Weil ich für dich da bin
Roman
Morag Prunty(Author)
Goldmann (Publisher)
Published on 11. January 2010
Book
Paperback/Softback
320 pages
978-3-442-46028-1 (ISBN)
Description
Liebe, Freundschaft, Vertrauen - und die Kraft des Verzeihens
Das Verhältnis zwischen Grace und ihrer Mutter Eileen ist seit jeher schwierig, zu stark sind die Charaktere der beiden Frauen. Als Grace eines Tages eher zufällig erfährt, dass ihre Mutter unheilbar krank ist, können die beiden Frauen mit dieser Situation zunächst nicht umgehen, zumal Eileen das Thema stets meidet. Doch schließlich gelingt es ihnen, sich einander anzunähern, sich zu verstehen. Endlich merkt Grace, wie sehr ihre Mutter sie liebt und immer geliebt hat. Und dann macht Grace eine aufregende Entdeckung, die ihr Leben auf den Kopf stellt .
Eine zu Herzen gehende Mutter-Tochter-Geschichte.
Das Verhältnis zwischen Grace und ihrer Mutter Eileen ist seit jeher schwierig, zu stark sind die Charaktere der beiden Frauen. Als Grace eines Tages eher zufällig erfährt, dass ihre Mutter unheilbar krank ist, können die beiden Frauen mit dieser Situation zunächst nicht umgehen, zumal Eileen das Thema stets meidet. Doch schließlich gelingt es ihnen, sich einander anzunähern, sich zu verstehen. Endlich merkt Grace, wie sehr ihre Mutter sie liebt und immer geliebt hat. Und dann macht Grace eine aufregende Entdeckung, die ihr Leben auf den Kopf stellt .
Eine zu Herzen gehende Mutter-Tochter-Geschichte.
More details
Language
German
Dimensions
Height: 18.7 cm
Width: 11.8 cm
ISBN-13
978-3-442-46028-1 (9783442460281)
Schweitzer Classification
Persons
Morag Prunty wurde 1964 in Schottland geboren. Sie arbeitete bei einer Modezeitschrift in London und machte dort schnell Karriere. 1990 zog Morag Prunty nach Dublin, um dort als Herausgeberin eines irischen Magazins tätig zu sein, doch zehn Jahre später v
Content
London, 2005
Meine Mutter Eileen schrieb sich immer alles auf. Sie machte sich Notizen, damit sie nicht vergaß, was sie noch zu erledigen hatte: den Abfall raustragen, die Katze füttern. Sie schrieb Einkaufslisten und führte eine Liste der Menschen, die sie anrufen musste, sowie eine mit den Fernsehsendungen, die sie nicht verpassen durfte, und eine mit den Dingen, die sie verlegt hatte und suchen musste. Oftmals stand ganz oben auf ihrer Übersicht der zu erledigenden Dinge: die "Such-Liste" suchen. Während eines Telefonats machte sich Eileen Notizen, als Gedächtnisstütze, sollte sie mir später von dem Gespräch erzählen wollen. Jedes Mal, wenn sie das Haus verließ, hinterlegte sie mir eine Nachricht, wohin sie genau gegangen war und wann sie wieder zurück sein würde, nur für den Fall, dass ich in der Zwischenzeit bei ihr vorbeischaute und mich fragte, wo sie steckte.
Ich legte die Bücher auf den Küchentisch und ließ meinen Blick durch den Raum wandern, um die entsprechende Nachricht zu suchen. Auf dem Regal beim Telefon entdeckte ich einen Notizblock in der Form eines kleinen Hauses. Das Blatt war überschrieben mit: "Was ist heute zu erledigen?" Entlang der linken Hauswand waren von oben nach unten die Zahlen von eins bis zehn aufgeführt - zwischen den Sprossen einer Teddybärleiter. Der Teddybär selbst hockte auf dem Dach und hielt in der einen Pfote einen Hammer. Der Block war typisch für den geschmacklosen Kitsch, den meine Mutter geradezu zwanghaft kaufen musste und es sofort bereute, kaum dass sie zuhause war. Es war mir klar, dass dies nicht eine an mich gerichtete Botschaft war, sondern nur eine von Mums üblichen Listen, dennoch las ich sie. Sicher enthielt sie ein paar interessante Einzelheiten, die sie mir mitteilen wollte.
