Jungen sind einfach anders
Warum Söhne eine besondere Erziehung brauchen
Cornelia Nitsch(Author)
Goldmann (Publisher)
Published on 1. October 2002
Book
Paperback/Softback
192 pages
978-3-442-16425-7 (ISBN)
Description
Männer ticken schon als Babys anders, und wenn eine Frau einen Jungen zur Welt bringt, wartet viel zunächst Fremdes auf sie. Rambo oder Muttersöhnchen - wie geht man mit dem Thema Gewalt um? Wie wichtig ist ein männliches Vorbild? Die erfolgreiche Autorin und sturmerprobte Mutter Cornelia Nitsch beschreibt anhand typischer Alltagserlebnisse und -probleme, wie Eltern ihren Jungen helfen, den richtigen Weg einzuschlagen, damit diese dereinst glückliche erwachsene Männer werden.
More details
Series
16425
Language
German
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 12.5 cm
ISBN-13
978-3-442-16425-7 (9783442164257)
Schweitzer Classification
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E-Book
06/2010
Goldmann
€4.99
Available for download
Person
Cornelia Nitsch ist Journalistin und Autorin mit den Themenschwerpunkten Erziehung und Entwicklung.
Content
Eltern wollen ihre Söhne heute möglichst so erziehen, dass perfekte Männer aus ihnen werden. Mit diesem Vorsatz manövrieren sie sich schnell in eine Sackgasse. Denn ein Kind großziehen kann nicht heißen, ihm ein vorgefertigtes Erziehungsprogramm mit hohem Anspruch überzustülpen in der Hoffnung, dass damit die eigenen Vorstellungen Wirklichkeit werden. Viel erfolgversprechender ist es, wenn die Eltern versuchen, auf ihr Kind einzugehen. Es in seiner Einzigartigkeit wahrzunehmen. Seine Bedürfnisse zu erkennen und weitgehend zu befriedigen. Seine Persönlichkeit zu respektieren. Welche speziellen Bedürfnisse hat ein Kind? Und hat ein Junge besondere Bedürfnisse - andere als ein kleines Mädchen? In welchen Punkten unterscheidet sich ein Junge besonders von einem Mädchen? Wie weit sollen Eltern im Umgang mit ihrem Sohn darauf eingehen?
In diesem Buch soll von den besonderen Stärken und Schwächen der Jungen die Rede sein, von ihren - im Gegensatz zu früher - veränderten Lebensbedingungen. Die Zeiten, da ein kleiner Junge nur mit Eisenbahn, Schiff und Auto zu spielen hatte und ein kleines Mädchen ausschließlich mit Puppen, sind glücklicherweise dahin. Heute werden Babys auch in puncto Spielzeug gleich behandelt: Dem Sohn wird von seiner Mutter bereits frühzeitig eine Stoffpuppe in die Hand gedrückt, damit sein "männlicher Horizont" frühzeitig erweitert und er nicht schon als Kleinkind wieder auf die alte Jungenrolle festgelegt wird. Und wenn das kleine Kerlchen Monate später bei seinen ersten Laufversuchen strauchelt und sich weh tut, dann bekommt es nicht länger zu hören: "Reiß dich zusammen, ein Junge heult nicht!", sondern eher: "Wein dich ruhig aus. Das tut dir gut!" Früher musste ein Junge von Anfang an wie ein kleiner Mann auftreten: kernig und robust. Heute darf er auch mal seinen Tränen freien Lauf lassen, kuscheln und Schwäche zeigen. Erwachsene halten sich inzwischen zurück mit alten Sprüchen wie "Ein Junge weint doch nicht!" und "Komm, sei keine Memme!" Seit Jahren ist im Kinderzimmer zunehmend Gleichberechtigung zwischen Jungen und Mädchen angesagt. So ist seltener die Rede von Papis kleinem, zarten "Püppchen" - dem Töchterchen, das sein Liebling ist, oder von Mamis großem, starken Jungen, der bemüht ist, ihre Gunst zu erobern, indem er ihr alles Schwere abnimmt.
