir.' Sie sah ihn durchdringend an. 'Sie können nicht länger hier rumhängen. Los, verschwinden Sie schon.'
Jacob sackte mitten im Zimmer zusammen, genau an der Stelle, wo sein Bett gestanden hatte. Sadie hatte die blutdurchtränkte Matratze bereits wegschaffen lassen. Für solche Dinge hatte ihre Firma einen Speziallagerraum, den eine Entsorgungsfirma für medizinische Abfälle leerte. Jacob hockte da, als wäre sein Bett lediglich unsichtbar.
'Also, was soll ich tun?', fragte er kläglich.
Sadie seufzte. 'Entspannen Sie sich einfach und lassen Sie es geschehen. Hören Sie auf dagegen anzukämpfen und lassen Sie los.' Sie streckte die Hand aus und wollte sie ihm auf die Schulter legen, aber sie fasste ins Leere, weil er natürlich nicht physisch anwesend war. Ein Schauder durchfuhr sie, wie jedes Mal, wenn sie versuchte, einen Geist zu berühren.
'Ich bin es wirklich leid', gestand er. 'Okay, ich versuch's.' Tapfer schloss er die Augen und atmete ein letztes Mal tief aus.
Jacob, oder besser gesagt seine Erscheinung, schimmerte zuerst, löste sich dann allmählich auf und verschwand schließlich ganz.
'Endlich.'
Sadie stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Manchmal war der Umgang mit den Toten schon frustrierend. Obwohl es eine gewisse Befriedigung bedeutete, ihnen beim Hinübergehen behilflich zu sein, wünschte sie, sie würden mehr zuhören und weniger reden. Aber ihr war auch klar, dass die Toten lediglich Gehör finden wollten, und sie war die Einzige, die ihnen zuhören konnte.
Rasch machte sie sich wieder an die Arbeit und schrubbte die Reste von Gehirnmasse ab, die wie versteinerter Haferbrei an der Wand klebten.
'Du tust es schon wieder.' Zacks Stimme klang gedämpft hinter seinem Mundschutz. Er kam näher, damit sie ihn besser verstehen konnte. 'Ich habe dich reden hören, gerade eben, als ich im Zimmer nebenan war.'
'Tut mir leid', sagte Sadie über die Schulter hinweg, dabei tat es ihr überhaupt nicht leid.
'Wenn du schon mit den Toten reden musst, dann tu es wenigstens, wenn ich nicht in der Nähe bin.' Zack hatte die Hände in die Hüften gestemmt. Er trug denselben blauen Schutzanzug mit Atemschutzmaske und Überschuhen wie Sadie.
'Ich hab Zeit, aber sie manchmal nicht', erwiderte Sadie. Sie war sicher, dass Zack hinter seiner Schutzbrille mit den Augen rollte.
'Ich bringe jetzt den nächsten Müllbehälter weg', sagte
er.
'In Ordnung.' Sadie war bereits wieder am Schrubben. 'Ich mache hier noch ein bisschen weiter, den Rest können wir dann morgen früh erledigen.'
'Bleib nicht zu lange, sonst verpasst du Dawns Party.'
'Oh, verdammt.' Sadie seufzte. 'Schätze, mir bleibt nicht mehr viel Zeit.'
'Nein, es sei denn, du willst mit diesem Verwesungsgeruch den dreißigsten Geburtstag deiner Schwester feiern.' Er lachte vor sich hin und winkte ihr zu.
Zack hatte recht. Um den Leichengeruch loszuwerden, genügte eine kurze Dusche nicht. Widerstrebend packte Sadie ihre Sachen zusammen und fuhr nach Hause. Sie duschte besonders ausgiebig und zuckte zusammen, als sie auf die Uhr sah. Rasch zog sie sich an und eilte zur Tür hinaus.
Dawn wohnte nur ein paar Kilometer weiter im Ballard District, aber der feine Nieselregen machte die Straßen rutschig. Sadie bog langsam in die Midvale Avenue ein und drehte das Radio lauter, um das dumpfe Geräusch der Scheibenwischer zu übertönen.