1. Telefonrechnung bezahlen
2. Shirley anrufen - lila Bluse zurückgeben
3. Badezimmerfliesen! Dennis anrufen
4. G inf.: Duftkerzen, 50 Stück für 2 Pfund
5. Geldautomat
6. Tesco: Brot, Milch, Eier, Brühwürfel, Äpfel, Aufstrich J.Mülltonne!!!
8. G inf.: Ov. karz. wahrsch. unheilb. Mülltonne!
10.Drogerie/Apotheke: Körperlotion, Deo, Rezept
Punkt acht also. Trotz der Abkürzung wusste ich sofort, was gemeint war. Es traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Nie zuvor war mir der Gedanke gekommen, meine Mutter könnte Krebs haben, und ich erinnerte mich auch nicht, dass irgendwelche Gespräche in letzter Zeit meine Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt hätten. Dennoch begriff ich diese kurze Notiz augenblicklich in ihrer ganzen Tragweite: "Grace informieren, dass ich Eierstockkrebs habe, wahrscheinlich unheilbar."
Amanda Nicolson heulte Rotz und Wasser. Sie war vierzehn Jahre alt, ein molliges Mädchen, eine fleißige Schülerin. Und sie war die Letzte auf St. Annes, einer Privatschule für Mädchen, von der ich erwartet hätte, dass sie schwanger sein könnte. Nach ihrem aufgelösten Zustand zu urteilen, würden auch ihre Eltern das nicht erwarten, wenn und falls sie ihnen die Neuigkeit beichtete.
"Es tut mir so leid, Miss, es tut mir leid, es tut mir leid, Miss."
Die Schülerinnen baten stets um Entschuldigung, sobald sie nicht mehr ein noch aus wussten. Das machte mir bei meiner Tätigkeit als Schulpsychologin am meisten zu schaffen - ein Amt, das ich neben meiner Position als Konrektorin freiwillig übernommen hatte. Viele der anderen Lehrkräfte schauderte es bei der Vorstellung, sich mit den Problemen junger Mädchen beschäftigen zu müssen, mir dagegen machte es Spaß. Möglicherweise hatte mich die Verantwortung dieser Aufgabe deshalb nicht abgeschreckt, weil ich selbst kinderlos war. Vielleicht war ich auch nur naiv gewesen, als ich die Stelle als Beraterin und Vertraute von vierhundert hormongebeutelten, halbwüchsigen Mädchen annahm, aber damals hatte ich gedacht, einer müsse ihnen schließlich zuhören. Ich erinnerte mich noch gut daran, wie ich mich selbst als Teenager gefühlt hatte: durcheinander, unglücklich, einsam, aufbrausend, reizbar. Daher war es auch in meinen Augen eine Schande, dass so viele Erwachsene, Lehrer insbesondere, offensichtlich kaum oder gar kein Mitleid für diese jungen Menschen aufbrachten.
Ich legte Amanda ihre verschiedenen Möglichkeiten dar, aber das Mädchen war so verzweifelt, dass kaum einer meiner Sätze zu ihr durchdrang. Der Kindsvater war ein 17-jähriger Student aus Italien, der im vergangenen Sommer bei der Familie gewohnt hatte. Sie hatten "es" nur ein einziges Mal gemacht.
"Mein Dad bringt mich um, er bringt mich, ich -", und erneut verlor sie die Fassung.
Dr. Nicolson, das wusste ich, würde Amanda nicht umbringen. Er würde enttäuscht und gleichermaßen besorgt sein. Er würde in einer Privatklinik einen Termin vereinbaren, und seine heiter gelassene, perfekt manikürte Ehefrau würde ihr kostbares Töchterchen in die Klinik begleiten. Nach der Abtreibung würde Amanda eine Woche lang zuhause bleiben, von der Haushälterin verhätschelt werden und dann würde man sie zurück in die Schule schicken mit dem guten Rat, sie solle die ganze Geschichte vergessen. Amandas Ausbildung durfte nicht durch ein Baby gefährdet werden und auch in dem ehrbaren, konventionellen Leben ihrer Eltern war kein Platz für ein unerwartetes, ungeplantes Enkelkind. Das stand völlig außer Frage. Amanda war noch zu jung für eine derartige Entscheidung, deshalb würden die Eltern tun, was für die Tochter richtig war. Genauso würden sie auch einmal entscheiden, welche Universität, welcher Beruf und wahrscheinlich auch welcher Ehemann richtig für sie waren. Amandas Lebensweg war zu wichtig, als dass man ihn dem Zufall überlassen könnte. Nicht die Schwangerschaft an sich war die Tragödie, sondern das "Ungeplante" daran, der Verlust der Kontrolle über das Leben ihrer Tochter.
