
Die Erde
Eine Einführung
Martin Redfern(Author)
Reclam (Publisher)
Published in February 2007
Book
Paperback/Softback
194 pages
978-3-15-018439-4 (ISBN)
Description
Woher stammt unser Planet? Wie hat er sich im Lauf der Zeit verändert? Was passiert, wenn die Erde bebt? Welche Schichten grenzen die Erde vom Weltraum ab? Und wie wird unser Planet in Zukunft aussehen? Martin Redfern stellt Fragen wie diese - und bekommt auf diese Weise einen großen, blauen Planeten in ein kleines, gelbes Buch.
Reviews / Votes
Das kleine gelbe Bändchen erzählt ein großes Drama. Der englische Wissenschaftsautor Martin Redfern zeigt in seiner lebendigen und souveränen Darstellung, wie bewegt das Leben der Erde bisher war. Aber auch die Geschichte des Wissens über die Erde ist voller Geschichten, Meditationsstoff zum Klimawandel.RBB KulturradioMore details
Series
Language
German
Illustrations
10
10 s/w Abbildungen
ISBN-13
978-3-15-018439-4 (9783150184394)
Schweitzer Classification
Persons
Content
1 Der dynamische Planet
2 Die Tiefen der Zeit
3 Die Tiefen der Erde
4 Unter der Meeresoberfläche
5 Driftende Kontinente
6 Vulkane
7 Wenn die Erde bebt
2 Die Tiefen der Zeit
3 Die Tiefen der Erde
4 Unter der Meeresoberfläche
5 Driftende Kontinente
6 Vulkane
7 Wenn die Erde bebt
Wie bekommt man einen großen, runden Planeten in ein kleines, flaches Buch? Das ist keine einfach zu lösende Aufgabe. Dennoch gibt es zwei sehr unterschiedliche Wege, sie in Angriff zu nehmen. Der erste entspricht der Vorgehensweise der Geologie, die sich vom Detail zum Ganzen vorarbeitet: Im Wesentlichen konzentriert sie sich auf Gesteine. Seit Jahrhunderten haben Geologen mit ihren kleinen Hämmern alle Winkel der Oberfläche unseres Planeten aufgesucht und die verschiedenen Gesteinstypen und die Mineralkörnchen erforscht, aus denen sie bestehen. Mit Auge und Mikroskop, Elektronensonde und Massenspektrometer haben sie die Kruste des Planeten in ihre Bestandteile zerlegt. Anschließend erstellten sie Karten, die zeigen, wie die einzelnen Gesteinstypen zueinander in Beziehung stehen, und erschlossen theoretisch, empirisch und experimentell, wie es zu ihrer Verteilung gekommen sein könnte. Dieses riesige Unternehmen erbrachte tiefgreifende Einsichten. Die vereinten Anstrengungen aller dieser Geologen haben eine riesige Wissensmenge angehäuft, auf der künftige Erdwissenschaftler aufbauen können. Allein diese Vorgehensweise, die vom Einzelnen auf das große Ganze schließt, ermöglicht es mir, dieses Buch zu schreiben. Ich selbst werde anders vorgehen. Dieses Buch ist keine Einführung in Gesteine und Mineralien und in die Kunst der geologischen Kartenerstellung. Vielmehr handelt es sich um das Porträt eines Planeten. Diese neue Weise, unseren alten Planeten zu betrachten, entspricht einer Vorgehensweise, die sich vom Ganzen zum Detail vorarbeitet. Sie macht die Grundlage der Wissenschaft aus, die sich mit den Erdsystemen beschäftigt. Sie betrachtet die Erde in ihrer Ganzheit und nicht nur in einer dem Fluss der Zeit enthobenen Momentaufnahme, die wir die Gegenwart nennen. Wenn wir unseren Planeten in den großen Zeiträumen der Geologie betrachten, beginnen wir, ihn als ein dynamisches System, als Folge von Prozessen und Kreisläufen zu verstehen. Auf diese Weise können wir zumindest beginnen zu verstehen, was sein Wesen ausmacht.
Die ganzheitliche Sicht
Der Astronom Sir Fred Hoyle machte seine eingangs zitierte Voraussage im Jahr 1948, ein Jahrzehnt, bevor das Zeitalter der Raumfahrt anbrach. Als unbemannte Raketen die ersten Bilder der Erde aus dem Weltraum aufnahmen und die erste Generation von Astronauten mit eigenen Augen unsere Erde in ihrer Ganzheit sahen, ging die Voraussage in Erfüllung. Diese ersten Gesamtansichten der Erde lieferten uns zwar kaum neue Erkenntnisse, aber sie hatten Symbolcharakter. Für viele der Astronauten, die dieses Bild sehen durften, war die Schönheit und scheinbare Zerbrechlichkeit unserer Welt eine prägende Erfahrung für ihr weiteres Leben. Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Erdwissenschaften zur gleichen Zeit ihre eigene Revolution erlebten. Endlich, fünfzig Jahre nachdem AIfred Wegener sie aufgestellt hatte, setzte sich die Theorie der Plattentektonik durch. Untersuchungen des Ozeanbodens ergaben, dass er sich von einem System mittelozeanischer Rücken aus aufspreizt. Unweigerlich musste der Boden irgendwo ankommen und dabei Kontinente auseinanderzwingen oder aufeinander zuschieben. Die unvorstellbaren Massen der Gesteinsplatten von der Größe eines Kontinents befanden sich in Bewegung, folgten einer kunstvollen und sehr alten Choreographie.