Auch im Kindergarten, in der Schule sitzen Jungen und Mädchen inzwischen weitgehend in einem Boot, denn die althergebrachten Privilegien der männlichen Wesen sind auf ein paar Restposten zusammengeschrumpft.
Fazit dieser Beobachtungen: In der Kindererziehung wurde in den vergangenen Jahrzehnten gründlich aufgeräumt und versucht, die traditionellen, starren Rollen durch neue, weniger geschlechtsspezifische zu ersetzen:
Papis kleiner Liebling will kein schmuckes Püppchen mehr sein, sondern ein selbstbewusstes Mädchen, das sich nicht von kleinen und großen Herren sagen lassen muss, wo es lang geht im Leben.
Mamis Kuschelbär mag nicht länger als kleiner Kavalier zu Diensten sein, der schon früh lernt, weiblichen Wesen die Steinchen aus dem Weg zu räumen.
Die altgewohnte Erziehung, die Kinder in festgelegte Geschlechterrollen presste, ist also ziemlich passé. Oder gibt es noch Relikte? Wo sind sie zu finden? Dieses Buch zeigt Eltern von Jungen, was sie für ihren Sohn tun können, damit er seine männliche Identität findet, sich zu einem selbstsicheren jungen Mann, authentisch und offen, entwickeln kann und auf festen Beinen im Leben steht.
JUNGEN - IMMER NOCH DAS BEVORZUGTE GESCHLECHT?
Ein Stammhalter muss her, ein Namensträger-generationenlang waren Jungen das auserwählte Geschlecht. Sie waren die Herren der Schöpfung. In der Rangordnung der Familie standen sie bei weitem über den Töchtern. Inzwischen verändert sich diese Ordnung. Die Jungen werden zunehmend entthront.
Wunschkind Nummer eins: Junge oder Mädchen?
Kündigt sich ein Baby an, dann hat bei der vorangegangenen Zeugung der Mann entschieden, ob ein Junge oder ein Mädchen auf die Welt kommen wird, denn seine Samenzelle enthält entweder das Y-Chromosom für einen Jungen oder das X-Chromosom für ein Mädchen.
Junge oder Mädchen? "Nicht so wichtig", lautet die Antwort meistens, wenn man werdende Eltern nach ihren Wünschen fragt. "Ist uns beides recht!" Die Mütter und Väter von heute wollen keinen großen Unterschied in der Erziehung von Junge und Mädchen mehr sehen. In der Praxis setzen sie dann doch verschiedene Maßstäbe an - manchmal schon, bevor das Baby überhaupt auf der Welt ist.
Die Babywelt in Himmelblau tunken?
Die geschlechtsspezifische Erziehung beginnt oft schon in der Schwangerschaft - wenn die Eltern das Kinderzimmer einrichten. Dank Ultraschall wissen heute viele frühzeitig, ob das Baby ein Junge oder ein Mädchen sein wird. Bevor das Kind noch auf der Welt ist, stellt sich damit bereits die Frage: "Sollen wir das Mädchenhafte oder Jungenhafte besonders betonen?" Diese Frage bezieht sich auf reine Äußerlichkeiten wie: "Sollen wir, weil ein kleiner Junge geboren wird, wieder alles in Himmelblau halten - so wie es generationenlang Usus war? Sollen wir blaue Hemdchen und Höschen anschaffen?"
Die meisten werdenden Eltern halten nichts mehr von dem Brauch, alles in Himmelblau oder Rosarot zu tunken, weil Form manchmal eben doch Inhalt ist. Sie wollen nicht gleich wieder in die alten, ausgetretenen Fußstapfen treten, sondern einen Neuanfang wagen - auch in Äußerlichkeiten.
