
versen
Franziska Ostermann(Author)
gutleut verlag
1st Edition
Published on 1. September 2025
Book
Paperback/Softback
104 pages
978-3-948107-82-6 (ISBN)
Description
Im Jahr 1978 wird ein Wandteppich gegen einen Computer getauscht. Die gelernte Weberin Charlotte Johannesson, die drei Jahre später das erste digitale Kunstlabor Skandinaviens gründen wird, bemerkt das Verwandtschaftsverhältnis von Webstuhl und Computer. Die Anzahl an Pixeln auf horizontaler wie vertikaler Seite entspricht ungefähr der Anordnung, mit der sie am Webstuhl arbeitete. Zwischen analoger und digitaler Welt bestehen Beziehungen. Was hat es damit auf sich? In die gar nicht mehr so junge Tradition der Poesie des Digitalen schreibt sich Franziska Ostermanns Lyrikdebüt versen [Reihe staben | Band 029] ein, um so gleich eine existenzieller Kraft in das einzuknüpfen, was augenscheinlich abstrakt ist.
»MIT MEINEN FINGERN FORME ICH HANDLOS ZARTE STREIFEN, SCHLINGEN, STRICHLISTEN AUF STARREM GLAS / FÜHLT SICH ALLES GLEICH AN; GLÄNZEND UND KLAR TASTE ICH AN OBERFLÄCHEN OHNE ERINNERUNG NACH DIR.«
versen versenkt sich - nicht versehentlich - in den Bereich zwischen Physis und Virtualität. Es sind poetische Miniaturen, die bei ihr entstehen, wenn sie den Computer, auch den inneren Computer, ausmacht und mit blinden Augen auf den Screen blickt. Neueste Technologien werden gespiegelt, gebrochen, verwoben, enthoben, aufgehoben.
»DEM HORIZONT SPINNENBEINE STELLEN, DIE KIPPTEN HERÜBER UND WAREN EINE ZITTER; ICH SAGTE SEID EINE ZITTER, DA SIND SIE ERFROREN; STROMGEBORGEN, FLURGEBROCHEN, WECHSELSCHALUNG, NICHT NUR VONEINANDER GEWÖLBT IN DEN HORIZONT GEWACHSEN.«
Die fünf Zyklen arbeiten webtechnisch. Der physische Bereich grundiert den Beginn. Widerständig ist der Körper. Er ist mal offen, mal geschlossen, mal zart, mal hart. DEN RÜCKEN BIEGEN, DAMIT ER SICH LEICHT ANFÜHLT; ALS WÄREN DIE KNOCHEN IN EINEM ANDEREN LEBEN GEDICHTE GEWESEN. Im Körper ist eine Sprache, die sich verdichtet hat; Gedichte. Man muss die Sprache knicken. DIES IST KEIN TEXT: VERSTANDEN HABEN, WAS EIN TEXT IST; IHN LIEBER LESEN, IHN LIEBER FALTEN, SAGEN, DIES IST EIN FALTER. KNICKEN, PFALZEN AN KEINER LINIE, ZUSAMMENSCHLAGEN MIT DIR; BRECHE UND BRINGE UM, SAGE, FALTERIN. Der Körper trifft auf eine Virtualität, die das Gedächtnis der Körperwelt mit der digitalen Logik der Spur konfrontiert. Langsam heben wir ab und dringen in das Digitale ein. Beide Reiche erscheinen zunehmen als untrennbare Geflechte. Wer entknotet, fügt Stoff hinzu. Wer unter anderer Leute Fingerkuppen guckt, findet niemanden oder sich.
»AN DEINEN FINGERSPITZEN HABE ICH GERÜTTELT / ES WAR DORT NIEMAND: NAGEL AN NAGEL HABE ICH MICH GELEGT; WEISS BLUT AUS DEINEN LINIEN TROPFEN GESEHEN. WIE UNENTSCHIEDENE FORMELN AUF MEINE HANDFLÄCHE GLEITEN; REIBE MIR DIE AUGEN, GEBE MEINE WIMPERN HINZU, DIE FORMEN SICH ZU ZEICHEN / DANN EINEN BEFEHL LEGEN VOR DEM ICH SCHNELL MEINE KUPPEN ALS LIDER GEBRAUCHE. DANN BIN ICH WIEDER EINS MIT MIR«
Franziska Ostermanns Lyrikband ist extrem durchdacht, durchwebt, wie er auch sinnlich angereichert, existenziell auslesbar. Weder eine Apologie des Digitalen noch eine Apologie des Analogen; sondern der Versuch, mit poetischer Sprache einen Ort zu betasten, der eine ungeahnte Intimität hat. Der etwas mit uns macht, uns nochmals an den Anfang des Sprechens zurückführt.