Etwa gleichzeitig formierte sich eine globale Umweltbewegung unter dem Wappen des kleinen blauen Juwels, das wir die Erde nennen, das in der Dunkelheit des Weltraums schwebt. Sie bestand zum einen aus Menschen, die sich vom Aussterben bedrohter Arten und Regenwälder tief betroffen fühlten, zum anderen aus Wissenschaftlern, die sich eine neue Sicht komplexer, interagierender ökologischer Systeme zu eigen machten. Heute verwenden die meisten Fachbereiche und Forschungsgruppen an Universitäten statt der Bezeichnung "Geologie" den Ausdruck "Erdwissenschaften". Sie erkennen damit an, dass ihr Fach über das Studium von Gesteinen hinaus expandiert ist. Der Ausdruck "Erdsysteme" wird immer häufiger verwendet. Er trägt der in Wechselbeziehung stehenden, dynamischen Struktur der Prozesse Rechnung, zu denen nicht nur die feste, felsige Erde, sondern ebenso ihre Ozeane, der empfindliche Schleier ihrer Atmosphäre sowie der dünne Film des Lebens auf ihrer Oberfläche gehört. Unsere Erde scheint wie eine Zwiebel aufgebaut zu sein: Sie besteht aus einer Reihe konzentrisch angeordneter Sphären, angefangen von der Magnetosphäre und Atmosphäre, über die Biosphäre und Hydrosphäre bis hin zu den festen Schichten der Erde. Nur einige dieser Schichten sind kugelförmig, und manche sind unserer Erfahrung nur indirekt zugänglich. Jeder von ihnen gelingt es jedoch, sich in einem empfindlichen Gleichgewicht zu halten. Jede Komponente eines solchen Systems wird nicht als etwas Festes und Unveränderliches betrachtet, sondern eher wie ein Springbrunnen, der zwar seine Gesamtstruktur bewahren kann, sich aber aufgrund der Materie und Energie, die durch ihn hindurch fließt, dennoch ständig verändert. (.)
© 2007 Philipp Reclam jun. Verlag Gmbh & Co., Stuttgart
Die ganzheitliche Sicht
Der Astronom Sir Fred Hoyle machte seine eingangs zitierte Voraussage im Jahr 1948, ein Jahrzehnt, bevor das Zeitalter der Raumfahrt anbrach. Als unbemannte Raketen die ersten Bilder der Erde aus dem Weltraum aufnahmen und die erste Generation von Astronauten mit eigenen Augen unsere Erde in ihrer Ganzheit sahen, ging die Voraussage in Erfüllung. Diese ersten Gesamtansichten der Erde lieferten uns zwar kaum neue Erkenntnisse, aber sie hatten Symbolcharakter. Für viele der Astronauten, die dieses Bild sehen durften, war die Schönheit und scheinbare Zerbrechlichkeit unserer Welt eine prägende Erfahrung für ihr weiteres Leben. Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Erdwissenschaften zur gleichen Zeit ihre eigene Revolution erlebten. Endlich, fünfzig Jahre nachdem AIfred Wegener sie aufgestellt hatte, setzte sich die Theorie der Plattentektonik durch. Untersuchungen des Ozeanbodens ergaben, dass er sich von einem System mittelozeanischer Rücken aus aufspreizt. Unweigerlich musste der Boden irgendwo ankommen und dabei Kontinente auseinanderzwingen oder aufeinander zuschieben. Die unvorstellbaren Massen der Gesteinsplatten von der Größe eines Kontinents befanden sich in Bewegung, folgten einer kunstvollen und sehr alten Choreographie.
Etwa gleichzeitig formierte sich eine globale Umweltbewegung unter dem Wappen des kleinen blauen Juwels, das wir die Erde nennen, das in der Dunkelheit des Weltraums schwebt. Sie bestand zum einen aus Menschen, die sich vom Aussterben bedrohter Arten und Regenwälder tief betroffen fühlten, zum anderen aus Wissenschaftlern, die sich eine neue Sicht komplexer, interagierender ökologischer Systeme zu eigen machten. Heute verwenden die meisten Fachbereiche und Forschungsgruppen an Universitäten statt der Bezeichnung "Geologie" den Ausdruck "Erdwissenschaften". Sie erkennen damit an, dass ihr Fach über das Studium von Gesteinen hinaus expandiert ist. Der Ausdruck "Erdsysteme" wird immer häufiger verwendet. Er trägt der in Wechselbeziehung stehenden, dynamischen Struktur der Prozesse Rechnung, zu denen nicht nur die feste, felsige Erde, sondern ebenso ihre Ozeane, der empfindliche Schleier ihrer Atmosphäre sowie der dünne Film des Lebens auf ihrer Oberfläche gehört. Unsere Erde scheint wie eine Zwiebel aufgebaut zu sein: Sie besteht aus einer Reihe konzentrisch angeordneter Sphären, angefangen von der Magnetosphäre und Atmosphäre, über die Biosphäre und Hydrosphäre bis hin zu den festen Schichten der Erde. Nur einige dieser Schichten sind kugelförmig, und manche sind unserer Erfahrung nur indirekt zugänglich. Jeder von ihnen gelingt es jedoch, sich in einem empfindlichen Gleichgewicht zu halten. Jede Komponente eines solchen Systems wird nicht als etwas Festes und Unveränderliches betrachtet, sondern eher wie ein Springbrunnen, der zwar seine Gesamtstruktur bewahren kann, sich aber aufgrund der Materie und Energie, die durch ihn hindurch fließt, dennoch ständig verändert. (.)
© 2007 Philipp Reclam jun. Verlag Gmbh & Co., Stuttgart