Wenige Minuten später parkte sie am Straßenrand, riss die Wagentür auf und lief zu Dawns Haus. Die Zweige einer großen Zeder hingen über den Gehweg, und Sadie blieb nichts anderes übrig, als ihnen auszuweichen. Schon an der Tür vernahm sie den lauten Chor, der 'Happy Birthday' anstimmte, deshalb machte sie sich gar nicht erst die Mühe anzuklopfen, sondern ging einfach hinein. Rasch mischte sie sich unter die etwa vierzig Gäste, gerade noch rechtzeitig zum Finale. Dawn schloss theatralisch die Augen, um sich etwas zu wünschen, und blies unter lautem Beifall die Kerzen aus.
'Das war aber knapp', flüsterte Zack in Sadies Ohr.
'Hat sie bemerkt, dass ich zu spät gekommen bin?'
'Ich glaube nicht. Sie hat schon ein paar Gläschen intus.'
'Das ist einfach nicht fair', jammerte der Mann. 'Jacob, wir haben seit gestern schon ein Dutzend Mal darüber gesprochen', erklärte Sadie mit geduldiger Stimme, während sie die tropfende Bürste wieder aus der Lauge hob. 'Es lässt sich nicht ändern. Was passiert ist, ist passiert. Das haben Sie sich selbst eingebrockt.' 'Das ist nicht komisch.'
'Tut mir leid.' Aber Sadie musste trotzdem lachen. Dann trat sie einen Schritt zurück und betrachtete prüfend ihre Arbeit. Manchmal bedurfte es einer gewissen Distanz, um zu sehen, ob alles sauber war.
'Es müsste einen andern Weg geben', murrte er.
'Jacob, jetzt mal ganz ehrlich. Sie sind tot. Sie haben sich aufs Bett gesetzt und sich das Hirn weggeblasen.' Mit einem entschlossenen Blick schritt sie auf ihn zu. 'Es tut mir leid, aber es gibt kein Zurück mehr.'
Er machte ein gequältes Gesicht - und das nicht nur, weil ihm die gesamte linke Kopfhälfte fehlte. Sadie verübelte es ihm nicht, dass er zögerte - es war ganz natürlich, Angst vor dem Jenseits zu haben. Es musste ihm nur jemand den nötigen Tritt in den Hintern verpassen.
'Aber es war ein Unfall', erklärte er. 'Ich hatte keine Ahnung, dass die Waffe geladen war.'
Sadie wusste, dass er die Wahrheit sagte.
'Sie glauben mir also.'
'Tatsache ist, dass wir diese Unterhaltung nicht führen würden, wenn Sie Selbstmord begangen hätten. Ich weiß nicht, warum, aber diejenigen, die freiwillig aus dem Leben geschieden sind, wollen nichts mit mir zu tun haben.'
'Ihre Familie muss sehr stolz auf Sie sein', meinte er sarkastisch. 'Oder haben alle bei Ihnen 'ne Macke?'
'Ich kenne keinen, der sonst noch mit diesem Talent gestraft ist', erklärte Sadie wahrheitsgemäß. 'Meine Eltern wissen nichts davon, meine Schwester muss sich erst noch an den Gedanken gewöhnen, und meine beste Freundin würde mich am liebsten zu Oprah Winfrey ins Fernsehen schicken. Aber genug von mir.' Sie sah ihn durchdringend an. 'Sie können nicht länger hier rumhängen. Los, verschwinden Sie schon.'
Jacob sackte mitten im Zimmer zusammen, genau an der Stelle, wo sein Bett gestanden hatte. Sadie hatte die blutdurchtränkte Matratze bereits wegschaffen lassen. Für solche Dinge hatte ihre Firma einen Speziallagerraum, den eine Entsorgungsfirma für medizinische Abfälle leerte. Jacob hockte da, als wäre sein Bett lediglich unsichtbar.
'Also, was soll ich tun?', fragte er kläglich.
Sadie seufzte. 'Entspannen Sie sich einfach und lassen Sie es geschehen. Hören Sie auf dagegen anzukämpfen und lassen Sie los.' Sie streckte die Hand aus und wollte sie ihm auf die Schulter legen, aber sie fasste ins Leere, weil er natürlich nicht physisch anwesend war. Ein Schauder durchfuhr sie, wie jedes Mal, wenn sie versuchte, einen Geist zu berühren.
