Punk Rock
Die Geschichte einer Revolution
John Robb(Author)
Heyne (Publisher)
Published on 2. March 2009
Book
Other book format
528 pages
978-3-453-67550-6 (ISBN)
Description
Am Anfang war das Chaos
Mit John Robbs "oral history" liegt jetzt erstmals die komplette Geschichte des britischen Punk vor - erzählt von den wichtigsten Zeitzeugen. Autor John Robb, lässt alle zu Wort kommen: John Lydon, Malcolm McLaren, Captain Sensible, Billy Bragg oder Siouxsie Sioux. Herausgekommen ist ein unverzichtbares Standardwerk, das die Bewegung in ihrer ganzen Bandbreite beleuchtet: von Mode über Politik bis zur Musik.
* Für alle Leser der Bestseller "Verschwende deine Jugend" von Jürgen Teipel und "England's Dreaming" von Jon Savage
* Das unverzichtbare Standardwerk für jeden Musik- und Zeitgeistinteressierten
Mit John Robbs "oral history" liegt jetzt erstmals die komplette Geschichte des britischen Punk vor - erzählt von den wichtigsten Zeitzeugen. Autor John Robb, lässt alle zu Wort kommen: John Lydon, Malcolm McLaren, Captain Sensible, Billy Bragg oder Siouxsie Sioux. Herausgekommen ist ein unverzichtbares Standardwerk, das die Bewegung in ihrer ganzen Bandbreite beleuchtet: von Mode über Politik bis zur Musik.
* Für alle Leser der Bestseller "Verschwende deine Jugend" von Jürgen Teipel und "England's Dreaming" von Jon Savage
* Das unverzichtbare Standardwerk für jeden Musik- und Zeitgeistinteressierten
More details
Language
German
Place of publication
München
Germany
Illustrations
mit zahlreichen s/w-Fotos
Dimensions
Height: 20.6 cm
Width: 13.5 cm
ISBN-13
978-3-453-67550-6 (9783453675506)
Schweitzer Classification
Persons
John Robb wuchs in der britischen Hafenstadt Blackpool auf. 1977 gründete er "The Membranes", eine Band, die als Wegbereiter des Post-Punk gilt. In den späten Achtzigern arbeitete er als Journalist für das Sounds-Magazin. Seit den Neunzigern ist Robb wied
Content
Seit Punk vor 30 Jahren sein erstes Grollen auf der britischen Insel hören ließ, ist die Bewegung zum Bestandteil der Kulturindustrie geworden und konkurriert als solcher mit Andy Warhols Factory und den Beatles. Deshalb schwingt ein wenig unfreiwillige Ironie in einer Äußerung Malcolm McLarens aus der rebellischen Zeit von 1976 mit: "Geschichte ist dazu da, auf sie zu scheißen". Wie sich herausstellen sollte, wurden viele Leute, die Punk mit ins Leben riefen, selbst zu gewissenhaften Archivaren und sorgfältigen Verwaltern ihrer eigenen Geschichte. Oder sie sind sich zumindest bewusst, dass sie für kurze Zeit an etwas ganz Besonderem teilgenommen haben.
Über den britischen Punk sind schon einige Bücher veröffentlicht worden, allen voran Jon Savages "England's Dreaming", das in mehrfacher Hinsicht zum Standardwerk geworden ist, an dem sich auch andere Autoren orientiert haben. Doch während viele Bücher versucht haben, ein Resümee von Punk zu ziehen oder ihn als Mythos zu glorifizieren, legt John Robb hier erstmals eine minutiöse Studie über die Anfangsjahre von Punk vor, die komplett aus den Erinnerungen und Gedanken derjenigen besteht, die damals aktiv waren und alles hautnah miterlebten. Das macht die Besonderheit und die Intimität des Buches aus.
Es ist klar, dass Punk seine eigene Historisierung mit dem Slogan "No Future" eigentlich ad absurdum führen wollte. Und es ist auch klar, dass viele Protagonisten die klassische Zeit von Punk zwischen 1976 und 1978 nicht in einen Schrein gesperrt sehen wollen, sondern etwas dagegen haben, wenn sentimentale Nostalgie ins Spiel kommt oder von einer besseren Zeit die Rede ist. Sieht man davon einmal ab, ist es allerdings bemerkenswert, welch tiefe, ihr ganzes Leben verändernde Wirkung Punk auf viele Menschen hatte, die mit ihm in Berührung kamen.