Deshalb lassen sie sich auf die traditionellen Jungen- oder Mädchenfarben gar nicht erst ein, sondern stellen von Anfang an klar: Weg mit den alten Etiketten. Und was bevorzugen sie stattdessen? Rosa für das Babyzimmer des kleinen Sohnes? Himmelblau für das der kleinen Tochter? Viele merken hier, wie tief verwurzelt die alten Gewohnheiten und Vorurteile in ihnen sind. Wer stattdessen lieber auf zitronengelb, eierschalenweiß, maiengrün oder schlicht rot zurückgreift, ist aus dem Schneider und umschifft damit elegant die erste Klippe einer geschlechtsspezifischen Erziehung.
Erinnerung an Kinderzeiten
Während der Schwangerschaft fällt ihr Christian wieder ein - die Babypuppe mit der Kurzhaarfrisur und einem Balg aus Stoff. Lang ist es her, dass sie mit Puppen gespielt hat. Aber die Erinnerungen daran kommen jetzt wieder hoch.
Christian war streng nach Vorschrift himmelblau von Kopf bis Fuß gewandet - so wie das eben zu sein hatte bei den kleinen Jungen damals. So sehr sie Christian auch liebte, war sie doch enttäuscht von dieser Puppe. Sie konnte Christian nicht richtig kämmen, denn die Kurzhaarfrisur gab nicht viel her. Konnte ihm keine Schleifen ins Haar binden.
In diesem Buch soll von den besonderen Stärken und Schwächen der Jungen die Rede sein, von ihren - im Gegensatz zu früher - veränderten Lebensbedingungen. Die Zeiten, da ein kleiner Junge nur mit Eisenbahn, Schiff und Auto zu spielen hatte und ein kleines Mädchen ausschließlich mit Puppen, sind glücklicherweise dahin. Heute werden Babys auch in puncto Spielzeug gleich behandelt: Dem Sohn wird von seiner Mutter bereits frühzeitig eine Stoffpuppe in die Hand gedrückt, damit sein "männlicher Horizont" frühzeitig erweitert und er nicht schon als Kleinkind wieder auf die alte Jungenrolle festgelegt wird. Und wenn das kleine Kerlchen Monate später bei seinen ersten Laufversuchen strauchelt und sich weh tut, dann bekommt es nicht länger zu hören: "Reiß dich zusammen, ein Junge heult nicht!", sondern eher: "Wein dich ruhig aus. Das tut dir gut!" Früher musste ein Junge von Anfang an wie ein kleiner Mann auftreten: kernig und robust. Heute darf er auch mal seinen Tränen freien Lauf lassen, kuscheln und Schwäche zeigen. Erwachsene halten sich inzwischen zurück mit alten Sprüchen wie "Ein Junge weint doch nicht!" und "Komm, sei keine Memme!" Seit Jahren ist im Kinderzimmer zunehmend Gleichberechtigung zwischen Jungen und Mädchen angesagt. So ist seltener die Rede von Papis kleinem, zarten "Püppchen" - dem Töchterchen, das sein Liebling ist, oder von Mamis großem, starken Jungen, der bemüht ist, ihre Gunst zu erobern, indem er ihr alles Schwere abnimmt.
Auch im Kindergarten, in der Schule sitzen Jungen und Mädchen inzwischen weitgehend in einem Boot, denn die althergebrachten Privilegien der männlichen Wesen sind auf ein paar Restposten zusammengeschrumpft.
Fazit dieser Beobachtungen: In der Kindererziehung wurde in den vergangenen Jahrzehnten gründlich aufgeräumt und versucht, die traditionellen, starren Rollen durch neue, weniger geschlechtsspezifische zu ersetzen:
Papis kleiner Liebling will kein schmuckes Püppchen mehr sein, sondern ein selbstbewusstes Mädchen, das sich nicht von kleinen und großen Herren sagen lassen muss, wo es lang geht im Leben.
Mamis Kuschelbär mag nicht länger als kleiner Kavalier zu Diensten sein, der schon früh lernt, weiblichen Wesen die Steinchen aus dem Weg zu räumen.
