
Die Luisenschule
Zur Geschichte der höheren Mädchenbildung in Bad Oeynhausen
Rico Quaschny(Editor)
Aschendorff (Publisher)
1st Edition
Published on 22. November 2008
Book
Hardback
640 pages
978-3-89534-753-5 (ISBN)
Description
Die Geschichte des höheren Mädchenschulwesens in Bad Oeynhausen beginnt mit der Gründung der ersten privaten Mädchenschule 1858 und endet 1969 mit der Vereinigung von Luisenschule und Immanuel-Kant-Gymnasium. In dieser über einhundertjährigen Zeitspanne spiegelt sich nicht nur Schulgeschichte, sondern auch Stadtgeschichte und deutsche Geschichte wider. Besonders die Entwicklung der 1907 als 'Höhere Mädchenschule' gegründeten und 1910 nach Königin Luise von Preußen benannten Luisenschule steht im Mittelpunkt der Beiträge in diesem Buch. Neben schulgeschichtlichen Aspekten werden u.a. die Schulleiterinnen und -leiter in biografischen Skizzen vorgestellt, die Gebäude der Luisenschule und ihre Architekten thematisiert sowie die Schicksale jüdischer und 'nichtarischer' Schülerinnen dokumentiert.
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Es hat sich nicht viel geändert. Auch nach 40 Jahren blickt Grete Schulze wehmütig auf ihre letzten Tage als Schulleiterin der Luisenschule für Mädchen zurück. Hatte sie sich doch damals so Vieles anders vorgestellt. Wäre es nach der heute 87-Jährigen gegangen, hätte Bad Oeynhausen heute noch zwei Gymnasien. Diesen Wunsch äußert die Loherin auch in dem Sammelband 'Die Luisenschule - Zur Geschichte der höheren Mädchenbildung in Bad Oeynhausen', den der Arbeitskreis für Heimatpflege am Samstagnachmittag im Stadtarchiv den rund 80 Zuhörern vorgestellt hat. 'Als bekannt wurde, dass unsere Mädchenschule mit dem Jungengymnasium zusammengeschlossen werden sollte, regte sich Protest von allen Seiten', sagte die pensionierte Lehrerin. Auch an die Überraschung über den plötzlichen Zusammenschluss kann sich Grete Schulze noch gut erinnern. 'Wir waren schließlich gerade erst in das neue Gebäude in der heutigen Realschule Süd umgezogen und hatten erreicht, dass die Mädchen auch bei uns an der Schule ihr Abitur machen konnten', erzählte sie. Vorher sei es so gewesen, dass die Mädchen für den Unterricht in der Oberstufe entweder bis nach Minden reisen oder als 'Exotinnen' unter den Schülern des Jungengymnasiums am Unterricht teilnehmen mussten. 'Noch heute verstehe ich es nicht', meinte die 87-Jährige und wirkt dabei fast immer noch ein wenig wütend. Es sei ihr bei ihrer Ablehnung des Zusammenschlusses vordergründig nicht darum gegangen, dass Jungen und Mädchen nun nebeneinander die Schulbank drücken sollten. Vielmehr sei es der ehemaligen Deutsch-, Englisch- und Geschichtslehrerin um die steigenden Schülerzahlen gegangen. 'Zwei Schulen mit je 800 Schülern hätte den Unterricht für Lehrer und Schüler leichter gemacht', sagt Grete Schulze mit Hinweis auf die heute 1600 Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums. Leichter ist auch ein Stichwort, das der 87-Jährigen bei ihren Erinnerungen an ihre Zeit in der Luisenschule einfällt. 'Im Vergleich zum heutigen Schulalltag bestand damals ein himmelweiter Unterschied', sagte sie. 'Mit 300 Schülerinnen und 14 Lehrern war alles viel familiärer, und die Schülerinnen waren damals disziplinierter.' Grete Schulze sieht in getrennten Jungen- und Mädchenschulen noch heute einen Vorteil. 'Das hat mit dem Reifeprozess der Jugendlichen zu tun', erklärte sie. Gerade im Deutschunterricht sei ihr damals aufgefallen, dass Mädchen während der Schulzeit bereits reifer als die gleichaltrigen Jungen seien. Am Samstag war Grete Schulze Zeitzeugin für einen Abschnitt in der Geschichte der Luisenschule. 15 Autoren und Autorinnen haben in dem vom Stadtarchivar Rico Quaschny herausgegebenen Sammelband 'Die Luisenschule' einzelne Epochen der höheren Mädchenbildung beleuchtet. Dabei werden nicht nur alle Schulleiter der Luisenschule von 1907 bis 1969 erfasst, auf den 640 Seiten ist auch Platz für den Mythos der Namenspatronin der Schule, Königin Luise von Preußen, oder für die Entwicklung der Luisenschule während der Weimarer Republik. Ein besonderes Augenmerk richten die Autoren auch auf die Situation der jüdischen und 'nichtarischen' Schülerinnen während des Nationalsozialismus. Jasmin Süllwold, in: Westfalen-Blatt, Bad Oeynhausen, 24.11.2008More details
Series
Language
German
Place of publication
Bielefeld
Germany
Target group
1. Ehemalige Schülerinnen
2. Einwohner von Bad Oeynhausen
3. Landeshistoriker Westfalen
4. Schulhistoriker
Product notice
sewn/stitched
Paper over boards
Illustrations
343
343 s/w Photographien bzw. Rasterbilder
Dimensions
Height: 21 cm
Width: 15 cm
Weight
1300 gr
ISBN-13
978-3-89534-753-5 (9783895347535)
Schweitzer Classification
Person
Editor
ArchivarArchivar
Rico Quaschny. Geboren 1975 in Freiberg (Sachsen). 1998-2011 Leiter des Stadtarchivs Bad Oeynhausen, seit 2011 Leiter des Stadtarchivs Iserlohn.