Alles an Punk war auf aggressive Weise modern. Man könnte Punk als eine Bewegung definieren, die das Gespür für Modernität einer kritischen Masse nahe gebracht hat. Wer an Punk teilnahm, gab so ein für alle erkennbares politisches Statement ab, wie ungenau oder nihilistisch es auch immer gewesen sein mag. In einer Zeit, in der Musik und Mode noch provozierten und in der Öffentlichkeit nicht nur Empörung, sondern offenen Hass hervorriefen, war es extrem mutig, sich für Punk zu entscheiden. Punk bescherte seinen Schöpfern und Anhängern ein oder zwei Jahre voller intensiver Erfahrungen.
All das ist längst in unzähligen Geschichten verarbeitet worden; das vorliegende Buch zeigt, dass die Geschichte des Punk zu einer Erzählung mit offenem Ausgang geworden ist. Alle Beteiligten haben ihre eigene Geschichte: wie sie sich zum Beispiel dieses oder jenes Kleidungsstück gekauft und wie sie eine bestimmte Platte zum ersten Mal gehört haben, oder wie sie zum ersten Mal in einem ganz bestimmten Laden gewesen sind. Einschließlich der ganzen Rahmenbedingungen - wie wenig Geld sie damals hatten, wie stark die ersten Punks gesellschaftlich isoliert und wie wenige es am Anfang überhaupt waren.
Dadurch hat Punk alle Beteiligten gegenüber den eigenen Einflüssen und der eigenen Umgebung sensibilisiert. Auf welche Weise fanden sie sich selbst in diesem seltsamen exhibitionistischen Rausch wieder? Und welche Erwartungen hatte jeder Einzelne in Punk gesetzt? War es Klassenkampf oder eine neue Version der Dada-Bewegung? Situationismus oder Kampftrinken? Ein Angriff auf konventionelle Geschlechterrollen oder freizügiger Sex? War es Mode oder Anti-Mode oder das Umschlagen von Anti-Mode in Mode? In fast all diesen Fällen lieferte Punk keine klaren Antworten, sondern jede Menge unterschiedlicher Erklärungsansätze - er lebte von der Spannung aus Gegensätzen.
Für jeden Einzelnen und für jede Gruppe, die in Punk nach Antworten, einem Lebensziel oder Unterhaltung suchte, wurde die Sache zu einem Spiegel. Die Klassenkämpfer sahen darin einen Klassenkampf, die Ästheten der Art School eine Neubelebung des Cabaret Voltaire. Punk wurde zum Katalysator und zum Beschleuniger - er stellte die Dinge auf den Kopf und machte so den Blick frei für neue Perspektiven. Das zeigt sich allein schon daran, dass innerhalb der Bewegung von Anfang an debattiert wurde, wie Punk überhaupt zu definieren sei - die inneren Widersprüche waren ja Bestandteil seiner Identität.
Aus all diesen Gründen ist die Geschichte des Punk später von unzähligen Leuten unterschiedlich definiert und besetzt worden; und inmitten der Debatten stellt sich ferner auch immer wieder die Frage nach der Authentizität. Welche war die wahre Identität von Punk? Und welche Version ist der ursprünglichen Idee am nächsten?
Die Bedeutung des vorliegenden Buches besteht darin, dass hier die ganz persönlichen Aussagen von Zeitzeugen versammelt wurden: Dank der Unmittelbarkeit ihrer Erfahrungen liest sich die Geschichte wie ein Roman; die Sprecher selbst werden zu Charakteren - fehlbar, arrogant, großzügig, nachdenklich, witzig. Punk entstand nicht nur auf der Kings Road, in Chelsea, Covent Garden oder Soho, sondern verschaffte sich auch in zahllosen öden Vorstädten und in der Provinz lautstark Gehör. Für diejenigen, die Punk jenseits der Metropolen erlebten, in denen Differenzen und Andersartigkeit wohl eher toleriert werden, hatte das Ganze wahrscheinlich eine noch viel höhere Intensität.