'Ich bin es wirklich leid', gestand er. 'Okay, ich versuch's.' Tapfer schloss er die Augen und atmete ein letztes Mal tief aus.
Jacob, oder besser gesagt seine Erscheinung, schimmerte zuerst, löste sich dann allmählich auf und verschwand schließlich ganz.
'Endlich.'
Sadie stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Manchmal war der Umgang mit den Toten schon frustrierend. Obwohl es eine gewisse Befriedigung bedeutete, ihnen beim Hinübergehen behilflich zu sein, wünschte sie, sie würden mehr zuhören und weniger reden. Aber ihr war auch klar, dass die Toten lediglich Gehör finden wollten, und sie war die Einzige, die ihnen zuhören konnte.
Rasch machte sie sich wieder an die Arbeit und schrubbte die Reste von Gehirnmasse ab, die wie versteinerter Haferbrei an der Wand klebten.
'Du tust es schon wieder.' Zacks Stimme klang gedämpft hinter seinem Mundschutz. Er kam näher, damit sie ihn besser verstehen konnte. 'Ich habe dich reden hören, gerade eben, als ich im Zimmer nebenan war.'
'Tut mir leid', sagte Sadie über die Schulter hinweg, dabei tat es ihr überhaupt nicht leid.
'Wenn du schon mit den Toten reden musst, dann tu es wenigstens, wenn ich nicht in der Nähe bin.' Zack hatte die Hände in die Hüften gestemmt. Er trug denselben blauen Schutzanzug mit Atemschutzmaske und Überschuhen wie Sadie.
'Ich hab Zeit, aber sie manchmal nicht', erwiderte Sadie. Sie war sicher, dass Zack hinter seiner Schutzbrille mit den Augen rollte.
'Ich bringe jetzt den nächsten Müllbehälter weg', sagte
er.
'In Ordnung.' Sadie war bereits wieder am Schrubben. 'Ich mache hier noch ein bisschen weiter, den Rest können wir dann morgen früh erledigen.'
'Bleib nicht zu lange, sonst verpasst du Dawns Party.'
'Oh, verdammt.' Sadie seufzte. 'Schätze, mir bleibt nicht mehr viel Zeit.'
'Nein, es sei denn, du willst mit diesem Verwesungsgeruch den dreißigsten Geburtstag deiner Schwester feiern.' Er lachte vor sich hin und winkte ihr zu.
Zack hatte recht. Um den Leichengeruch loszuwerden, genügte eine kurze Dusche nicht. Widerstrebend packte Sadie ihre Sachen zusammen und fuhr nach Hause. Sie duschte besonders ausgiebig und zuckte zusammen, als sie auf die Uhr sah. Rasch zog sie sich an und eilte zur Tür hinaus.
Dawn wohnte nur ein paar Kilometer weiter im Ballard District, aber der feine Nieselregen machte die Straßen rutschig. Sadie bog langsam in die Midvale Avenue ein und drehte das Radio lauter, um das dumpfe Geräusch der Scheibenwischer zu übertönen.
Wenige Minuten später parkte sie am Straßenrand, riss die Wagentür auf und lief zu Dawns Haus. Die Zweige einer großen Zeder hingen über den Gehweg, und Sadie blieb nichts anderes übrig, als ihnen auszuweichen. Schon an der Tür vernahm sie den lauten Chor, der 'Happy Birthday' anstimmte, deshalb machte sie sich gar nicht erst die Mühe anzuklopfen, sondern ging einfach hinein. Rasch mischte sie sich unter die etwa vierzig Gäste, gerade noch rechtzeitig zum Finale. Dawn schloss theatralisch die Augen, um sich etwas zu wünschen, und blies unter lautem Beifall die Kerzen aus.
'Das war aber knapp', flüsterte Zack in Sadies Ohr.
'Hat sie bemerkt, dass ich zu spät gekommen bin?'
'Ich glaube nicht. Sie hat schon ein paar Gläschen intus.'