»ICH KANN DIR NICHT SAGEN, WORÜBER ICH SCHREIBEN WERDE; ICH LERNE DIE WÖRTER GERADE ERST KENNEN; LEGE SIE FREI; ICH WOLLTE EIGENTLICH EINE UMGEKEHRTE ERZÄHLUNG WERDEN / SO KÖNNTE VON ANFANG BIS ENDE DAS UMDREHEN STEHEN; ERSCHAFFE EINEN ORT, DER ÜBER FÜNF ZEILEN EXISTIERT«
»MIT MEINEN FINGERN FORME ICH HANDLOS ZARTE STREIFEN, SCHLINGEN, STRICHLISTEN AUF STARREM GLAS / FÜHLT SICH ALLES GLEICH AN; GLÄNZEND UND KLAR TASTE ICH AN OBERFLÄCHEN OHNE ERINNERUNG NACH DIR.«
versen versenkt sich - nicht versehentlich - in den Bereich zwischen Physis und Virtualität. Es sind poetische Miniaturen, die bei ihr entstehen, wenn sie den Computer, auch den inneren Computer, ausmacht und mit blinden Augen auf den Screen blickt. Neueste Technologien werden gespiegelt, gebrochen, verwoben, enthoben, aufgehoben.
»DEM HORIZONT SPINNENBEINE STELLEN, DIE KIPPTEN HERÜBER UND WAREN EINE ZITTER; ICH SAGTE SEID EINE ZITTER, DA SIND SIE ERFROREN; STROMGEBORGEN, FLURGEBROCHEN, WECHSELSCHALUNG, NICHT NUR VONEINANDER GEWÖLBT IN DEN HORIZONT GEWACHSEN.«
Die fünf Zyklen arbeiten webtechnisch. Der physische Bereich grundiert den Beginn. Widerständig ist der Körper. Er ist mal offen, mal geschlossen, mal zart, mal hart. DEN RÜCKEN BIEGEN, DAMIT ER SICH LEICHT ANFÜHLT; ALS WÄREN DIE KNOCHEN IN EINEM ANDEREN LEBEN GEDICHTE GEWESEN. Im Körper ist eine Sprache, die sich verdichtet hat; Gedichte. Man muss die Sprache knicken. DIES IST KEIN TEXT: VERSTANDEN HABEN, WAS EIN TEXT IST; IHN LIEBER LESEN, IHN LIEBER FALTEN, SAGEN, DIES IST EIN FALTER. KNICKEN, PFALZEN AN KEINER LINIE, ZUSAMMENSCHLAGEN MIT DIR; BRECHE UND BRINGE UM, SAGE, FALTERIN. Der Körper trifft auf eine Virtualität, die das Gedächtnis der Körperwelt mit der digitalen Logik der Spur konfrontiert. Langsam heben wir ab und dringen in das Digitale ein. Beide Reiche erscheinen zunehmen als untrennbare Geflechte. Wer entknotet, fügt Stoff hinzu. Wer unter anderer Leute Fingerkuppen guckt, findet niemanden oder sich.
»AN DEINEN FINGERSPITZEN HABE ICH GERÜTTELT / ES WAR DORT NIEMAND: NAGEL AN NAGEL HABE ICH MICH GELEGT; WEISS BLUT AUS DEINEN LINIEN TROPFEN GESEHEN. WIE UNENTSCHIEDENE FORMELN AUF MEINE HANDFLÄCHE GLEITEN; REIBE MIR DIE AUGEN, GEBE MEINE WIMPERN HINZU, DIE FORMEN SICH ZU ZEICHEN / DANN EINEN BEFEHL LEGEN VOR DEM ICH SCHNELL MEINE KUPPEN ALS LIDER GEBRAUCHE. DANN BIN ICH WIEDER EINS MIT MIR«
Franziska Ostermanns Lyrikband ist extrem durchdacht, durchwebt, wie er auch sinnlich angereichert, existenziell auslesbar. Weder eine Apologie des Digitalen noch eine Apologie des Analogen; sondern der Versuch, mit poetischer Sprache einen Ort zu betasten, der eine ungeahnte Intimität hat. Der etwas mit uns macht, uns nochmals an den Anfang des Sprechens zurückführt.