Die unterschiedlichen Stimmen lassen eine Ära und deren Lebensgefühl wieder aufleben - ihre Vorgeschichten und ihr Blick auf alltägliche Details geben der Geschichte einen Rahmen und werfen Licht ins Dunkel jener Zeit der neu aufkeimenden Ideen und der absterbenden alten Ideale. Sie geben außerdem die paradoxe Regierungsform des Punk wieder, die als eine elitäre Demokratie beschrieben werden kann. Es gibt keine "wahre" Geschichte des Punk, denn Punk selbst brach ja mit dem Begriff der Authentizität ebenso wie mit dem Glauben an kulturelles Eigentum.
Die Energie von Punk wurde in hohem Maße - auf gefährliche Weise - von Negativität angetrieben; in der einen oder anderen Weise war Gewalt ein ständiger, flüchtiger Begleiter. Die vielen Stimmen in diesem Buch bestätigen, dass damals eine tiefe, elementare Ruhelosigkeit in der Luft lag, hervorgegangen aus dem, was W. H. Auden einst als "die komplette Langeweile" bezeichnet hatte. Sie machte Punk so unvergesslich und gab der Bewegung die Kraft, alle Münzen neu zu prägen, was inzwischen auch mal wieder nötig wäre.
Dezember 2005
INTRO
Punk veränderte alles. Nicht nur unsere Hosen. Unser Leben.
Jeder stieß mit ganz eigenen Erwartungen zu Punk. Jeder hat seine ganz eigenen Erinnerungen an die Sache mitgenommen. Und einige von uns sind immer noch dabei, immer noch angespornt vom Feuer dieser Revolution.
Über den britischen Punk sind schon einige Bücher veröffentlicht worden, allen voran Jon Savages "England's Dreaming", das in mehrfacher Hinsicht zum Standardwerk geworden ist, an dem sich auch andere Autoren orientiert haben. Doch während viele Bücher versucht haben, ein Resümee von Punk zu ziehen oder ihn als Mythos zu glorifizieren, legt John Robb hier erstmals eine minutiöse Studie über die Anfangsjahre von Punk vor, die komplett aus den Erinnerungen und Gedanken derjenigen besteht, die damals aktiv waren und alles hautnah miterlebten. Das macht die Besonderheit und die Intimität des Buches aus.
Es ist klar, dass Punk seine eigene Historisierung mit dem Slogan "No Future" eigentlich ad absurdum führen wollte. Und es ist auch klar, dass viele Protagonisten die klassische Zeit von Punk zwischen 1976 und 1978 nicht in einen Schrein gesperrt sehen wollen, sondern etwas dagegen haben, wenn sentimentale Nostalgie ins Spiel kommt oder von einer besseren Zeit die Rede ist. Sieht man davon einmal ab, ist es allerdings bemerkenswert, welch tiefe, ihr ganzes Leben verändernde Wirkung Punk auf viele Menschen hatte, die mit ihm in Berührung kamen.
Alles an Punk war auf aggressive Weise modern. Man könnte Punk als eine Bewegung definieren, die das Gespür für Modernität einer kritischen Masse nahe gebracht hat. Wer an Punk teilnahm, gab so ein für alle erkennbares politisches Statement ab, wie ungenau oder nihilistisch es auch immer gewesen sein mag. In einer Zeit, in der Musik und Mode noch provozierten und in der Öffentlichkeit nicht nur Empörung, sondern offenen Hass hervorriefen, war es extrem mutig, sich für Punk zu entscheiden. Punk bescherte seinen Schöpfern und Anhängern ein oder zwei Jahre voller intensiver Erfahrungen.
All das ist längst in unzähligen Geschichten verarbeitet worden; das vorliegende Buch zeigt, dass die Geschichte des Punk zu einer Erzählung mit offenem Ausgang geworden ist. Alle Beteiligten haben ihre eigene Geschichte: wie sie sich zum Beispiel dieses oder jenes Kleidungsstück gekauft und wie sie eine bestimmte Platte zum ersten Mal gehört haben, oder wie sie zum ersten Mal in einem ganz bestimmten Laden gewesen sind. Einschließlich der ganzen Rahmenbedingungen - wie wenig Geld sie damals hatten, wie stark die ersten Punks gesellschaftlich isoliert und wie wenige es am Anfang überhaupt waren.