Rico Quaschny. Geboren 1975 in Freiberg (Sachsen). 1998-2011 Leiter des Stadtarchivs Bad Oeynhausen, seit 2011 Leiter des Stadtarchivs Iserlohn.
Content
Vorwort 9
I. Einführung
André Griemert: Der lange Weg der Mädchen zur höheren Bildung. Das höhere Mädchenschulwesen in Preußen und Deutschland (1850 bis 1970) 19
Hendrik Tieke: Bürgertum und Bildungsbedarf in einer Kurstadt um 1900. Die Entstehung von Progymnasium und Höherer Töchterschule in Bad Oeynhausen 45
Philipp Demandt: Die 'Preußenmadonna'. Der Mythos der Luise von Preußen zwischen 'Schönheitskönigin' und 'Mutter aller Deutschen' 99
II. Die Geschichte der höheren Mädchenbildung in Bad Oeynhausen von 1858 bis 1969
Gertrud Lüdiger: Das private höhere Mädchenschulwesen in Bad Oeynhausen 1858 bis 1906 117
Gertrud Lüdiger: Die Mädchenbildung an der evangelischen Bürgerschule und der Höheren Stadtschule 1882 bis 1907 139
Gertrud Lüdiger: '. die deutsche Hausfrau, mit deutscher Zucht und Sitte .'. Gründung und Entwicklung der Luisenschule 1907 bis 1933 159
Gertrud Lüdiger: 'Fleiß, Zucht und Gehorsam .'. Nationalsozialistische Ideologie im Höheren Mädchenschulwesen, aufgezeigt am Beispiel der städtischen Luisenschule in Bad Oeynhausen 1933 bis 1945 205
Gertrud Lüdiger: Vom hoffnungsfrohen Aufbruch zur ersten und letzten Abiturprüfung. Die städtische Luisenschule in Bad Oeynhausen 1945 bis 1969 263
III. Schulgebäude - Jüdische Schülerinnen - Ehemaligenvereinigung
Klaus Peter Schumann: Später Historismus und gemäßigte Moderne. Die Gebäude der Luisenschule und ihre Architekten 305
Rico Quaschny: 'Diese Zeit hat unsere Jugend vergiftet .'. Jüdische und 'nichtarische' Schülerinnen an den höheren Mädchenschulen in Bad Oeynhausen 371
Rico Quaschny: 'Helft uns, das Band zwischen Vergangenheit und Gegenwart immer fester und inniger zu knüpfen!'. Die Vereinigung ehemaliger Luisenschülerinnen 423
IV. Die Leiterinnen und Leiter der Luisenschule
Kurt Krutemeier: Frieda Viering (1864-1940). 'Dankbar rückwärts, gläubig aufwärts, mutig vorwärts' 439
Kurt Krutemeier: Dr. Emil Liven (1887-1962). 'Ich habe niemals einer marxistischen oder demokratischen Partei angehört .' 457
Ursula Tewes: Dr. Paul Schneider (1890-1971). 'Ein eifriger, gewissenhafter und tüchtiger Lehrer' - 'Ein Mann von unruhigem Ehrgeiz und starkem Geltungsbedürfnis'? 471
Rüdiger Bremme: Wilhelm Behrens (1887-1980). 'Musika ist das beste Labsal einem betrübten Menschen' 519
Björn Bernsmeier: Dr. Herta Zenke, geborene Brass (1904-1984). 'Eine wissenschaftlich und pädagogisch hervorragende Lehrkraft' 545
Bärbel Brönstrup: Dr. Heinrich Schmeding (1909-1970). 'Vom Gefühl beruflicher Verantwortung tief durchdrungen' 559
Kurt Krutemeier: Dr. Ernst Happe (1896-1976). 'Ein großer Pädagoge mit mannhaftem Mut' 577
Gertrud Lüdiger: Dr. Anne-Marie Linsen (1898-1997). Fördern durch Fordern 597
Ursula Behrendt / Dirk Windmöller: 'Ich wäre gern hier geblieben.'. Ein Gespräch mit Grete Schulze 609
V. Anhang
Annemarie Hodde / Rico Quaschny / Ursula Tewes: Die Lehrkräfte der Höheren Mädchenschule/Luisenschule 1907 bis 1969 621
Daten zur Geschichte des höheren Mädchenschulwesens in Bad Oeynhausen 628
Klassenstruktur im höheren Mädchenschulwesen in Bad Oeynhausen 1882 bis 1969 630
Abkürzungen 632
Autorinnen und Autoren 638