Am Ende unseres Gesprächs beugte ich mich nach vorn und nahm Amanda in die Arme. Dankbar zog sie ihre stämmigen Beine an sich, rollte sich auf dem Sofa zusammen und legte den Kopf in meinen Schoß wie ein kleines Kind. Während ich Amanda beruhigend übers Haar strich, fragte ich mich, ob ihre perfekte Mutter sich genauso wie ich verhalten würde, wenn sie von der Schwangerschaft erfuhr. Zwar stand mir diese Überlegung nicht zu - meine Aufgabe war es, zunächst etwas Druck von dem Mädchen zu nehmen und Trost zu spenden -, dennoch schickte ich ein stummes Gebet zum Himmel, Amanda möge das Ganze unbeschadet überstehen. Unsere Unterredung hatte auch mich ziemlich aufgewühlt.
Meine Mutter Eileen schrieb sich immer alles auf. Sie machte sich Notizen, damit sie nicht vergaß, was sie noch zu erledigen hatte: den Abfall raustragen, die Katze füttern. Sie schrieb Einkaufslisten und führte eine Liste der Menschen, die sie anrufen musste, sowie eine mit den Fernsehsendungen, die sie nicht verpassen durfte, und eine mit den Dingen, die sie verlegt hatte und suchen musste. Oftmals stand ganz oben auf ihrer Übersicht der zu erledigenden Dinge: die "Such-Liste" suchen. Während eines Telefonats machte sich Eileen Notizen, als Gedächtnisstütze, sollte sie mir später von dem Gespräch erzählen wollen. Jedes Mal, wenn sie das Haus verließ, hinterlegte sie mir eine Nachricht, wohin sie genau gegangen war und wann sie wieder zurück sein würde, nur für den Fall, dass ich in der Zwischenzeit bei ihr vorbeischaute und mich fragte, wo sie steckte.
Ich legte die Bücher auf den Küchentisch und ließ meinen Blick durch den Raum wandern, um die entsprechende Nachricht zu suchen. Auf dem Regal beim Telefon entdeckte ich einen Notizblock in der Form eines kleinen Hauses. Das Blatt war überschrieben mit: "Was ist heute zu erledigen?" Entlang der linken Hauswand waren von oben nach unten die Zahlen von eins bis zehn aufgeführt - zwischen den Sprossen einer Teddybärleiter. Der Teddybär selbst hockte auf dem Dach und hielt in der einen Pfote einen Hammer. Der Block war typisch für den geschmacklosen Kitsch, den meine Mutter geradezu zwanghaft kaufen musste und es sofort bereute, kaum dass sie zuhause war. Es war mir klar, dass dies nicht eine an mich gerichtete Botschaft war, sondern nur eine von Mums üblichen Listen, dennoch las ich sie. Sicher enthielt sie ein paar interessante Einzelheiten, die sie mir mitteilen wollte.
1. Telefonrechnung bezahlen
2. Shirley anrufen - lila Bluse zurückgeben
3. Badezimmerfliesen! Dennis anrufen
4. G inf.: Duftkerzen, 50 Stück für 2 Pfund
5. Geldautomat
6. Tesco: Brot, Milch, Eier, Brühwürfel, Äpfel, Aufstrich J.Mülltonne!!!
8. G inf.: Ov. karz. wahrsch. unheilb. Mülltonne!
10.Drogerie/Apotheke: Körperlotion, Deo, Rezept
Punkt acht also. Trotz der Abkürzung wusste ich sofort, was gemeint war. Es traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Nie zuvor war mir der Gedanke gekommen, meine Mutter könnte Krebs haben, und ich erinnerte mich auch nicht, dass irgendwelche Gespräche in letzter Zeit meine Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt hätten. Dennoch begriff ich diese kurze Notiz augenblicklich in ihrer ganzen Tragweite: "Grace informieren, dass ich Eierstockkrebs habe, wahrscheinlich unheilbar."