Die altgewohnte Erziehung, die Kinder in festgelegte Geschlechterrollen presste, ist also ziemlich passé. Oder gibt es noch Relikte? Wo sind sie zu finden? Dieses Buch zeigt Eltern von Jungen, was sie für ihren Sohn tun können, damit er seine männliche Identität findet, sich zu einem selbstsicheren jungen Mann, authentisch und offen, entwickeln kann und auf festen Beinen im Leben steht.
JUNGEN - IMMER NOCH DAS BEVORZUGTE GESCHLECHT?
Ein Stammhalter muss her, ein Namensträger-generationenlang waren Jungen das auserwählte Geschlecht. Sie waren die Herren der Schöpfung. In der Rangordnung der Familie standen sie bei weitem über den Töchtern. Inzwischen verändert sich diese Ordnung. Die Jungen werden zunehmend entthront.
Wunschkind Nummer eins: Junge oder Mädchen?
Kündigt sich ein Baby an, dann hat bei der vorangegangenen Zeugung der Mann entschieden, ob ein Junge oder ein Mädchen auf die Welt kommen wird, denn seine Samenzelle enthält entweder das Y-Chromosom für einen Jungen oder das X-Chromosom für ein Mädchen.
Junge oder Mädchen? "Nicht so wichtig", lautet die Antwort meistens, wenn man werdende Eltern nach ihren Wünschen fragt. "Ist uns beides recht!" Die Mütter und Väter von heute wollen keinen großen Unterschied in der Erziehung von Junge und Mädchen mehr sehen. In der Praxis setzen sie dann doch verschiedene Maßstäbe an - manchmal schon, bevor das Baby überhaupt auf der Welt ist.
Die Babywelt in Himmelblau tunken?
Die geschlechtsspezifische Erziehung beginnt oft schon in der Schwangerschaft - wenn die Eltern das Kinderzimmer einrichten. Dank Ultraschall wissen heute viele frühzeitig, ob das Baby ein Junge oder ein Mädchen sein wird. Bevor das Kind noch auf der Welt ist, stellt sich damit bereits die Frage: "Sollen wir das Mädchenhafte oder Jungenhafte besonders betonen?" Diese Frage bezieht sich auf reine Äußerlichkeiten wie: "Sollen wir, weil ein kleiner Junge geboren wird, wieder alles in Himmelblau halten - so wie es generationenlang Usus war? Sollen wir blaue Hemdchen und Höschen anschaffen?"
Die meisten werdenden Eltern halten nichts mehr von dem Brauch, alles in Himmelblau oder Rosarot zu tunken, weil Form manchmal eben doch Inhalt ist. Sie wollen nicht gleich wieder in die alten, ausgetretenen Fußstapfen treten, sondern einen Neuanfang wagen - auch in Äußerlichkeiten.
Deshalb lassen sie sich auf die traditionellen Jungen- oder Mädchenfarben gar nicht erst ein, sondern stellen von Anfang an klar: Weg mit den alten Etiketten. Und was bevorzugen sie stattdessen? Rosa für das Babyzimmer des kleinen Sohnes? Himmelblau für das der kleinen Tochter? Viele merken hier, wie tief verwurzelt die alten Gewohnheiten und Vorurteile in ihnen sind. Wer stattdessen lieber auf zitronengelb, eierschalenweiß, maiengrün oder schlicht rot zurückgreift, ist aus dem Schneider und umschifft damit elegant die erste Klippe einer geschlechtsspezifischen Erziehung.
Erinnerung an Kinderzeiten
Während der Schwangerschaft fällt ihr Christian wieder ein - die Babypuppe mit der Kurzhaarfrisur und einem Balg aus Stoff. Lang ist es her, dass sie mit Puppen gespielt hat. Aber die Erinnerungen daran kommen jetzt wieder hoch.
Christian war streng nach Vorschrift himmelblau von Kopf bis Fuß gewandet - so wie das eben zu sein hatte bei den kleinen Jungen damals. So sehr sie Christian auch liebte, war sie doch enttäuscht von dieser Puppe. Sie konnte Christian nicht richtig kämmen, denn die Kurzhaarfrisur gab nicht viel her. Konnte ihm keine Schleifen ins Haar binden.