Dadurch hat Punk alle Beteiligten gegenüber den eigenen Einflüssen und der eigenen Umgebung sensibilisiert. Auf welche Weise fanden sie sich selbst in diesem seltsamen exhibitionistischen Rausch wieder? Und welche Erwartungen hatte jeder Einzelne in Punk gesetzt? War es Klassenkampf oder eine neue Version der Dada-Bewegung? Situationismus oder Kampftrinken? Ein Angriff auf konventionelle Geschlechterrollen oder freizügiger Sex? War es Mode oder Anti-Mode oder das Umschlagen von Anti-Mode in Mode? In fast all diesen Fällen lieferte Punk keine klaren Antworten, sondern jede Menge unterschiedlicher Erklärungsansätze - er lebte von der Spannung aus Gegensätzen.
Für jeden Einzelnen und für jede Gruppe, die in Punk nach Antworten, einem Lebensziel oder Unterhaltung suchte, wurde die Sache zu einem Spiegel. Die Klassenkämpfer sahen darin einen Klassenkampf, die Ästheten der Art School eine Neubelebung des Cabaret Voltaire. Punk wurde zum Katalysator und zum Beschleuniger - er stellte die Dinge auf den Kopf und machte so den Blick frei für neue Perspektiven. Das zeigt sich allein schon daran, dass innerhalb der Bewegung von Anfang an debattiert wurde, wie Punk überhaupt zu definieren sei - die inneren Widersprüche waren ja Bestandteil seiner Identität.
Aus all diesen Gründen ist die Geschichte des Punk später von unzähligen Leuten unterschiedlich definiert und besetzt worden; und inmitten der Debatten stellt sich ferner auch immer wieder die Frage nach der Authentizität. Welche war die wahre Identität von Punk? Und welche Version ist der ursprünglichen Idee am nächsten?
Die Bedeutung des vorliegenden Buches besteht darin, dass hier die ganz persönlichen Aussagen von Zeitzeugen versammelt wurden: Dank der Unmittelbarkeit ihrer Erfahrungen liest sich die Geschichte wie ein Roman; die Sprecher selbst werden zu Charakteren - fehlbar, arrogant, großzügig, nachdenklich, witzig. Punk entstand nicht nur auf der Kings Road, in Chelsea, Covent Garden oder Soho, sondern verschaffte sich auch in zahllosen öden Vorstädten und in der Provinz lautstark Gehör. Für diejenigen, die Punk jenseits der Metropolen erlebten, in denen Differenzen und Andersartigkeit wohl eher toleriert werden, hatte das Ganze wahrscheinlich eine noch viel höhere Intensität.
Die unterschiedlichen Stimmen lassen eine Ära und deren Lebensgefühl wieder aufleben - ihre Vorgeschichten und ihr Blick auf alltägliche Details geben der Geschichte einen Rahmen und werfen Licht ins Dunkel jener Zeit der neu aufkeimenden Ideen und der absterbenden alten Ideale. Sie geben außerdem die paradoxe Regierungsform des Punk wieder, die als eine elitäre Demokratie beschrieben werden kann. Es gibt keine "wahre" Geschichte des Punk, denn Punk selbst brach ja mit dem Begriff der Authentizität ebenso wie mit dem Glauben an kulturelles Eigentum.
Die Energie von Punk wurde in hohem Maße - auf gefährliche Weise - von Negativität angetrieben; in der einen oder anderen Weise war Gewalt ein ständiger, flüchtiger Begleiter. Die vielen Stimmen in diesem Buch bestätigen, dass damals eine tiefe, elementare Ruhelosigkeit in der Luft lag, hervorgegangen aus dem, was W. H. Auden einst als "die komplette Langeweile" bezeichnet hatte. Sie machte Punk so unvergesslich und gab der Bewegung die Kraft, alle Münzen neu zu prägen, was inzwischen auch mal wieder nötig wäre.
Dezember 2005
INTRO
Punk veränderte alles. Nicht nur unsere Hosen. Unser Leben.
Jeder stieß mit ganz eigenen Erwartungen zu Punk. Jeder hat seine ganz eigenen Erinnerungen an die Sache mitgenommen. Und einige von uns sind immer noch dabei, immer noch angespornt vom Feuer dieser Revolution.