Amanda Nicolson heulte Rotz und Wasser. Sie war vierzehn Jahre alt, ein molliges Mädchen, eine fleißige Schülerin. Und sie war die Letzte auf St. Annes, einer Privatschule für Mädchen, von der ich erwartet hätte, dass sie schwanger sein könnte. Nach ihrem aufgelösten Zustand zu urteilen, würden auch ihre Eltern das nicht erwarten, wenn und falls sie ihnen die Neuigkeit beichtete.
"Es tut mir so leid, Miss, es tut mir leid, es tut mir leid, Miss."
Die Schülerinnen baten stets um Entschuldigung, sobald sie nicht mehr ein noch aus wussten. Das machte mir bei meiner Tätigkeit als Schulpsychologin am meisten zu schaffen - ein Amt, das ich neben meiner Position als Konrektorin freiwillig übernommen hatte. Viele der anderen Lehrkräfte schauderte es bei der Vorstellung, sich mit den Problemen junger Mädchen beschäftigen zu müssen, mir dagegen machte es Spaß. Möglicherweise hatte mich die Verantwortung dieser Aufgabe deshalb nicht abgeschreckt, weil ich selbst kinderlos war. Vielleicht war ich auch nur naiv gewesen, als ich die Stelle als Beraterin und Vertraute von vierhundert hormongebeutelten, halbwüchsigen Mädchen annahm, aber damals hatte ich gedacht, einer müsse ihnen schließlich zuhören. Ich erinnerte mich noch gut daran, wie ich mich selbst als Teenager gefühlt hatte: durcheinander, unglücklich, einsam, aufbrausend, reizbar. Daher war es auch in meinen Augen eine Schande, dass so viele Erwachsene, Lehrer insbesondere, offensichtlich kaum oder gar kein Mitleid für diese jungen Menschen aufbrachten.
Ich legte Amanda ihre verschiedenen Möglichkeiten dar, aber das Mädchen war so verzweifelt, dass kaum einer meiner Sätze zu ihr durchdrang. Der Kindsvater war ein 17-jähriger Student aus Italien, der im vergangenen Sommer bei der Familie gewohnt hatte. Sie hatten "es" nur ein einziges Mal gemacht.
"Mein Dad bringt mich um, er bringt mich, ich -", und erneut verlor sie die Fassung.
Dr. Nicolson, das wusste ich, würde Amanda nicht umbringen. Er würde enttäuscht und gleichermaßen besorgt sein. Er würde in einer Privatklinik einen Termin vereinbaren, und seine heiter gelassene, perfekt manikürte Ehefrau würde ihr kostbares Töchterchen in die Klinik begleiten. Nach der Abtreibung würde Amanda eine Woche lang zuhause bleiben, von der Haushälterin verhätschelt werden und dann würde man sie zurück in die Schule schicken mit dem guten Rat, sie solle die ganze Geschichte vergessen. Amandas Ausbildung durfte nicht durch ein Baby gefährdet werden und auch in dem ehrbaren, konventionellen Leben ihrer Eltern war kein Platz für ein unerwartetes, ungeplantes Enkelkind. Das stand völlig außer Frage. Amanda war noch zu jung für eine derartige Entscheidung, deshalb würden die Eltern tun, was für die Tochter richtig war. Genauso würden sie auch einmal entscheiden, welche Universität, welcher Beruf und wahrscheinlich auch welcher Ehemann richtig für sie waren. Amandas Lebensweg war zu wichtig, als dass man ihn dem Zufall überlassen könnte. Nicht die Schwangerschaft an sich war die Tragödie, sondern das "Ungeplante" daran, der Verlust der Kontrolle über das Leben ihrer Tochter.
Am Ende unseres Gesprächs beugte ich mich nach vorn und nahm Amanda in die Arme. Dankbar zog sie ihre stämmigen Beine an sich, rollte sich auf dem Sofa zusammen und legte den Kopf in meinen Schoß wie ein kleines Kind. Während ich Amanda beruhigend übers Haar strich, fragte ich mich, ob ihre perfekte Mutter sich genauso wie ich verhalten würde, wenn sie von der Schwangerschaft erfuhr. Zwar stand mir diese Überlegung nicht zu - meine Aufgabe war es, zunächst etwas Druck von dem Mädchen zu nehmen und Trost zu spenden -, dennoch schickte ich ein stummes Gebet zum Himmel, Amanda möge das Ganze unbeschadet überstehen. Unsere Unterredung hatte auch mich ziemlich aufgewühlt.