»ICH KANN DIR NICHT SAGEN, WORÜBER ICH SCHREIBEN WERDE; ICH LERNE DIE WÖRTER GERADE ERST KENNEN; LEGE SIE FREI; ICH WOLLTE EIGENTLICH EINE UMGEKEHRTE ERZÄHLUNG WERDEN / SO KÖNNTE VON ANFANG BIS ENDE DAS UMDREHEN STEHEN; ERSCHAFFE EINEN ORT, DER ÜBER FÜNF ZEILEN EXISTIERT«
More details
Series
Language
German
Place of publication
Frankfurt am Main
Germany
Product notice
sewn/stitched
Illustrations
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Alle Abbildungen, in deren Hintergrund ein Gewebe sichtbar ist, bergen eine digitale Erweiterung. Halte dein Smartphone ruhig über die entsprechende Seite und lasse die poetischen und visuellen Ebenen miteinander in Dialog treten, das Digitale und Analoge ineinandergreifen .
Dimensions
Height: 18.6 cm
Width: 13 cm
Thickness: 1 cm
Weight
154 gr
ISBN-13
978-3-948107-82-6 (9783948107826)
Schweitzer Classification
Person
Author
Künstlerin, Autorin
Franziska Ostermann, geboren 1992 in Kiel, ist eine mehrmedial arbeitende Künstlerin, deren Schwerpunkte auf digitalen Bildern, Fotografie, Wort, Video und Performance liegen. Studium an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, Abschluss 2018. In ihrer Arbeit erforscht sie Virtualität und das Internet. Seit zehn Jahren trägt sie ausschließlich Weiß. Diese Nicht-Farbe spiegelt sich in ihren Fotografien, digitalen Räumen, Texten und Videos wider. Ihr eigenes Sein, online und offline, ist der Ausgangspunkt ihrer Arbeit. 2023 erhielt sie ein Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats für junge deutschsprachige Autorinnen und Autoren am Literarischen Colloquium Berlin, war 2024 Finalistin beim Lyrikpreis Meran und 2025 beim Leonce-und-Lena Preis. 2024 wurde sie mit dem Liliencron Nachwuchspreis für Lyrik ausgezeichnet. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, u. a. in New York City, Paris, Mailand und Berlin. Zuletzt mit The Second-Guess, dem HEK (Haus der Elektronischen Künste) Basel und der Synthesis Gallery sowie dem NRW-Forum Düsseldorf. Ihre Arbeiten sind u. a. Teil der Sammlung des Francisco Carolinum Linz und wurden in DER GREIF, dem British Journal of Photography, KUNSTFORUM International, Forbes und Studio International vorgestellt.
ISNI: 0000 0005 1546 8957
Franziska Ostermann, geboren 1992 in Kiel, ist eine mehrmedial arbeitende Künstlerin, deren Schwerpunkte auf digitalen Bildern, Fotografie, Wort, Video und Performance liegen. Studium an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, Abschluss 2018. In ihrer Arbeit erforscht sie Virtualität und das Internet. Seit zehn Jahren trägt sie ausschließlich Weiß. Diese Nicht-Farbe spiegelt sich in ihren Fotografien, digitalen Räumen, Texten und Videos wider. Ihr eigenes Sein, online und offline, ist der Ausgangspunkt ihrer Arbeit. 2023 erhielt sie ein Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats für junge deutschsprachige Autorinnen und Autoren am Literarischen Colloquium Berlin, war 2024 Finalistin beim Lyrikpreis Meran und 2025 beim Leonce-und-Lena Preis. 2024 wurde sie mit dem Liliencron Nachwuchspreis für Lyrik ausgezeichnet. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, u. a. in New York City, Paris, Mailand und Berlin. Zuletzt mit The Second-Guess, dem HEK (Haus der Elektronischen Künste) Basel und der Synthesis Gallery sowie dem NRW-Forum Düsseldorf. Ihre Arbeiten sind u. a. Teil der Sammlung des Francisco Carolinum Linz und wurden in DER GREIF, dem British Journal of Photography, KUNSTFORUM International, Forbes und Studio International vorgestellt.
ISNI: 0000 0005 1546 8957